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Ein böser Mann packt die erschrockene Foxy Brown von hinten.

Foxy Brown

Mit Foxy Brown zementierte Pam Grier in den 70ern ihren Ruf als weibliche Action-Ikone des Blaxploitation-Kinos. Wie macht sich dieser Reißer aus heutiger Sicht? Und ist er nach modernen Maßstäben überhaupt vorbehaltlos genießbar? Erfahrt mehr in unserer Review!

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TitelFoxy Brown
Jahr1974
LandUSA
RegieJack Hill
DrehbuchJack Hill
GenreAction, Krimi
DarstellerPam Grier, Peter Brown, Terry Carter, Kathryn Loder, Harry Holcombe
Länge90 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihStudio Hamburg
Auf dem Cover hebt sich Foxy Brown aus einer Collage von Filmszenen hervor
Das BD Cover von Foxy Brown © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Worum geht’s bei Foxy Brown?

Das Leben könnte so schön sein, wenn es einen nicht immer so übel mitspielen würde. Auch wenn ihr Viertel gerade den Bach runter geht und die Straßen mit Dealern, Junkies und Taschendieben überfüllt sind, ist Foxy Brown (Pam Grier) happy. Ihr Liebster, der Undercover-Cop Michael (Terry Carter), hat gerade einen Einsatz beendet. Und weil die von ihm ins Visier genommenen Halunken um Gangsterboss Steve Elias (Peter Brown) trotz erdrückender Beweise nicht vorm Richter gelandet sind, musste sich der aufopfernde Beamte einer Gesichtsoperation unterziehen. Doch das Glück der beiden Liebenden währt nicht lange. Foxys Bruder Link (Antonio Fargas), ein drogensüchtiger Tunichtgut, riecht bei dem vorgeblich neuen Macker Lunte und verrät ihn für einen Beutel Kokain an die Drogenbande. Schon kurz darauf wird ein Anschlag auf Michael verübt, und er verblutet in Foxys Armen.

Jetzt ist für die Powerfrau Schluss mit lustig! Sie schleust sich als williges Callgirl in den Eskort-Service ein, der von Elias‘ Gespielin Katherine (Kathryn Loder) geleitet wird. Dort werden die Frauen wie Sklavinnen gehalten und von Freunden und Familie abgeschirmt. Ihr Weg führt sie in das Bett eines weißen Richters (Harry Holcombe), den sie erniedrigt, dann auf eine Farm, auf der zwei Rednecks sie brechen sollen. Schließlich gelangt sie aber zum Herz der Unternehmung, der Schmuggelroute auf dem Luftweg über die mexikanische Grenze. Jetzt sitzt sie am längeren Hebel und kann ihre Rache vollstrecken…

Ein böser Mann packt der erschrockenen Foxy Brown von hinten mit dem Arm um den Als.
Alle wollen was von Foxy Brown © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Hart, aber hohl – flotte Revenge-Action mit tiefergelegtem Anspruch

Als anspruchsloser B-Film für ein erwachsenes Publikum ist Foxy Brown ein Kind seiner Zeit. Die dünne Geschichte dient dabei lediglich als Aufhänger für eine recht große Anzahl von Gewalt- und Sexszenen. Pam Grier wurde nun nicht eben nur für ihr forsches Auftreten gecastet, sie hat aber unbestreitbar Charisma und eine gewisse Präsenz. Ein weiterer wichtiger Grund dürften ihre Kurven und die Bereitschaft gewesen sein, diese auch ausgiebig zu präsentieren. Und so gibt ihr das Drehbuch in regelmäßigen Abständen die Gelegenheit, Hemmungen und Hüllen fallen zu lassen, um das anvisierte männliche Publikum zufrieden zu stellen. Auch der rüde Grundton und die an den Tag gelegte Gewalttätigkeit lassen kaum einen Zweifel aufkommen, dass man unverhohlen das Testosteron zum Kochen bringen will.

Regisseur und Autor Jack Hill hatte mit Pam Grier schon auf den Philippinen zwei Exploitationfilme aus dem Bereich des Women in Prison gedreht, die beide mit großen Erfolg in den Programmkinos gelaufen waren. In Coffy – Die Raubkatze (1973) setzte er sie das erste Mal als Racheengel in Szene und machte sie zum B-Movie-Star. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger macht sich das Skript von Foxy Brown aber nicht einmal mehr die Mühe, eine richtige Krimi-Handlung zu etablieren. Hier gibt es keine verschlungenen Wege der Verstrickung zwischen Establishment und organisierten Verbrechen, es liegt alles klar auf der Hand.

Auch wenn damit die Story zeitweise zur Makulatur verkommt und jedwede Aussage, die über die Gesellschaft der 70er eventuell zu treffen wäre, auf der Strecke bleibt – das Tempo, das der Film nach den ersten dreißig Minuten aufnimmt, ist enorm. Von da an erlaubt der Film nur in recht kurzen Pausen das Durchatmen und unterbindet auch, dass man sich allzu sehr mit dem Schwachfug, den das Drehbuch verzapft, weitergehend auseinandersetzt.

Foxy Brown mit Afro-Frisur und großem Ohrring neben ihrem Freund Michael, beide schauen etwas ratlos drein.
Was haben die bösen Weißen wohl heute vor, fragen sich Foxy und Michael © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Rassismus ist eine Tür, die in beide Richtungen schwingt

Was etwas sauer aufstoßen kann, ist die Schwarz-Weiß-Malerei, die Foxy Brown ungeniert betreibt. Das fängt natürlich schon beim Titel an, der die Heldin als entweder gewiefte oder auch sexuell attraktive Afro-Amerikanerin ausweist. Diese Zweideutigkeit, die mit Blick auf Jimi Hendrix bekannten Song „Foxy Lady“ gar nicht mehr so zweideutig erscheint, ist dabei noch mit das netteste Klischee, dass der Film auszupacken weiß. Denn abgesehen von Foxy sind alle Afro-Amerikaner im Film eigentlich nur Opfer, entweder der Weißen oder der Umstände. Mit dem letzten Fall meine ich dann eine Straßengang, die zwar kriminell, aber loyal ist und der „schwarzen Schwester“ letztlich beisteht.

Die Gangster, die am längeren Hebel sitzen, sind natürlich alle weiß. Sie vergiften die Männer der afro-amerikanischen Gemeinde mit Drogen, worauf diese, hier in Gestalt von Antonio Fargas als Foxys linkischer Bruder, ähm, Link, sogar ihre eigenen Leute, ihre eigene Familie verraten. Dazu beuten sie noch die afro-amerikanischen Frauen aus, trennen sie von Mann und Kind. Es ist eine Art moderner Sklaverei. Auffällig ist auch, dass sich alle Weißen im Film als kriminell, korrupt und sadistisch erweisen. Manchmal klingt es sogar an, dass Steve und Katherine nicht nur ein Liebespaar, sondern vielleicht sogar Geschwister sind. Das alles ist aber, zum Glück, derart dick aufgetragen, dass es über weite Strecken schon comichaft wirkt.

Blaxsploitation war eben auch Ausbeutung

Wie zwischen den Zeilen meiner etwas saloppen Ausführungen vielleicht schon durchgeklungen ist, stellt Foxy Brown sicherlich keinen ernsthaften Beitrag zur feministischen Bewegung im Film dar. Zwar spielt Pam Grier hier ein starke, durchsetzungsfähige Frau, doch das Augenmerk liegt eher darauf, was sie mit ihrem Körper oder ihrem Gegner anstellt. Genauso darf man nicht vergessen, dass dieser Film, wie viele andere dieser Welle auch, von weißen Männern erdacht, finanziert und vermarktet wurde. Als Startschuss der Blaxploitation gilt zwar der Independent-Film Sweet Sweetbacks Lied (1971) von Mevon Van Peebles, doch wo es nach Erfolg und Geld roch, waren natürlich auch die großen Studios nicht weit.

„to exploit sth. = etwas ausbeuten“

Schon die nachfolgenden, erfolgreichen Filme afro-amerikanischer Regisseure, etwa Gordon Parks‘ Shaft (1971) oder Superfly (1972) von Gordon Parks Jr, geizten nicht mit Klischees. Wenn dann noch weiße Regisseure wie Jack Starrett (Cleopatra Jones) oder eben Jack Hill auf dem Regiestuhl Platz nahmen, gehörte Black Empowerment sicherlich nicht zu dem, was weit oben auf der Agenda stand. Diese Filme sollten ein bisher unterschätztes afro-amerikanisches Publikum in die Kinos locken, das nach Aufhebung von Rassentrennung und der Erringung des Wahlrechts nun auch begierig darauf war, angemessen unterhalten zu werden.

Es wurden von den Studios schwarze Filmstars lanciert. Gern gesehen waren Footballspieler wie Jim Brown und Fred Williamson (Drei eiskalte Profis, Coltfighter), als smarter Detektiv wurde das ehemalige Model Richard Roundtree zum Star von drei Shaft-Filmen. Neben Pam Grier war auch das Model Tamara Dobson, die zweimal als Cleopatra Jones auftrat, sehr erfolgreich. Und zusammen mit den Filmen wurden auch Soul und Funk populär, erlebten gar einen ungeahnten Höhenflug. Pam Grier erlangte als Action-Ikone über die Jahre Kultstatus, der schließlich mit der Titelrolle in Quentin Tarantinos Jackie Brown (1997) zementiert wurde.

Foxy konzentriert sich auf Etwas außerhalb des Bildausschnitts, im Hintergrund sind Mitglieder einer Straßengang.
Da ist doch irgendwas im Busch? © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Ein paar Worte zur technischen Seite

Allerdings erweist sich diese HD-Veröffentlichung von Foxy Brown leider als nicht sehr gelungen. Zum einen fällt im direkten Vergleich mit der alten DVD von MGM auf, dass man scheinbar vergessen hat, die deutsche Tonspur in der Tonhöhe anzugleichen, weswegen die Stimmen nun zu tief klingen. Zum anderen hat man die HD-Abtastung scheinbar auch noch durch einen DNR-Filter gejagt, um das natürliche Filmkorn zu eliminieren. Das führt zu sogenannten Wachsgesichtern, die gerade im Licht aussehen, als hätten sie zentimeterdick Make-up aufgetragen. Bis auf einen Trailer befinden sich auch keine Extras auf der Disc. Wer sowieso lieber O-Ton mag, den wird die deutsche Tonspur nicht stören. Und wer keine DVDs mehr in der Sammlung haben will, kommt um die Blu-ray eh nicht herum. Aber diese technischen Mängel sind natürlich mehr als ärgerlich.

Unser Fazit zu Foxy Brown

In seiner spekulativen Aneinanderreihung von Sex und Gewalt ist Foxy Brown natürlich Exploitation-Kino, das eher niedere Instinkte anspricht. Und man kann nicht abstreiten, dass der Film ab und an einen unangenehm rassistischen Unterton pflegt. Der wird dann aber auch schon dermaßen offensiv ausgespielt, dass es schon wieder lustig ist. Es wirkt eben sehr unbeholfen und roh. Mit ein wenig gesundem Abstand kann man sehr viel Spaß mit Pam Grier als Rächerin haben. Als Blaxploitation- und 70s-Fan macht man hier eh nicht viel verkehrt. Die Defizite der Blu-ray in Bezug auf Bild und Ton sollte man allerdings in seine Überlegungen mit einbeziehen.

Foxy Brown ist seit dem 24. April auf Blu-ray aus dem Hause Studio Hamburg erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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