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Hacksaw Ridge – Die Entscheidung

Ein Kriegsfilm, basierend auf einer wahren Begebenheit.
Nur geht es diesmal nicht um die Nacherzählung eines vergangenen Krieges, sondern um einen ganz besonderen Kriegshelden – Desmond T. Doss.

Titel Hacksaw Ridge – Die Entscheidung
Jahr 2016
Produktionsland Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
Regie Mel Gibson
Drehbuch Robert Schenkkan, Andrew Knight
Genre Kriegsfilm, Drama, Action
DarstellerAndrew Garfield, Teresa Palmer, Sam Worthington, Luke Bracey, Vince Vaughn, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Luke Pegler, Richard Pyros, Ben Mingay, Jacob Warner, Goran D. Kleut, Milo Gibson, Nico Cortez, Damien Thomlinson, Firass Dirani, Michael Sheasby, Harry Greenwood, Ori Pfeffer, Ryan Corr, Sam Parsonson, Nathaniel Buzolic, Darcy Bryce, Roman Guerriero, Benedict Hardie, Robert Morgan, Richard Roxburgh, Dennis Kreusler, Charles Jacobs, Ben O’Toole, John Cannon, Sean Lynch, Matt Nable, Philip Quast, Bill Young, Nobuaki Shimamoto, Laurence Brewer, Ryuzaburo Naruse, Takehiro Abe
Länge 134 Minuten
FSK Ab 16 Jahren freigegeben
Verleih Universum Film GmbH
DVD-Cover von Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
DVD-Cover von Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Spoileralarm!

Da der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, die man jederzeit nachlesen kann und die bereits abgeschlossen und in die Geschichtsbücher eingegangen ist, verzichte ich hier darauf möglichst nicht zu spoilern. Die Absätze 3 – 7 geben fast die komplette Handlung wieder. Wer also wirklich nichts vorab erfahren will, der springt einfach bis zum 2. Bild.

Mel Gibson und Kriegsfilme? Diese Frage ruft bei so manchem erst einmal eine Abwehrhaltung hervor, hat er doch in der Vergangenheit mit der ein oder anderen Äußerung für Unmut gesorgt. Doch legen wir diese Ebene einfach beiseite und betrachten den Film neutral.

Die Story basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem 2. Weltkrieg, als die Amerikaner Japan angriffen (nachdem diese Pearls Harbor angegriffen hatten). Die Insel “Okinawa” galt strategisch als letzte Verteidigungslinie, vor einer Invasion der US-Truppen auf die Hauptsinseln und war daher besonders hart umkämpft. “Desmond T. Doss” verweigerte den Dienst an der Waffe und zog so als unbewaffneter Sanitäter in den Krieg und rettete dort 75 Kameraden vor dem sicheren Tod. Seine Entscheidung begründete er mit seinem Gewissen. Er war “Siebenten-Tags-Adventist”.

Andrew Garfield und Teresa Palmer's aufblühende Liebe
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Zu Beginn wird das Bild von und um Desmond T. Doss gezeichnet. Seine Familie und sein tägliches Leben werden vorgestellt. Auch das Kennenlernen seiner späteren Frau Dorothy Schutte (Teresa Palmer) spielt sich recht früh ab. Tom Doss (Hugo Weaving), der Vater, ist ein gebrochener Veteran aus dem 1. Weltkrieg. Er ist oft betrunken und leidet an einer Posttraumatischen-Belastungsstörung. Die Familie hat stark mit dieser Gegebenheit zu kämpfen. Es bricht für ihn eine Welt zusammen, als er erfährt, dass sich seine beiden Söhne Desmond (Andrew Garfield) und Harold (Nathaniel Buzolic) bei der Armee eingeschrieben haben. Er selbst ist der einzige Überlebende seiner damaligen Kameraden und hält sich oft auf dem Soldatenfriedhof auf.

Bei der Armee lernt er seine Kameraden kennen. Jeder hat seine eigene Geschichte, Macke und Vorstellung vom Soldatenleben. Alle verstehen sich blendend, doch als “Desmond” darauf besteht, keinen Dienst an der Waffe tun zu müssen, wendet sich das Blatt schnell. Seine Vorgesetzten Sergeant Howell (Vince Vaughn) und Captain Glover (Sam Worthington) hat er nun gegen sich um mit ihnen auch einen beträchtlichen Teil der Kompanie. Eines Nachts wird er verprügelt, man will ihn mit allen Mitteln raus aus der Armee oder an die Waffe befördern. Er beschließt zu bleiben, verweigert jedoch weiterhin eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Also müssen sich die Verantwortlichen härtere Sanktionen überlegen und so wird ihm die Hochzeitsreise verboten, da er nicht an der Waffe ausgebildet worden ist. Er weigert sich dennoch und so wird er eingesperrt. Seine Ehefrau in spe kommt zu Besuch um zu sehen, wieso er nicht erschienen ist und wird angehalten, ihn zu überreden nach Hause zu gehen. Doch auch sie kann nichts bewirken und er besteht darauf, zur Not vor dem Militärgericht für seine Überzeugungen einstehen zu dürfen, daher verteidigt er sich auch selbst. Durch die Militärvergangenheit seines Vaters, kann dieser gerade noch das Schlimmste verhindern und so darf “Desmond T. Doss” ohne Waffe in den Krieg ziehen und wird als Sanitäter ausgebildet.

Was nun folgt ist Geschichte. Er wird zuerst von den Vorgesetzten und Kameraden belächelt, doch schon bald merken seine Nebenleute auf dem Schlachtfeld, wie wichtig seine Mission in Wahrheit ist. Die Versorgung Verwundeter mit Wasser, Verbandszeug und Zuspruch und sobald er die Chance sieht, das Heraustragen erwachsener Männer aus der Gefahrenzone. Unbewaffnet und völlig schutzlos.

Doch sein Glaube zwingt ihn dazu bis zur totalen Erschöpfung alles zu tun um seine Kameraden bestmöglich zu unterstützen. So wandelt er ständig auf der Schwelle des Todes und sieht Dinge, von denen sich die Meisten nie wieder erholen können. Er vollbringt Dinge, die man kaum erklären kann und reibt sich auf, für Menschen, die ihn kurz zuvor noch verprügelt und ausgelacht haben.

Hugo Weaving in großer Sorge um seinen Sohn
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Über den Cast kann ich nur gutes Berichten, “Andrew Garfield” überzeugt auf ganzer Linie. Ob als junger, naiver Jugendlicher vom Land, als junger Mann, der sich bei der Armee durchbeißen will oder auf dem Schlachtfeld, dem Tod ins Gesicht blickend, er verkörpert alle diese Facetten bis ins kleinste Detail glaubhaft. Neben ihm stechen vor allem “Hugo Weaving” als sein gebrochener Vater, Vince Vaughn als Drill-Seargent und Sam Worthington als Captain hervor.

Doch der Rest fällt keinesfalls merkbar ab, im Gegenteil. Jeder einzelne spielt seine Rolle, als wäre sie ihm auf den Leib geschneidert worden. Auch die vielen Kameraden mit ihren eigenen Charakterzügen wirken, als ob man gerade eine Dokumentation sehen würde.

Matthew Vaughn gibt Anweisungen
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Gedreht wurde der Film in Australien, in der Nähe von Sydney. Schauplätze sind seiner beschaulichen Heimatstadt “Virginia”, das damals eher einem Dorf als einer heutigen Stadt geähnelt hat. Die Idylle wird sehr gut gezeichnet, es ist ruhig, es wird gelacht, gespielt und wenn man irgendwo hin möchte, dann läuft man durch die pure Natur.

Daneben sind noch der Armeestützpunkt “Fort Jackson” zu nennen, darüber gibt es nichts besonderes zu berichten, es sieht so aus, wie jedes andere Camp in vorherigen Filmen. Schlicht und zweckmäßig.

Bleibt zuletzt das Schlachtfeld und das sieht, sehr schlachtfeldmäßig aus. Erde, Geröll, Dreck, Staub, Bunker, Gräben, Explosionen. Aber eben sehr gut und lebensecht dargestellt. Man fühlt sich jederzeit so, als wäre man mitten im Film.

Übung für das Schlachtfeld in Hacksaw Ridge
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Und genau das macht dieses Machwerk so großartig. Ich habe bisher noch nie so detailierte, großartige Bilder in einem Kriegsfilm gesehen. Man sieht alles, was man sich in seinem Kopf so vorstellen kann, was im Krieg passiert. (Die meisten von uns haben so etwas noch nicht erlebt). Zeitlupen, Nahaufnahmen und dergleichen erzeugen ein einzigartiges Gefühl, ich war absolut überwältigt.

Komplettiert von der düsteren Atmosphäre und dem Rauch und Feuer geschuldeten sehr eingeschränkten Sichtfeld, ist man ständig auf der Hut vor feindlichen Soldaten oder plötzlich niederregnenden MG-Salven. Der Schnitt passt dazu ebenfalls perfekt, was das Optische angeht, ist “Hacksaw Ridge” ganz vorne mit dabei. Die bedrohliche Soundkulisse, die sich jedoch nicht zu stark aufdrängt, rundet dieses Bild ab.

Dem gegenüber stehen die Bilder und Sounds aus dem Filmbeginn, als alles noch schön und idyllisch war. Doch auch diese Stimmung konnte sehr gut erzeugt werden. Alles wirkt an seinem Platz absolut stimmig.

Andrew Garfield im Einsatz in Hacksaw Ridge
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Der Hintergrund des Films ist ein realer. Desmond Doss war wirklich unbewaffnet im 2. Weltkrieg als Sanitäter an der Front und rettete dort ca. 75 Kameraden das Leben. Dafür erhielt er die höchste Auszeichnung seines Landes. Die Medal of Honor.

Als typischer Antikriegsfilm dient “Hacksaw Ridge” trotzdem nicht. Auch wenn er vermittelt, dass man auch im Krieg seine menschlichen Werte, nicht komplett abstreifen sollte und dennoch stets abwägen muss. US-typischer Pathos ist allgegenwärtig, was man aber unter Mel Gibson wohl auch erwarten muss.

Immerhin hat er die Japaner nicht als totale Monster dargestellt, ohne menschliche Züge, sondern auch ihnen hat er ein Gesicht gegeben und so kämpfen 2 Armeen gegeneinander, die sich gar nicht so unähnlich sind und die in manchen Momenten sogar kurz auf einer Wellenlänge liegen.

Auf dem Schlachtfeld in Hacksaw Ridge
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung. ©Universum Film GmbH

Einer der besten Kriegsfilme, die ich bisher gesehen habe und optisch wahrscheinlich sogar DER beste. Ich bin eigentlich kein Fan von diesem Genre, doch als ich den Trailer gesehen habe, wollte ich mir selbst ein Bild machen und ich bin sowas von positiv überrascht worden!

 

 

Die Vorgeschichte um Desmond Doss und seine Liebe nimmt nicht zu viel Zeit in Anspruch, wird jedoch mit viel Liebe und Hingabe detailiert gezeichnet. Jeder Protagonist erhält genügend Aufmerksamkeit und nach einer Weile kennt man die Charaktere gut genug, um ihnen durch die folgenden, schweren Zeiten zu folgen.

Die Etappe in der Kaserne ist auch ein einem gut gewählten Rahmen. Der Rest spielt sich auf dem Schlachtfeld ab, also nicht mit falschen Vorstellungen hinein gehen. Es fliegen sehr viele Körperteile durch die Luft und man sieht oft mehr vom Inneren des menschlichen Körpers als vom Äußeren.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:

Handlung/Dramaturgie
3
Figuren/Schauspieler
3
Ausstattung/Schauplätze
3
Form
2
Hintergrund
2
Vergleich im Genre
3
Durchschnitt:
  yasr-loader

©Universum Film GmbH

1 Kommentar

  • „Hacksaw Ridge“ – Die Entscheidung

    Erscheinungsjahr: 2016
    Genre: Drama/Kriegs-Antikriegsfilm
    Laufzeit: 139 Minuten
    FSK: 16
    Regie: Mel Gibson
    Darsteller:
    Andrew Garfield – Desmond T. Doss
    Teresa Palmer – Dorothy Schutte
    Vince Vaughn – Sergeant Howell
    Luke Bracey – Smitty Ryker
    Sam Wothinton – Captain Glover

    „Hacksaw Ridge“ ist einfach WOW!

    Soviel vorweg, wenn Ihr ein ordentliches Surround-System zuhause habt, dann dreht ordentlich auf.

    Der Film spielt sich im 2. Weltkrieg ab (um genau zu sein, vor der Küste von Japan) und beruht auf wahren Begebenheiten. Der Hauptdarsteller des Films ist Desmond T. Doss (herausragend gespielt von Andrew Garfield).
    Hacksaw Ridge fängt sehr brutal an, die Anfangssequenz übertrifft fast noch die von „Der Soldat James Ryan“ (wer ihn kennt, weiß wovon ich spreche).
    Hier wird gnadenlos mit der Kamera draufgehalten und die gesamte Brutalität des Krieges wird zum Vorschein gebracht, wirklich sehr hart. Da hat mich das FSK 16 doch etwas gewundert.

    Zu den einzelnen Personen:

    Desmond T. Doss wächst mit seinem Bruder in einem etwas bescheidenen Haushalt auf.
    Wobei sein Vater (gespielt von Hugo Weaving), ein Ex-Soldat aus dem 1. Weltkrieg, sehr mit sich selbst zu hadern hat und dabei sehr gern und oft zur Flasche greift. Seine Mutter ist diesem machtlos ausgesetzt und lässt es über sich ergehen. Bis zu einem gewissen Moment, wobei ich hier nicht näher darauf eingehen werde (Spoiler).
    Soviel sei noch gesagt, er wird ab diesem Zeitpunkt sehr gläubig und verweigert auch deswegen den Umgang mit dem Gewehr.

    Dorothy Schutte ist von Beruf Krankenschwester und arbeitet in dem Krankenhaus, in dem sich die beiden kennen und lieben gelernt haben. Sie wird hervorragend gespielt von Teresa Palmer und man nimmt ihr die Rolle in jeder Sekunde ab.

    Sergeant Howell ist ein Kapitel für sich. Gespielt von Vince Vaughn, den man ja eher aus Komödien (Die Hochzeits-Crasher, Old School, usw.) kennt, spielt hier einen Sergeant der besonderen Art.
    In der Ausbildung zum Soldaten nimmt er seine Jungs sehr hart ran, wobei dies ab und an sehr an „Full Metall Jacket“ erinnert.
    Man mag es kaum glauben, aber ab und zu war mir bei seinen Sprüchen echt zum Lachen zu Mute.
    Dieser Mann begleitet ihn später auch noch bis in den Krieg.

    Das war es erstmal zu den Personen. Ich möchte nicht näher darauf eingehen wegen der Spoiler-Gefahr 😉

    Aber ich kann den Film nur jedem ans Herz legen der auf Streifen steht wie: „Der Soldat James Ryan“, „Lone Survivor“, „American Sniper“. Allein, dass er nicht nur das Kriegsbild zeigt, was grausam genug ist, sondern auch die Hintergrundstory, damit man einige Zusammenhänge besser verstehen kann. Mel Gibson hat hier wirklich alles gegeben, Hut ab.

    Fazit:

    Mir hat er sehr sehr gut gefallen die 2 Std. 40 haben sich im rasenden Tempo weggeschaut.
    Eigentlich schade, ich hätte gerne noch mehr von Doss und seinen Kameraden gesehen 😉
    PS.: Für die Partnerin auch geeignet, weil auch etwas Romanze dabei ist 😉
    Ich kann ganz klar sagen, dieser Streifen landet ganz weit oben auf meiner Liste.

    Punkte 10/10