Leave No Trace thematisiert, wie auch schon Into The Wild und Wo die wilden Menschen jagen, ein Leben abseits der Gesellschaft auf der Suche nach absoluter Freiheit. Doch schafft es der Streifen, sich in die Riege dieser wundervollen Dramen einzureihen?
No data available.“Unsere Gedanken gehören immer noch uns.”
Worum geht’s in Leave No Trace?
Will (Ben Foster) ist Kriegsveteran und lebt zusammen mit seiner jungen Tochter Tom (Thomasin McKenzie) im Wald. In ihrem einfachen, selbstgebauten Zuhause leben die beiden genügsamen Aussteiger in Harmonie und Unabhängigkeit. Lediglich einige seltene, aber lebensnotwendige Einkäufe zwingen die beiden zurück in die zivilisierte Welt. Ansonsten sind sie bemüht, nicht entdeckt zu werden und ihre Existenz in dem Wald geheim zu halten. Leider gelingt ihnen das nur bis zu einem bestimmten, folgenschweren Tag.
Von nun an stellt sich ihr gesamtes Leben auf den Kopf. Ein Jogger entdeckt die beiden und informiert die Polizei, die kurzerhand auf der Suche nach den illegal im Wald lebenden Will und Tom ist. Als ihr Versteck aufgeflogen ist, sind sie gezwungen, sich den Vorschriften der Behörden zu beugen. Doch wie lange können diese die zwei Freigeister in der Konformität der Gesellschaft halten?
Ein Hoch auf die Nonkonformität
Leave No Trace ist bewegend, melancholisch, authentisch und unglaublich ehrlich. Es wird eine einfühlsame Geschichte erzählt, die Querdenker und Randgruppen in ungeahnte Höhen hebt und diese zelebriert. Gleichzeitig werden aber auch die Schattenseiten einer solchen Nonkonformität aufzeigt und dass es nicht immer nur ein Entweder-oder gibt. Der Film überzeugt hier vor allem dadurch, dass er seine eigentlich ziemlich plakative Prämisse gefühlvoll, glaubhaft und subtil zu erzählen weiß.
Eine meisterhaft erzählte Geschichte
Regisseurin Debra Granik (Winter’s Bone) ist es meisterhaft gelungen, die Geschichte von Leave No Trace mit nur wenigen Worten kraftvoll und eindringlich zu erzählen. Gerade auf narrativer Ebene beweist sie unglaubliches Fingerspitzengefühl, wenn es darum geht, das Geschehen behutsam auf symbolischer Ebene zu unterstreichen. Dies gelingt vor allem dann hervorragend, wenn auf verschiedene Tiere Bezug genommen wird.
So haben wir zum Beispiel die Situation, dass Tom während ihrer Unterbringung eine Vorbereitung auf eine Kaninchen-Schau besucht. Der Junge, dem sie während ihrer Zeit dort etwas näher gekommen ist, erzählt ihr, dass sich sein Kaninchen vor der Schau immer davon macht, weil es gegen seinen Willen die Krallen geschnitten bekommt. Der Zuschauer wird in vielen solcher Szenen dazu eingeladen, die Parallelen zu der Geschichte von Leave No Trace herzustellen. Denn genau so, wie die Kaninchen gegen ihren Willen zur Schau gestellt werden, müssen sich Will und Tom vor den Behörden, entgegen ihres Willens, präsentieren und sind gezwungen, sich anzupassen.
Eine berührende Vater-Tochter Beziehung
“Ich glaube, dass es leichter für uns wird, wenn wir uns anpassen…”
Will und Tom sind ein eingespieltes Team. Wie ein Seepferdchen-Paar weichen die zwei einander nicht von der Seite. Sie kümmern sich treu, fürsorglich und liebevoll umeinander. Im Laufe des Films beginnen die beiden jedoch, sich allmählich zu entfremden. Auch hier greift wieder das wundervolle Storytelling. Ben sieht sich in der ihm aufgezwungenen, normierten Gesellschaft als Kaninchen und ist dementsprechend rastlos und auf der Flucht. Seine Tochter hingegen findet, trotz ihrer anfänglichen Angst, immer mehr Gefallen an der Nestwärme und Sicherheit, welche ihr die neue Umgebung bietet. Debra Granik verknüpft auch hier wieder gekonnt die Geschichte mit vorangegangenen Symbolen. Denn zuvor wurde Tom zum ersten Mal ein für sie zauberhafter Einblick in einen Bienenstock gewährt und man erzählte ihr, wie wichtig diese Nestwärme sei.
“Aber uns ging es doch gut…?”
Mein Fazit zu Leave No Trace
Wer Into The Wild, Wo die wilden Menschen jagen oder Captain Fantastic in sein Herz schließen konnte, der wird auch mit Leave No Trace ein bewegendes und vor allem authentisches Aussteigerdrama erleben. Die Vater-Tochter Beziehung zwischen Will und Tom, hervorragend gespielt von Ben Foster (Pandorum) und der jungen Thomasin McKenzie, ist bei einigen Widrigkeiten, denen die beiden trotzen, vielleicht nicht immer absolut realistisch, dafür aber absolut ergreifend. Zudem beschert einem der Streifen viele Augen öffnende, nachdenkliche und emotionale Momente, die durch die bildhafte Erzählweise und mit viel Fingerspitzengefühl an den Zuschauer herangetragen werden.
Leave No Trace ist seit dem 17.01.2019 auf Blu-ray, DVD und als Video on Demand erhältlich!
Unsere Wertung:
© 2018 My Abandonment, LLC. All Rights Reserved.