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Emergency Declaration – Der Todesflug

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein… zumindest bis sich ein Bioterrorist unter die Passagiere mischt! Alles anschnallen und mitfiebern, denn in Emergency Declaration – Der Todesflug werden alle Ängste, alle Sorgen, die sich in luftiger Höh ausbreiten können, kontinuierlich auf die Spitze getrieben. Ob dem Film eine Landeerlaubnis auf die Bildschirme erteilt werden sollte, erfahrt ihr hier!

EMERGENCY DECLARATION Trailer German Deutsch (2022)

TitelEmergency Declaration – Der Todesflug (OT: Bisang Seoneon)
Jahr2021
LandSüdkorea
RegieHan Jae-rim
DrehbuchHan Jae-rim
GenreThriller, Drama
DarstellerSong Kang-ho, Lee Byung-hun, Yim Si-wan
Länge141 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihPLAION Pictures
Das 4K-Steelbook-Cover von Emergency Declaration - Der Todesflug zeigt die Kabine des Flugzeugs fast komplett auf dem Kopf. Die vielen Passagiere versuchen sich verzweifelt in den Sitzen zu halten und manche schützen ihren Kopf mit den Armen. Rechts und unten sind sogar zwar Menschen zu Boden bzw. an die Decke des Flugzeuges gefallen.
Das 4K-Steelbook von „Emergency Declaration – Der Todesflug“. © PLAION Pictures

Die Handlung von Emergency Declaration – Der Todesflug 

Flug KI-501, Incheon Airport nach Honolulu. Die Uhr fängt an zu ticken…

Während Sergeant In-ho dem Hinweis eines potentiellen Terroristen nachgeht, der in Form eines Online-Videos einen Anschlag auf ein Flugzeug ankündigt, ist der Verdächtige unlängst an Bord. Jae-hyuk wird wie die restlichen Passagiere Zeuge eines schon bald darauf qualvoll sterbenden Fluggastes. Schnell wird klar, dass es sich um ein Virus handelt, denn die Symptome breiten sich rasend aus. Derweil erreichen erste Meldungen mediale Aufmerksamkeit.

Die Flugbesatzung sowie ein Krisenstab um Ministerin Sook-hee suchen verzweifelt nach Lösungen. Doch die Zeit rennt, zumal nicht feststeht, wo die Maschine eigentlich landen kann, denn eine großflächige Verbreitung des Virus soll unter allen Umständen verhindert werden…

Dankbares Szenario

Nicht wegen der allzu bekannten Angst vor einer Ansteckung hält man permanent die Luft an, es ist vielmehr die unfassbar eindringliche Spannung, die zu jeder Sekunde ausgereizt wird. Die Situation in den Kabinen eskaliert. Eine Komplikation jagt eifrig die nächste. Sofort zieht das hohe Tempo das Steuerhorn vollständig an, sodass man nicht mehr losgelassen wird. Jedes erste Indiz, jeder Huster, Juckreiz oder Ausschlag löst Unbehagen aus. Das klaustrophobische Gefühl, der nervenzerreißende Stress, die absolute Hilflosigkeit, wenn eine Person nach der nächsten erkrankt – in diesen Momenten ist Emergency Declaration erschreckend greifbar.

Der Film spielt authentisch mit der natürlichen Angst vor einer unkontrollierbaren Gefahr mehrere Kilometer in der Höhe. 150 Seelen, eingeschlossen mit einem tödlichen Virus. Ein Entkommen ist ausgeschlossen. Würde man nicht alles versuchen, um zu überleben?

Park Jae-hyuk schaut in der Mitte des Bildes verängstigt nach links. Er hält seine kleine Tochter (rechts neben ihm) mit beiden Armen umschlossen. Rechts und links von ihnen, sieht man weitere Passagiere sitzen.
Anschwellende Panik ist vorprogrammiert. © PLAION Pictures

Erste-Klasse

Genau diese Komponente lässt die Aggressivität gegenüber den Mitmenschen hochschaukeln. Plötzlich ist jeder sich selbst der Nächste. Der ungeschönten Wahrheit eines bröckelnden sozialen Bewusstseins wird mit aller Härte ein Spiegel vorgehalten. Gleichermaßen machen Öffentlichkeit und Staaten deutlich, was sie von einer Notlandung der kontaminierten Maschine halten.

Rastlos changiert der Film zwischen den Parallelsträngen hin und her, schürt eine „Die gegen uns Mentalität“. Glaubwürdig tun sich gesellschaftliche Abgründe auf. Bis zur Hälfte hat uns Emergency Declaration einen packenden, mitreißenden Katastrophen-Thriller präsentiert, bei dem die Komplikationen auf medizinischer, technischer, politischer und menschlicher Ebene von allen Seiten einhämmern. Aber genau das wird zum Problem.

Zweite-Klasse

In der zweiten Hälfte hat der Film verlernt, was er in der ersten so gut gemacht hat. Die Entwicklungen wirken nun zu gezwungen/unrealistisch. Emergency Declaration hätte sich auf die Passagiere konzentrieren und weiterhin deren Dynamik in den Mittelpunkt rücken müssen. Die Spannungen innerhalb des Mikrokosmos kommem nur noch sporadisch zum Einsatz.

Katastrophenfilm, Detektiv-Thriller, Gesellschafts-/Familiendrama – Die Szenarien sind breit gefächert, was definitiv in allen Belangen too much ist: Man nehme ein paar gängige Genremotive aus Flight und Airport dann ein paar Genreplattitüden aus Contagion und Train to Busan – zu viele Einflüsse verderben den Brei dessen Zutaten hier eher unbeholfen zusammengesetzt sind. Derartig, dass ebenfalls erstaunlich viele Parallelen zum Spoof-Klassiker Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug auffallen.

Emergency Declaration – Der Todesflug geht zu schnell der Treibstoff aus

Ab der Mitte wird klar, dass viele Handlungsstränge im Sande verlaufen und unnötigerweise implementiert wurden, um regelmäßig einen draufzusetzen, ohne dass dadurch mehr Spannung entsteht. Das erinnert an die neuen Godzilla-Filme, in denen von der wirklich interessanten Prämisse stets zu einer unnötig langen, gar ablenkenden Entwicklung hingeschnitten wird.

Den Climax des Filmes hat man nach der Hälfte bereits erreicht. Die folgenden 70 Minuten schauen sich wie eine Seifenoper: zig Wendungen, die in schamloses Melodrama verfallen. Plötzlich kommen pathetische Hintergrundgeschichten zum Tragen, die auf die Tränendrüse drücken sollen. Hinzu kommt, dass Sinnhaftigkeit und Rationalität über Bord geworfen werden.

Bitte nichts hinterfragen

Anfangs war das Szenario glaubwürdig wie beklemmend. Ab dem Höhepunkt muss man das logische Denken auf Autopilot stellen. Warum die Verkehrsministerin alles in die Hand nimmt und wo in dieser Katastrophe Gesundheits-/Verteidigungsminister sind, sollte man ausblenden.

Die Verteidigungsministerin in Emergency Declaration - Der Todesflug, Kim Sook-hee, hat eine Faust vor der Brust geballt und schaut ratlos an der Kamera vorbei. Hinter ihr sieht man unscharf fein gekleidete Offizielle des Krisenstabs.
Zu viel passiert, als dass man das Interesse verlieren könnte. Trotzdem verheddert sich der Film in ständig neuen Twists. Gelangweilt ist man nie, aber erschöpft. © PLAION Pictures

Entsprechend kommen einige konstruierte „Zufälle“ zusammen: ein vertauschtes Essen, die Frau des Detectives, die sich natürlich auf dem Flug befindet… In diesem Fall funktioniert die manipulative Art zwar, weil sie In-ho glaubhaft motiviert, andere Plot Conveniences sind hingegen weniger kohärent erzählt, die ein Hinwegsehen unablässig erschweren.

Stark gespielte Einfältigkeit

Während mit/in dem Flugzeug wirklich allerhand angestellt wird, zeigt eine kurze Verfolgungsjagd am Boden eher die Tollpatschigkeit der Polizei. Die Ermittlungen fühlen sich an wie die Plot-Entwicklung in Fast & Furious 9: Glück statt Verstand/Können. Auch ansonsten handeln die Verantwortlichen gelinde gesagt dämlich. Schlechte Krisenkommunikation, naiv, fahrlässig. Der Krisenstab scheint nicht in der Lage, verschiedene Probleme auf einmal zu bewältigen.

Dabei performt das Haupt-Trio weitestgehend solide: Song Kang-ho übernimmt an Land, Lee Byung-hun in der Luft das Kommando. Von Yim Si-wan als creepy Bösewicht geht ab Sekunde Eins eine latent spürbare Bedrohung aus, wenn er am Check-in-Schalter fragt, welcher der Flüge denn die meisten Passagiere transportiert. Byung-hun plus die restliche Besatzung sind merklich gefordert, es ist enttäuschenderweise Kang-ho, der wenig zu tun und Möglichkeiten zu glänzen bekommt.

Audio-visuell

Bei der Action hat man sich ins Zeug gelegt, wurde z.B. eine Flugzeugkabine in 2001-Manier dahingehend entwickelt, dass sie wie eine Waschmaschinentrommel um 360 Grad gedreht werden konnte.

Diagonal in der Flugzeugkabine, sieht man an, dass das Flugzeug gerade dabei ist sich schnell zu drehen. Leute halten sich fest, schreien und schauen verängstigt.
Umherwirbelnde Menschen wirken so deutlich echter. © PLAION Pictures

Allgemein lässt Emergency Declaration durchaus dokumentarische Anleihen durchblicken, da selbst die ruhigen Momente nervös eingefangen werden. Die effektive Wackelkamera verleiht jeder Szenen subkutan Nachdruck in Sachen Spannung. Weniger unterschwellig dafür umso brachialer ist die wuchtige Musikuntermalung, die mit wummernden, dröhnenden Sounds die Atmosphäre prägt.

Unser Fazit zu Emergency Declaration – Der Todesflug

Großartige erste, halbherzige zweite Hälfte. Wortwörtlich „Hit and Miss“. Emergency Declaration weiß gekonnt für Spannung zu sorgen, nur verliert sich der Film ab dem Midpoint in redundanten Twists, falschen Prioritäten, Melodrama und zieht sich künstlich in die Länge. Besonders der Schlussakt stellt die vorherige tolle Immersion auf die Probe. Man muss viel schlucken, um am Ball zu bleiben, beispielsweise sind handlungsführende Plot Holes schwer zu übersehen.

Wer den Schalter jedoch umlegen kann, mit zunehmend absurden Kalamitäten bei gleichbleibend rasantem Pacing keine Turbulenzen hat, wird trotzdem eine Menge Spaß mit einem intensiven Thriller über den Wolken haben. Allein für die erste Hälfte lohnt es sich!

Emergency Declaration – Der Todesflug ist ab 23.03.23 auf DVD/Blu-ray sowie als 4K-Steelbook erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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© PLAION Pictures

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