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Film Stars Don’t Die in Liverpool

Film Stars Don’t Die in Liverpool, sagt sich die an Krebs erkrankte Diva Gloria Grahame. Und so versucht sie ihrem Ex-Geliebten Peter Turner gegenüber immer noch die verführerische Schönheit vorzugaukeln, während es mit ihr zu Ende geht…

TitelFilm Stars Don’t Die in Liverpool
Jahr2017
ProduktionslandGroßbritannien
RegiePaul McGuigan
DrehbuchMatt Greenhalgh, Peter Turner
GenreDrama, Biografie, Romanze
DarstellerAnnette Bening, Jamie Bell, Vanessa Redgrave
Länge105 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihSony Pictures
DVD Cover Film Stars Don't Die in Liverpool
Film Stars Don’t Die in Liverpool © 2017 Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Film Stars Don’t Die in Liverpool

Gloria Grahame hat ihre besten Tage schon lange hinter sich. Denn die einstmalige Hollywood-Diva ist gesundheitlich angeschlagen und stand bis vor kurzem in London auf der Bühne. Aus diesem Grund beginnt sie, sich bei ihrem ehemaligen Geliebten Peter Turner in Liverpool einzunisten. Jedoch lebt der erfolglose Schauspieler bei seinen Eltern und ihre Krankheit beansprucht auch diese immer mehr. Trotz ihrer sich verschlechternden Verfassung versucht sie, die Fassade des würdevollen wie auch verführerischen Filmstars aufrecht zu erhalten. Indes verschließt Peter die Augen vor dem Krebs, der sie zerfrisst und bestärkt die kranke, alte Frau in ihrer Selbstverleugnung.

Die alternde Star und der junge Mime hatten sich ein paar Jahre zuvor kennen gelernt. Nach vier gescheiterten Ehen, einem erfolgreichen Kampf gegen den Brustkrebs und dem Ende ihrer Hollywood-Karriere tingelte Grahame über die Bühnen der englischen Provinz. Dessen ungeachtet war Peter sofort fasziniert von der Frau, die fast 30 Jahre älter ist als er. Genauso hatte Gloria schon immer eine Vorliebe für jüngere Liebhaber, und sie genießt die Aufmerksamkeit und Bewunderung, die Peter ihr entgegen bringt. Jedoch war die leidenschaftliche Affäre nicht für die Ewigkeit bestimmt…

Szenenbild 1 zu Film Stars Don't Die in Liverpool
Die Welt ist noch in Ordnung – Film Stars Don’t Die in Liverpool © 2017 Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Eine streitbare Diva

Gloria Grahame schaffte in den 40er-Jahren den Sprung von Broadway nach Hollywood, wo sie oftmals die Verführerin und ruchlose Schönheit gab. Darauf hatte sie in den 50ern ihre erfolgreichste Zeit, spielte in Filmen wie Fritz Langs Film Noir Heißes Eisen oder Stanley Kramers …und nichts als ein Fremder. Überdies wurde sie 1953 für ihre Rolle im Hollywood-Drama Stadt der Illusionen mit dem Oscar für die beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Dazu galt sie auch als exzellente Musical-Darstellerin.


Allerdings war sie auch für ihr turbulentes Privatleben bekannt. Ihr zweiter Mann war Nicholas Ray (…denn sie wissen nicht, was sie tun), doch sie unterhielt ein sexuelles Verhältnis zu seinem Sohn Tony, der später ihr vierter Ehemann wurde. Folglich galt sie wegen dieser und anderer Affären für die Glitzerwelt der Traumfabrik als nicht mehr tragbar. Dementsprechend blieben Rollenangebote aus und schon ab Ende der 50er galt ihre Hollywood-Karriere als vorbei.

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Annette Bening als Diva Gloria Grahame in Film Stars Don’t Die in Liverpool © 2017 Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Wechselnder Fokus

Film Stars Don’t Die in Liverpool behandelt, wie auch schon in der Inhaltsangabe ersichtlich, zwei Abschnitte in ihrem Leben, die sie mit Peter Turner verbrachte. Der Film basiert dabei auf den Memoiren des Engländers. Dabei setzt die Erzählung in der zweiten Hälfte der Geschichte um das ungleiche Paar, das 29 Lebensjahre trennt, an. Da sehen wir, wie Peter die kranke Gloria bei sich aufnimmt. Genauso, mit welcher Hingabe er seine ehemalige Geliebte pflegt. Allmählich setzen verschiedene Rückblenden ein. Es wird erzählt, wie ihre Liaison nur wenige Jahre zuvor begann und auch wieder endete.

Im Laufe der immer wieder einsetzenden Reisen in die Vergangenheit bemüht das Script einen interessanten Kniff. Wenngleich am Anfang noch Peter im Fokus des Geschehens steht, wechselt die Perspektive immer mehr zu Gloria. Die verwöhnte Diva spielt sich schleichend in den Vordergrund. Entsprechend erfährt der Zuschauer immer mehr Details aus ihrer Sichtweise auf die Beziehung. Obgleich sie dafür bekannt war, in jüngeren Liebhabern Bestätigung zu suchen, erscheint ihre Liebe zu Peter ehrlich und intensiv. Trotz, oder vielleicht gerade wegen, entwaffnend offener Dialoge wird der Blick frei auf in ihren besten Momenten bewegende Geschichte.

Szenenbild 3 Film Stars Don't Die in Liverpool
Kenneth Cranham und Julie Walters in Film Stars Don’t Die in Liverpool © 2017 Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Eine Gala-Vorstellung

Während er in den letzten Jahren vornehmlich Episoden für angesagte Fernsehserien (Sherlock, Marvel’s Luke Cage) inszeniert hat, war Regisseur Paul McGuigan (Gangster No. 1, Lucky # Slevin) eher für hippe und temporeiche Stoffe bekannt. Im Gegensatz dazu ist Film Stars Don’t Die in Liverpool ein ausnehmend zurückhaltender und teils recht intimer Film geworden. Besser ausgedrückt ist die Beziehung des ehemaligen Stars Graham mit dem Jungschauspieler Turner ein Stoff für die Kritiker und Jurys. Somit scheint er ideales Futter für die großen Preisverleihungen wie den Academy Awards und den BAFTA Awards. Allerdings wurde sein Film nur bei letzterem mit drei Nominierungen bedacht.

Annette Bening (Ausnahmezustand, American Beauty) passt wunderbar in die Rolle der Gloria Grahame. Zum Beispiel gibt sie die gesundete Diva locker bis lasziv. Gleichsam verkörpert sie die Todkranke dann mit überspielter Verzweiflung. Dabei zeigt sie auch Mut zur Nacktheit, was wohl neben der teils vulgären Sprache ein weiterer Grund für das R-Rating des Films in den USA sein dürfte. Genauso geht Jamie Bell (King Kong, Drecksau) ganz in seiner Rolle auf. Er umgarnt den ehemaligen Star in guten Zeiten, erfüllt ihr auch ebenso stoisch jeden Wunsch, als sie vom Krebs gezeichnet nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.

Szenenbild 4 Film Stars Don't Die in Liverpool
Irgendwann fällt der Vorhang – Film Stars Don’t Die in Liverpool © 2017 Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Wirklich gut, aber nicht mehr

Folglich ist Film Stars Don’t Die in Liverpool zwar ein gut durchgestyltes Stück Gefühlskino, verfehlt seinen Anspruch am Ende dann doch knapp. Im Gegensatz zu Grahames Karriere fehlen dem Film markante Eigenheiten, die ihn nach dem Ende in Erinnerung verbleiben lassen. Unter dem Strich ist der Film hervorragend gespielt und, trotz der Brustkrebs-Thematik, leichtfüßig inszeniert. Allerdings verpasst er es dabei, die eigenen Akzente zu setzen, die großartigen Momente zu zelebrieren, die ein überlebensgroßes Liebesdrama ausmachen.

Nichtsdestotrotz ist Film Stars Don’t Die in Liverpool ein guter Film, der es wert ist, gesehen zu werden. Dabei habe ich selbst Gloria Grahame tatsächlich noch aus dem Film Heißes Eisen/The Big Heat von 1953 gut in Erinnerung, wo sie Glenn Ford an die Wand gespielt hat. Gleichwohl sie eine sehr begabte Schauspielerin war, verschwand sie dann aber, nach einem kurzen Höhepunkt, viel zu schnell wieder in der Versenkung. Demgemäß verabschiedet sich auch dieser Film still und leise mit einem Nachruf, ohne einen wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Sony Pictures veröffentlichte den Film entsprechend still und nur auf DVD, was ein wenig schade ist.

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3 Bewertungen
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Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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