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Jennifer sitzt im Auto und wird vom Tankwart angesprochen - Ich spuck auf Dein Grab

Ich spuck auf dein Grab

Der Rape’n’Revenge-Film Ich spuck auf Dein Grab von 1978 beschäftigte in den 80ern aufgrund seiner Gewaltdarstellungen die Gerichte. Ob er heute noch genauso ein großes Schockpotenzial besitzt, wie früher, erfahrt ihr in unserer Review!

I Spit on Your Grave 1978 - Ich spuck auf Dein Grab

TitelIch spuck auf Dein Grab (OT: Day of the Woman)
Jahr1978
LandUSA
RegieMeir Zarchi
DrehbuchMeir Zarchi
GenreThriller, Horror
DarstellerCamille Keaton, Eron Tabor, Richard Pace, Anthony Nichols, Gunther Kleemann
Länge101 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihTiberius Film
Jennifer hat Dreck und Blut im Gesicht - Ich spuck auf dein Grab
Camille Keatons Rolle erfordert vollen Körpereinsatz … © Tiberius Film

Ich spuck auf Dein Grab – Handlung

Die New Yorker Jungschriftstellerin Jennifer (Camille Keaton) mietet sich ein abgelegenes Ferienhaus auf dem Land. Hier möchte sie ihren Debütroman verfassen. Die Ankunft der attraktiven, jungen Frau bleibt unter den Bewohnern des nahe gelegenen Dorfes nicht unbemerkt. Der geistig zurückgebliebene Matthew (Richard Pace) bringt ihr die Einkäufe hier raus. In der Kneipe erzählt er seinen Kumpels Johnny (Eron Tabor), Andy (Anthony Nichols) und Stanley (Gunther Kleemann) aufgeregt von der Urlauberin. Diese fassen den Plan, Jennifer in ihrer abgeschiedenen Bleibe einen Besuch abzustatten. Für sie beginnt nun eine erniedrigende Tortur sexueller Gewalt…

Die Vergewaltigung und die Rache in Ich spuck auf Dein Grab

In den 1970er-Jahren wurde durch Filme wie Sam Peckinpahs Wer Gewalt sät (1971) und Wes Cravens Das letzte Haus links (1972) die erste Welle von Rape’n’Revenge-Filmen losgetreten. Damit einhergehend wurde der Grad an sexueller Gewalt in diesen Filmen immer weiter angezogen. Mit Ich spuck auf Dein Grab (1978) erreichte dieser Trend dann seinen vorläufigen Höhepunkt. Bis zum erneuten Auflodern dieses Subgenre ab dessen Remake I Spit on your Grave aus dem Jahre 2010 gab es kaum etwas vergleichbares mehr.

Und tatsächlich muss man konstantieren, dass die größte Qualität von Ich spuck auf Dein Grab, so man es denn so nennen mag, eben diese intensive Darstellung sexueller Gewalt. Diese unendlich lang erscheinende Passage in der Mitte des Films, in der die vier Männer über Jennifer herfallen, ist auch heute noch schwer zu ertragen. Regisseur Meir Zarchi unterlässt es dabei glücklicherweise, diese sexuelle Gewalt zu ästhetisieren. Diese Szenen haben bewusst nichts erotisches oder anregendes an sich. Leider konterkariert das Skript diese Szenen ein wenig mit der Figur des geistig zurückgebliebenen Matthew. Er wird von den anderen immer aufgezogen, auch ist er während der Vergewaltigung unfähig, zum Höhepunkt zu kommen, eben weil die anderen ihm zusehen.

Jennifer steht vor dem Auto, zielt mit einer Pistole - Ich spuck auf Dein Grab
… denn das Opfer mutiert zum Racheengel © Tiberius Film

Der obligatorische Revenge-Part nimmt sich danach erst einmal die Zeit, dass Täter wie Opfer, jeder für sich, die Tat reflektieren können. Nach einem Besuch in der Kirche, bei dem sich Jennifer scheinbar die Absolution für das abholt, was nun folgen wird, macht sie sich daran, ihre Peiniger zu bestrafen. Allerdings hat das Drehbuch nur für die ersten beiden, den zurückgebliebenen Matthew und den Rädelsführer Johnny, eine jeweils genauso fiese wie originelle Methode der Tötung parat.

Fiktive Gewaltakte als Spiel mit Emotionen

Wir brauchen uns nichts vormachen: Ich spuck auf Dein Grab ist ein Exploitationfilm, ein Unterhaltungsfilm härterer Gangart. Meir Zarchi setzt darauf, seine Zuschauer*innen mittels der sexuellen Gewalt vor den Kopf zu stoßen, im besten Fall zu paralysieren. Die darauf erfolgende postwendend auf die Vergewaltiger angewandte tödliche Gewalt wird als Katharsis durch Selbstjutiz dargeboten. Was in der Realität natürlich zu verurteilen ist, stellt aber im Film ein Spiel mit den Gefühlen des Zuschauers dar. Zu dieser Ansicht kam schließlich auch die deutsche Justiz im Jahre 2020, als man die Beschlagnahme ds Films aufhob.

Ob die dargestellte Selbstjustiz eine Verheerlichung von Gewalt darstellt, mag immer noch strittig sein. Allerdings stellt es sich schon so dar, dass Jennifer im Film selbst schwerste psychische Strapazen auf sich nimmt und ihren eigenen Körper instrumentalisiert, um ihre Rache zu vollziehen. Sie erscheint hier eher wie eine getriebene Psychopathin, ihre Taten präsentieren sich kaum nachahmenswert. Die Freigabe ab 18 Jahren durch die FSK ist heutzutage also durchaus vertretbar. In dem Vereinigten Königreich etwa gibt es ihn bis heute nur in zensierter Form.

Nüchtern betrachtet

Man merkt schon, es ist schwer, den Film auf gewöhnliche Weise zu betrachten. Um jetzt endlich auch mal darauf zu kommen, lässt sich feststellen, dass die Geschichte an sich reichlich banal ist. Der Inszenierung kann man von daher schon eine gewisse Effektivität bescheinigen, denn ansonsten würde Ich spuck auf Dein Grab kaum als Grundlage zahlreicher Diskussionen eignen. Schnitt und Kameraführung sind gelungen, im Vergleich zum Remake von 2010 sieht das richtig nach Kinofilm aus.

Die darstellerischen Leistungen sind eher durchwachsen. Erstaunlicherweise können jedoch fast alle überzeugen, wenn es zu den berüchtigten Szenen kommt. Nur Matthew erscheint als Fremdkörper, auch wenn seine Rolle hier nicht belustigt, sondern mehr irritiert. Vielleicht ist dies sogar von Zarchi so gewollt gewesen, dass er den Zuschauer nicht ablenken, das Szenario nicht abmildern, sondern ihn noch weiter verstören wollte. Jedoch ist die Diskrepanz zwischen Rahmenhandlung und Gewaltakt einfach zu groß, um dies abschließend beurteilen zu können.

Matthew hängt tot an einem Baum - Ich spuck auf Dein Grab
Niemand kommt mit dem Leben davon © Tiberius Film

Der Kult um das bespuckte Grab

Aufgrund seiner reduzierten Story und den schonungslosen Gewaltszenen erarbeitete sich Ich spuck auf dein Grab schnell einen gewissen Ruf. Das machte ihn für Fans abseitiger und brutaler Filmkost interessant, wovon alleine zwei ungekürzte, deutsche Videoauflagen von 1983-87 künden. 1993 erschien mit Savage Vengeance zudem ein (inoffizielles) Sequel, in dem Camille Keaton in ihrer Rolle als Jennifer Hills zurückkehrte. Kurz zuvor wurde schon das Selbstjustizdrama Eyes of the Prey als Ich spuck auf Dein Grab 2 vermarktet.

Im Jahr 2010 wurde die bis dahin unbekannte Aktrice Sarah Butler als Hauptdarstellerin im Remake I Spit on your Grave zu einem Liebling der Rape’n’Revenge-Fans. Der Film brachte es auf zwei Sequels für den Videomarkt. Meir Zarchi nutzte die Gunst der Stunde, um eine eigene Fortsetzung zu lancieren. I Spit on your Grave – Dejá Vu zeigt abermals Camille Keaton, die dieses Mal zusammen mit ihrer Tochter in die Hände von Hinterwäldlern fällt. Es ist also nicht vermessen, bei dieser Film-Franchise tatsächlich von Kult, bei Ich spuck auf Dein Grab damit auch von Kultfilm zu sprechen, zumal er über die Jahre von unzähligen Filmen zitiert oder sogar persifliert wurde.

Gleichzeitig mit der ungeschnittenen Fassung des Originalfilms bringt Tiberius Film nun auch die Dokumentation Aufgewachsen mit I Spit on your Grave (2019) nach Deutschland. Sie stammt von Terry Zarchi, dem Sohn des Regisseurs, und lässt einige der Beteiligten über den Dreh und die Zeit Ende der 70er zu Wort kommen.

Unser Fazit zu Ich spuck auf Dein Grab

Alles in allem kann man nicht behaupten, dass Ich spuck auf Dein Grab ein wirklich guter Film ist. Allerdings muss man Regisseur Meir Zarchi attestieren, die gezeigten Gewaltakte zwar sehr plakativ, aber auch effektiv eingesetzt zu haben. Die Zuschauer*innen sind eindeutig gezwungen, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen, zu derbe, zu real erscheint die langgezogene Vergewaltigung, als dass man sie ignorieren könnte. Kritisieren kann man den Comic Relief, den die Rolle des Matthew zum Teil einbringt, welcher das Ganze ein wenig verwässert. Außerdem gehen dem Skript ganz zum Ende dann merklich die Ideen aus, denn die Fantasie Zarchis hat nur für zwei der Täter gereicht, während die letzten beiden etwas lustlos abgefrühstückt werden.

Die ungeschnittene Fassung Ich spuck auf Dein Grab sowie die Dokumentation Aufgewachsen mit I Spit On Your Grave sind seit dem 14. Oktober per VoD zum Kauf und zur Leihe erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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