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Das Bild zeigt die Hauptfiguren des Films auf einem Holzsteg mit Hula Hoop Reifen tanzend

Fatherhood

Kevin Hart ist nicht der erste Comedian, der sicheres Fahrwasser verlässt und in eine ernste Rolle schlüpft. In der Kritik zu Fatherhood erfahrt ihr, ob dieser Genrewechsel auch für ihn zur Erfolgsstory werden kann oder ob man ihm die neue Seriosität nicht abkauft.

„Fatherhood“ mit Kevin Hart | Offizieller Trailer | Netflix

TitelFatherhood
Jahr2021
LandUSA
Regie
Drehbuch
Paul Weitz, Dana Stevens, Matt Logelin
GenreDrama, Komödie
Darsteller
Kevin Hart, Alfre Woodard, Lil Rel Howery, DeWanda Wise, Melody Hurd, Paul Reiser, Anthony Carrigan, Deborah Ayorinde, Frankie Faison, Thedra Porter
Länge109 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Poster zu Fatherhood zeigt Kevin Hart in einem Kinderbettchen schlafend mit der kleinen Tochter auf seinem Oberkörper liegend in einem rosa Strampler.
Das deutsche Poster zur Tragikomödie auf Netflix © Netflix

Fatherhood –  Vaterschaft ist der schwerste Job der Welt

Es ist die große Liebe: Matt (Kevin Hart) und seine Freundin Lizzie (Deborah Ayorinde) fühlen sich schon seit Schultagen füreiander bestimmt. Bisher trennten viele Kilometer die beiden Verliebten, doch jetzt soll ihre Fernbeziehung ein Ende haben. Die bevorstehende Geburt ihres gemeinsamen Kindes soll das neue Familienglück krönen. Jedoch legen sich dunkle Wolken über das freudige Ereignis: Lizzie verstirbt bei der Geburt der Tochter Maddy (Melody Hurd) und lässt Matt als Witwer und alleinerziehenden Vater zurück. Nicht nur, dass Matt mit der schweren Last der Trauer zu kämpfen hat, auch muss er die Herausforderungen des Vaterseins meistern. Viel Verantwortung, die er mit der Unterstützung von Freunden und Familie bewältigt…

Unsere Kritik:

Wenn Komiker in ernste Rollen schlüpfen, führt das zwangsläufig zu zwei Fallstricken. Zum einen muss das Publikum einen Schauspieler in der ernsten Rolle losgelöst von seiner Comedy-Vita akzeptieren. Und zum anderen muss aber es auch der Akteur selbst schaffen, nicht von einen Extrem ins andere umzuschlagen und durch zwanghaft ernstes Spiel plötzlich zu einer Karikatur seiner Selbst zu verkommen. Vielen Hollywoodstars ist dieser Spagat geglückt. Robin Williams hat einst trotz seiner Stand-Up-Vergangenheit in One Hour Photo oder Insomnia die Zuschauer mit einer eiskalten Aura verängstigen können. Im letzten Jahr haben es zum Beispiel Pete Davidson und Awkwafina geschafft, in The King of Staten Island und The Farewell die ein oder andere Träne der Rührung hervorzurufen.

Nun schickt sich also mit Kevin Hart eine Ulknudel einer großen Klappe wie einst der junge Eddie Murphy an, sich in diese Reihe zu fügen. Sich für das seriöse Debüt direkt die Rolle eines alleinerziehenden Witwers auszusuchen, zeugt von Harts riesigem Selbstbewusstsein, aufgrund dessen der 1,59 m kleine Komiker nicht mal den Konflikt mit dem Muskelpaket Dwayne Johnson (Jumanji: The Next Level) scheutNun kann nach Fatherhood einerseits resümiert werden, dass auch Kevin Hart seine Schauspielqualitäten jenseits des nervigen Sidekicks eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Dass die Tragikomödie trotzdem kein Volltreffer ist, hat dementsprechend andere Ursachen.

Matt (Kevin Hart) auf einer Rolltreppe mit orangem T-Shirt. Er trägt in der einen Hand seine Tochter in der Wiege und in der anderen Hand eine braune Reisetasche.
Matt (Kevin Hart) auf Reisen als Alleinerziehender © Netflix

Kevin Hart kann auch seriös

Die Rolle des trauernden Witwers, aber auch die des Vaters, der zwischen Selbstzweifeln, Akzeptanz des Schicksals und dem Willen allen zu beweisen, dass sie ihn unterschätzen, spielt Kevin Hart mit eindrücklicher Souveränität. Angefangen von seiner unbeholfenen Trauerrede bis hin zur inneren Zerrissenheit, zwischen Karriere und Kind entscheiden zu müssen, nimmt man ihm alles ab. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, immer wieder sein Naturell als Lachergarant durchblitzen zu lassen. Der charmante Wortwitz und das sympathische Zusammenspiel mit seiner Filmtochter machen The Fatherhood zu einem Film, der dem extrem heiklen und vor allem persönlichen Thema der Trauerbewältigung viele hoffnungsvolle Momente spendiert. Hart ist und bleibt ein großer Charmebolzen, dem man zwar nie in der Rolle eines Schurken ernst nehmen würde, aber wenn es um Charaktere geht, die schlicht und einfach das Menschliche abbilden, dann ist er auch ohne Vulgärhumor und Slapstick ab sofort der richtige Mann.

Seltsame Balance zwischen Trauerbewältigung und Gags

Leider schaffen es nicht alle Komponenten so exzellent wie der Hauptdarsteller der sensiblen Thematik gerecht zu werden. Unter anderem kann man sich an den beiden Kumpels von Hart, Oscar (Anthony Carrigan) und Jordan (Lil Rel Howery), reiben. Speziell bei der Trauerfeier, also kurz nachdem für ihren besten Freund die Welt aus den Angeln gehoben wurde, wirken ihre flapsigen Sprüche unrealistisch und deplatziert. Schwer vorstellbar, dass jemand wirklich so unsensibel auf den Tod eines Angehörigen seines Freundes reagieren würde. Durch diesen Stilbruch verliert einerseits der unerwartete Trauerfall seine emotionale Wucht und andererseits zündet kaum ein Gag, da man sich eigentlich gefühlt noch an der Seite des frischen Witwers sieht.

Was für mich genauso wenig zündet sind die abgedroschenen Gags mit dem Säugling. Inzwischen ist man wirklich jede Form von Windelwitz überdrüßig, und nur weil es diesmal statt der so oft gesehenen alleinerziehenden Mutter eben ein Vater ist, der das Baby mit zur Arbeit nimmt und dort auf die üblichen Unwägbarkeiten trifft, macht es die Sache nicht unbedingt innovativ.

Matt sitzt neben Tochter Maddy auf dem Bett und versucht sie zu frisieren.
Im Film gibt es einen Zeitsprung. Maddy ist dann schon im Vorschulalter © Netflix

Berührt leider nur in wenigen Momenten

Klar, das Baby ist süß und auch nach dem kleinen Zeitsprung ist Melody Hurd als Maddy absolut goldig. Für einen Film, der sich selbst als Vehikel für eine lebensbejahende Botschaft versteht, verpuffen jedoch viele Ansätze dadurch, dass man wirklich alles schon gesehen hat und jede Entwicklung im Film antizipieren kann. Ein freches, kleines Mädchen, dass ihren Vater mitsamt seinen Freunden auf Trab hält, hat man schon vor 30 Jahren in Full House mitverfolgen können. Und auch, wenn es der alleinerziehende Witwer sicher nicht leicht hat, so läuft im Endeffekt doch alles ziemlich glatt und ohne weitere Rückschläge, die sich nicht in kürzester Zeit wieder aus der Welt schaffen lassen, ab.

Der Beginn und der unfassbare Schicksalsschlag gehen ans Herz, und man wünscht sich als Zuschauer natürlich, dass Matt es schafft, sein Schicksal zu akzeptieren, neuen Lebensmut zu fassen und mit der Herausforderung des Vaterseins zurechtzukommen. Doch wenn sich nach den knapp zwei Stunden Laufzeit fast alles in Wohlgefallen auflöst, hinterlässt einen der Fatherhood doch eher wieder wie eine typische Familienkomödie und nicht wie die Geschichte eines Mannes, wie das Marketing verspricht, „der die schwierigste aller Herausforderung“ zu meistern hatte.

Unser Fazit zu Fatherhood

Kevin Hart kann ernste Rollen spielen. Dieses Urteil kann man nach Fatherhood problemlos unterschreiben. Leider macht die Unausgewogenheit im Skript, die Menge an nicht zündenden Gags und die Vorhersehbarkeit aus dem sensiblen Thema am Ende nur eine austauschbare Familienkomödie. Wegen der süßen, kleinen Maddy und ihrem doch gut funktionierenden Zusammenspiel mit ihrem Filmvater Matt kann man den Film trotzdem ansehen, wenn man einen Familienfilm für Zwischendurch sucht und kein großes Risiko eingehen will.

Fatherhood ist seit dem 18. Juni 2021 bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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