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Kalte Füße

Mit dem Film Kalte Füße präsentiert uns Regisseur Wolfgang Groos unter der Obacht Sonys eine Verwechslungskomödie. Diese handelt getreu dem Motto “Irren ist menschlich, vergeben göttlich”. Ob der Film sich in seinen Ambitionen geirrt hat und ob man ihm dies nachsehen kann, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelKalte Füße
Jahr2018
ProduktionslandDeutschland, Österreich
RegieWolfgang Groos
DrehbuchChristof Ritter
GenreKomödie, Romanze
DarstellerEmilio Sakraya, Sonja Gerhardt, Heiner Lauterbach, Alex Czerwinski, Gerti Drassl, Jasmin Gerat, Jeanne Goursaud, Adam Halajczyk, Aleksandar Jovanovic, Michael Ostrowski, Roman Schomburg
Länge93 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihSony Pictures
Das Filmplakat zu Kalte Füße ©Sony Pictures
Das Filmplakat zu Kalte Füße ©Sony Pictures

Eine eingeschneite Verwechslung! Die Handlung von Kalte Füße

Denis (Emilio Sakraya) ist ein Kleinganove; zumindest hält er sich für einen. Beruflich auf die falschen Wege geraten, versucht er sich mit marginalen Betrügereien über Wasser zu halten. Um seinen finanziellen Problemen entgegenzuwirken, leiht er sich Geld bei Adam (Aleksandar Jovanovic). Da er dieses nicht fristgerecht zurückzahlen kann, bricht er in die Villa des Schlaganfallpatienten Raimund (Heiner Lauterbach) ein.

Während seines Raubzuges wird er von Raimund entdeckt. Auch dessen Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt) erwischt ihn im Haus, hält ihn jedoch für den Krankenpfleger ihres Großvaters. Da dieser nicht in der Lage ist zu sprechen und das Haus inzwischen durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wurde, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel. Denis und Raimund versuchen Charlotte auf ihre jeweilige Seite zu ziehen, während diese sich zwischen den Fronten des attraktiven Einbrechers und des griesgrämigen Familienangehörigen befindet. Doch Denis hat zudem ganz andere Probleme… Adam hat noch eine Rechnung zu begleichen.

Denis (Emilio Sakraya, re.) versucht seine Schulden bei Adam (Aleksandar Jovanovic) zu begleichen ©Sony Pictures
Denis (Emilio Sakraya, re.) versucht, seine Schulden bei Adam (Aleksandar Jovanovic) zu begleichen ©Sony Pictures

“Schuster…

Mit Kalte Füße hat sich Regisseur Wolfgang Groos erstmals in seiner Karriere an das “große” Kino gewagt. Zuvor ist sein Repertoire der filmischen Schöpfungen, eher in das Genre des Kinder- und Familienfilms einzuordnen (Hexe Lilli rettet Weihnachten, Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, Die Vampirschwestern 2, Vorstadtkrokodile 3). Auch Drehbuchautor Christof Ritter griff erstmals für das Kino zum Stift, nachdem er bereits für die Handlung manch einer TV-Produktion gesorgt hat (Magda macht das schon!, Das total verrückte Weihnachten, Wie angelt man sich eine Chefin).




… bleib’ bei deinen Leisten”

Selbstverständlich kann es immer wieder sein, dass Regisseure und Drehbuchautoren über ihren Schatten springen und ihre Genialität im Rahmen des Kinos unter Beweis stellen. So geschehen zum Beispiel bei Ed Ehrenberg und seinem Kriegsdrama Höre die Stille

Doch Groos und Ritter werden noch auf ihren Durchbruch warten müssen. Denn mit Kalte Füße ist ihnen kein Meisterwerk gelungen und ich schrecke gar davor zurück, die Produktion als guten Film zu bezeichnen. Stattdessen handelt es sich um eine mit klischeehaften Banalitäten versehene und standardisierte Produktion, die allenfalls im freien Fernsehen eine Existenzberichtigung gehabt hätte, aber keineswegs in die Hallen der Leinwandkunst gehört. Dass Sony sich mit diesem Film rühmt, ist mehr ein Eigentor, denn geschicktes Marketing.

Personalisierte Klischees

Die Charaktere in Kalte Füße sind so klischeehaft wie kalte Füße im Winter. Der Plot dreht sich um Denis, Charlotte und Raimund.

Denis (Emilio Sakraya), Raimund (Heiner Lauterbach) und Charlotte (Sonja Gerhardt) ©Sony Pictures
Denis (Emilio Sakraya), Raimund (Heiner Lauterbach) und Charlotte (Sonja Gerhardt) ©Sony Pictures

Ersterer ist ein sich cool fühlender, junger Mann, der dabei ist, einen falschen Weg einzuschlagen. Im Herzen ist er jedoch ein guter Mensch. Er erkennt, dass sich Verbrechen nicht auszahlen und dass es Wichtigeres im Leben gibt, wie Familie und Liebe. Dies erkennt er durch die Bekanntschaft mit Charlotte. Eine junge, gutgläubige Frau, die sich durch wenig berufliche Selbstsicherheit auszeichnet und deren Vorliebe für Regeln ihr im Werdegang als Polizistin im Weg steht. Hinzu kommt ihre Naivität, da sie sich immer wieder von ihrem Freund vorführen lässt. Bis sie sich dann letztendlich in Denis verliebt und ihm seine Verbrechen verzeihen kann. Zu guter Letzt stellt Raimund den garstigen, alten Mann dar, der niemanden mag, im Inneren jedoch gutherzig ist. Die Anwesenheit von Denis und Charlotte lässt ihn zur Einsicht gelangen.

Kurz gefasst: naive, rechtschaffene Frau verliebt sich in zügellosen, muskulösen Mann, während ein garstiger, alter Herr mit gutem Herzen den Kontext der allseits bekannten TV-Romanze darstellt. Noch mehr klischeehafte Banalität ist somit nahezu unmöglich. Bei der Erläuterung dieser kann man nicht mal mehr von Spoilern reden, da sich einem die Handlung und deren Ausgang bereits nach zwanzig Minuten erschließt. Die Handlung ist simpel gestrickt, die Schauspieler dem Niveau des Film entsprechend und die Musik keiner Rede wert. Das einzige, was Kalte Füße in einem hervorzurufen vermag, ist die Sehnsucht nach Schnee während der Weihnachtstage.

Beim Skifahren kommen sich Denis (Emilio Sakraya) und Charlotte (Sonja Gerhardt) näher ©Sony Pictures
Beim Skifahren kommen sich Denis (Emilio Sakraya) und Charlotte (Sonja Gerhardt) näher ©Sony Pictures

Eine ausgebeutete Moral

Guten Herzens kann man dem Film einen positiven Aspekt abgewinnen: Er hat eine Moral. Wenn auch eine, die sich zumindest im filmischen Bereich längst überlebt hat. Die Predigt, die dem Zuschauer hier gehalten wird, handelt von solchen “Klassikern”, wie “Böses zahlt sich nicht aus”, “Die Liebe gewinnt immer” und “Familie ist das Wichtigste”. Kombiniert mit einer Prise Vergebung und Nachsicht, ergibt sich eine Moral, die nicht nur mit dem Zaunpfahl winkt, sondern gleich den gesamten Zaun nach dem Zuschauer wirft.

Bei all der Oberflächlichkeit und den stereotypischen Charakterzeichnungen, die an der Grenze des Sexismus’ kratzen, ist dies leider nur ein kleiner Aspekt. Denn diese Moral ist nichts neues; sie ist allseits bekannt und es gibt unzählige Filme, die sie als Lehre ins Drehbuch aufgenommen haben. So ist man bereits 1000 Mal von dieser Botschaft berührt worden und nach 1000 Mal passiert leider auch nichts mehr. Einfallsreichtum und/ oder Genialität kann man dem Film nicht zugestehen.

Auch die Witze und lustigen Momente zeugen nicht von Kreativität und sind zumeist vorhersehbar. Selbstredend scheiden sich die Geister und womöglich mag der Film den Humor manch eines Zuschauers treffen. Doch unter dem Strich muss festgehalten werden, dass wenig Komik vertreten und diese meistens auch nicht gut ist. Da es sich hier um eine Komödie handelt, kann man Humor durchaus voraussetzen. Doch leider wird auch der Witz von Kalte Füße unter den Schneemassen begraben.

Mein Fazit zu Kalte Füße

Klischees und Stereotypen gepaart mit einer seichten Handlung, die von Anfang bis Ende vorhersehbar ist, lassen Kalte Füße zum Opfer eines kritischen Schneesturms werden. Man kann dem Film leider wenig gutes abgewinnen, da selbst der Unterhaltungswert in den Wirren des Schneegestöbers verloren geht. Vorhersehbarkeiten und Witze, die nicht zünden wollen, zeugen von verpassten Möglichkeiten.

Kalte Füße ist ein Film, der durchaus als TV-Produktion laufen könnte und womöglich gar den ein oder anderen zu unterhalten vermag. Doch solltet ihr nun kalte Füße bekommen, wenn es um die Entscheidung geht, diesen Film zu gucken, dann seid versichert, dass man getrost auf seine Füße hören kann. Diese Produktion zu verpassen, heißt rund 90 Minuten Lebenszeit dazu zu gewinnen, in denen man sich wahren Meisterwerken oder gekonnten Unterhaltungsfilmen widmen kann. Kalte Füße wird die meisten Zuschauer kalt erwischen…

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© Sony Pictures

Christopher Hanek

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