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ES Kapitel 2

ES ist wieder zurück. Genau 27 Jahre nach den Geschehnissen aus ES (2017) lehrt Clown Pennywise der Stadt Derry erneut das Fürchten. In ES Kapitel 2 kommt der Club der Verlierer wieder zusammen und stellt sich erneut seinen Ängsten. Gelingt Andy Muschietti der Abschluss der gelungenen Neuauflage?

TitelES Kapitel 2 (OT: IT – Chapter Two)
Jahr2019
LandUSA
RegieAndy Muschietti
DrehbuchGary Dauberman
GenreHorror, Thriller
DarstellerBill Skarsgård, James McAvoy, Jessica Chastain, Bill Hader, Jay Ryan, James Ramsone, Isaiah Mustafa, Andy Bean, Jaeden Martell, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Jeremy Ray Taylor, Jack Dylan Grazer, Chosen Jacobs, Wyatt Oleff, Nicholas Hamilton
Länge165 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihWarner Bros. GmbH
Kinoposter zu ES Kapitel 2
Kinoplakat zu ES Kapitel 2 © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

ES ist zurück 

Im Sommer 1989 hatte sich der Club der Verlierer nach dem Sieg über ES einen Schwur gegeben. Sollte ES zurückkehren, so würden sie wieder zusammenkommen und sich ihm erneut stellen. Mittlerweile ist es Sommer 2016 und bis auf Mike (Isaiah Mustafa) haben alle anderen Derry verlassen und führen ihr eigenes Leben. Die Ereignisse ihrer Kindheit haben sie komplett verdrängt und können sich nicht mehr daran erinnern. Außer Mike, er weiß noch alles und beobachtet seitdem die Geschehnisse in Derry genauestens. Nun ist es soweit, ES ist zurück, und der Club der Verlierer muss seinem Schwur Folge leisten. So kommen sie ein letztes Mal zusammen. 

Näher am Buch 

Neuinterpretation, nicht Remake. Die beiden neuen Verfilmungen von Andrés Muschietti sind kein Remake der bekannten TV-Verfilmung von 1990, sondern eine neue Interpretation des Buches von Stephen King. Doch schon damals hat der von Tim Curry gespielte Clown Pennywise für einige Traumata gesorgt, die noch bis heute andauern dürften. Diese Aufgabe übernimmt seit 2017 Bill Skarsgard und lehrt einer neuen Generation das Fürchten. So wird ES auch immer mit dem Clown Pennywise gleichgesetzt, wobei das letztlich nur eine seiner Erscheinungsformen ist. Das wurde bereits im ersten Teil angedeutet und wird nun in ES Kapitel 2 genauestens erklärt. Man orientiert sich jetzt noch deutlich näher am Buch, ohne sich den Raum für die nötigen Freiheiten nehmen zu lassen. So kommen Kenner der Buchvorlage deutlich mehr auf ihre Kosten und können Dinge entdecken, welche man 2017 noch sträflich vermisst hat.

Bill (Jams McAvoy) und Richie (Bill Hader) auf der Suche nach Pennywise in ES Kapitel 2
Bill (Jams McAvoy) und Richie (Bill Hader) auf der Suche nach Pennywise © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Diesen Weg des Fanservice bemerkt man schon beim ersten Opfer von Pennywise, wodurch Buchkenner direkt mit einem wohlig vertrauten Gefühl in den Film starten werden. Aber keine Angst, auch für Nichtleser des Wälzers ist der Einstieg gelungen und transportiert den Zuschauer zurück ins “beschauerliche” Derry. 27 Jahre sind eine lange Zeit und der Club der Verlierer ist natürlich entsprechend gealtert, und so ist es erstaunlich, welch passenden Cast man für die mittlerweile erwachsenen Mitglieder zusammentrommeln konnte. Dass die Kombination aus Optik und schauspielerischen Können in solchen Fällen so gut aufgeht, ist verdammt selten. Mit Namen wie James McAvoy, Jessica Chastain und Bill Hader konnte man auf populäre Darsteller zugreifen. Letzterer stiehlt aber zusammen mit James Ransone allen die Show. Denn Richie und Eddie drängen sich noch mehr als im Vorgänger in den Vordergrund und sorgen auch für mehr Humor inmitten der Gefahr. 

Generationskonflikt 

Der Kniff in Stephen Kings Horror-Meisterwerk ist ja, dass er die zeitlichen Ebenen und Handlungen der Kinder und Erwachsenen parallel verlaufen lässt. Dieses Gegenüberstellen der Träume und naiven Weltanschauungen der Kindheit mit der Realität und den Veränderungen des Erwachsenseins gehört, neben der einzigartigen Teamdynamik, zu den essentiellen Elementen des Buches. Zumindest zweitweise folgt man in ES Kapitel 2 dieser Struktur und lässt die erwachsenen Verlierer so ihre Erinnerungen wieder aufleben. Doch leider nagte an den Jungdarstellern der kurze Zahn der Zeit, weshalb eine unübersehbare Verjüngungskur aus dem Computer von Nöten war. Häufig bekommt man diese aber nicht zu Gesicht, da der Fokus trotz der Rückblenden ganz klar auf die Erwachsenen gelegt wird. Leider verpasst man es dabei aber, ein genaueres Bild dieser Lebensphase zu zeichnen. Schemenhaft werden die Lebensumstände dargestellt, um dann schnell auf die Geschehnisse in Derry zu lenken.

Der Club der Verlierer aus ES Kapitel 2 steht wiedervereint im Wald
Der Club der Verlierer ist wieder vereint © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Dort stellt sich ein jeder seinen Dämonen der Vergangenheit und durchlebt noch einmal die einzelnen Phasen für sich alleine. Diesen notwendigen Selbstfindungstrips fällt aber die Gruppendynamik zum Opfer, welche zu keiner Sekunde die Intensität des Vorgängers erreicht. So schön das Wiedersehen zu Beginn auch inszeniert ist, eine wirklich eingeschworene Einheit, die sich dem Schrecken von Pennywise entgegenstellt, bekommt man hier nicht zu Gesicht. Dafür fühlen sich auch Figuren wie Ben (Jay Ryan) zu fehl am Platze an. Während der Großteil des Ensembles routiniert seine Rollen auslebt, ziehen Bill Hader und James Ransone das Heft an sich und überstrahlen den Rest. Im direkten Vergleich mit den Jungdarstellern ziehen sogar etablierte Schauspieler wie James McAvoys oder Jessica Chastain eindeutig den Kürzeren. 

Jahrmarktgrusel 

Furchteinflößend war Pennywise schon in der TV-Verfilmung von 1990 und auch Bill Skarsgard geht in der Rolle des Horror-Clowns wieder voll auf und sorgt immer wieder für schaurig schönes Minenspiel. Eine demaskierte Szene gehört da zu den Highlights und den vielen Gesichtern des mysteriösen Wesens. Erneut tobt man sich hierbei kreativ aus und versucht noch grausigere Erscheinungsformen zu kreieren. Doch man greift hierzu leider zu oft in die Computer-Trickkiste, wodurch den tollen Ideen die Wirkung genommen wird. Der Einsatz der Schock-Effekte ist dermaßen strukturiert und inszeniert, dass sie nicht nur für Horror-Veteranen ziemlich schnell vorhersehbar werden. So verpuffen sämtliche Jump-Scares und man bekommt bestenfalls Grusel auf Jahrmarktniveau geboten. Der Horror verkommt zum kalkulierten Beiwerk und sorgt sicher nicht für schlaflose Nächte.

Pennywise (Bill Skarskard) spiegel sich in ES Kapitel 2
Pennywise (Bill Skarskard) ist zurück © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Grusel bekommt man also wenig geboten, aber unterhaltsam sind die Auftritte des mysteriösen Clowns dennoch. Im Vergleich mit den gängigen Horror-Schockern sieht ES Kapitel 2 aber kein Land. Dafür biedert man sich aufgrund des Erfolgs des Erstlings noch mehr dem Mainstream an. Das klingt jetzt aber alles schlechter, als es ist. Denn in der Kombination ergibt sich ein spaßiger Trip nach Derry, der einem Gruselkabinett auf dem Jahrmarkt gleicht. Man weiß, was kommt, hat aber dennoch seine Freude. 

Mein Fazit zu ES Kapitel 2 

Als Nachfolger eines Blockbuster-Hits und des erfolgreichsten Horror-Films aller Zeiten muss man schon noch einen drauf legen. So liefert ES Kapitel 2 mehr Blut, mehr Jump-Scares, mehr Laufzeit und mehr Angriffsfläche für Kritik. Der Horror verkommt zum Jahrmarkt-Event, die Gruppendynamik geht verloren und humorvoller ist der Streifen auch noch. Ja, das Ende von ES hat seine Ecken und Kanten, ist aber dennoch richtig unterhaltsam und bietet gerade für Fans des Buchs viel zum Entdecken. Der Erwachsenen-Cast fügt sich gut in die Welt ein, und die Gegenüberstellungen mit den Kids geben den Figuren mehr Tiefe. Trotz der langen Spieldauer schleichen sich kaum Längen ein, und deshalb ist ES Kapitel 2 ein gelungener Abschluss der Neuinterpretation und gleichsam ein furchtbar unterhaltsamer Ausflug ins Pennywise-Gruselkabinett. 

Unsere Wertung:

 

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© 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Onno

Als Kind in einen Topf aus VHS-Kassetten gefallen und kann seitdem nicht mehr wegschauen.

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