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Netflix Serie Dracula

Mit ihrer unkonventionellen Neuerfindung des Sherlock Holmes haben Mark Gatiss und Steven Moffat Benedict Cumberbatch maßgeblich den Weg in die erste Liga Hollywoods bereitet. Jetzt haben sich die beiden Serienmacher erneut an einem weltbekannten Klassiker versuchen dürfen. Für die Netflix-Serie Dracula, eine Koproduktion mit der englischen BBC, haben die Sherlock-Macher drei Folgen mit jeweils 90 Minuten bekommen, um die Vampirlegende von Bram Stoker neu zu erzählen. Wie dieser Versuch gelungen ist, erfahrt ihr in dieser Kritik.

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TitelDracula
Jahr2019
LandUK
RegieJonny Campbell, Paul McGuigan, Damon Thomas
DrehbuchMark Gatiss, Steven Moffat, Bram Stoker
GenreDrama, Horror
DarstellerClaes Bang, Dolly Wells, John Heffernan
Länge270 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Claes Bang als charmant-arroganter Graf Dracula © Netflix
Claes Bang als charmant-arroganter Graf Dracula © Netflix

Worum geht es in der Netflix-Serie Dracula?

Er ist der wohl bekannteste Vampir der Welt: Graf Dracula. Genauso berühmt wie sagenumwoben hat es die einmalige Romanfigur von Bram Stoker in unzähligen Versionen geschafft auch heute ein relevanter Stoff für die Popkultur zu bleiben. In drei anderthalbstündigen Episoden wird die Geschichte des Transilvaniers mit dem unstillbaren Blutdurst neu erzählt. Von seinem zurückgezogenen Leben auf einer labyrinthähnlichen Burg aus macht sich der unsterbliche Dracula auf nach England. Von seinen Motiven und seinen Gegnern auf dieser Reise erzählt die neue Interpretation von Dracula.

(Achtung Spoilerwarnung: Diese Kritik kommt zwar ohne große Spoiler aus, da die wendungsreiche Story von einigen Twists lebt, aber auf ein paar Handlungsteile der ersten Folge wird hier eingegangen werden)

John Heffernan kommt zu Dracula als Anwalt
John Heffernan ahnt nichts von den Absichten Draculas © Netflix

Mit Sherlock kaum zu vergleichen, aber genau deshalb gut

Die verschachtelte Erzählweise von Sherlock hat Maßstäbe im Serienbereich geschaffen. Diesem Stil bleibt man sich in Ansätzen auch beim neuen Projekt der Showrunner Mark Gatiss und Steven Moffat treu. Und auch viel Scharfsinn in den Dialogen, bissige, von Zynismus triefende Wortgefechte zwischen den Protagonisten werden die Fans der Detektivserie hier wiederfinden. Doch da enden augenscheinlich schon die großen Gemeinsamkeiten.

Zu Beginn gibt sich die Netflix-Serie ganz werktreu

Dracula beginnt als eine Erzählung auf zwei Zeitebenen. Ein mutmaßlich entkommenes Opfer des Vampirs wird in einer Abtei von zwei Nonnen über seine Zeit auf der Burg des Grafen ausgefragt. Diese Geschichte wird dann in Rückblenden gezeigt. Man erfährt, wie der junge Engländer unter dem Vorwand eines Immobiliengeschäfts zu Dracula gelockt wird und dort auf einen uralten Grafen, der nur gebrochen der englischen Sprache mächtig ist, trifft.

Schnell stellt sich heraus, dass sein Aufenthalt länger als geplant dauern soll. Bereits in seiner ersten Nacht beginnt er sich über einiges zu wundern, was in diesen Gemäuern so vor sich geht. Wo sind die Angestellten? Warum gibt es keinen Plan von der unübersichtlichen Anlage? Und vor allem, wer versucht mit Hilferufen seine Aufmerksamkeit zu erregen? Auf alle Nachfragen hat Dracula die passenden Ausreden parat. Dennoch bleibt Johnathan Harker vorsichtig. Seine Ausführungen werden immer wieder von der neugierigen Schwester Agatha unterbrochen. Was versucht die Nonne durch die Befragen, überhaupt zu erfahren?

Dolly Wells ist die Schwester, die sich Dracula in den Weg stellt
Dolly Wells ist die Schwester, die sich Dracula in den Weg stellt © Netflix

Schon nach einer guten Stunde wendet sich das Blatt

Schnell stellt sich heraus, dass sowohl die Schwester Agatha als auch ihre Begleiterin mehr sind, als bloß zwei gottesfürchtige Frauen. Während man von Jonathan seine Leidensgeschichte und seine Beziehung zu Dracula serviert bekommt, sieht man in den Rückblenden auch immer mehr, wie der “Alltag” eines Vampirfürsten so aussieht. Dabei werden die klassischen Motive und Mythen schön in die Geschichte verwoben. Wie lässt sich ein Vampir töten, was sind seine Schwachstellen und was will Dracula eigentlich von dem jungen Engländer? Selbst das Opfer weiß inzwischen: Die Zeit auf der Burg hat ihn mehr gekostet als ein paar Tropfen Blut…

Während man schließlich erfährt, wie er es zu den Nonnen geschafft hat und weshalb die so interessiert an ihm sind, steht die Bedrohung wortwörtlich schon ins Haus: Dracula ist auf dem zum Kloster, aber die Schwestern sind alles andere als unvorbereitet…

Claes Bang als Dracula zwischen Witz und Überheblichkeit

Die Titelrolle hat Claes Bang ergattert, der in Dänemark zwar ziemlich bekannt, aber darüber hinaus nur vereinzelt in Erscheinung getreten ist. Größte Aufmerksamkeit hat er wohl in der Kunstsatire The Square bekommen. Die Fußspuren sind gewaltig, wenn man den ikonischen Vampir spielen darf. Christopher Lee, Gary Oldman oder zuletzt Luke Evans in Dracula Untold haben jeweils ganz andere Versionen der Romanfigur gespielt. Und genauso eigen ist auch die Interpretation von Claes Bang geworden. Mal ist er zynisch, mal ist er witzig, aber immer ist er arrogant und sich seiner Unbesiegbarkeit sicher. Ein Ansatz, der überzeugt. Speziell die Dialoge mit Schwester Agatha sind eines der Highlights und erinnern dann doch in ihrer Dynamik an die Combo aus Benedict Cumberbatch als Sherlock und Andrew Scotts Moriaty.

Da ich hier ohne Spoiler auskommen möchte, werde ich nur noch ein paar lobende Worte für die Antagonistin des dunklen Vampirs verlieren. Dolly Wells spielt sich trotz ihrer Bissigkeit in die Herzen der Zuschauer und bietet Claes Bang sowohl in ihrer Rolle, als auch schauspielerisch die Stirn.

Dracula bekommt Gegenwehr
Die Schwestern formieren sich © Netflix

Die Ausstattung und die Optik auf Kinoniveau

Von Netflix ist man ja größtenteils schon einen hohen Produktionsstandard gewohnt. Diesem Anspruch wird Dracula auch mehr als gerecht. Sowohl die Kulissen von Burg, Kloster und Schiff sind sehr wertig, auch die Kameraarbeit ist über jeden Zweifel erhaben. Das absolute optische Highlight sind aber die gruseligen Splattereffekte, die sich stilistisch an den klassischen Monsterhorrorfilmen orientieren. Soviel sei gesagt: Es gibt viel Blut, reichlich Grusel und auch gezielt eingesetzten Ekel. Die Schockmomente sitzen!

Unser Fazit zur Netflix Serie Dracula

Dracula nach den Sherlock-Machern Mark Gatiss und Steven Moffat beginnt sehr langsam und erinnert anfangs eher an Spuk im Hill House als an Monsterhorror. Aber bereits im Verlauf der ersten Folge werden die Weichen neu gestellt. Von da an entspinnt sich ein Kampf “Gut gegen Böse”, der immer wieder aber auch mit komischen Einfällen, unerwarteten Wendungen und wahnsinnig schönen Bildern die nötige Würze bekommt! Im noch jungen 2020 ein gelungener Einstieg ins Netflix-Serienjahr!!!

Die Netflix-Serie Dracula ist seit dem 4. Januar 2020 als Stream verfügbar!

Unsere Wertung:

 

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