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Joe Collies Gesicht komplett vor schwarzem Hintergrund und nur erleuchtet vom Feuerzeug der Zigarette, die er sich gerade entzündet.

Midnight Mass

Viele halten Mike Flanagan für einen der derzeit stärksten Horror-Regisseure. Nach seinen beiden Ausflügen in die Gruselhäuser Hill House und Bly Manor geht es in seinem dritten Serienprojekt Midnight Mass für Netflix nun auf eine einsame Insel. Kann Flanagan es auch in diesem Setting?

Midnight Mass | Offizieller Trailer | Netflix

TitelMidnight Mass
Jahr2021
LandUSA
RegieMike Flanagan
DrehbuchMike Flanagan
GenreSerien
DarstellerZach Gilford, Kate Siegel, Hamish Linklater, Henry Thomas, Kristin Lehman, Samantha Sloyan, Annarah Cymone, Rahul Kohli, Annabeth Gish, Robert Longstreet
Länge7 Folgen jeweils 60-70 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Poster zur Miniserie Midnight Mass zeigt einige der wichtigen Personen in gezeichneter Optik und ein brennendes Kirchengebäude.
Das deutsche Plakat zur Serie Midnight Mass © Netflix

Midnight Mass – Handlung

Die von Mike Flanagan, dem Schöpfer von Spuk in Hill House entwickelte Serie Midnight Mass handelt von einer kleinen, auf einer abgeschiedenen Insel lebenden Gemeinde, deren Zwistigkeiten sich durch die Rückkehr eines in Ungnade gefallenen jungen Mannes (Zach Gilford) und der Ankunft eines charismatischen Priesters (Hamish Linklater) noch verstärken. Vater Pauls Erscheinen auf Crockett Island fällt mit unerklärlichen und scheinbar wundersamen Ereignissen zusammen und erweckt bei den Inselbewohnern einen religiösen Eifer. Doch die Wunder haben ihren Preis…

Ein Mädchen im Rollstuhl und ein Mann mit Priesterkragen und Buch im Arm bewegen sich auf einer Schotterstraße auf den Betrachter zu; im Hintergrund sieht man zahlreiche Holzhäuser - Midnight Mass
Leeza und der neue Priester Vater Paul beim Zwiegespräch © Netflix

Mike Flanagan liefert erneut ab

Unter Horrorfilm-Fans haben es in den letzten Jahren einige relativ junge Filmemacher mit einem eigenen Stil und neuen Ansätzen geschafft, dass ihr Publikum sofort die Ohren spitzt, wenn ihre Namen in Verbindung mit einem neuen Projekt genannt werden. Zu dieser neuen Generation zählt zweifelsohne auch Mike Flanagan. Nach ein paar Achtungserfolgen im Filmbereich wurde er der breiten Masse endgültig mit der Netflixserie Spuk im Hill House bekannt. Mit dem folgenden Spuk in Bly Manor konnte er nochmals seine Handschrift unter Beweis stellen. Diese spezielle Flanagan-Note zeichnet sich in erster Linie durch subtilen Grusel aus. Er braucht weder übertrieben viele Jump Scares, noch Blut und Gedärme, um dem Zuschauer einen eiskalten Schauder den Rücken hinunter zu jagen.

Wer mit den beiden Spukhaus-Geschichten etwas anzufangen wusste, der wird mit Midnight Mass erneut genau das bekommen, was man inzwischen vom Gruselgaranten erwartet. Schon mit der Auftaktfolge stellt sich die perfekte Stimmung ein, die dann bis zum letzten Bild der Serie permanent aufrecht erhalten wird. Obwohl Flanagan bewusst das Tempo immer wieder verschleppt, ergibt sich kaum ein Moment, in dem die Anspannung und das omnipräsente Unwohlsein ganz verschwinden. Mal mehr, mal weniger vordergründig zieht sich die Gruselatmosphäre komplett durch die Miniserie.

Mit den richtigen Erwartungen ein Serienhighlight 2021

Auch in der neuesten Netflix-Kooperation des Serienmachers darf man nicht viel Gewaltspitzen erwarten. Doch wer weiß, worauf er sich hier einlässt und sich der Atmosphäre hingeben kann, der wird vom Sog ganz schnell erfasst. Und auch nach dem Ende wird man nicht so schnell losgelassen. Flanagan selbst hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er selbst großer Fan des Schaffens von Stephen King ist. Mehr als in den bisherigen Serien merkt man dies nun in Midnight Mass. Um jedoch potenzielle Spoiler zu vermeiden, soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden, welche Werke des Autors hier gekonnt zu einem ganz eigenen Ding zusammengeschustert wurden. Auch die genaue Genreeinordnung, die sich erst nach zwei bis drei Folgen langsam erahnen lässt, sollte jeder Zuschauer selbst herausfinden.

Zusätzlich zur passenden Erwartungshaltung sollten Zuschauer*innen auch ein Interesse an Themen wie Existenzkrisen, Trauerbewältigung und christlicher Religion generell mitbringen, um sich vollends auf die Geschichte einlassen zu können. Das Religionsthema äußert sich signifikant auch in der musikalischen Gestaltung. Wer also mit sakralen Klängen und Kirchengesang ein Problem hat, der ist hier akustisch definitiv fehl am Platz.

Man sieht drei weißbekleidete Messdiener mit betender Handhaltung vor einer weißen Holzwand; zwei sind junge Männer, eine ist eine erwachsene Frau - Midnight Mass
Die Messdiener bei der Arbeit © Netflix

Vielschichtige Figuren, gespielt von Ausnahmedarstellern

Im Grunde genommen ist auch diese Miniserie wieder mehr eine Aneinanderreihung einiger zutiefst ergreifender, persönlicher Schicksale und weniger ein Horror- oder Mysteryformat. Dass auch in Midnight Mass einige emotionale Tiefschläge gelingen, liegt an den herausragenden Darstellerleistungen. Die Figuren sind allein schon wahnsinnig gelungen geschrieben, aber erst durch ihre Verkörperung knüpft man ganz enge Verbindungen zu ihnen. An dieser Stelle könnte nahezu jeder Charakter lobend erwähnt werden, aber es sollen insbesondere noch drei Schauspieler herausgestellt werden, die sich mit ihren Darbietungen für die nächste Award Season schon mal in Stellung bringen konnten.

An erster Stelle hat es Zach Gilford (Friday Night Lights) geschafft, dass man ihm die extrem komplexe Figur eines alkoholkranken, sich selbst eigentlich aufgegebenen, Mannes abnimmt. Er ist zudem auch noch persona non grata innerhalb der kleinen Inselgemeinde, wird von einem Tiefschlag zum nächsten immer weiter in einen Abgrund gezogen. Trotzdem entdeckt er dann an einem einzelnen Strohhalm der Hoffnung wieder seinen Lebensmut.

Auch die Stammbesetzung überzeugt mit tollen Monologen

Die zweite aus dem starken Cast hervorragende Akteurin ist Kate Siegel, die im „Flanagan-Verse“ quasi zum Inventar gehört. Hier darf sie auch eine Person spielen, die nicht wirklich von der eingeschworenen Inselgemeinschaft akzeptiert wird. Ihr gehören mitunter die stärksten Monologe, die man im Jahr 2021 im Serienbereich bislang sehen konnte. Nicht nur mit den Worten, sondern insbesondere mit der Art und Weise, wie sie diese vorträgt, sorgt sie mehrfach für Gänsehaut. Und in der letzten Folge gelingt es ihr zusätzlich, dass der rote Faden, der sich von Beginn an durch die Geschichte getragen hat, endgültig zur Entfaltung kommt.

Eigentlich sollten, wie geschrieben, mindestens ein halbes Dutzend weitere Darstellerleistungen des Respekts wegen eigentlich noch im Detail gehuldigt werden. Doch, um nicht auszuufern, soll hier nur noch eine weitere tragende Figur angeführt werden. Dabei handelt es sich um den von Hamish Linklater gespielten Priester Paul. Dieser schafft es mit Bravour, einerseits den Kampf mit den eigenen (inneren) Dämonen ergreifend abzubilden und andererseits als Mann des Glaubens glaubhaft zu vermitteln, weshalb er seine Kirche gegen alle Widrigkeiten verteidigt.

Bilder, die man so schnell nicht vergisst

Allein schon der Auftakt beinhaltet mehrere Szenen, die direkt den zutiefst melancholischen Ton der Miniserie unterstreichen. In Midnight Mass kreiert Flanagan, wie schon in seinen „Spuk-im“-Serien Bilder, die oftmals an die Meisterwerke der gotischen Kunst erinnern. Seien es in Totalen, auf denen ein von toten Katzen gefüllter Sandstrand gezeigt werden, oder Nachtaufnahmen, die vollkommen auf Kerzenlicht setzen – Die Optik ist eins der starken Argumente, die auf der Habenseite der Serie zu verbuchen sind. Und wer bis zum Ende von Folge 5 durchhält, der wird erkennen, dass in diesem Fall „Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen“ mehr als nur im metaphorischen Sinn verstanden werden kann. Abgerundet wird der exzellente Eindruck, was die audiovisuelle Seite betrifft, dann von einem ebenso überragend komponierten Schlussbild.

Riley Flynn (Zach Gilford) im Anzug in einem Gerichtsaal mit stoischem Gesichtsausdruck. Hinter ihm sieht man zahlreiche Personen in den Sitzreihen und rechts neben ihm eine junge Frau, die eine Mappe vor ihrer Brust hält - Midnight Mass
Riley (Zach Gilford) muss sich für einen verschuldeten Unfall verantworten © Netflix

Unser Fazit zu Midnight Mass

Mit Midnight Mass kommen insbesondere diejenigen auf ihre Kosten, die bereits mit Spuk im Hill House und Spuk in Bly Manor ihre jeweiligen Höhepunkte vergangener Serienjahre hatten. Diesmal jedoch sorgt der Ortswechsel auf eine Insel, die stark an Shutter Island erinnert, genauso für frische Töne, wie die thematische Verlagerung in Richtung Religionsfanatismus. Einige Bilder und Monologe brennen sich dabei sicherlich genauso langfristig in der Erinnerung der Zuschauer, wie die ein oder andere Kirchenmusik. Lediglich, wer sich mit den ernsten Themen nicht beschäftigen will und wer beim nächsten Binge-Marathon ein hohes Erzähltempo braucht, wird bei diesem Serienhighlight der Herbstsaison 2021 wahrscheinlich gar nicht lang genug durchhalten, um am Ende dann das große Ganze in seiner Entfaltung zu sehen.

Midnight Mass ist seit dem 24. September komplett bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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