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Ellie und Aster beim Baden

Nur die halbe Geschichte

Kein Monat bei Netflix ohne neue Stoffe für die Teenagerzielgruppe. Nachdem zuletzt I am not okay with this als Serie wirklich überzeugen konnte, gibt es nun Filmnachschub in Form des Coming of Age Dramas Nur die halbe Geschichte. Lest in dieser Kritik, ob Netflix erneut seine Ausnahmestellung im Bereich der Teenagerformate unter Beweis stellen kann.

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TitelNur die halbe Geschichte
Jahr2020
LandUSA
RegieAlice Wu
DrehbuchAlice Wu
GenreRomanze, Drama
DarstellerLeah Lewis, Alexxis Lemire, Daniel Diemer, Enrique Murciano, Becky Ann Baker, Collin Chou, Wolfgang Novogratz
Länge104 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Hauptplakat des Netflixfilms Nur die halbe Geschichte
Nur die halbe Geschichte, das Hauptposter © Netflix

Nur die halbe Geschichte  – eine moderne Cyrano de Bergerac Version

Die scheue Einserschülerin Ellie (Leah Lewis) wird von dem netten, aber ungeschickten Sportler Paul (Daniel Diemer) gebeten, ihm dabei zu helfen, eine Mitschülerin Aster (Alexxis Lemire) für ihn zu gewinnen. Die ungewöhnliche Freundschaft der beiden wird kompliziert, als Ellie klar wird, dass sie in dasselbe Mädchen verliebt ist.

Ellie und ihr Vater sehen gemeinsam fern in Nur die halbe Geschichte
Ellie (Leah Lewis) und ihr Vater(Collin Chou) beim Fernsehen © Netflix

Von einer ungewöhnlichen Freundschaft

Dass sich eine schüchterne, überdurchschnittlich intelligente junge Asiatin ihr Geld durch das Verfassen fremder Aufsätze aufbessert ist schon mal ein vielversprechender Ansatz. Wenn dieses Mädchen dann aber auch einem Jungen, der dem Klischee eines Highschoolsportlers mit eher beschränktem Intellekt nicht näher kommen könnte, die Liebesbriefe vorfertigt, wird die Story umso außergewöhnlicher. Nur die halbe Geschichte ist keine 08/15-Teeniegeschichte. Das macht Ellie, die auch die Erzählerin aus dem Off gibt, von Anfang an klar. Sowohl ihre Persona, als auch die ungewöhnliche Freundschaft zu Paul sind frisch und wecken durch die Ungewöhnlichkeit schnell das Interesse des Zuschauers.

Ähnlich, wie in der Liebeskomödie Love, Simon ist auch hier das Versteckspiel und die Geheimniskrämerei das Element, das zudem für eine gewisse Spannung sorgt. Und ebenso schön wie in ebendiesem Film, ist es auch hier zu sehen, wie zwei Menschen scheinbar dazu bestimmt sind zusammen zu kommen, da sie so viel verbindet und trotzdem viele Hürden einer Beziehung im Wege stehen. Wie die ganze Geschichte sich in diesem Fall entwickeln wird, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden.

Ein Blick in die Produktion
Die Regisseuren Alice Wu gibt Leah Lewis am Set Tipps © Netflix

Intelligenter Umgang mit Popkultur

Ellie ist eine sehr belesene Schülerin, die sich außerdem sehr für Filme interessiert. Dieser Umstand wird in Nur die halbe Geschichte schön als erzählerisches Element genutzt. Mal werden philosophische Zeilen eingeblendet, mal Filme zitiert. Das ist jedoch nicht nur ein Gimmick, um der Protagonistin ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zu geben, sondern dient wesentlich dem Fortgang der Handlung.

Junge Talente jenseits von Stranger Things in Nur die halbe Geschichte

Doch was den Film absolut sehenswert macht, ist die Qualität der jungen Darsteller, die hier mal nicht dem Cast von Stranger Things entstammen und dadurch in ihren Rollen völlig unvoreingenommen akzeptiert werden können.

Atemberaubend ist besonders die Leistung von Leah Lewis, die eine sehr nachdenkliche, aber auch wahnsinnig reife Schülerin spielt. Natürlich entspricht das schon etwas dem Vorurteil gegenüber Asiaten, sehr wissbegierig und eher schüchtern zu sein. Auch wenn ein paar mal thematisiert wird, dass sie aufgrund ihrer Herkunft, aber auch ihrer Wesensart eher ein Außenseiterdasein fristet, ist dies keineswegs als Kritikpunkt zu bewerten. Vielmehr spricht man damit nur die Realität aus, dass auch heute noch üblich ist, das unter Schülern, die vermeintlich Schwachen dies gern mal zu spüren bekommen.

Trotzdem macht man nicht den Fehler und macht den Außenseiter im Laufe der Geschichte dann zum superintegrierten Mitglied der Clique. Es ist schön zu sehen, dass Ellie ihre Rolle akzeptiert und daraus Stärke zieht. Selbst als sie dann durch einen tollen Moment endlich wahrgenommen wird, bleibt sie sich treu.

Die introvertierte Art nimmt man Lewis zu einhundert Prozent ab. Wie die talentierte Schauspielerin mit ihrer Mimik die Nachdenklichkeit darstellt, ist stark. Sie drückt perfekt aus, wie sie sich gerade fühlt, oft ohne ein einziges Wort zu sprechen.




Neben der Erzählerin überzeugt auch der Rest des Cast

Nicht nur Leah Lewis weiß zu überzeugen, auch die anderen Jungdarsteller verleihen ihren Figuren durch ihre Darbietung viel Projektionsfläche für Jugendliche zur Identifikation. Exemplarisch sollen hier noch die beiden anderen Teile des komplizierten Dreiecks gelobt werden.

Daniel Diemer spielt zwar einen Jungen, der offensichtlich nicht ganz mit dem Intellekt der Altersgenossen mithalten kann. Nichtsdestotrotz ist er wirklich liebenswert und entgegen der Erwartungen wird er durch seine Wissenslücken nicht zur Lachnummer degradiert. Vielmehr gelingt es Diemer sehr nachvollziehbar zu agieren und dadurch der Figur zu Lebensnähe zu verhelfen.

Die dritte im Bunde, Alexxis Lemire, könnte gut und gerne eine souveräne, selbstsichere Filmschönheit spielen, wie man es schon so oft gesehen hat, der man dann die kleinen Makel, die das Drehbuch ihr zur Erdung andichten will, nicht wirklich abnimmt. Aber durch die stets mitschwingende Unsicherheit, die Lemire durch ihr gezieltes Minenspiel erreicht, ist sie eben nicht das Paradebeispiel eines Highschoolschwarms.

Speziell die wenigen gemeinsamen Szenen von Elli und Aster sind fantastisch, da sowohl die Chemie zwischen den beiden Schauspielerinnen besser nicht sein könnte, als auch, weil das alles überhaupt nicht konstruiert wirkt.

Ellie sitz allein im Klassenzimmer in Nur die halbe Geschichte
Ellie sehr nachdenklich im verwaisten Klassenraum © Netflix

Nur die halbe Geschichte ist voller wichtiger Aussagen

Wie der Film erzählt wird und wohin sich die Geschichte entwickelt, ist nahezu komplett frei von Kitsch und eitel Sonnenschein. Trotzdem gelingt es viele positive Botschaften zu vermitteln und den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück zu lassen. Auch dieser Teeniefilm ist wieder ein Mutmacher für die Jugendlichen, denen es ähnlich wie einem der Protagonisten geht. Selbstzweifel sind erlaubt, man ist nie allein mit einem Problem und manchmal muss man erst eine wirklich schlechte Erfahrung machen, um sich über die richtigen Prioritäten klar zu werden.

Unser Fazit zu Nur die halbe Geschichte

Wer in den letzten Jahren Das schönste Mädchen der Welt oder eben Love, Simon gemocht hat, kann mit Nur die halbe Geschichte eine weitere Coming of Age Story entdecken die perfekt für die heutigen Teenagerprobleme konzipiert ist. Man sollte keinen Kitsch und kein klassisches Happy End erwarten und auch mit der doch sehr speziellen Eigenart der Protagonistin muss man klar kommen. Manche ihrer Probleme sind dann doch sehr speziell, sodass eine direkte Identifikation mit ihr wohl nur wenigen gelingt. Mit ihr mitfühlen kann man jedoch sehr gut, auch wenn ihr Schicksal dem eigenen sehr fern ist. Lose angelehnt ist auch diese Geschichte an die klassische Cyrano de Bergerac Erzählung.

Der neueste Streich der Teenie-Offensive von Netflix ist vielleicht kein Paukenschlag. Dennoch ist Nur die halbe Geschichte eine klare Empfehlung, wenn man sich für etwas melancholische und doch optimistische Highschoolfilme, die eher kompakt erzählt werden, begeistern kann.

Nur die halbe Geschichte ist seit dem 1. Mai 2020 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

 

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© Netflix

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