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Ein Polizist der Mordkommission setzt Drogendealer Willem Dafoe unter Druck, packt ihn ins Gesicht - Light Sleeper.

Light Sleeper

Paul Schraders Light Sleeper mit Willem Dafoe, Susan Sarandon und Dana Delaney galt lange als Geheimtipp und hat es erst jetzt ins HD-Zeitalter geschafft. Ob sich der Film und die Anschaffung des Mediabooks lohnen, erfahrt ihr im Folgenden!

Light Sleeper - Trailer (1992)

TitelLight Sleeper
Jahr1992
LandUSA
RegiePaul Schrader
DrehbuchPaul Schrader
GenreDrama, Krimi
DarstellerWillem Dafoe, Susan Sarandon, Dana Delaney, David Clennon, Mary Beth Hurt, Victor Garber, Sam Rockwell
Länge104 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Willem Dafoe ziert das Cover von Light Sleeper, wie er gerade gedankenverloren an einer Zigarette zieht.
Das Cover zum Mediabook von Light Sleeper © Koch Films

Light Sleeper – Handlung

John LeTour (Willem Dafoe) versorgt als Laufbursche für die Drogendealerin Ann (Susan Sarandon) Leute aus der New Yorker Upper Class mit Kokain. Er hegt schon lange den Gedanken daran, diesen „Job“ an den Nagel zu hängen. Doch dazu durchringen konnte er sich bisher nicht, auch wenn ihm aufgrund der Monotonie Schlaflosigkeit zu schaffen macht. Auch als Ann ankündigt, am Jahresende selbst das Gewerbe zu wechseln, um ihre selbstkreierten Kräutertinkturen zu verkaufen, tut er dies als substanzloses Geschwafel ab.

Dann begegnet er seiner alten Flamme Marianne (Dana Delaney), die, wie er selbst auch, schon seit einigen Jahren clean ist. Sie ist in der Stadt, weil ihre Mutter mit Krebs im Krankenhaus liegt, will aber nichts mit ihm zu tun haben. Die gemeinsame selbstzerstörerische Zeit der Sucht hat tiefe Narben hinterlassen. Aber John wird darauf gewahr, wie einsam er selbst ist und dass ihm eine zärtliche Liebe, wie er sie mit ihr geteilt hatte, im Leben fehlt…

Victor Garber nimmt von Willem Dafoe ein Päckchen Drogen entgegen - Light Sleeper.
Kunden wie der Diplomat Tis bestimmen den Alltag des Dealers © Koch Films

Leben im Kokon

Dramaturgisch gemächlich vor sich hinschippernd, lässt uns Light Sleeper anfangs vor allem am tristen Alltag Johns teilhaben. Immer wieder gibt dieser uns dabei Einblick in seine, sehr abstrakt gefasste, Gedankenwelt, wenn er mal wieder Tagebuch führt. Dies trägt er in ein Heft ein, angeblich sei es der erste Schritt, um sich von einem solchen Leben, wie er es führt, zu trennen. Doch wenn ein Heft voll ist, schmeißt er es auf den Müll. Denn zu sehr hat er es sich in dem Kokon seines Alltags, der weder Höhen noch Tiefen kennt, gemütlich gemacht. Er selbst ist zwar rast- und schlaflos, hat aber kein Ziel.

Auch die Arbeit mit Ann, mit der er ein fast schon familiäres Verhältnis pflegt, bietet durch den Umstand, dass sie nie mehr als die als Eigenbedarf angesehene Menge Kokain einkaufen, eine relative Sicherheit. Deswegen will er es auch nicht wahr haben, als diese verkündet, ihre Tätigkeit in absehbarer Zeit zu beenden. Der Mord an einem Mädchen im Central Park bricht seinen Kokon ein stückweit auf, da bei ihr hochwertiges Kokain gefunden wurde und die Polizei es nun vermehrt auf Kleindealer wie ihn abgesehen hat. Die Gemütlichkeit ist zeitweise dahin, denn John fühlt sich auf der Straße nicht mehr sicher.

Dana Delaney und Willem Dafoe sitzen sich an einem Tisch gegenüber und lächeln sich an - Light Sleeper.
Alte Gefühle keimen wieder auf © Koch Films

Sehnsüchte einer Midlife Crisis

Als dann Marianne durch Zufall nicht nur einmal, sondern zweimal wieder in sein Leben tritt, nimmt er das als Zeichen. Zuerst begegnet er ihr im Vorbeifahren im Regen und bittet sie ins Auto, dem sie eher widerwillig nachkommt. Kurz darauf hat er gerade einem wichtigen Kunden, dem Diplomaten Tis, Valium zur Beruhigung ins Krankenhaus gebracht, da trifft er sie abermals, weil ihre Mutter hier die Chemotherapie durchleidet. Der Gedanke an Vorbestimmung und die Rückbesinnung auf schönere Zeiten stürzen ihn in eine handfeste Midlife Crisis. Fortan bemüht er sich um Mariannes Aufmerksamkeit, seine verkümmerten Emotionen tauen langsam auf, wecken Begehrlichkeiten.

Die Gewissheit, tatsächlich sein Leben ändern zu können, vielleicht sogar zu müssen, ergreift ihn langsam, aber sicher. Anns Angebot, sich an ihren geschäftlichen Unternehmungen zu beteiligen, lehnt er ab. Er weiß, dass er kein Geld auf die Kante gelegt hat. Und sein geäußerter Wunsch, Tontechniker zu werden, scheint nur eine vorgeschobene Beschwichtigung für sich selbst und die Leute um ihn herum. Er hat kein Geld, keinen Plan, keine Zukunft. Nur die erneute Vereinigung mit Marianne scheint real greifbar, was sich aber auch als Trugschluss erweist. Zwar finden sie kurz zueinander, doch endet dieses Intermezzo in einer erwartbaren Tragödie.

Die hässliche Realität des Einen unter Vielen

Paul Schrader kennt die Abgründe der Großstadt sehr genau. Er beschrieb diese bereits in seinen Drehbüchern zu Martin Scorseses Taxi Driver (1976) und dem selbst verfilmten Hardcore – Ein Vater sieht rot (1979). Auch die erkaltete Gefühlswelt eines Mannes ohne eigenes Leben erkundete er in Ein Mann für gewisse Stunden (1980) mit Richard Gere. Seine Milieuzeichnung in Light Sleeper ist sehr präzise, vereint die Tugenden all dieser Filme in sich. Die Handlung ist ein Destillat ihrer gesammelten Motive, ohne eine Not zu verspüren, sich jetzt unbedingt den Deckmantel eines Krimis überziehen zu müssen. Das bietet der Film zwar auch, aber nur am Rande, als Teil des Dramas.

Willem Dafoe zielt und schießt mit einem Revolver - Light Sleeper.
Widerwillig muss John zur Waffe greifen © Koch Films

Getragen wird dies vom Spiel seines Hauptdarstellers Willem Dafoe, der subtil die Grenzen seines Charakters erkundet. Während dieser sich wie ein Getriebener durch die Straßen New Yorks bewegt, hält die Kamera dies in Bildern fest, die jede Erhabenheit, in denen der Big Apple ansonsten in Szene gesetzt wird, missen lässt. Unterstützt wird dies noch durch den Umstand, dass während der Dreharbeiten zu Light Sleeper die Müllabfuhr streikte, so dass Manhattan schmuddelig und vermüllt aussieht. Der Score von Michael Been pendelt sich irgendwo zwischen schwermütig und sehnsüchtig ein. Im Kontrast dazu sprüht Susan Sarandon in ihrer Performance als Ann nur so vor Energie, und Victor Garber als Diplomat Tis schaut kühl und überlegen auf alle hinab.

Unser Fazit zu Light Sleeper

Im Endeffekt muss man konstatieren, dass nicht wirklich viel passiert. Light Sleeper baut in seiner Unaufgeregtheit auch kaum Spannung auf, gerade weil sein Protagonist eben mehr durch Leere denn Tiefe besticht. Dennoch entwickelt der Film eine beachtliche Sogwirkung, die einem bis zum nicht unbedingt glücklichen, aber versöhnlichen Ende erfasst. Paul Schraders Film ist nichts für Leute, die Kino erleben wollen. Man muss sich darauf einlassen, durch die Augen Johns zu blicken und zwischen den Zeilen zu lesen, denn jegliche Erkenntnis will hier abstrahiert werden.

Es ist erfreulich, dass Light Sleeper endlich seinen Weg auf das HD-Medium gefunden hat. Das Bild ist für einen Independent-Film der frühen 90er, gemessen daran, dass er eher als Geheimtipp gilt, okay, der Mono-Ton, Englisch wie Deutsch, gut. Lobenswert ist die Sektion der Extras, wo sich Audio- und Szenenkommentare, Interviews und ein Featurette finden.

Das Mediabook mit Blu-ray und DVD aus dem Hause Koch Films ist am 26. August im Handel erschienen!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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