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Der Protagonist Momo ist in einer Nahaufnahme erkennbar und richtet sich mit einer Sonnenbrille bekleidet in Richtung der Kamera. Über seiner rechten Schulter ist eine weitere Person erkennbar. Zwischen ihnen ist ein Fenster halb verdeckt sichtbar.

Man From Beirut

Mit Man From Beirut liefert uns Regisseur Christoph Gampl ein Krimidrama über einen blinden Auftragskiller, der ein junges Mädchen vor der kriminellen Außenwelt beschützt. Ob die bekannte Formel erneut zu einem guten Ergebnis führt, erfahrt ihr in unserer Review.

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TitelMan From Beirut
Jahr2019
LandDeutschland
RegieChristoph Gampl
DrehbuchChristoph Gampl, Boris Naujoks
GenreKrimi, Drama
DarstellerKida Khodr Ramadan, Blerim Destani, Susanne Wuest, James Biberi, Dunja Ramadan, Frederick Lau, Veysel Gelin, Misel Maticevic
Länge82 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihFilmwelt Verleihagentur

 

Das Front-Covermotiv der Blu-ray Veröffentlichung zu Man From Beirut zeigt die rechte Hälfte des Gesichts von Protagonist Momo (Kida Khodr Ramadan) in schwarz-weiß. Der restliche leere Raum ist mit roter Farbe gefüllt.
Das Cover zur Blu-ray des Films © 2020 EuroVideo Medien GmbH

Man From Beirut – die Handlung

Der erblindete Auftragskiller Momo (Kida Khodr Ramadan) zeigt Herz. Bei einem Auftragsmord beschließt er, ein junges Mädchen namens Junah (Dunya Ramadan) zu verschonen. Seinem Begleiter Kadir (Blerim Destani) gelingt es nicht, Momos Vorhaben etwas entgegenzusetzen. Da Junah ohne Obdach ist und nirgends sicher zu sein scheint, zieht Momo sie hinein in seine kriminelle Welt und versucht, sie vor dem Unheil beschützen. Denn mit seiner Entscheidung beschließen Momos Auftraggeber, auf die beiden eine Auftragskillerin anzusetzen und der frühere Jäger wird zum Gejagten.

Bei Léon war noch ein Profi am Werk

Die Vorbilder für Man From Beirut sind selbst für Protagonist Momo unübersehbar. Ob Meisterwerke wie Luc Bessons Léon – Der Profi oder Jim Jarmuschs Ghost Dog – Der Weg des Samurai als auch die zahlreichen Zatoichi-Filme, u.a. mit Takeshi Kitano verfilmt – Man From Beirut schafft es mit Leichtigkeit, Zuschauende an vergangene Glanztaten zurückdenken zu lassen. Dadurch entsteht schnell der Wunsch, sich entsprechende Filme zum x-ten Mal zu Gemüte zu führen. Leider reiht sich Man From Beirut nicht darin ein. Es mangelt an nahezu allem, was ähnlich gelagerte Filme so besonders gemacht hat. Grundsätzlich steht das deutsche Werk zwar für sich, doch der in Schwarzweiß gedrehte Film steht im Schatten seiner Vorbilder und tritt selten selbst ins Licht.

Der Protagonist Momo ist in einer Nahaufnahme erkennbar und richtet sich mit einer Sonnenbrille bekleidet in Richtung der Kamera. Über seiner rechten Schulter ist eine weitere Person erkennbar. Zwischen ihnen ist ein Fenster halb verdeckt sichtbar.
Momo ist in der Dunkelheit gefangen © 2020 EuroVideo Medien GmbH

Der Retrozug ist abgefahren…

Zunächst fällt auf, dass das Krimidrama neben seinem Schwarzweiß-Look auch noch im 4:3 Format gefilmt ist. Also das Bildformat von handelsüblichen Röhrenfernsehern, die bis in die 90er Jahre standardmäßig mit einem Seitenverhältnis von 4:3 verkauft wurden. Eine Referenz an die alten Krimi-Klassiker? Womöglich. Dennoch wirkt das fast etwas anachronistisch, wenn im Film Smartphones gezückt werden und es gleichzeitig keinen offensichtlichen Mehrwert für die Geschichte oder die inszenatorische Qualität des Films gibt. Im Gegenteil: Es wirkt aufgesetzt und unnötig. Zudem atmet der Film in seiner Inszenierung ansonsten den Geist seiner Zeit. In keinem Moment erzielt er die Wirkung als handle es sich um einen Geheimtipp aus der Erwachsenen-Abteilung der örtlichen Videotheken.

Der haarlose Auftraggeber von Momo blickt grimmig in die Kamera. Er befindet sich auf der rechten Seite des Bildes, wohingegen auf der linken Seite das Rückfenster des Autos zu erkennen ist und vom linken Bildrand abgeschnitten wird. Ein Szenenbild aus Man From Beirut.
Nicht zum Scherzen aufgelegt: Der Auftraggeber von Momo © 2020 EuroVideo Medien GmbH

…und das Programmkino steht auf der anderen Seite

Von Beginn an fortlaufend lässt uns die Hauptfigur immer wieder Teil an seinen Gedanken haben. Untermalt mit Aufnahmen von den Wellenbewegungen des offenen Meeres. Ein kläglicher Versuch, bedeutungsschwangere Bilder filmisch mit Worten zu ehelichen. Dabei lässt der Film auch leider jeden Höhepunkt, nicht nur in diesen Sequenzen, schmerzlich vermissen. Vielmehr plätschert das spannungsarme Drama so vor sich hin. Ein Beweis, dass stille Wasser nicht immer tief sein müssen. Denn dramaturgische Längen in einem Film aufkommen zu lassen, der gerade einmal eine Lauflänge von 82 Minuten aufweist, ist mehr als ärgerlich. Vor allem, wenn auf der hellen Seite des Schwarzweiß-Filmchens nicht sonderlich viel Positives zu erwähnen ist.

Momo ist auf der linken Bildseite mit gesenktem Blick erkennbar. Auf der rechten Bildseite hält eine Hand eine Handfeuerwaffe aus sein Gesicht gerichtet.
Momo hat genug Zeit, sich zur Wehr zu setzen © 2020 EuroVideo Medien GmbH

Mangelerscheinungen trotz Vitamin B-Komplex

Der größte Pluspunkt ist die Chemie zwischen Momo und seinem Schützling Junah. Dies dürfte allerdings vielmehr der Tatsache geschuldet sein, dass Schauspieler Kida Khodr Ramadan mit seiner Tochter Dunya Ramadan die tragenden Rollen des Filmes übernommen haben. Zudem standen sie, wie auch andere Mitglieder des Casts, bereits in der Serie 4 Blocks gemeinsam vor der Kamera. Nachvollziehbar ist die Figureninteraktion jedoch nicht. Nachdem Momo in Junahs Anwesenheit zwei ihrer Familienmitglieder erschossen hat, ist das Kind weder traurig noch entsetzt über die Tat. Vielmehr noch: Sie hat keinerlei Probleme, mit Momo mitzugehen. Zwar erwähnt sie, keine Familie zu besitzen, aber dies ist als Erklärung äußerst dünn. Auch erklärt es nicht, die Geschehnisse nahezu emotionslos hinzunehmen. Wichtig sind ihr hingegen Marshmallows. Nichtsdestotrotz, die schauspielerische Leistung ist durchaus solide. Doch Emotionen zu wecken gelingt dem Film nicht.

In einer stark abgedunkelten Einstellung ist Momo auf der rechten Bildseite zu sehen. Er blickt Junah neben ihn sitzend an. Sie sieht zu ihm herauf.
Vater und Tochter gemeinsam vor der Kamera © 2020 EuroVideo Medien GmbH

Wenn ihr den Man From Beirut seht, geht an ihm vorbei

Man From Beirut verfehlt es, eine Kriminalgeschichte mit dramatischen Elementen zu verbinden. Weder erzählt uns Regisseur Christoph Gampl eine spannende, interessante Geschichte noch schafft er es, Emotionalität zwischen den Figuren glaubhaft darzustellen. Dabei hält der Film seine Zuschauer*innen auf Distanz. Mit philosophischen Ansätzen und auf altmodisch gefilmte Szenerie ist der Film weder ein Blick für das Arthouse-Publikum wert noch kommen Retrofreunde auf ihre Kosten. Stilsicherheit ist leider kein Merkmal des Films, ein klassischer Fall von “zu viel gewollt”. Somit bietet das Krimidrama trotz seiner für Deutschland ungewöhnlichen Stilistik leider nichts, was ihn in irgendeiner Weise herausstechen lassen würde. Da sollte man lieber ein weiteres Mal Léon – Der Profi in den Player werfen.

Man From Beirut lässt sich bereits streamen und ist ab dem 24. September 2020 auf Blu-ray und DVD erhältlich. 

Unsere Wertung:

 

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