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Schwer bewaffnete Extremisten dringen in das Hotel Taj ein

Hotel Mumbai

In seinem Langfilmdebüt nimmt uns Regisseur Anthony Maras mit nach Mumbai ins Jahr 2008, als dort im November eine Reihe fundamentalmuslimisch motivierter Terroranschläge die ganze Welt in Schockstarre versetzt hat. Hotel Mumbai ist die filmische Aufarbeitung dieser Terrortage.

TitelHotel Mumbai
Jahr2018
LandAustralien, USA
RegieAnthony Maras
DrehbuchJohn Collee, Anthony Maras
GenreAction, Drama, Thriller
DarstellerArmie Hammer, Dev Patel, Nazani Boniadi, Anupam Kher, Jason Isaacs
Länge123 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihUniversum Film
Dev Patel und Armie Hammer auf Cover von Hotel Mumbai
Das DVD Cover von Hotel Mumbai © Universum Film

Worum geht es in Hotel Mumbai?

2008 machten sich in der indischen Großstadt Mumbai zehn islamistische Attentäter auf, um ein Blutbad anzurichten. Ausgehend von einer Schießerei im Hauptbahnhof überzogen sie die Stadt mit Terror. Dabei wurden Hotels und andere viel besuchte Orte zu Tatorten des Terrors. Der Film konzentriert sich im Folgenden auf Einzelschicksale, an deren Seite der Zuschauer die Angst der tatsächlichen Opfer nachempfinden soll. Hotelpage Arjun (Dev Patel), der russischer Geschäftsmann (Jason Isaacs) und das Ehepaar David (Armie Hammer) und Sarah (Nazanin Boniadi) samt Neugeborenem durchleben das, was man wohl nicht mal dem schlimmsten Feind wünscht: Sie werden zu Geiseln der Terroristen im Hotel Taj. 

Schwer bewaffnete Extremisten dringen in das Hotel Taj ein
Die Terroristen besetzen den Hotel-Komplex © Universum Film

Die Krux mit den “wahren Begebenheiten”

Die Wiedergabe von realen Ereignissen, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind, ist immer ein Drahtseilakt. Denn man möchte den Film in der Art umsetzen, dass für den Zuschauer ein Mehrwert, abseits reinen Informationsgehalts, entsteht. Schlimmstenfalls wählt der Regisseur falsche Stilmittel, wählt den falschen Darsteller oder verzerrt durch Auslassungen das Geschehen. Vielleicht nimmt er dadurch gar dem Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden. Bei Verfilmungen realer Begebenheiten ist die Chance, harsche Kritik zu ernten, größer als bei allen anderen Arten von Film.

Der schonungslose Ansatz von Hotel Mumbai

Der Ansatz, den Anthony Maras in Hotel Mumbai verfolgt, ist in meinen Augen gut ausbalanciert. Man bekommt keine Figur vorgesetzt, die sich durch irrationale Entscheidungen extrem in Gefahr begibt, um dann zum Helden erhoben zu werden. Die Motive für die vermeintlichen Heldentaten hier sind allesamt nachvollziehbar. Dort steht zum einen der Küchenchef, der sich wie ein Patriarch für seine Angestellten und seine Arbeitsstätte verantwortlich fühlt. Zum anderen ist David bereit, sich sofort selbst für Frau und Baby zu opfern. Und dann gibt es noch Hotelpage Arjung, der auch in der Extremsituation seinem Berufsethos treu bleibt. Ob es diese Personen nun exakt so auch im echten Hotel Taj gegeben hat, sei natürlich dahingestellt. Jedoch als Archetypen, die für verschiedene Personen aus der damaligen Geiselsituation stehen, sind die Schicksale gut in die realen Hintergründe eingeflochten worden.

Gut gewählt ist der Fokus auf den Handlungsort im Hotel Taj. Die anderen Anschlagsziele werden zwar kurz thematisiert, aber sehr schnell konzentriert sich der Film auf die konfrontative Situation im Hotel. Dort hielten die Terroristen zahlreiche internationale Geiseln über mehrere Tage hinweg in ihrer Gewalt. Die Polizei war dabei weit davon entfernt, Herr der Lage zu werden, da die Spezialkräfte nicht unmittelbar abrufbar waren. Auch dies wird gut im Film dargestellt.

In Hotel Mumbai geht es den meisten ums reine Überleben
Armie Hammer als hilflose Geisel, der seine Familie mit seinem Leben verteidigen wird © Universum Film

Schauspieler mit Renommee, aber ohne Pathos

Armie Hammer und Dev Patel sind zwar große Namen, aber letztendlich spielen sie sich nie offensiv in den Vordergrund. Man nimmt ihnen ab, dass die Situation ihre Charaktere überrumpelt. Der einzige, der aus der Reihe fällt, ist der russische Geschäftsmann Vasili, gespielt von Jason Isaacs. Aber auch seine etwas überzeichnete Performance tut der mehr als soliden Ensembleleistung keinen Abbruch. Die unbekannten indischen Schauspieler, die einerseits die Terroristen verkörpern und andererseits auch unter den Geiseln mitwirken, sind schauspielerisch keine besonderen Talente. Doch in diesem speziellen Fall, denke ich, dass die fast laienhafte Darbietung der gespielten Überfordertheit aller Orten entgegenkommt. Der Strippenzieher hinter der Anschlagsserie taucht lediglich als Telefonstimme auf. Und doch hat er stets das letzte Wort über das Vorgehen seiner indoktrinierten Marionetten vor Ort.

Brutalität nicht als Selbstzweck

Das zentrale Element, durch das mich der Film wirklich überzeugt hat, ist die Darstellung der schieren Brutalität der Terroristen. Die pure Grausamkeit und Menschenverachtung dieser Mörder, die sich durch ihre religiöse Verklärung ihre Taten vor ihrem Gewissen zu rechtfertigen versuchen, schockiert dementsprechend nachhaltig. Dem entgegengestellt, sind die Geiseln absolut machtlose Opfer. Denn jeglicher Versuch, an den Rest von Menschlichkeit in den Tätern zu appellieren, verpufft im Ansatz. Das mag für den einen oder anderen zu sehr Schwarz-Weiß-Malerei sein. Aber, nüchtern betrachtet, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass auch die realen Täter so vorgegangen sind und nicht in Hollywood-typische Verhandlungsdialoge abgeschwiffen sind. Genau diese Darstellung der Bösen ohne Gewissen macht Hotel Mumbai authentisch und damit empfehlenswert.

Auch die Angestellten bangen um ihr Leben in Hotel Mumbai
Dev Patel durchlebt als Hotelpage die Hölle auf Erden © Universum Film

Unser Fazit

Hotel Mumbai unterhält letztlich nicht durch Überdramatisierung. Sondern er lässt den Zuschauer nachhaltig hinterfragen, was in unserer Welt schief gelaufen ist, dass Menschen anderen, vor allem unschuldigen Mitmenschen so etwas antun können. Er ist hierbei gewiss kein Actionthriller mit Wow-Effekten. Vielmehr stellt er einen geglückten Versuch dar, durch einen Spielfilm vor religiösem Fundamentalismus zu warnen, ohne die große Moralkeule zu schwingen.

Der Film ist seit dem 25. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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