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Das höllische Team in Hellboy © Universum Film

Hellboy – Call of Darkness

Mit Hellboy (2004) und Hellboy – Die goldene Armee (2008) hat Guillermo del Toro seine Vision des von Mike Mignola geschaffenen Comic-Antihelden Hellboy verwirklicht. Nicht selten zählen Fans des Genres beide Verfilmungen zu den besten ihrer Art. Kein leichtes Erbe also, welches Neil Marshall mit seinem Reboot namens Hellboy – Call of Darkness antritt. Kann die Neuinterpretation überzeugen? Atmet sie den Geist der del Toro-Adaption oder orientiert sie sich stärker an der Comicvorlage? All das und mehr versuchen wir in dieser Rezension zu beantworten.

TitelHellboy – Call of Darkness
Jahr2019
ProduktionslandUSA
RegieNeil Marshall
DrehbuchAndrew Cosby
GenreSci-Fi/Fantasy
DarstellerDavid Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Alistair Petrie, Sasha Lane, Thomas Haden Church, Penelope Mitchell, Sophie Okonedo, Brian Gleeson, Kristina Klebe, Ashley Edner
Länge121 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihUniversum
Eines der Filmplakate zu Hellboy - Call of Darkness © Universum Film
Eines der Filmplakate zu Hellboy – Call of Darkness © Universum Film

Worum geht’s in Hellboy – Call of Darkness?

Wieder mal steht das Ende der Welt bevor. Die mächtige Hexe Nimue, gespielt von Milla Jovovich, schickt sich an, Tod und Zerstörung über die Menschheit zu bringen. Um sie und ihre Armee aus Dämonen zu stoppen, muss Hellboy (David Harbour) in die Bresche springen. Gemeinsam mit seinem Ziehvater Professor Broom (Ian McShane), dem knallharten Soldaten Ben (Daniel Dae Kim) und der magiebegabten Alice (Sasha Lane) stellt er sich der wiedergeborenen Hexe. Dabei bekämpft Hellboy aber nicht nur die Ausgeburten der Hölle, sondern auch seine ganz eigenen Dämonen der Vergangenheit.

Das höllische Team in Hellboy - Call of Darkness © Universum Film
Das höllische Team in Hellboy – Call of Darkness © Universum Film

Sinn und Unsinn des Reboots

So gut wie alle Fans der del Toro-Filme haben sich einen Abschluss der Trilogie mit Ron Perlman als Hellboy gewünscht. Daher stieß der Plan eines Reboots mit neuem Regisseur und neuem Hauptdarsteller zunächst auf wenig Gegenliebe. Um den Sinn hinter dem Reboot zu verstehen, muss man sich aber nur ein klein wenig mit der Entstehungsgeschichte des Films auseinandersetzen.





Dann wird schnell klar, dass Neil Marshall (unter anderem bekannt für The Descent und Doomsday) schon lange seine eigene düster-brutale Vision des berühmten Anti-Helden umsetzen wollte. Und auch Hellboy-Schöpfer Mike Mignola hat dem Reboot seinen Segen gegeben. Bei den Besuchen an den Sets des Films habe er laut eigenen Worten „gesehen, wie mein Comic zum Leben erwacht“.

Milla Jovovich als Hexe Nimue in Hellboy - Call of Darkness © Universum Film
Milla Jovovich als Hexe Nimue in Hellboy – Call of Darkness © Universum Film

Die Habenseite

Eine gewisse Eigenständigkeit kann man dem fertigen Film sicherlich nicht absprechen. Im Gegensatz zu den bisherigen zwei Filmen geht es doch deutlich rauer und härter zur Sache. Daher hat er sich das R-Rating (in Deutschland ist er ab 16 Jahren freigegeben) redlich verdient. Auch wenn die sehr schönen praktischen Splatter-Effekte von mittelgutem bis schlechtem CGI-Gewitter unterbrochen werden, kommen Gore-Hounds bei Hellboy – Call of Darkness definitiv auf ihre Kosten. Weiter muss man sagen, dass der spätestens seit Stranger Things bekannte David Harbour seine Sache als Höllenjunge ausgesprochen gut macht. Ob man in der Rolle ihn oder Ron Perlman besser findet, das entscheidet schlussendlich wohl der persönliche Geschmack.

Zudem gibt es in der zweiten Hälfte des Films einige interessante Höllenwesen zu sehen, bei denen sowohl Konzeption als auch technische Umsetzung sehr kompetent wirken. In diesen Momenten merkt man die engere Bindung zu der Comic-Vorlage. Leider sind diese Passagen viel zu kurz geraten.

Das Artdesign ist teilweise hervorragend in Hellboy - Call of Darkness © Universum Film
Das Artdesign ist teilweise hervorragend in Hellboy – Call of Darkness © Universum Film

Die Sollseite

Hellboy – Call of Darkness hat aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Bereits die beiden bisherigen Verfilmungen hatten eine ordentliche Menge an witzigen Szenen und Situationskomik zu bieten. Dieses Level versuchen das Drehbuch von Andrew Cosby und die Regie von Neil Marshall zu halten, scheitern dabei allerdings grandios. Während die Quantität der Gags und vermeintlich witzigen Situationen zugenommen hat, ist die Qualität teilweise extrem abgefallen. Im Verlauf der 121 Minuten zünden vielleicht drei oder vier Gags. Der Rest schwankt von schlicht nicht lustig bis sogar schon fast fremdschämig. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen. Hätte man versucht, etwas weniger gezwungen witzig zu sein, wäre zum einen die düstere Grundstimmung des Films noch besser zur Entfaltung gekommen und zum anderen hätte der gesamte Film deutlich griffiger gewirkt.

Eher auf der Soll- denn auf der Habenseite sind auch CGI und Musikuntermalung zu finden. Zu teils ausgesprochen tollen Effekten gesellen sich eine Menge manchmal schlicht freche Auswürfe aus der Tricktechnik-Abteilung. Zudem ist die Songauswahl für den Score mehr als fragwürdig. Ein Beispiel? „Rock You Like a Hurricane“ von den Scorpions während einer CGI-Kampfszene ist eine Sache. Warum man sich aber dann noch für die spanische Version des Rock-Klassikers entschieden hat, das wird wohl auf ewig das Geheimnis der Verantwortlichen bleiben.

Ian McShane als Professor Broom in Hellboy - Call of Darkness © Universum Film
Ian McShane als Professor Broom in Hellboy – Call of Darkness © Universum Film

Mein Fazit zu Hellboy – Call of Darkness

Neil Marshall liefert mit Hellboy – Call of Darkness ein waschechtes Reboot ab. Deutlich brutaler, schneller und hektischer als die del Toro-Werke präsentiert sich der Film als Fantasy-Trash-B-Movie-Mischmasch mit einer ordentlichen Portion Kunst- und CGI-Blut. In seinen schwachen Momenten eine Frechheit, in seinen guten Momenten gehobene Genre-Kost. Ob einem das für einen Hellboy-Film ausreicht, sei natürlich jedem selbst überlassen.

Unsere Wertung:

 

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Patrick Krämer

1 Kommentar

  • Hellboy – Call of Darkness hatte eigentlich, wenn man mal ehrlich ist, schon im Vorfeld keine Chance und wurde schon dort absolut niedergemacht. Einerseits kann ich diese Ablehnung auch verstehen. Ich hätte das Werk auch lieber in den Händen von Guillermo del Toro gesehen, dessen Filme ich liebe. Der Film an sich bietet zugegeben jede Menge Angriffspotential, was Kritik an der Erzählung (viel zu viel dahin geplapperte Exposition), Story und an einigen weiteren Entscheidungen angeht.

    Allerdings muss ich auch sagen, und das äußerst vehement, dass man, wenn man unvoreingenommen an die Sache rangeht und dem Streifen eine faire Chance gibt, durchaus sehenswerte zwei Stunden Unterhaltung serviert bekommt, die die grauen Zellen offensichtlich nicht herausfordert, dafür aber überwiegend launig, düster und brutal daher kommt.

    David Harbour, den die meisten wohl als grummeligen Sherrif aus Stranger Things kennen dürften, hatte nach dem wirklich tollen Ron Perlman große Fußstapfen zu füllen. Ich persönlich finde, dass er seine Sache höllisch gut gemacht hat und sichtlich Spaß an der Rolle hatte. Außerdem ist er optisch, was das Make Up bei ihm angeht, super gelungen. Ihn würde ich liebend gerne wieder in dieser Rolle sehen!
    Den guten Ron natürlich auch.

    Allgemein sind die Effekte auch überwiegend stark, verdammt blutig (!) und vor allem sehr kreativ, was das Design und die Inszenierung einiger Wesen (Ja, hier bist vor allem du gemeint, Baba Jaga <3) und der Apokalypse angeht. Die Actionszenen sind schön wuchtig, der Humor, der zwar nicht immer zu 100% zünden wollte, schön derbe und es tut einfach verdammt gut, mal wieder einen Dark Fantasy Streifen auf der großen Leinwand sichten zu können.

    Wirklich schade, dass es für eine Fortsetzung, für die ich sofort an Bord wäre, leider ziemlich schlecht aussieht. :/
    Eine sehr schöne Kritik jedenfalls!