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Erster Eindruck zu Mayor of Kingstown

Nicht nur für die Yellowstone-Welt bei Paramount zeichnet Taylor Sheridan verantwortlich. Auch Mayor of Kingstown ist ein Serienprojekt des Showrunners. Mit Jeremy Renner in der Hauptrolle kann eigentlich nichts schiefgehen, oder?

Mayor of Kingstown | Series 2 is Coming | Paramount+

TitelMayor of Kingstown
Jahr2021
LandUSA
RegieGuy Ferland, Taylor Sheridan, Clark Johnson, Ben Richardson, Stephen Kay
DrehbuchHugh Dillon, Taylor Sheridan
GenreSerien (Thriller, Drama)
DarstellerJeremy Renner, Dianne Wiest, Hugh Dillon, Tobi Bamtefa, Aidan Gillen, Kyle Chandler
Länge10 Folgen mit je 50 – 60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
VerleihParamount+
Jeremy Renner als Mike McLusky in Mayor of Kingstown
Jeremy Renner als Mike McLusky in Mayor of Kingstown © Paramount+

Mayor of Kingstown – Die Handlung

Mayor of Kingstown erzählt von einer Stadt, in der der Bürgermeister gleichzeitig der Herr über ein großes Gefängnis mit tausenden Häftlingen ist. Der Strafvollzug ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, Korruption und Rassismus die leidigen Begleiterscheinungen. Die Brüder Mike (Jeremy Renner) und Mitch McLusky (Kyle Chandler) sind die Schnittstelle zwischen den Häftlingen und der Bevölkerung. Als ein junger Wärter hereingelegt wird, einen Brief für einen Häftling auszuliefern, hilft ihm Mike aus der Klemme.

Erster Eindruck zu Mayor of Kingstown

Dieser Beitrag beschäftigt sich ausschließlich mit den ersten drei Folgen der Serie. Dementsprechend ist die Kritik auch nur auf den Auftakt bezogen und soll dazu dienen, den Lesern eine Hilfestellung bei der Entscheidung zu geben, ob sich auf Basis der ersten Eindrücke ein Blick rentiert.



Wo Sheridan drauf steht, ist auch Sheridan drin

In den USA ist Yellowstone ein Megahit und viele spekulieren darauf, dass mit dem Start von Paramount+ nun auch hierzulande der moderne Western mit Kevin Kostner an Popularität gewinnen wird. In diesem Fahrwasser soll auch die Serie Mayor of Kingstown mitschwingen, bevor mit Tulsa King schon die nächste Sheridan-Show in den Startlöchern steht. Wer nur ein Werk des Kreativkopfs kennt, wird unweigerlich auch in diesem Kleinstadt-Gangster-Drama die Handschrift des Sicario-Regisseurs wiedererkennen. Zunächst einmal oberflächlich auf die Machart bezogen: Die Szenenübergänge mit Luftaufnahmen, langsame Kamerafahrten, lange Einstellungen dazu die Musikauswahl – all das ist eindeutig Sheridan.

Aber auch wenn man das Setting in seinen Geschichten immer wieder wechselt, die Grundthemen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Schaffen. Sheridan beobachtet mit Adleraugen die Konfliktherde der Vereinigten Staaten und legt den Finger in die Wunde. So mit seiner Border-Trilogie (Sicario, Hell or High Water & Wind Riverund so auch hier. Das zentrale Thema diesmal: die Polizeikorruption und die Frage, wer tatsächlich die Geschicke einer Stadt bestimmt. In dem außergewöhnlichen Setting der Gefängnisstadt und aufgeladen durch die Elemente eines Familiendramas, wird die Story nochmals tiefgründiger.

Ambivalenz im Cast

Auch die Charaktere sind, wie man es auch auf Basis des Cast erhoffen durfte, allesamt mehrdimensional gezeichnet und extraklasse gespielt. Es bedarf nur weniger Momente und einzelner Aktionen beispielsweise von Mitch McLusky, um eine Faszination für diese Figur zu entwickeln. Denn schnell stellt sich die Frage, ob man es hier nun mit einer „vom Saulus zum Paulus“-Geschichte zu tun hat, ob es auf eine Don Quijote Variante zusteuert oder in eine ganz andere Richtung geht. Dank Renners ambivalentem Spiel ist auch nach drei Folgen noch vollkommen offen, welchen Weg er einschlägt –  und selbst wenn er sich dann für einen entschieden hat, wer sagt uns, dass dies endgültig ist?

Die weiteren Figuren sind unter anderem mit Dianne Wiest oder „Littlefinger“ Aidan Gillen auch spannend besetzt, entwickeln sich aber im Schatten des Protagonisten zu Beginn noch recht gemächlich. Trotzdem weiß man von Sheridan-Produktionen, dass er stets darum bemüht ist, alle wichtigen Personen auf einem Grauspektrum zu platzieren und nur ganz selten mit klassischem Gut-Böse-Schema arbeitet. Mit Spannung erwartet man die Charakterentwicklung und erfreut sich in der Zwischenzeit an den von Beginn an großartigen Wortgefechten.

Kyle Chandler und Jeremy Renner als Brüder Mike und Mitch in Mayor of Kingstown. Beide tragen Anzug
Kyle Chandler und Jeremy Renner als Brüder Mike und Mitch © Paramount+

Wer sollte sich Mayor of Kingstown nicht entgehen lassen?

Insgesamt lässt sich nach drei Folgen Mayor of Kingstown grob als The Wire meets Yellowstone beschreiben. An die legendäre HBO-Serie erinnert das neue Sheridan-Drama wegen der Korruptionsthematik und den politischen Verquickungen. Und das Familien- und Sozialdrama spielt zwar in einem gänzlich anderen Milieu, doch der Fokus auf eine einzelne Familie, die an unterschiedlichen Fronten kämpfen muss, weckt schon die ein oder andere Erinnerung an das Western-Epos des Machers. Die Kombination aus beidem wird durch den namhaften Cast und ein starkes Skript veredelt. Wer im Frühjahr diesen Jahres mit We Own This City aufgrund der nüchternen, quasi-dokumentarischen Inszenierung nicht warm wurde, bekommt hier ähnlichen Stoff wesentlich zugänglicher und damit auch unterhaltsamer serviert.

Unser vorläufiges Fazit zu Mayor of Kingstown

Die ersten Folgen von Mayor of Kingstown schaffen es schnell Interesse an den Figuren, speziell der Hauptfigur zu wecken. Der etwas überraschende Twist (?) in der Pilotfolge platziert zwar die Handlungsträger auf dem Schachbrett, aber lässt schier endlose Züge der weiteren Entwicklung offen, sodass man unweigerlich wissen will, wie es mit Mitch, den Polizisten und den McLuskys weitergeht. So muss ein Serienauftakt sein! Der Sog ist da und da man weiß, dass Sheridan auch behutsam seine Geschichten über mehrere Staffeln aufzuziehen weiß, überwiegt der Optimismus, dass auch diese Serie eine gute Entwicklung vor sich hat.

Mayor of Kingstown ist am 8. Dezember bei Paramount+ mit der ganzen ersten Staffel gestartet. Staffel 2 ist schon bestellt!

Unsere Wertung:

 

 

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© Paramount+

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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