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Nahaufnahme einer Tänzerin in einem extravaganten Kostüm, Gefangen in Rio ©Splendid Film

Gefangen in Rio

Gefangen in Rio erzählt die letzte Phase des Exillebens von Ronald Biggs. Inszeniert wurde der Streifen von Lech Majewski, der seit 2018 Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ist, die jährlich die Oscars vergibt. Ob sein fünfter Film auch oscarreif ist, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelGefangen in Rio (OT: Prisoner of Rio)
Jahr1988
LandGroßbritannien, Polen, Schweiz, Brasilien
RegieLech Majewski
DrehbuchLech Majewski, Ronald Biggs, Julia Frankel
GenreThriller, Drama, Krimi
DarstellerSteven Berkoff, Paul Freeman, Peter Firth, Florinda Bolkan, Desmond Llewelyn, José Wilker, Zezé Motta, Breno Moroni, Ronald Biggs, Dennis Bourke, Wilza Carla, Claudia Cepeda, Amauri Guarilha, Chris Hieatt, Elke Maravilha, Roy Pepperell
Länge104 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihGreat Movies GmbH
DVD-Cover, Gefangen in Rio ©Splendid Film
Das DVD-Cover zu Gefangen in Rio © Great Movies GmbH

Ein Leben auf der Flucht – Die Handlung von Gefangen in Rio

Ronald „Ronnie“ Biggs (Paul Freeman) war 1963 Teil eines großen Postzugraubs. Nach 20 Jahren und etlichen Fluchtversuchen, hat Biggs sich in Rio de Janeiro mit seinem Sohn zur Ruhe gesetzt, um dort sein restliches Leben zu genießen. Doch gerade als er dachte, dass ihn die Vergangenheit nicht mehr einholen könne, begegnet er Jack McFarland (Steven Berkoff), einem Mitglied von Scotland Yard.

Biggs ist der Polizeibehörde mehrere Male entwischt und hat das britische Amt in keinem guten Licht dastehen lassen. McFarland versucht nun, die Ehre des Yards wiederherstellen. Dabei ist ihm scheinbar jedes Mittel recht und er nimmt es als Gesetzeshüter in Kauf, außerhalb des Gesetztes zu agieren. Doch Ronald Biggs hat nach 20 Jahren auf der Flucht gelernt, wie man sich aus einer prekären Lage befreit. So ist der Sieger in diesem Katz-und-Maus-Spiel bis zuletzt nicht absehbar…

Die Geschichte hinter der Geschichte von Gefangen in Rio

Gefangen in Rio beruht auf einer wahren Begebenheit: Am 8. August 1963 überfielen Ronald Biggs und seine Komplizen einen Postzug der britischen Royal Mail und erbeuteten dabei nach heutigem Wert etwa 60 Millionen Euro. Die Räuber wurden zwar von der Justiz zur Rechenschaft gezogen, doch nicht alle akzeptierten ihr Urteil. Ronald Biggs floh aus dem Gefängnis in Großbritannien über Frankreich nach Australien und gelang mehrere Jahre später nach Brasilien. Erst 2001 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Großbritannien zurück, um dort seine restliche Gefängnisstrafe anzutreten. 2009 entließen ihn die Behörden aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes. 2013 verstarb Ronald Biggs in London.

Clive Ingram und Jack McFarland stehen vor der Rückseite von "Christus, dem Erlöser" und Ingram zeigt auf etwas in der Ferne, Gefangen in Rio ©Splendid Film
Clive Ingram (Peter Firth, links) gibt Jack McFarland (Steven Berkoff, rechts) hinter dem Rücken von “Christus, dem Erlöser” einen Überblick über die Stadt. © Great Movies GmbH

Der Film Gefangen in Rio erzählt eine fiktive Geschichte während Biggs‘ Exil in Brasilien. Die Rolle des Ronald Biggs übernimmt Paul Freeman, der international für seine Rolle als René Belloq in Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes bekannt geworden ist. Sein Widersacher, Jack McFarland, wird gespielt von Steven Berkoff, berüchtigt für seine Schurken-Rollen in Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall, Rambo II – Der Auftrag und James Bond 007 – Octopussy. Bekanntestes Gesicht einer Nebenrolle ist wohl Desmond Llewelyn, der zwischen 1963 und 1999 den schlausten Kopf des britischen Secret Services mimte und als “Q” James Bond mit allerlei Gadgets ausstattete. Auch Ronald Biggs höchstpersönlich übernahm die Rolle eines Nebencharakters und arbeitete zudem am Drehbuch mit.

Für die musikalische Untermalung war niemand geringeres als Oscar-Preisträger Hans Zimmer verantwortlich, der sich hier an einem seiner Frühwerke versuchte. Der Soundtrack hat noch nicht den wiedererkennbaren Stil, den Zimmer seiner Musik in späteren Jahren verleihen sollte. Aber dennoch passt sie zum Szenenbild und hat eine gewisse, wenn auch verhaltene Eigenart.

Aller Anfang ist schwer

Gefangen in Rio beginnt ohne jede Vorwarnung: In der ersten Szene bekommt der Zuschauer den Zug zu sehen, den Ronald Biggs und Konsorten als Objekt der Begierde auserkoren hatten. Jedoch wird erst im Folgenden ersichtlich, dass es sich hierbei um eine Rückblende handelt. In den ersten fünf Minuten des Films wird der Zuschauer mit all dem bombardiert, was in den 20 Jahren vor Handlungsbeginn passiert ist. In Erinnerung bleibt hier lediglich die Tatsache, dass im bisherigen Leben von Biggs eine ganze Menge vorgefallen ist.

Hier stellt sich die Frage, warum gerade dieser, vorerst letzte Lebensabschnitt des abenteuerlichen Lebens von Ronald Biggs ausgewählt wurde. Selbstredend ist es spannend zu verfolgen, wie die Hauptcharaktere ihrem Räuber-und-Gendarme-Spiel nachgehen. Doch wäre es nicht ebenso unterhaltsam eine frühere Phase dieses Falls zu wählen oder gar die gesamten 20 Jahre, die zuvor im Schnelldurchlauf abgehandelt worden sind? Hier hätte sich eine Inszenierung à la Catch Me If You Can angeboten, da Biggs nach dem Postzug-Überfall quer durch die Welt gereist ist und verschiedenste Identitäten angenommen hat, um dem Griff des Scotland Yards zu entgehen. Dieser Ansatz wäre vermutlich unterhaltsamer gewesen. Gefangen in Rio erzählt jedoch eine andere Geschichte; eine dramaturgisch ruhigere, die das Endspiel dieses jahrzehntelangen Katz-und-Maus-Spiels thematisiert.

Ronald Biggs, Jack McFarland und Clive Ingram sitzen im Auto und fahren nachts vor einem Geschäft vorbei, Gefangen in Rio ©Splendid Film
Clive Ingram (Peter Firth, rechts) fährt Ronald Biggs (Paul Freeman, links) und Jack McFarland (Steve Berkoff, Mitte) durch die beleuchteten Straßen Rio de Janeiros. © Great Movies GmbH

Fesselnder Karneval – Die Inszenierung von Gefangen in Rio

Gefangen in Rio ist ein Film, der versucht, sich durch die Art der Inszenierung von einer breiten Massen abzusetzen. In einigen Szenen ist dies allerdings ein zu gut gemeintes Unterfangen. So ist in vielen Momenten nicht ersichtlich, was sich der Regisseur bei einer bestimmten Aufnahme gedacht hat. Im besten Fall sollte dieser eine Intention gehabt haben, da ein Stilmittel seine filmische Legitimität verliert, wenn es um seiner selbst Willen existiert.

Nichtsdestotrotz sind viele Szenen in Gefangen in Rio durchaus gekonnt in Szene gesetzt. Vor allem in puncto zentraler Zurschaustellung des lokalen Karnevals. Die Aufnahmen in den Wirren des festlichen Straßenlebens wirken beinahe hypnotisch. Die Bewegungen der Kamera gepaart mit bunten Kostümen und psychedelischen Trommelklängen hat etwas berauschendes an sich, das zu gleich erdrückend wirkt. Gefangen in Rio ist nicht nur der Titel des Films, sondern auch die zentrale Thematik. Die Stadt hat Biggs vereinnahmt und wird sich auch eines jeden anderen annehmen, der sich dem lebensbejahenden Tanz anschließt. Der Karneval in Rio ist ein Ritual, das auch den Zuschauer in seinen Bann zieht und ihn, metaphorisch gesehen, gefangen hält.

Geschickt inszeniert

Gefangen in Rio ist hinsichtlich der Handlung clever inszeniert. Ronald Biggs ist ein Dieb und scheinbar der Schurke des Films. Doch entgegen der Erwartungen ist er der Protagonist und Publikumsliebling, mit dem der Zuschauer mitfiebert. Stattdessen ist Jack McFarland, der im Dienste von Scotland Yard als eigentlicher Held des Films auftreten sollte, der Antagonist. Als vermeintlich Rechtschaffender versucht er die Ehre Scotland Yards wiederherzustellen und ist bereit, dafür die Grenzen des Legalen zu überschreiten. So wird aus dem Hüter des Gesetzes schnell ein Kopfgeldjäger, der den Protagonisten des Films aus seinem Leben reißen und seiner Familie wegnehmen will.

Lech Majewski präsentiert dem Zuschauer einen clever inszenierten Plot-Twist, der einen Rollentausch, auch in moralischer Hinsicht, thematisiert. Der Schuldige und Gesühnte wird im Laufe des Films zum Sympathieträger, während der Gesetzeshüter zum desillusionierten Phantomjäger verkommt.

Nahaufnahme einer Tänzerin in einem extravaganten Kostüm, Gefangen in Rio ©Splendid Film
Der Karneval ist existentieller Bestandteil von Rio de Janeiro und scheint stets omnipräsent. © Great Movies GmbH

Clever und kurzweilig – Mein Fazit zu Gefangen in Rio

Lech Majewski beweist mit Gefangen in Rio filmisches Handwerk und hat zusammen mit Ronald Biggs ein durchdachtes Drehbuch kreiert, das eine fiktionale Geschichte aus dem Leben eines berüchtigten Kriminellen erzählt. Darüber hinaus überzeugen vor allem Berkoff und Freeman schauspielerisch. Der Film bietet kurzweilige Unterhaltung für rund 100 Minuten. Der Zuschauer fühlt sich von den technischen Mitteln angesprochen und verfolgt die Szenen, in denen erkennbar ist, dass sich der Regisseur etwas dabei gedacht hat, mit großem Interesse.

Doch Gefangen in Rio bietet zu guter Letzt nicht mehr und nicht weniger. Es handelt sich um einen Film für Freunde cineastischer Mittel und vielschichtiger Hintergrundgeschichten. Auch wenn die Handlung durchdacht ist, fällt es vor allem zu Beginn schwer, einen Zugang zu finden und mit den Charakteren mitzufühlen. Dies ändert sich zwar im Laufe des Films, aber dennoch bleibt darüber hinaus kein nennenswerter Mehrwert. Gefangen in Rio bietet kurzweiliges Kino aus den 80ern und bleibt trotz Neuauflage in seiner Zeit gefangen…

Der Film ist seit dem 27. März 2020 auf DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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