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Madame

Bei der gehobenen Abendgesellschaft in Amanda Sthers zweitem Spielfilm ist nichts wirklich Dramatisches vorgefallen. Was schon fast eine Blamage ist, da die bedrängte Madame es nicht schafft, sich auf das Niveau anspruchsvoller Gesellschaftssatiren zu erheben.

TitelMadame
Jahr2017
ProduktionslandFrankreich
RegieAmanda Sthers
DrehbuchAmanda Sthers
GenreDramedy, Romanze
DarstellerToni Collette, Harvey Keitel, Rossy de Palma, Tom Hughes, Michael Smiley, Joséphine de la Baume
Länge91 Minuten
FSKkeine Beschränkung
VerleihStudioCanal
Studiocanal Home Entertainment, Madame
Für Maria (Rossy de Palma, Mitte) ist es anfangs ungewohnt, als Teil der Gesellschaft aufzutreten, statt diese zu bedienen.© Studiocanal Home Entertainment

Madame steht vor einem Problem

Zu einer Gesellschaft von zwölf Personen stösst der erwachsene Sohn (Tom Hughes) des Mannes (Harvey Keitel) aus erster Ehe. Doch dreizehn Gedecke ist natürlich ein Unding, deshalb wird ein vierzehntes aufgelegt. Doch woher nimmt die Frau des Hauses (Toni Collette) so schnell einen zusätzlichen Gast?




Man beginnt mit Verve

Merkwürdigerweise ist im Nachhinein betrachtet das Dinner – also etwa das erste Drittel der Laufzeit – dramaturgisch das Dynamischste und insgesamt am Gelungensten. Als Kurzfilm von 30 bis 40 Minuten könnte ich mir das Dinner ganz ausgezeichnet vorstellen. Denn insgesamt ist dieser recht umständlich erzählte Versuch, die Verlogenheit der High-Society anzuprangern, als Dramedy zu schwach und als Satire ist der Spott nicht wirklich scharfsinnig und gut pointiert.

Studiocanal Home Entertainment, Madame
Da läuft was aus dem Ruder: Maria (Rossy de Plama) und David Reville (Michael Smiley) haben mehr Spaß miteinander, als es Madame Fredericks recht ist. © Studiocanal Home Entertainment

Und es endet in statischen Konventionen

Regisseurin Amanda Sthers erzählt von der spanischen Hausangestellten Maria (Rossy de Palma) und dem amerikanischen Ehepaar Anne und Bob. Sie beginnt ihre Geschichte als turbulente Komödie, scheint mittels Cinderella-Story sich zur klassischen Romanze zur wandeln, nur um dann wieder als Anti-Märchen getarnt mit der besseren Gesellschaft abzurechnen. Ab einem gewissen Punkt wartet man nur förmlich darauf, dass die Fassade anfängt zu bröckeln. Schließlich weiß ich als Zuschauer um die tatsächlichen Umstände.

So sehr man Maria das Happy End einer Pretty Woman wünscht, genauso ahnt man welches Ende auf sie wartet. Der Angebetete des Hausmädchens, trotz seiner Höflichkeit und seines Charmes, stellt sich als doch nicht so ehrenhaft heraus. Ich kann nur erahnen, was aus Madame hätte werden können, wenn man sich dem Vorhaben mit mehr Bissigkeit gewidmet hätte.

Auf die Darsteller ist Verlass

Der Humor von Madame ist offensiv und zotig, ohne jemals klamaukig zu wirken. Dass ihm diese Gratwanderung gelingt, hat er der Muse von Pedro Almodovar zu verdanken, Rossy de Palma. Sie ist eindeutig der eigentliche Star des Filmes. Überhaupt ist der Witz zum Teil recht selbstreferenziell, doch im ganzen eher brav geraten. Die ironische Abrechnung mit der Oberschicht ist sehr viel konventioneller als sie sein möchte. Aber es macht einen Heidenspaß Toni Colette und Harvey Keitel als abgehobenes Ehepaar der Upper Class zu zuschauen.

Studiocanal Home Entertainment, Madame
Bob Fredericks (Harvey Keitel) und seine Französischlehrerin (Joséphine de la Baume) verstehen sich prächtig © Studiocanal Home Entertainment

Fazit

Die Geschichte um die Entfremdung der Menschen untereinander und die Diskrepanz innerhalb der dargestellten gesellschaftlichen Schichten leidet unter der Tragik und dem Pathos der eingebauten Romanze. Das ist schade. Madame wird in der unbeachteten Normalität versauern.

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Alle Bildrechte: Studiocanal Home Entertainment

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