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Game of Thrones – 7×6 Jenseits der Mauer

Jenseits der Mauer ist die vorletzte Folge von Staffel 7. Obwohl es die bislang längste Episode der Serie ist, nimmt sie sich keine Zeit zu verschnaufen. Kein Wunder, immerhin sind Jon Schnee und seine Gefährten auf der Suche nach dem Heer des Nachtkönigs.

Steelbook-Cover von Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Steelbook-Cover von Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Und wieder ein Leak

Auch die Folge 7×6 fand ihren Weg vor der eigentlichen Ausstrahlung ins Internet. Doch diesmal waren keine Hacker verantwortlich, sondern ein schlichter Fehler. HBO Nordic und HBO Spain stellten die Episode versehentlich für eine Stunde am Montag 14.08.2017 online. Als man den Fehler mitbekam, war der Schaden schon angerichtet. Einige Zuschauer nutzten die Gunst der Stunde, kopierten die Folge und verbreiteten sie im Netz.

Eines vorweg, ist die bisher längste Episode der Staffel. Da so vieles passiert, gibt es auch einiges über das man schreiben muss. Entsprechend lang fällt diese Nachbesprechung aus.

Ein fragwürdiger Plan

Jon Snow (Kit Harrington) in Game of Thrones Staffel 7
Jon Snow (Kit Harrington) in Game of Thrones Staffel 7 aus 2017. ©Warner Bros. Pictures

Jenseits der Mauer bahnen sich Jon Schnee und seine Begleiter ihren Weg weiter gen Norden. Der Plan einen Untoten aus dem Heer des Nachtkönigs zu fangen, ist nicht nur eine Selbstmordmission, sondern wirkt auch wenig durchdacht. Nicht umsonst ließ Jon, in seiner Zeit als Lord-Kommandant der Nachtwache, jeden Toten zu beiden Seiten der Mauer verbrennen. Denn der erste Untote, auf den er je traf, erwachte in der Schwarzen Festung zum Unleben, auf der sichereren Seite der Mauer. Warum also den Weißen Wanderern entgegen marschieren, wenn man auch abseits dessen Heeres mit der Erweckung von Schneezombies rechnet?

Eine Antwort auf diese Frage lässt sich sicherlich mit Kenntnissen um Magie in der martinschen Fantasywelt mutmaßen. Doch die offensichtliche Erklärung ist, weil es dem Spannungsbogen gut tut beliebte Figuren in Gefahr zu bringen und der Zuschauer inzwischen ein gewisses Maß an Action erwartet. Darum stapft Jons All-Star-Cast der Königslande munter voran.

Keine Zeit für böses Blut

Kristofer Hivju in Game of Thrones aus 2016
Kristofer Hivju in Game of Thrones. ©Warner Bros. Pictures

Spannungen zwischen diesen Figuren gab es schon in der Folge Ostwacht, doch die scheinen auf der Wanderung vergessen. Allein Gendry darf sich noch einmal darüber beschweren, das Thoros und Beric ihn an die Rote Frau verkauften. Jene Mitglieder der Gruppe, die sich gegenseitig nicht verabscheuen, finden auf dem Weg durch Eis und Schnee zu munteren Wortwechseln.

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Tormund durchschaut die raue Schale des Bluthunds und schwärmt ihm von der großen Blonden (Brienne) vor, an die sich Sandor Clegane lebhaft erinnert. Ein wenig Heldenverehrung kommt von Jorah Mormont, als er Thoros Mut bei der Belagerung von Pyke anspricht. Allerdings muss Jorah lernen, dass Thoros Mut eher der blinde Kampfgeist eines Volltrunkenen war und vom Boden einer Flasche stammte.

Ein Laster dem Thoros seit jeher frönte, welches aber in keiner Episode zuvor so einen Stellenwert bekam. Thoros von Myr wirkt im Gegensatz zu seinen vorherigen Auftritten wie ein abgerissenes Häufchen Elend. Auch die beiden wiederauferstanden Jon Schnee und Beric Dondarrion finden ein paar Worte. Dondarrion wird von der Idee angetrieben, dass der Rote Gott ihm eine Bestimmung zugedacht hat. Jon Schnee hingegen ist kein besonders gläubiger Mensch, weswegen er mit Berrics Erklärung nur teilweise etwas anfangen kann.

Maisie Williams in Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Maisie Williams in Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Jons Dialog mit Jorah ist, als würden sich zwei Brüder an den gemeinsamen Vater erinnern. Dass Jon dem Sohn des ehemaligen Lordcommanders das Schwert Langklaue anbietet, ist dabei mehr als nur eine Geste. Umso stärker wiegt es, dass Jorah sie ablehnt.

 

 

 

 

 

Gestöber im Schnee

Der Nachtkönig in Game of Thrones aus 2016
Der Nachtkönig in Game of Thrones. ©Warner Bros. Pictures

Der erste Geschmack, den die Truppe vom Heer des Nachtkönigs bekommt, ist ein untoter Bär, welcher einen Statisten reißt. An dieser Stelle fällt zum ersten Mal wirklich auf, dass die Truppe von namenlosen Wildlingfiguren aus Ostwacht begleitet wird, deren ganzer Existenzgrund darin besteht, hier und da den Löffel abgeben zu dürfen. Wann immer die namhaften Figuren etwas zu sagen haben, sind die Statisten praktisch nicht zu sehen.

Als die Gruppe sich daraufhin kampfbereit macht, geben speziell Beric und Thoros ein beeindruckendes Bild ab, die via Blutmagie ihre Schwerter in Flammen setzen. Doch Feuer ist nicht nur effektiv gegen Untote, es wird auch zum Problem. Der brennende Zombiebär wirft Thoros zu Boden und verwundet ihn, der Bluthund der dies mit ansieht, ist unfähig zu helfen. Noch immer versetzen die Flammen ihn in lähmende Angst. Der Bär wird besiegt, doch wirft das untote Tier den Schatten einer Katastrophe voraus, die erst am Ende der Folge gezeigt wird.

Fels in der Brandung

Rory McCann in Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Rory McCann in Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Nachdem der Kampf gegen die Bestie gewonnen ist, werden Thoros Wunden martialisch ausgebrannt. An einer Engstelle lauert die Gruppe einer Vorhut der Untoten auf. Als sie die Falle zuschnappen lassen, tötet Jon einen Weißen Wanderer, woraufhin alle von diesem erweckten Wiedergänger in sich zusammenfallen. Ein Hinweis darauf, dass man nur den Nachtkönig vernichten muss, um auch sein Heer zu zerstören. Nur ein Schneezombie verbleibt, den sie zwar fangen und verschnüren können, doch mehr Untote sind bereits auf dem Weg.

Die Gruppe kann sich auf eine Felsengruppe auf einem zugefrorenen See retten, während das Heer des Nachtkönigs hinter ihnen im Eis einbricht. Gendry wurde in der Zwischenzeit nach Ostwacht zurückgeschickt, um einen Raben an Daenerys zu senden. Geduldig warten die Untoten, dass der See wieder zufriert um ihre Opfer zu erreichen. Jons Selbstmordkommando harrt auf den Felsen aus, bis der Tod zu ihnen herüberkommt oder Daenerys zur Hilfe eilt. Thoros erliegt noch in der Nacht seinen Wunden. Schließlich ist es soweit, die Untoten stürmen gegen die Helden.

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Untotes Speerwerfen

Der Kampf ist verzweifelt. Bei der Verteidigung des eigenen Lebens und des eingefangenen Untoten lassen mehrere Statisten ihr Leben. Auch Tormund gerät in die Klemme, aus der ihn der Bluthund im letzten Moment befreit. Schließlich tauchen Daenerys und ihre Drachen auf, deren Feuer die Untoten einäschert wie die Truppen der Lannisters.

Doch der Nachtkönig und seine Wanderer bleiben völlig unbeeindruckt von diesem Schauspiel. Der Herr der Untoten ist selbst so alt, dass er wahrscheinlich schon unzählige Drachen gesehen hat. Er zwinkert nicht einmal, als er einen seiner Speere nach Danerys Drachen schleudert und ihn zum Schock aller damit schwer verwundet. Der Drache explodiert geradezu, durch die Wunde, die ihm zugefügt wurde und versinkt schließlich tot im See. Als der Nachtkönig einen zweiten Speer in die Hand nimmt, fordert Jon seine Gefährten zur Flucht auf, die er selbst absichert. Während alle anderen auf Drogons Rücken entkommen, versinkt Lord Schnee im Eiswasser.

Benjen Ex Machina

Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Das Heer der Untoten ist bereits dabei sich zu verstreuen, da hievt sich Jon Schnee aus dem Wasser. Ein gutes Dutzend Schneezombies macht sich auf den Weg ihm den Rest zu geben. Da kommt es zu einem Deus Ex Machina Moment. Der zweite für den Benjen Stark verantwortlich ist. Sein untoter Onkel rettet Jon vor den anderen Wiedergängern. Er überlässt ihm sein Pferd und opfert sich, damit sein Neffe entkommen kann. Gerade einmal einen Augenblick dauert das Wiedersehen von Jon und Benjen an, einen richtigen Abschied gibt es nicht.

Meine Königin

Emilia Clarke in Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Emilia Clarke in Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Der Kälte sei dank scheint Jon auf dem Rücken seines Pferdes festzufrieren, denn es trägt den bewusstlosen Helden nach Ostwacht, wo Daenerys noch auf ihn wartet. An Bord eines ihrer Schiffe wohnt sie bei, als man seine Wunden versorgt und erhascht einen Blick, auf die tödliche Stichverletzung, die ihn einst niederstreckte. Sie ist da, als Jon wieder zu sich kommt und zusammen teilen sie einen emotionalen Moment. Beide halten einander die Hand, als Jon anbietet vor ihr als seiner Königin das Knie zu beugen und sie ihm versichert, den Tod ihres Drachen zu rächen und gemeinsam mit Jon den Nachtkönig zu vernichten.

Kurz vor dem Abspann der Folge  sieht man die Schneezombies den leblosen Körper des Drachen bergen. Dessen Erwachen als blauäugiger untoter Drache ist der letzte Eindruck, mit dem Jenseits der Mauer uns ins Finale der Staffel schickt.

Arya die Bedrohung

Während der Fokus  Episode klar auf der Mission Jenseits der Mauer liegt, kippt die Beziehung der Schwestern Arya und Sansa auf Winterfell enorm. Nachdem Kleinfinger dafür sorgte, dass Arya den Brief ihrer Schwester findet, in dem sie Robb auf Geheiß der Lannisters bittet, vor Joffrey das Knie zu beugen, sieht sie Sansa als Verräterin. Sie konfrontiert ihre ältere Schwester und gibt sich unnachsichtig.

Woraufhin Sansa wiederrum über Aryas Sammlung von Gesichtern stolpert. Arrya droht nun ihrer Schwester unmittelbar mit dem Tod, wodurch Kleinfingers Plan wunderbar aufzugehen scheint. Brienne wird unterdessen nach Königsmund geschickt, um Sansas Interessen bei einer von Cersei erbetenen Audienz zu vertreten. Damit ist diejenige, die beide Töchter zu beschützen gelobt hat, aus dem Weg.

Fazit

Liam Cunningham in Game of Thrones Staffel 7 aus 2017
Liam Cunningham in Game of Thrones Staffel 7. ©Warner Bros. Pictures

Jenseits der Mauer ist eine weitere großartige Episode, mit dem latenten Beigeschmack, dass man die innere Logik der martinschen Welt dem Voranschreiten zum Finale und dem actionhungrigen Zuschauer geopfert zu haben scheint. So unbedacht der Plan zum Fangen eines Untoten auch war, er beschert uns eine der ereignisreichsten und spektakulärsten Episoden der Serie.

Die Figurenkonstellation von Jons Gruppe zeigt, wie nichtig die Auseinandersetzungen der Menschen im Angesicht des Nachtkönigs sind. Genauso zeigt uns die Episode die Stoßrichtung, wie der Konflikt mit den Weißen Wanderern für die Menschen noch zu gewinnen sein könnte.

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Der Tod und die Reanimation eines von Daenerys Drachen ist ein Ereignis, dass von einigen Fans prophezeit wurde, seit es die Drachen gibt. Obwohl Daenerys ihrer Ansicht nach gerade eines ihrer Kinder verloren hat, ist ihre Zuneigung gegenüber Jon Schnee so klar wie nie zuvor.

In keiner vorangegangenen Episode fällt das schnelle, ja zusammengedrängte Fortschreiten der Ereignisse so stark auf wie hier. Während Gendrys Marathonlauf nach Ostwacht noch irgendwie nachvollziehbar ist, muss der Rabe nach Drachenstein die Schallmauer durchbrochen haben, damit sich Daenerys auch nur ansatzweise rechtzeitig auf den Weg machen konnte. Es sei denn Jon und seine Kameraden haben, gleich mehrere Tage auf den Felsen im See ausgeharrt.

Wie leicht Arya Kleinfingers Plan auf dem Leim geht, ist nicht verwunderlich, spielt er immerhin mit ihren Gefühlen für ihre Familie. Sie verfügt zwar über Kampfferitgkeiten und Straßenschläue, von Intrigen und Politik hat sie jedoch keine Ahnung. Umso schlimmer ist es, dass Sansa genauso in die Falle zu tappen scheint. In dem sie Brienne nach Königsmund schickt, scheint sie sich selbst auszuliefern. Doch wer weiß, vielleicht ist sie Kleinfinger dieses Mal doch einen Schritt voraus. Zu wünschen wäre es ihr.

Nach dieser Episode dürfen wir wohl mehr als gespannt sein, wie das große Finale der siebten Staffel ausfällt.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:

Handlung/Dramaturgie
6
Figuren/Schauspieler
8
Ausstattung/Schauplätze
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4
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8
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