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John Wayne und Maureen O'Hara in McLintock!

McLintock!

Als Rinder-Farmer McLintock durfte John Wayne sein Image als trinkfester Cowboy im gleichnamigen Lustspiel mal ein wenig durch den Kakao ziehen. Ob der Duke heute immer noch für einen Lacher gut ist, erfahrt ihr bei uns!

TitelMcLintock!
Jahr1963
LandUSA
RegieAndrew V. McLaglen
DrehbuchJames Edward Grant
GenreWestern, Komödie
DarstellerJohn Wayne, Maureen O’Hara, Patrick Wayne, Stefanie Powers, Yvonne De Carlo
Länge127 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Das Mediabook-Cover von McLintock!
Das Mediabook zu McLintock! © Capelight Pictures

Darum geht es bei McLintock!

McLintock (John Wayne) ist ein naturverbundenes Rauhbein. Der trinkfeste Rinderfarmer hat aufgrund seines Reichtums mächtigen Einfluss in der nach ihm benannten Stadt. Zu gerne legt er sich mit Gouverneur Humphrey (Robert Lowery) an, weil ihm dessen respektlosen Umgang mit den Indianern nicht gefällt. Doch der Kampf, den er nun mit seiner Frau Katherine (Maureen O’Hara) ausfechten muss, erweist sich als ungleich härter. Die aufbrausende Furie hat sich vor 2 Jahren von ihm getrennt. Nun kehrt das verwöhnte Frauenzimmer aus der Stadt zurück, um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Becky (Stefanie Powers) zu beanspruchen. Denn die junge Frau besuchte in den letzten Monaten eine Universität und ist zwischen dem Landleben und dem Luxus der Stadt hin- und hergerissen.

Während McLintock nun um und mit Katherine ringt, knüpft Becky zarte Bande mit dem jungen Arbeiter Dev Warren (Patrick Wayne). Wird es der Frau Mama gelingen, dies zu unterbinden oder unterliegt sie selbst wieder den Reizen ihres schroffen Mannes?

John Wayne und Maureen O'Hara in McLintock!
Der Duke John Wayne mit kühlem Blonden und seinem aufmüpfigen Rotschopf Maureen O’Hara in McLintock! © Capelight Pictures

Klassischer Komödien-Stoff

Als seichte Unterhaltung für einen verregneten Nachmittag eignet sich der turbulente Spaß mit Western-Star John Wayne sicherlich immer noch. Die Handlung dieses Gute-Laune-Films orientiert sich lose an Shakespears Der Widerspenstigen Zähmung. Allerdings bringt dies in Bezug auf das Geschlechter-Bild einige Probleme mit sich, auf die ich noch zu sprechen kommen werde. Denn ernsthafte Probleme sind an sich nicht die Sache des Films. Konflikte werden hier schnell gelöst, Missverständnisse unproblematisch aufgeklärt. Und selbst wenn dann am Ende noch den Indianern Waffen in die Hände gespielt werden, scheint das eine einfache Lapallie darzustellen.

McLintock! ist ein Film mit einer einfachen Sicht auf die Welt. Alle Menschen sind hier nett und freundlich, Konfrontationen werden mit einem Lachen quittiert. Wenn dann doch jemand ernste Probleme bereitet, wird er auf lustige Weise zurecht gewiesen, und schon kann das Leben weitergehen wie zuvor. Man darf hier keine tiefschürfende Auseinandersetzung mit den Einfluss der Ölmagnate und Rinderbarone oder des schleichenden Genozids an den Indianern erwarten. Die gut zwei Stunden vergehen dann dafür auch wie im Flug.

John Wayne von schräg hinten in McLintock!
John Wayne diskutiert nicht, der regelt das in McLintock © Capelight Pictures

Problematisches Männer- und  Frauen-Bild

Es ist nun so, dass 1963 lange her ist. Die Sitten waren damals andere, auch die gesellschaftliche Ordnung noch klar patriarchisch geregelt. Aber ich kann es durchaus verstehen, wenn der Film gerade in seinem mehr als ungerechten Kampf der Geschlechter heute einigen Leuten Kopfschmerzen bereiten würde. Denn aus rein feministisch-emanzipatorischer Sicht zeigt sich McLintock! als geradezu katastrophal und selbst für seine Zeit grenzwertig.

Der Film stellt die durchaus starke Frauenfigur Katherine wird letztlich als durch das angenehme Stadtleben verwöhnt dar. Sowieso beäugen die Bewohner der Stadt allgemein und McLintock speziell das Bürgertum, vor allem das Bildungsbürgertum, mehr als kritisch. Hier werden reihenweise Klischees aufgefahren, was soweit führt, dass der Nebenbuhler um Beckys Gunst als nur besoffen erträglich, weil lustig, gezeichnet wird. Wenn man sich dann noch das werbewirksame, zeitgenössische “Making-of” aus dem Bonusmaterial zur Gemüte führt, wo eine unterwürfig auftretende Maureen O’Hara ein Loblied auf John Wayne singt, kann einem schon die Röte ins Gesicht steigen.

Dies liegt natürlich auch an der Shakespear’schen Vorlage, die sich von jeher dem Vorwurf der Misogynie ausgesetzt sah. In diesem einfach gestrickten Lustspiel, die dann auch der kunstvollen inhaltlichen Verzahnung des Bühnenstückes entbehrt, treten diese Tendenzen umso stärker zum Vorschein. Gerade weil man auf die ländliche Romantik verweist, auf die harten Kerle und die unberührte Natur, liegt es nahe, diesen scharfen Kontrast zu wählen.

Patrick Wayne und Stefanie Powers in McLintock!
Auch Sohnemann Patrick Wayne darf sein Glück bei der hübschen Stefanie Powers versuchen in McLintock! © Capelight Pictures

McLintock! als Plattform für den Wayne-Clan

John Wayne hatte sich einige Jahre zuvor mit dem Monumental-Flop Alamo (1960) gehörig in die Nesseln gesetzt, ihn über Jahre verschuldet. Nichtsdestotrotz folgte eine sehr erfolgreiche Zeit für den Schauspieler, es entstanden Klassiker wie John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoss, das Western-Epos Das war der Wilde Westen und der lockere Safari-Spaß Hatari! (alle 1962). Bei Mc Lintock! war er schon in die Entwicklung des Drehbuchs involviert. Das Thema um die von der Regierung ungerecht behandelten Indianer war ihm ein Anliegen (wirkt im Endeffekt aber eher halbherzig reingequetscht). Der Film wurde von seinem Sohn Michael produziert, als Dev Warren ist der jüngere Patrick Wayne zu sehen. In einer Mini-Rolle brachte der Duke sogar seine jüngste Tochter im Film unter.

Maureen O'Hara versteckt sich in McLintock!
Maureen O’Hara geht in Deckung – aber wo Federn sind, ist auch Sirup nicht weit in McLintock! © Capelight Pictures

Ein spielfreudiger Cast & Profis am Werk

Der Star des Films hat sichtlich Spaß in seiner Rolle, da verzeiht man ihm auch, dass sein Charakter aus heutiger Sicht eigentlich der ignorante Bauerntrampel ist. Co-Star Maureen O’Hara (Das Wunder von Manhattan, Gegen alle Flaggen) gibt sich als Katherine wunderbar aufbrausend und präsentiert sich zum Ende des Films sogar unerwartet sexy. Für etwas Reibung und Eifersucht auf der Farm sorgt Yvonne De Carlo in einer Gastrolle als Louise Warren. Sie ist einigen gewiss noch bekannt als “Lily Munster” aus der 60er-Kult-Serie Die Munsters. Als ihr Sohn Dev Warren agiert Patrick Wayne souverän als Sonnyboy, der die junge Dame im Cast becirct. Die damals 20-jährige Stefanie Powers darf als Becky eigentlich nur erbost dreinschauen oder über das ganze Gesicht lächeln. Doch dabei schaut der spätere TV-Star aus Hart, aber herzlich wirklich bezaubernd aus.

Für den Briten Andrew McLaglen war es die erste große Studio-Produktion. Er meisterte seine Feuertaufe bravourös und empfiel sich damit für weitere Männer-Abenteuer mit John Wayne (Chisum) und James Stewart (Der Mann vom großen Fluss). Seine heute wohl bekanntesten Filme dürften die Action-Abenteuer Die Wildgänse kommen! (1978) und Sprengkommando Atlantik (1979) mit Roger Moore sein. Kameramann William H. Clothier wurde für Waynes Alamo 1961 für den Oscar nominiert. Er liefert hier tolle Bilder und trumpft gerade bei langen Einstellungen und dynamischen Kamerafahrten auf. Die Oscar-Preisträger Hal Perreira und Sam Comer sorgten als Set-Designer für eine typisch bunte Western-Ausstattung.

John Wayne ist gespannt in McLintock!
Auch der Duke harrt mal gespannt der Dinge, die noch kommen in McLintock! © Capelight Pictures

Unser Fazit zu McLintock!

Kehrt man den leicht frauenfeindlichen Unterton beiseite und lässt einige Schludrigkeiten des Scripts außer Acht, macht diese Western-Komödie auch heute noch Spaß. Die Darsteller sind allesamt mit Spielfreude bei der Sache, gerade John Wayne gibt sich locker und gut gelaunt – Das ist ansteckend! McLintock! fliegt mit Leichtigkeit durch die gut zwei Stunden, umschifft dabei zielsicher jeden tiefergehenden Konflikt weiträumig. Dabei bleibt im nachhinein beim Zuschauer nicht viel Hängen, aber das ist das Anliegen hier ja auch nicht.

Das Mediabook aus dem Hause Capelight Pictures ist gewohnt hochwertig verarbeitet. Bild und Ton sind dem Alter entsprechend sehr gut, nur das Bonus-Material fällt ein wenig dünn aus. Dafür hält der Buchteil ein echtes Schmankerl parat: Neben einem gewohnt informativen Text von Mike Siegel kann man hier nämlich auf 32 Seiten in dem 1963 zum Film veröffentlichen Comic schmökern. Dafür gibt es von mir noch einen Extra-Daumen hoch. Alles in allem ist das Gesamtpaket für Fans des Dukes und/oder altmodischer US-Western sehr empfehlenswert.

Mediabook wie auch DVD & Blu-ray im Amaray von Capelight Pictures sind ab dem 29. November im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Capelight Pictures

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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