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Frank Capua, gespielt von Paul Newman, trägt einen Siegeskranz um den Hals. Er ist umringt von Presseleuten und gibt Interviews.

Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod

Und noch ein Rennfahrerfilm… Nach den Erfolgen von Rush und Le Mans 66- Gegen jede Chance werden offenbar jede Menge Filme rund ums Autorennen auf den Markt geworfen. Darunter auch ein paar Oldies. Ob Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod allerdings das Zeug zum Klassiker hat, erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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TitelIndianapolis – Wagnis auf Leben und Tod (OT: Winning)
Jahr1969
LandUSA
RegieJames Goldstone
DrehbuchHoward Rodman
GenreSportfilm, Drama
DarstellerPaul Newman, Joanne Woodward, Robert Wagner, Richard Thomas, David Sheiner, Clu Gulager
Länge123 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures Germany
Das Cover der Blu-ray von Indianapolis - Wagnis auf Leben und Tod zeigt Zeichnungen von Paul Newman als Frank Capua und Joanne Woodward als Elora, die sich küssen. Luther Erding, gespielt von Robert Wagner, steht rechts daneben und blickt auf das Paar. Unter ihnen rasen Rennwagen über die Strecke.
Das Cover der Blu-ray von Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod. © Universal Pictures

Darum geht’s in Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod

Frank Capua (Paul Newman) ist in Indianapolis ein erfolgreicher Rennfahrer. Und als er zufällig die attraktive Elora (Newmans Gattin Joanne Woodward) hinterm Tresen einer Autovermietung erblickt, tritt er auch in Liebesdingen aufs Gas. Es dauert nicht lange, und die beiden sind verheiratet. Was auch Eloras heranwachsenden Sohn Charley (Richard Thomas) freut, der in Frank einen Ersatzvater findet.

Auf der Rennpiste muss sich Frank mit Erzrivalen Luther Erding (Robert Wagner) plagen, wenn auch in eher freundschaftlicher Konkurrenz. Doch als Luther ein Auge und noch etwas mehr auf Elora wirft, verschärft sich die Konkurrenz – und mit der Freundschaft ist es Essig. Die Spannungen um Elora werfen Frank aus der (Renn-)Bahn. Wäre da nicht das größte und härteste Rennen der USA zu fahren: Die 500 Meilen von Indianapolis. Und am Ende heißt es frei nach ABBA: The Winner Takes It All!

Die Spannung einer Pusteblume

Wer von Indianapolis spannende Rennszenen erwartet, muss sich in Geduld üben. Und die wird ziemlich überstrapaziert. Vielleicht wollte Regisseur James Goldstone, der bis auf Achterbahn (1977) eigentlich nur mit Rohrkrepierern im Kino auf sich aufmerksam machte, schon mit den ersten Bildern eine Vorwarnung senden: Man sieht eine Pusteblume, Schwenk auf einen noch unverblühten Löwenzahn. Dann das Gesicht eines schlafenden Mannes, eine Frau wickelt ihr Baby. Alles friedliches Vorspiel im Publikumsareal vor einem nicht sonderlich spektakulären 200-Meilen-Rennen.

Frank, gespielt von Paul Newman, sitzt in seinem Rennwagen und berät sich beim Boxenstopp mit einem Mechaniker.
Boxenstopp: Frank berät sich mit einem Mechaniker. © Universal Pictures

Vermutlich hielt Goldstone diese Elemente in Indianapolis für spannungssteigernd. Stattdessen wirkt es wie eine einschläfernde Wellnessmassage – nicht zuletzt auch wegen der süßlichen Untermalung mit typischer Easy-Listening-Mucke der späten 60er, frühen 70er Jahre von Dave Grusin. Ein bisschen Feelgood-Movie. Und ein bisschen belanglos.

Die langsamste Überblendung der Filmgeschichte

Frank siegt. Doch statt sich, wie man es vielleicht erwarten würde, mit einigen willigen Motorsportmiezen zu vergnügen, streift er betrunken durch die Straßen. Die Einsamkeit des Siegers nach der Feier. Die freche Anmache, mit der er Elora bezirzt, zeigt immerhin Newmans opulenten Charme. Die folgende Kussszene wird dann zur wohl langsamsten Überblendung der Filmgeschichte zerdehnt. Und hier sollte nun jedem klar geworden sein: Indianapolis ist weniger ein Film über Autorennen als ein Liebesdrama.

Frank, gespielt von Paul Newman, und Elora, gespielt von Joanne Woodward, tauschen auf der leeren Rennstrecke Zärtlichkeiten aus.
Ein Liebesfilm: Frank und Elora (Joanne Woodward) genießen noch ungetrübte Tage. © Universal Pictures

„Das Schwerste im Leben ist eigentlich, allein zu sein“, wird Elora wenig später zu Frank sagen. Wobei sie sicher meint, es sei schwer zu ertragen. Denn allein zu sein, geht eigentlich ganz leicht. Auch in einer Ehe. Frank ist zwar ein liebenswerter und herzensguter Kerl, aber leider mehr in seine Arbeit als Rennfahrer verliebt als in seine Frau. So fühlt sich Elora bald allein gelassen und sucht Trost.

Gefühlvolle Parallelmontage

Der Bruch der beiden ist in Indianapolis tatsächlich gelungen inszeniert. In einer ausgefeilten Parallelmontage werden die Gefühle der beiden deutlich spürbar. Was natürlich der guten schauspielerischen Leistung von Newman und Woodward zu danken ist. Die Chemie stimmte, auch privat. Woodward und Newman waren 50 Jahre bis zu Newmans Tod miteinander verheiratet und spielten in 14 Filmen zusammen.

Luther Erding, gespielt von Robert Wagner, sitzt in Indianapolis - Wagnis auf Leben und Tod vor dem Rennstart in seinem Wagen und bekommt letzte Tipps von einem Mechaniker.
Der Konkurrent: Luther Erding (Robert Wagner) will Frank nicht nur auf der Rennpiste ausstechen. © Universal Pictures

Robert Wagner hat dagegen nicht zu viel zu tun. Sein betretenes Gesicht als ertappter Schlawiner zeugt von mimischer Beherrschung, ansonsten wird er nicht viel gefordert. Wagner ist ja auch stärker wegen seiner undurchsichtigen Rolle im Fall des noch immer ungeklärten Todes seiner Frau Natalie Wood in Erinnerung geblieben, denn als Schauspieler. Erfreulich ist der erste größere Filmauftritt von Richard Thomas als Eloras Sohn Charley, den Fans alter Serien noch als John-Boy in Die Waltons kennen, der aber auch in der ersten, zu Unrecht fast vergessenen TV-Verfilmung von Stephen Kings Es (1990) gut aussah.

Die Story von Indianapolis ist klischeebeladen, nimmt jedoch eine Wendung, die für damalige Verhältnisse recht modern daherkommt. Die Untreue Eloras wird nicht verdammt, sondern als Folge von Vernachlässigung nachvollziehbar umrahmt. So räumt auch Frank ein: „Ich kann mit einem Wagen umgehen, aber nicht mit dem Leben.“ Die Schuldfrage weicht dem in den 1960ern noch ungewohnten Zerrüttungsprinzip. Ersteres wurde in Deutschland erst 1976 in Scheidungsverfahren abgeschafft. Wieder ist es Frank, der erkennt: „Warum muss man immer sofort auseinanderrennen. Meistens haben beide Teile Schuld.“

Frank, gespielt von Paul Newman, ist kurz vor Rennstart von Kameraleuten und Fotografen umgeben in Indianapolis - Wagnis auf Leben und Tod.
Medienrummel: Schon vor dem Rennen drängen sich Kameraleute und Fotografen um Frank. © Universal Pictures

Rasantes Rennen in Indianapolis

Womit wir schließlich auch wieder beim Rennen angelangt sind. Denn finaler Höhepunkt von Indianapolis ist dann das besagte 500-Meilen-Rennen, das in weiten Teilen durchaus spannend in Szene gesetzt ist. Paul Newman hatte als begeisterter Rennfahrer sicher seinen Spaß am Dreh. Trotz der störend in Nahaufnahmen verwendeten und leider zu gut erkennbaren Rückprojektion soll er doch auch auf dem Kurs gelegentlich selbst am Steuer gesessen haben. Rasante Schnitte erzeugen darüber hinaus starke Dynamik, die dann leider beim erneut easy-listening-überfrachteten und mit Standbildern sowie Flashbacks unterlegten Boxenstopp unnötig ausgebremst wird. Dennoch: Zahlreiche dokumentarische Aufnahmen vom echten Renngeschehen in Indianapolis sorgen für authentisches Flair, an dem auch Fans des Motorsports Gefallen finden dürften.

Mein Fazit zu Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod

Letztlich aber reicht das nicht aus, um Indianapolis zu einem spannenden Sportfilm zu machen. Fans von Paul Newman werden auf ihre Kosten kommen, sofern sie Gefallen an einem etwas betulichen Liebesdrama finden können. An Klassiker wie Grand Prix von 1966 kommt der Streifen nicht heran. Am Bild der Blu-ray lässt sich indes nichts aussetzen. Es ist gegenüber der mittlerweile 13 Jahre alten DVD-Veröffentlichung von Koch Media ein klarer Gewinn. Ob es dafür allerdings den überflüssigen deutschen Zusatztitel gebraucht hätte, darf bezweifelt werden. Zumal trotz einiger Crashs der Wagemut in dem Streifen nicht allzu lebensbedrohlich daher kommt. Mit der HD-Veröffentlichung dürften sich indes die Fantasiepreise, die aktuell noch für die Koch-Scheibe verlangt werden, erledigt haben.

Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod ist ab dem 3. 12. 2020 erstmals auf Blu-ray erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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