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Maren Eggert und Dan Stevens relaxen verträumt auf der Wiese

Ich bin Dein Mensch

Mit Ich bin Dein Mensch liefert Maria Schrader einen deutschen Beitrag zum Wettbewerb der Berlinale ab, der versucht, existenzielle Fragen mit leichter Unterhaltung zu verbinden. Ob dies gelingt, erfahrt ihr hier!

TitelIch bin Dein Mensch
Jahr2021
LandDeutschland
RegieMaria Schrader
DrehbuchJan Schomburg, Maria Schrader
GenreRomanze, Komödie, Sci-Fi
DarstellerMaren Eggert, Dan Stevens, Hans Löw, Falilou Seck, Sandra Hüller
Länge105 Minuten
FSK
Verleih
Sandra Hüller steht adrett und lächelnd mit einem Clipboard in der Hand, hinter ihr der noch etwas steif wirkende Dan Stevens - Ich bin Dein Mensch
Eine Mitarbeiterin des Herstellers übergibt den Androiden © Christine Fenzl

Ich bin Dein Mensch – Handlung

In der nahen Zukunft steht eine Firma kurz davor, Androiden als Lebenspartner in den Handel zu bringen. Ein letzter Praxistest im Alltag soll die zur Zulassung noch zu packenden Hürden aus dem Weg räumen. Die Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert) stellt sich als Probandin zur Verfügung. Ihr Chef Roger (Falilou Seck), der Dekan des Pergamonmuseums, sitzt in der Ethik-Kommission zur Zulassung der Androiden und stellt ihr für ihre Hilfe einen dringend benötigten Forschungsetat in Aussicht. Und so wird ihr der auf sie zugeschnittene Android Tom (Dan Stevens) von einer überwachenden Angestellten (Sandra Hüller) für drei Wochen zur Probe übereignet. Doch der eingefleischten Single-Frau Alma fällt es schwer, das Experiment ernst zu nehmen, und begegnet den ersten unbeholfenen Versuchen Toms, sich in ihr Leben einzupassen, mit Sarkasmus…

Alte Idee neu aufbereitet

In der grundlegenden Prämisse erinnert Maria Schraders dritter Spielfilm Ich bin Dein Mensch mehr als nur ein wenig an Susan Seidelmans Komödie Ein Mann ala Carte (1987), in der John Malkovich den programmierten Galan gab. Allerdings geht es dem Drehbuch selbst nicht um Originalität, sondern mehr darum, ein zeitgemäßes Update dieser Idee abzuliefern. Protagonistin Alma ist eine Frau mittleren Alters, die ambitioniert wie auch rational veranlagt ist. Den Gedanken an eine feste Bindung scheint sie längst abgehakt zu haben, die Gründung einer eigenen Familie sowieso. Ihr Alltag dreht sich vor allem um ihre Arbeit, daneben offenbart der Umgang mit ihrem dementen Vater, den sie jeden Dienstag besucht, in ihrer freien Zeit allenfalls Routine.

Tom nimmt Alma anfangs eher als Fremdkörper wahr, und die Art, wie sich der Androide immer mehr auf sie einstellt, wirkt zuerst auch noch sehr mechanisch, sehr gewollt. Daraus ergibt sich dann eine Situationskomik, die zwar vorhersehbar erscheint, aber nie nur auf den kurzen Lacher selbst wert legt. Denn in ihrem Verhalten dem Androiden gegenüber spiegeln sich auch Almas Weltsicht, ihre Sehnsüchte und Ängste, wider. Gleichzeitig lernen wir als Zuschauer Alma fast auf dieselbe Weise wie Tom kennen und können seine Entwicklung nachvollziehen. Dadurch schafft es der Film tatsächlich, mit der Zeit eine Bindung zu beiden Protagonisten herzustellen. Das macht es dann auch leichter, darüber hinwegzusehen, dass Tom, eine Kunstfigur im doppelten Sinne, sich ab dem zweiten Drittel des Films in einigen Situationen vielleicht doch etwas zu gut in ihre Umgebung einfügt.

Maren Eggert lehnt mit verschränkten Armen gut gelaunt am Türrahmen und hört Dan Stevens zu - Ich bin Dein Mensch
Alma hält die Vorstellung eines Roboter-Partners eher für lachhaft © Christine Fenzl

Eine gute Mischung

Im Mittelpunkt steht aber immer vor allem die Gefühlswelt von Alma, die durch den Umgang mit dem künstlichen Lebenspartner anfängt, Bilanz zu ziehen. Das gelingt dem Skript mal mehr und mal weniger behutsam, zumeist trifft es aber den richtigen Ton. Es nimmt seine Figuren vor allem ernst und vermeidet dabei jede Ablenkung. Der SF-Aspekt des Film erschöpft sich darum auch in der Existenz der Androiden und kurzer Details wie ein Raum voller Hologramme. Es geht weniger um die Zukunft der Menschheit, sondern um die Befindlichkeiten des Individuums in einer Welt im Umbruch. Vielleicht kann man es sogar als Glücksfall sehen, dass der Film mitten in der aufkeimenden Corona-Pandemie entstanden ist, denn so musste sich die Produktion auf wenige Drehorte und Darsteller beschränken. Das gelingt nämlich sehr gut, Ich bin Dein Mensch fokussiert die Hauptfiguren, ohne dass sie künstlich isoliert erscheinen.

Vor allem begeht man nicht den Kardinalsfehler, alles ausformulieren zu wollen. In der Bewertung der Thematik gibt sich die Erzählung ambivalent und überlässt es dem Zuschauer, eigene Schlüsse zu ziehen. Der Film fügt der Thematik nichts unbedingt Neues hinzu, aber durch die Entwicklung der Gesellschaft und den hinzugekommenen Beschränkungen durch die Pandemie erhält er Relevanz und Kontext. Alleine das hebt ihn schon von anderen seichten Romantic-Comedies ab, genauso, dass er seine SF-Elemente zwar nicht sehr stark hervorhebt, aber dennoch nicht verleugnet. Er bietet über weite Strecken ein sehr gutes Verhältnis zwischen seiner Intention, zu unterhalten, und der Ambition, zu hinterfragen.

Hintergrund

Ich bin Dein Mensch ist eine Produktion, die durch den SWR initiiert wurde, und basiert auf einer Kurzgeschichte aus dem Band 2029 – Geschichten von morgen, die die Vorlage zu einer Fernsehreihe der ARD bildet. Davor entstand schon der SF-Film Exit (2020) als Koproduktion des NDR und SWR.

Die preisgekrönte Schauspielerin Maria Schrader (Keiner liebt mich, Aimeé und Jaguar) ist nun schon seit 2007 als Regisseurin aktiv. Sie machte zuletzt mit der Netflix-Miniserie Unorthodox (2020) auf sich aufmerksam, für die sie einen Primetime Emmy gewinnen konnte. Das Drehbuch verfasste sie zusammen mit Jan Schomburg, mit dem sie schon zusammen bei ihrem zweiten Film Vor der Morgenröte (2016) zusammenarbeitete.

In der Rolle der Alma ist Maren Eggert zu sehen, die von 2003 bis 2015 die Psychologin Frieda Jung im Kieler Tatort um Axel Milbergs Kommissar Borowski spielte. Seit der Spielzeit 2010/11 gehört sie außerdem zum festen Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin. Der Brite Dan Stevens verkörpert den Androiden Tom, inklusive eines britischen Akzents. Er ist international für u.a. seine Hauptrollen in The Guest (2014) von Adam Wingard und Disneys Die Schöne & das Biest (2017) bekannt. Eggert und Stevens verbindet vor der Kamera eine gute Chemie, was noch durch gut besetzte Nebenrollen unterstützt wird.

Maren Eggert und Dan Stevens schauen sich auf der Tanzfläche in die Augen - Ich bin Dein Mensch
Allerdings scheint die Verheißung eines perfekten Partners auch verlockend © Christine Fenzl

Unser Fazit zu Ich bin Dein Mensch

Maria Schrader schuf mit Ich bin Dein Mensch keinen wirklich innovativen, aber kontextuell thematisch sicherlich relevanten Beitrag für die diesjährige Berlinale. Es ist eine Komödie mit Tiefgang, die sich ihrer Grenzen immer wohl bewusst ist und es tunlichst unterlässt, am Ende alles in Wohlgefallen aufzulösen. Es ist eine gute Mischung aus Unterhaltung und philosophischen Gedankenspielen, die ein Blick in die Zukunft der Gesellschaft aufwirft, in der wir immer älter werden, aber auch scheinbar mehr und mehr vereinsamen. Die reduzierte Inszenierung und das gute Ensemble unterstützen das intelligente Drehbuch, das keine einfachen Botschaften transportiert, sondern zu eigenen Gedanken und Selbstreflektion anspornt.

Ich bin Dein Mensch läuft bei der Berlinale 2021 im Wettbewerb um den Goldenen Bären!

Unsere Wertung:

 

 

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