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Napola – Elite für den Führer

Im Jahre 2004 erschien das bedrückende Historiendrama Napola – Elite für den Führer mit Max Riemelt in der Hauptrolle, sorgte damals für rege Diskussionen. Nun erscheint der Film erstmals auf Blu-Ray Disk in einem limitierten Mediabook. Ob er auch heute noch eine Sichtung wert ist, erfahrt ihr in unserer Filmkritik.

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Titel Napola – Elite für den Führer
Jahr 2004
Land Deutschland
Regie Dennis Gansel
Drehbuch Maggie Peren, Dennis Gansel
Genre Historienfilm, Drama
Darsteller Max Riemelt, Tom SchillingDevid Striesow, Justus von Dohnanyi, Michael Schenk, Jonas Jägermeyr
Länge 115 Minuten
FSK ab 12 Jahren freigegeben
Verleih justbridge entertainment
Zu sehen ist Friedrich im Schneesturm mit aufgeplatzter Lippe und einem blauen Auge.
Cover des limitierten Mediabooks von Napola – Elite für den Führer © justbridge entertainment GmbH

Die Handlung von Napola – Elite für den Führer?

1942 in Deutschland – das Hitler-Regime steht in der Blüte seiner politischen Macht. Friedrich Weimer (Max Riemelt) ist für seine gerade einmal 17 Jahre ein herausragender Boxer und eine Karriere als Profi scheint realistisch zu sein. Doch sein Vater (Alexander Held) hat eigene Plänen für seinen Sohn. Nach dessen Vorstellungen soll er nach dem Schulabschluss in einer Fabrik arbeiten.

Bei einem Boxkampf wird jedoch der Ausbilder Henrich Vogler (David Striesow) auf Friedrich aufmerksam. Er möchte ihn gerne für das kommende Schuljahr für das Eliteinternat Napola (Kurzform für National-Politische Erziehungsanstalt) verpflichten.

Allerdings ist sein Vater strikt gegen dieses Vorhaben. Demgegenüber wittert Friedrich in diesem Angebot die Chance seines Lebens. Entschlossen fälscht er kurzerhand die Unterschrift seines Vaters und macht sich selbstständig auf den Weg nach Allenstein.

Dort angekommen, findet er schnell Anschluss und freundet sich mit Albrecht (Tom Schilling) an. Dessen Vater,  der Schulleiter Heinrich Stein (Justus von Dohnanyi), ist glühender Anhänger des Hitler-Regimes. Zu seinem Leidwesen entspricht Albrecht so gar nicht dem Männerbild nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten. Insofern hat auch Albrecht es schwer, den Anforderungen der Schule und der Erwartungshaltung seines Vaters zu entsprechen.

Durch seinen Kumpel wird auch Friedrich zum Nachdenken angeregt. Denn neben herausragender und doch unerwarteter Kameradschaft, verspürt er auch einen außerordentlichen Konkurrenzkampf, der von nationalsozialistischen Zucht- und Ordnungskonzepten dominiert wird.

Langsam kommen ihm Zweifel an seiner Entscheidung und dem Sinn seiner Ausbildung hier. Aber was sind seine Optionen? Denn wie soll er sich als Einzelner erfolgreich den Vorschriften und dem ganzen System widersetzen?

Eine Gruppe junger Männer steht auf einem zugefrorenen See. Einer steigt nur in Unterhosen in ein Loch in den See. Der Ausbilder steht daneben und schaut ihn fordernd an.
Eine Unterrichtsstunde der Napola © justbridge entertainment GmbH

Von der Komödie zum Historiendrama

Nachdem Regisseur Daniel Gansel sich zuvor an der seichten Komödien wie Mädchen, Mädchen geübt hat, geht er nun mit Napola – Elite für den Führer zu einem schweren historischen Thema über. Für dieses Vorhaben arbeitete er, wie in den vorangegangen Produktionen, beim Drehbuch wieder mit Maggie Peren zusammen.

Für die Idee zum Film inspirierte ihn sein Großvater, der ihm früher von den Drillmethoden und der militärischen Ausbildung erzählte. Gansel faszinierte das Thema, wodurch er sich entschied, einen Film darüber zu entwickeln.

Neben den Erzählungen seines Opas, tauchte er tief in die Recherche rund um die Erziehungsanstalten ein. Deswegen führte er gemeinsam mit Peren unter anderem etliche Interviews mit einstigen Napola-Schülern durch. Der gesamte Schreibprozess dauerte dabei fast zweieinhalb Jahre.

Weitere Informationen und Hintergründe zum Film gibt es im neuen Mediabook. Schaut euch doch unser Unboxing-Video auf YouTube dazu an!

Eine schauspielerische Höchstleistung!?

Mit Max Riemelt hat Regisseur Dennis Gansel die Rolle des Friedrich Weimer ideal besetzt! Die beiden kannten sich übrigens auch bereits von der Produktion zu Mädchen, Mädchen.

Der junge Schauspieler zeigt in Napola – Elite für den Führer eine sehr gute Leistung. Ob nun als authentisches Boxtalent oder mutiger Nachwuchssoldat – er überzeugt auf allen Ebenen. Er spielt Friedrich mit viel Herzblut und zeigt einen nachvollziehbaren Entwicklungsprozess vom Schuljungen zu einem kritischen jungen Erwachsen. Denn mit der Zeit beginnt Friedrich die Geschehnisse zu hinterfragen und die Zweifel seines Vaters werden für ihn nachvollziehbar. Insofern ist dieser Prozess seiner Entwicklung auch für Außenstehende gut zu verstehen.

Aber nicht nur er als Friedrich, auch Tom Schilling bringt viel Leidenschaft mit in die Rolle des Albrecht Stein. Der eher in sich gekehrte, unter dem Druck des Vaters leidende Junge ist außerordentlich gut gespielt. Demgemäß bringt er ein gewisses Feingefühl in die sonst eher schroffe Geschichte und verleiht ihr somit eine nötige Portion Dramatik.

Nichtsdestotrotz sind auch Justus von Dohnanyi und Devid Striesow lobend zu erwähnen. Beide haben zwar nicht die Screentime eines Riemelt oder Schilling, dennoch sind die Charaktere bedrückend glaubwürdig.

Friedrich steht vor einem Arzt. Dieser hält eine Irisschablone neben ihn. Es deutet auf eine ärztliche Untersuchung hin.
Friedrich entspricht den idealen Erscheinungsbild © justbridge entertainment GmbH

Faszination Ideologie und seine Schattenseiten

Die Entwicklung des Hauptcharakters in Napola – Elite für den Führer zeigt deutlich, wie verführerisch die NS-Propaganda und Ideologie sein konnte – auch wenn sie anfänglich lediglich oberflächlich (und mit jugendlichem Leichtsinn) betrachtet wurde. Obendrein entsprach der enthusiastische junge Mann mit seinem Boxtalent dem Leistungsideal in der NS-Ideologie, ebenso erfüllte seine körperliche Erscheinung dem Idealbild eines Deutschen. Er gehörte also bereits, ohne eine Leistung zu erbringen, von vornherein zur „privilegierten Rasse“ und wurde umgarnt.

Dementsprechend ist es auch leicht für Friedrich diese Ideologie anzunehmen und vorerst nicht zu hinterfragen. Problematisch ist die Situation für die Menschen, die nicht den damaligen Vorstellungen eines Deutschen entsprechen – sei es körperlich oder leistungstechnisch. Dies bekommt sein Konterpart Albrecht dann sehr stark zu spüren. Der Druck, unter dem er deshalb steht, sowie das Leiden, welches daraus erwächst, bringt Friedrich letztlich dazu, die Falschheit des Systems zu erkennen. Denn wie könnte ein Weltbild korrekt sein, in dem Personen so schlecht behandelt werden, nur weil sie nicht den vermeintlichen Idealvorstellungen entsprechen?

Es gibt einige Parallelen zwischen der Entwicklung von Friedrich und der des deutschen Volkes im Allgemeinen: Am Anfang herrschte eine große Begeisterung und die Ideologie gab den Leuten einen Sinn und Wert, jedoch enttarnte sich diese Denkweise mit der Zeit selbst. Denn sie entsprach nicht der Realität, konnte Versprechungen nicht halten und brachte letztendlich unglaubliches Leid mit sich. All dies führte im Volk zu einer zunehmenden Desillusionierung. Diese Abfolge kann auch der Film höchstdramatisch einfangen und übermitteln.

Friedrich und Albert sitzen mit braunen Uniformen am festlich gedeckten Tisch mit Kerzenleuchter.
Friedrich und Albert schauen skeptisch © justbridge entertainment GmbH

Kleine Schönheitsmakel

In Napola – Elite für den Führer wird demnach nachvollziehbar dargestellt, wie ein junger Mann, der eigentlich eher unpolitischer Natur ist, in das nationalsozialistische System eintaucht. Obgleich er dieses in seinem naiven Denken eigentlich nur für einen Karrierevorteil nutzen wollte. Diese anfängliche Unbefangenheit geht mitunter in Begeisterung über, auf die dann Zweifel und gar Ablehnung folgen. Während die Kerngeschichte äußerst detailgetreu abgebildet wird, macht sich ein kleines Problem breit: die vorhersehbare Dramaturgie.

Bereits zu Beginn ist die Storyline recht durchschaubar. Aus diesem Grund sind sämtliche Twists leicht vorherzusehen, beziehungsweise quasi vorprogrammiert und wenig überraschend. Grundsätzlich trübt dies aber keineswegs das Sehvergnügen, es bleibt dennoch eine äußerst interessante Geschichte.

Unterm Strich sollte klar sein, dass Napola – Elite für den Führer definitiv keine „leichte Kost“ ist und nach dem Film sicher noch so mancher Gedanken über die damaligen Zustände hängen bleibt. Daher ist diese Produktion eine Bereicherung im Universum deutscher Filme, denn sie handelt abseits der bekannten Persönlichkeiten und Handlungen und zeigt Einblicke in ein höchst sensibles, politisch gefärbtes Schicksal.

Unser Fazit zu Napola – Elite für den Führer

Dieser deutsche Film ist ein hervorragendes Historiendrama, das auch nach fast 20 Jahren immer noch mitreißt und betroffen macht. Wer ihn also nach all den Jahren am Markt noch nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen. Dennoch sollte bedacht werden, dass in Napola – Elite für den Führer eher das Einzelschicksal des Friedrich Weimer im Mittelpunkt steht. Wer einen Streifen über die Geschehnisse der NS-Zeit sehen möchte, der ist eventuell mit Produktionen wie Der Untergang besser bedient. Zwar mag die Dramaturgie recht vorhersehbar sein, aber die bedrückende Atmosphäre, gepaart mit der schauspielerischen Spitzenklasse aller Protagonisten, gehört definitiv zu den Dingen, die man einmal gesehen haben sollte.

Napola – Elite für den Führer seit dem 03. September 2021 erstmals als Blu-ray in einem limitierten Mediabook erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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