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Agnes schreit vor Schmerz in Finale

Finale

Wenn man an das dänische Kino denkt, dann kommen einem vermutlich am ehesten die Regiegrößen Lars von Trier und Nicolas Winding Refn in den Sinn. Präzisiert man auf das Genre des Horrorfilms, so ist die Impulsantwort in vielen Fällen der großartige Nightwatch – Nachtwache von Ole Bornedal aus dem Jahr 1994. Danach wird es aber schon schwierig. Finale von Søren Juul Petersen hat demnach keine allzu große Konkurrenz zu befürchten. Ob sich der filmische Ausflug in unser Nachbarland lohnt? Das und mehr lest ihr in den folgenden Kapiteln.

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TitelFinale
Jahr2018
LandDänemark
RegieSøren Juul Petersen
DrehbuchCarsten Juul Bladt, Søren Juul Petersen
GenreHorror, Thriller
DarstellerAnne Bergfeld, Karin Michelsen, Damon Younger, Kristoffer Fabricius, Mads Koudal, Kim Sønderholm, Gustav Scavenius, Lars Knutzon, Sanne Montgomery, Frantz Seitzmayer, Robert Jønsson, Jørgen Westergren
Länge100 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihPierrot Le Fou
Das Cover zum Film Finale
Das Cover zum Film Finale © Pierrot Le Fou

Worum geht’s in Finale?

Belinda (Karin Michelsen) und Agnes (Anne Bergfeld) arbeiten in einer Tankstelle nahe der dänisch-deutschen Grenze. Da an diesem Abend die dänische Nationalmannschaft in einem großen Finale spielt, sind die Straßen wie leergefegt und die beiden haben sehr wenig Kundschaft. Später am gleichen Abend finden sich die zwei Frauen in einem grausamen Spiel um Leben und Tod wieder, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.




Wie kam es dazu? Wer steckt hinter diesem diabolischen Spiel? Und können die beiden Frauen ihren grausamen Peinigern entkommen?

Belinda und Agnes vor der Tankstelle in Finale
Der Abend von Belinda und Agnes läuft wenig erfreulich © Pierrot Le Fou

Die Erzählstruktur

Finale erzählt seine Geschichte mit ausgiebigen Rückblenden. Im Jetzt sehen wir, wie Belinda und Agnes gefangen sind und in einem perversen Spiel bis aufs Blut gequält werden. Die eingestreuten Rückblenden beginnen mit der Schicht der beiden in besagter Tankstelle und erzählen, wie es zu der Entführung gekommen ist. Wie uns Regisseur Søren Juul Petersen im Interview erklärt, hat er für seinen Film bewusst dieselbe Erzählstruktur gewählt wie Steen Langstrup in seiner gleichnamigen Buchvorlage. Vor allem deswegen, um den Zuschauern kleine Verschnaufpausen zwischen den teils sehr harten Szenen zu ermöglichen.

Zudem erzeugt er so eine neue Spannungsebene, die bei einer strikt linearen Erzählung nicht möglich gewesen wäre. Da man weiß, dass die beiden Frauen später in der Gewalt von sadistischen Entführern landen, fiebert man bei den Rückblenden dem Zeitpunkt entgegen, zu dem sich die Entführer zu erkennen geben. Und hier führt einen Petersen das ein ums andere Mal gekonnt auf eine falsche Fährte.

Damon Younger als Foltermeister in Finale
Damon Younger als Foltermeister © Pierrot Le Fou

Härte und Stimmung

Finale ist wahrlich nichts für zartbesaitete Gemüter. Spätestens nach dem ersten Drittel wird auch dem letzten Zuschauer klar, dass Belinda und Agnes einen grausamen Abend verleben werden. Und der Film scheut sich nicht die Kamera bei den Gräueltaten ganz genau hinsehen zu lassen. Gore-Hounds kommen dabei durchaus auf ihre Kosten, auch wenn, obwohl gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind, Finale sicher kein zweites Hostel ist.

Neben der gesunden Härte zeichnet sich das Regiedebüt des profilierten Produzenten Petersen vor allem durch die sehr unheilvolle Atmosphäre aus. Gerade in den Rückblenden, die das Geschehen in der Tankstelle zeigen, erzeugen die gewählten Kameraeinstellungen, gepaart mit der stimmigen Musik, ein sehr kohärentes Gesamtbild. Finale ist von der ersten bis zur letzten Sekunde unangenehm. Und das im allerbesten Sinne. Wenn sich in der zweiten Hälfte die Hintergründe des abgründigen Treibens offenbaren, bekommt der Film einen fiesen gesellschaftskritischen Spin.

Zum überzeugenden Gesamtbild von Finale tut auch das klasse Schauspiel des Casts sein Übriges. Vor allem der bisher in isländischen Produktionen zu erlebende Damon Younger zeigt sich als sadistischer Foltermeister von seiner schrecklichsten aber zugleich auch besten Seite.

Agnes schreit vor Schmerz in Finale
Finale ist nichts für schwache Nerven © Pierrot Le Fou

Nichts faul im Staate Dänemark?

Bei all der verdienten Lobhudelei könnte man meinen, dass Finale ein von vorne bis hinten stimmiges Gesamtbild abliefert. Zwei Kritikpunkte sind dabei allerdings nicht von der Hand zu weisen.

Mit einem Aspekt, den ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte, entwickelt Finale eine sehr düstere gesellschaftskritische Ebene. So aktuell dieser Aspekt sein mag, so wenig wird er leider mit ausreichend Fleisch unterfüttert, um vollends zu funktionieren. Daher wirkt er ein wenig wie ein Fremdkörper im sonst sehr stimmig komponierten Gesamtbild.

Der zweite kleine Störfaktor ist die Glaubwürdigkeit der Handlung innerhalb der Rückblenden. In Summe wirken die Ereignisse, die zur Entführung der zwei Frauen geführt haben, dann doch etwas sehr konstruiert.

Agnes hat eine ausdruckslose Maske auf und im Hintergrund sind weitere Menschen mit Masken zu sehen
Die Motivation hinter den Gräueltaten bleibt erst unklar © Pierrot Le Fou

Unser Fazit zu Finale

Finale von Søren Juul Petersen ist ein Genre-Film par excellence. Die einfache Prämisse wird bis zum Ende konsequent verfolgt und auserzählt. Gepaart mit einer nicht alltäglichen Erzählstruktur und einer ordentlichen und sehr schmerzhaften Portion Härte sollte sich ein jeder Horror-Fan das dänische Folterkabinett auf seine Liste schreiben.

Finale ist ab dem 05.06.2020 als Mediabook und im Streaming verfügbar.

Unsere Wertung:

 

 

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© Pierrot Le Fou

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