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John mit seinem Mentor Donny in Don't Worry © EuroVideo

Don’t Worry, weglaufen geht nicht

Mit Don’t Worry, weglaufen geht nicht nimmt sich Regie-Veteran Gus Van Sant der Autobiografie von Karikaturist John Callahan an. Kann Joaquin Phoenix in der anspruchsvollen Rolle des querschnittsgelähmten Alkoholikers überzeugen? Und funktioniert die Adaption dieses tragischen Stoffes für die große Leinwand? Lest mehr dazu in unserer Rezension.

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TitelDon’t Worry, weglaufen geht nicht (OT: Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot)
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieGus Van Sant
DrehbuchGus Van Sant
GenreDrama
DarstellerJoaquin Phoenix, Rooney Mara, Jonah Hill, Jack Black, Mark Webber, Peter Banifaz, Udo Kier, Beth Ditto, Angelique Rivera, Olivia Hamilton, Steve Zissis, Carrie Brownstein, Heather Matarazzo
Länge113 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihEuroVideo
Das DVD-Cover zu Don't Worry © EuroVideo
Das DVD-Cover zu Don’t Worry © EuroVideo

Worum geht’s in Don’t Worry?

John Callahan, dargestellt von Joaquin Phoenix, sieht in seinem Leben nicht viel mehr Sinn, als Abend für Abend seine eigene Belanglosigkeit in einem Meer von Alkohol zu ertränken. Bei einem dieser rauschgeschwängerten Abende lernt er Dexter kennen, gespielt von Tausendsassa Jack Black. Die beiden teilen die Leidenschaft fürs Hochprozentige und sind sich daher direkt sympathisch. Als die zwei sturzbetrunken zur nächsten Party fahren wollen, passiert das Unglück. Dexter schläft am Steuer ein und rast gegen einen Strommasten. Während er selbst mit ein paar Schrammen davonkommt, ist John ab diesem Zeitpunkt querschnittsgelähmt. Verständlicherweise hat John fortan große Probleme mit dieser neuen Situation fertig zu werden. Er flüchtet sich erneut zum Alkohol, bis er eines Tages den Entschluss fasst, trocken zu werden. Um dies zu erreichen, schließt er sich den Anonymen Alkoholikern an und entdeckt die Liebe zum Zeichnen von Karikaturen für sich.

Dexter und John kurz vor der verhängnisvollen Fahrt in Don't Worry © EuroVideo
Dexter und John kurz vor der verhängnisvollen Fahrt in Don’t Worry © EuroVideo

Ein Ensemble, das seinesgleichen sucht

Wenn man sich die Besetzung von Don’t Worry anschaut, dann kann man wahrlich nur mit der Zunge schnalzen. Die Speerspitze des Ensembles bildet natürlich Joaquin Phoenix (Walk The Line, The Master, Gladiator). Seine Darstellung des John Callahan überzeugt auf ganzer Linie. Da sein körperliches Spiel gemäß der Geschichte sehr eingeschränkt ist, muss er sämtliche Emotionen über Mimik und Sprache an die Zuschauer übertragen. Und das gelingt ihm über die gesamte Laufzeit des Films ausgezeichnet. Ein oder zwei weitere Darstellungen in dieser Güte könnten Phoenix in den nächsten Jahren den mittlerweile verdienten, vielleicht sogar überfälligen, Oscar einbringen.

Doch auch der Rest des Casts ist hochkarätig besetzt. Jonah Hill, bekannt aus unzähligen Komödien wie Superbad, spielt Donny. Er ist der leicht spirituell angehauchte Anführer einer kleinen Gruppe von ehemaligen Alkoholikern, denen sich John im Laufe der Geschichte anschließt. Und unabhängig davon, ob man Hill persönlich mag oder nicht, muss man ob seiner Performance aufrichtig den Hut ziehen. Optisch als Bradley Cooper Look-alike angelegt, nimmt man ihm seine Rolle zu jedem Zeitpunkt ab. Ein weiterer Schritt weg vom Komiker-Image hin zum wertgeschätzten und angesehenen Charakterdarsteller.

Einen zwar recht kurzen aber dennoch einprägsamen Auftritt hat Jack Black, seines Zeichens bestens bekannt aus School of Rock, King Kong oder Jumanji: Willkommen im Dschungel. Er verkörpert den Unheilsbringer Dexter und hat gerade gegen Ende des Films eine sehr emotionale Szene, in der er sein schauspielerisches Können voll ausspielen darf.

In den weiteren Rollen finden sich beispielsweise Rooney Mara (The Girl With The Dragon Tattoo, The Social Network), die Sängerin Beth Ditto und auch Udo Kier, bekannt aus unzähligen Hollywood-Filmen und Teil der Stammbesetzung von Regie-Genie Lars von Trier.

Alles in allem also ein beeindruckendes Ensemble, welches sich Van Sant für Don’t Worry an Land ziehen konnte.

John versucht sich mit seinem Schicksal zu arrangieren in Don't Worry © EuroVideo
John versucht sich mit seinem Schicksal zu arrangieren © EuroVideo

Leichte Schwächen im Drehbuch

Don’t Worry ist die Verfilmung der Autobiografie von John Callahan. Die tragische Geschichte seines turbulenten Lebens bietet dabei genug Fleisch, um einen abendfüllenden Spielfilm ohne besondere Längen auf die Leinwand zu bringen. Für das entsprechende Drehbuch zeichnet sich, genau wie für die Regiearbeit, Gus Van Sant verantwortlich. Sicherlich vielen bekannt durch Good Will Hunting, dem preisgekrönten Drama mit Matt Damon, Robin Williams und Ben Affleck.

Leider ist das Drehbuch meiner Meinung nach aber einer der großen Schwachpunkte von Don’t Worry. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Film gesehen habe, der derartig konsequent in zwei tonal völlig unterschiedliche Teile zerfällt. Im ersten Teil sehen wir einen alkoholabhängigen Nichtsnutz, der in den Tag hinein lebt und nichts mit sich und der Welt anzufangen weiß. Stets an der Schwelle zur Depression wankend, wirft ihn der tragische Unfall völlig aus der Bahn. Im zweiten Teil dann, nach einem weiteren prägenden Ereignis, fasst sich John ein Herz und sagt der Alkoholsucht den Kampf an. Er sozialisiert sich mit Mitmenschen, entdeckt mit dem Zeichnen von Cartoons seine neue Leidenschaft und wird ein fast schon lebensbejahender Mensch. Zwischen diesen zwei Extremen gibt es allerdings keinerlei Graubereiche.

Hier macht es sich Van Sant eine Spur zu leicht. Der ein oder andere auflockernd-komödiantische Ton im ersten Teil hätte genau so wenig geschadet, wie ein oder zwei ernstere Einschübe im zweiten Teil.

John mit seinem Mentor Donny in Don't Worry © EuroVideo
John mit seinem Mentor Donny in Don’t Worry © EuroVideo

Die vertrackte Erzählstruktur

Über diese Schwäche tröstet auch die durchaus interessante Erzählstruktur nicht vollends weg. Van Sant erzählt nicht chronologisch, sondern lässt die Darsteller, und damit auch den Zuschauer, wild durch die Zeitebenen hüpfen. In der einen Einstellung sieht man den geläuterten John Callahan, wie er zu einem Plenum voller wissbegieriger Zuhörer über seine bewegende Vergangenheit spricht. In der nächsten Einstellung hat er noch nicht einmal mit dem ersten der zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker angefangen. Die Geschichte entfaltet sich nach und nach durch Rückblenden, bei denen jede ein neues Puzzleteil bereithält, mit dem sich der Zuschauer das große Ganze selbst zusammensetzen kann. Dabei gelingt das Kunststück, dass der Plot nie zum Flickenteppich mutiert. Kurz bevor man als Zuschauer ob des komplexen Story-Konstrukts gedanklich abschaltet, liefert Van Sant ein verbindendes Element und hält somit konstant bei der Stange. Man möchte wissen, welche Irrungen und Wirrungen das Schicksal für Callahan bereithält.

Als eines der Ergebnisse dieser Form des Storytellings sehen wir den prägenden Unfall innerhalb des ersten Drittels des Films. Also bevor wir den Charakter John Callahan richtig kennengelernt haben. Und somit auch bevor wir eine echte Empathie zu der Figur entwickeln konnten. Damit verpufft der Impact des Unfalls ein Stück weit. Mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl in Teilen des Drehbuchs wäre dieser erzählerische Kniff noch deutlich besser aufgegangen.

Generell wirkt die Erzählstruktur manchmal leider etwas aufgesetzt und es hätte sie, in dieser markigen Konsequenz, auch gar nicht gebraucht. Denn Don’t Worry lebt nicht von der Geschichte die, obwohl es eine autobiografische Vorlage gibt, nach den typischen Mustern eines Dramas abläuft. Don’t Worry lebt vielmehr von seinem beeindruckenden Cast und der überzeugenden Interaktion zwischen den Darstellern. Vor allem Joaquin Phoenix muss man mittlerweile wirklich attestieren unter den ganz Großen seiner Zunft angekommen zu sein.

Langsam öffnet sich John in Don't Worry © EuroVideo
Langsam öffnet sich John in Don’t Worry © EuroVideo

Mein Fazit zu Don’t Worry

Don’t Worry, weglaufen geht nicht funktioniert als waschechtes Drama und auch als biografisches Werk sehr gut. Die leichten Schwächen im Drehbuch macht der beeindruckende Cast mit seinen makellosen Performances mehr als wett. Leichte komödiantische Auflockerungen tun dem doch recht schweren Stoff gut und sorgen dafür, dass die 113 Minuten wie im Flug vergehen. Wer ein gefühlvolles Drama von einem Meister des Faches sehen möchte, der darf bedenkenlos zuschlagen. Ein Feel-Good-Movie sollte man aber nicht erwarten.

Unsere Wertung:

 

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