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Orange is the new Black

Die 32-jährige Piper Chapman (Taylor Schilling) wird in Orange is the new Black nach einem 10 Jahre zurückliegenden Drogendelikt für 15 Monate inhaftiert. Nachdem sie gerade verlobt ist und ihr Hobby mit einer Kosmetiklinie gerade voll auslebt, stellt dieses Urteil ihr ganzes Leben auf die Probe. Wie wird das Gefängnis sie verändern? Wird sie noch dieselbe bleiben oder ein ganz anderer Mensch werden?

TitelOrange is the new Black
Jahr2013-2019
LandUSA
RegieJenji Kohan, Piper Kerman
DrehbuchJenji Kohan, Piper Kerman
GenreDrama
DarstellerTaylor Schilling, Laura Prepon, Kate Mulgrew, Michael Harney, Jason Biggs, Pablo Schreiber
Längeca. 50 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Plakat zu Orange is the new Black © Netflix
Plakat zu Orange is the new Black © Netflix

Der Inhalt von Orange is the new Black

Piper Chapman (Taylor Schilling) ist mit dem wenig bodenständigen und unsicheren Jerry Bloom (Jason Biggs) glücklich verlobt. Die 32-jährige betreibt eine einigermaßen erfolgreiche Kosmetiklinie, während ihr Verlobter sich als Schriftsteller bzw. Journalist versucht und dabei immer wieder scheitert. Piper, die ihrerseits bisexuell ist, wird jedoch eines Tages für ein Verbrechen aus ihrer Vergangenheit zu 15 Monaten Haft verurteilt. Und hier beginnt das Abenteuer.Die Gefangenen des Frauengefängnisses in Litchfield kommen nämlich aus ganz verschiedenen Gesellschaftsschichten. Jede von ihnen mit einer ganz anderen Geschichte, die das Zusammenleben im Gefängnis bestimmt. Aus der 15-monatigen Haft, die zunächst gar nicht so lange erscheint, werden lange Tage und Nächte, Wochen und Monate für Piper. Wie wird sie sich im Gefängnis verändern? Wie werden die Mitgefangenen sie aufnehmen? Was wird aus ihrem Verlobten?

Orange is the new Black steht für jeden, der noch nicht reingeschaut hat, mit aktuell 6 Staffeln auf Netflix zur Verfügung. Die kommende 7. Staffel erwartet uns ab dem 26. Juli diesen Jahres.

 




 

Die Figuren in Orange is the new Black

Piper Chapman (Taylor Schilling)

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Die Hauptfigur von Orange is the new Black ist Piper. Sie verkörpert in den bisher veröffentlichten 6 Staffeln sowohl das Gute als auch die negative Entwicklung innerhalb eines Gefängnisses. Anfangs noch schüchtern und ängstlich lernt sie schon bald, was es heißt, eine Anführerin zu sein oder sich diesen zu unterwerfen. Die Regeln, die im Knast gelten, stellen sie langsam aber stetig vor unmögliche Herausforderungen. Dennoch legt sie alles daran, sich einen Teil ihrer Menschlichkeit zu erhalten. Und eines gelingt ihr definitiv: Sie bewahrt sich ihren Humor, auch wenn dieser natürlich immer ironischer und spontaner wird. Schuld an dem ganzen Debakel ist ein Teil ihrer Vergangenheit, den sie längst abgeschlossen hat und das bereits 10 Jahre zurückliegende Drogendelikt, das ihr die Haft einbringt.

Was erwartet sie im Gefängnis? Grüppchen, Sex, Drogen, schlechtes Essen, Gefühle, Intrigen, Regeln und die schwindende Autonomie des eigenen Charakters. Ein Leben hinter Mauern. Das eigentliche Verbrechen liegt nicht in der Tat selbst, sondern in der Selbstfindung jungen Alters, das sie veranlasste, etwas wahrlich Dummes zu tun. Und das kostet sie nun einen großen Teil von ihr selbst. Ihre Entwicklung ist die stärkste und Taylor Schilling ist allen voran eine außergewöhnliche Schauspielerin, die die Emotionen und das Geschehen auf dem Bildschirm nur zu authentisch bannt. Ich habe ihr mal intensives und mal verspieltes Schauspiel sehr zu schätzen gelernt.

Sam Healy (Michael J. Harney)

Michael J. Harney spielt Sam Healy in Orange is the new Black © Netflix
Michael J. Harney spielt Sam Healy in Orange is the new Black © Netflix

Sam ist einer der Gefängniswärter in Litchfield und zählt zu den wenigen Figuren, die den Insassinnen helfen möchten. Ständig ist er versucht, mit den Gefangenen ins Gespräch zu kommen, ihnen ihre Probleme aufzuzeigen und Hilfestellung zu geben. Ein kleiner Ankerpunkt für Menschlichkeit an einem von Menschlichkeit vergessenen Ort und System. Aber auch er ist ein Opfer dieses Systems. Denn er ist trotz alledem die meiste Zeit im Gefängnis und scheint oft genauso gefangen zu sein wie seine Gefangenen. Das macht Sam in Orange is new Black allerdings für den Zuschauer besonders nahbar. Ständig baut man als Zuschauer Sympathie für ihn auf, auch wenn diese oft wenige Momente später wieder durch seine eigenen Hintergründe und Geschichten auf die Probe gestellt wird.

Aber das ist es, was Orange is the new Black zu einem so außergewöhnlichen Erlebnis macht. Nicht nur die Gefangenen haben mit sich selbst, ihrer Vergangenheit und ihren ganz eigenen Verluststörungen zu kämpfen, sondern auch die Wärter. Menschen sind sie nämlich alle. Sie bestücken im System nur verschiedene Rollen.

Galina „Red“ Reznikov (Kate Mulgrew)

Kate Mulgrew spielt Galina Reznikov alias Red in Orange is the new Black © Netflix
Kate Mulgrew spielt Galina Reznikov alias Red in Orange is the new Black © Netflix

Red, wie sie in Litchfield von allen eigentlich genannt wird, ist die typische Mutterfigur in Orange is the new Black. Zumindest gibt sie sich allerhand Mühe, dieses Bild aufrecht zu erhalten. Denn im Grunde muss sie noch eine verdammt lange Zeit im Gefängnis absitzen. Wie alle Gefangenen in Litchfield ist sie ebenfalls schlicht auf der Suche nach einer Aufgabe, auch wenn sie sich gegenüber ihrer Gefängnisfamilie und sich selbst immer als die harte Russin aufspielt, gegen die niemand ankommt. Ein Schutzmechanismus, der ihrer Person etwas Autonomie gibt. Eine Art der Bewältigung, an die wir in dieser Serie herangeführt werden. Es war immer ein Vergnügen, ihre Szenen zu sehen, denn so einige Lacher gehen ganz klar auf das Konto ihres wunderbar sympathischen und aggressiven russischen Akzents.

Und ein kleiner Funfact: Seht mal genau hin. Kommt sie euch nicht bekannt vor? Sieht sie nicht aus wie Captain Kathryn Janeway aus Star Trek Voyager?

Larry Bloom (Jason Biggs)

Jason Biggs spielt Larry Bloom in Orange is the new Black © Netflix
Jason Biggs spielt Larry Bloom in Orange is the new Black © Netflix

Jason Biggs? Ja, genau. Der unreife, junge Mann, der sich in American Pie eine Kassette an sein bestes Stück geklebt hat, weil er Gleitmittel mit Sekundenkleber verwechselt hat. In Orange is the new Black gefällt er teilweise auf ähnliche Weise durch sein unsicheres Auftreten, das Stottern und eine Menge Unreife. Ebenso gefällt er aber auch als Pipers Verlobter, der den Gegensatz ihres Gefangenenlebens darstellt. Er ist nämlich derjenige, der draußen im realen Leben bleibt und weiter machen muss. Auch er macht die Erfahrung, sich wie ein Gefangener fühlen zu müssen, weil seine bessere Hälfte nicht an seiner Seite sein kann. Seine Entwicklung ist folglich die des Geläuterten, der zu seiner Frau stehen möchte, andererseits aber alleine zurückbleibt und sich wie Piper seinen Werten treu bleiben möchte. Wie wird das nur ausgehen?

 

George Mendez (Pablo Schreiber)

Pablo Schreiber spielt George Mendez in Orange is the new Black © Netflix
Pablo Schreiber spielt George Mendez in Orange is the new Black © Netflix

Da aber auch extrem viele Lacher sowie eine ordentliche Portion makaberer Humor zu Orange is the new Black gehören, finden sich gewöhnliche Böse in der Serie wieder. Hier ist es vor allem der Gefängniswärter George Mendez, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Gefangenen zu schikanieren und zu quälen. Sein Charakter ist boshaft, unmenschlich und von Arroganz und Selbstliebe zerfressen. Seine Entwicklung tritt auf der Stelle und so bleibt er die meiste Zeit lang einer der vielen Lacher der Serie und einer der zu den peinlichsten und empörendsten Szenen in Orange is the new Black beiträgt.

Auf alle Figuren kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Das würde den Rahmen sprengen. Darum habe ich mich auf einige tragende Rollen innerhalb der Serie konzentriert, um Spoiler zu Haupthandlungspunkten auszuschließen.

Die Sünden der Gesellschaft

Nun, niemand ist von Sünden frei und jeder hat schon mal etwas annähernd Kriminelles getan. Ob es nun ein Joint war, ein Bier, bevor man 18 wurde oder etwas Stimulierendes, um die Party länger durchhalten zu können. Hat man es nun getan, weil man sich selbst geil finden wollte oder weil man verleitet wurde? Man muss sich erst selbst finden und seinen Charakter greifen, bevor man weiß, dass Feuer heiß ist, das Drogen verboten sind oder Mord doch nicht mehr die Lösung ist.

Schuldig sind wir also alle. Jeden Tag. Piper, Ich und Du. Betrachtet man die Verbrechen, die außerhalb des Gesetzes, viel mehr in moralischen Gründen verborgen liegen, sind wir alle Wiederholungstäter, verdammt dazu, mehrmals lebenslänglich abzusitzen. Die nackte Realität und das Leben da draußen besteht aus Fehlern und Verfehlungen.

Gewiss ist, dass Piper ihren Charakter und ihre besten Eigenschaften innerhalb der Mauern und des Gesteins in Litchfield spalten, zerteilen, ausspucken, wiederkäuen und neu einsetzen muss. Inneres Recycling könnte man meinen. Man muss es an der richtigen Stelle verlieren, um es später neu einsetzen zu können. Einige Eigenschaften müssen womöglich sogar ganz weg…

Das Aufrichtigsein müsste gar in die Bio-Tonne, damit die Welt noch etwas von der Energie hat, die in der Verbrennungsanlage entsteht. Vielleicht gelingt es aber auch, einige Werte ganz zu behalten.

Plakat zur zweiten Staffel von Orange is the new Black © Netflix
Plakat zur zweiten Staffel von Orange is the new Black © Netflix

Gefangensein und das wahre Problem

Klar ist aber, dass das Gefangensein nur eine Rolle ist. Genauso wie die Rolle innerhalb der Familie, der Arbeit, den Freunden und dem Alleinsein. Viele Rollen, die wir täglich meistern müssen. Als existierten x weitere Personen in uns. Als besäßen wir alle mehrere Persönlichkeiten. Letzteres, nämlich das Alleinsein, wird unter Zusatz von Mauern, kahlem Boden und Gestein erst kurz vor dem Tod oder gar nicht Halt machen. Wenn die kalten Wände dich erstmal haben, ist der Wind in den Gräsern und der Geruch von blühendem Geäst im Sommer nur noch eine fantasievolle Idylle. Ein Bild. Eine Erinnerung.

Aber eigentlich erkennt Piper mit fortlaufender Zeit, dass es gar nicht nur das Gefängnis ist, dass bei ihr und überhaupt die meiste Angst entfacht, denn vielmehr die eigenen Verfehlungen. Verpasste Chancen, missbrauchte Liebe, verkorkste Beziehungen und die mangelnde Fähigkeit, über das eigene “Ich“ und “Sein“ zielführend zu reflektieren. Nämlich so, dass sie ihr eigenes “Ich“ nicht nur findet, sondern auch akzeptiert.

Vielleicht ist der Begriff “Resozialisierung“ in vielerlei Hinsicht logisch. Nach dem Gefangensein hat man sich gänzlich anders neu gefunden und Eigenschaften des Selbstschutzes entwickelt, die schwere Situationen der Zukunft überdauern werden. Anders draußen in der Welt, in der man sich frei und unbesorgt bewegen kann. Wie jede Erfahrung, muss man ihr etwas abgewinnen können. Ansonsten ist Erfahrung irgendwann nicht mehr Erfahrung. Und Piper macht in Orange is the new Black eine starke Entwicklung durch wie auch alle anderen Figuren. “Draußen“ ist eine Welt und “Drinnen“ ist eine Welt. Ob nun Zuhause, im Gefängnis oder in sich selbst… “Drinnen“ ist ein Raum, der uns allen mal zu eng werden kann. Der Weg aus diesem Raum liegt in der Akzeptanz unserer Verfehlungen und dem Frieden mit uns selbst. Ein immerwährender Kreislauf, keine anhaltenden Lösungen. Eine nachhaltige Entwicklung, viele Wege.

Und so saßen Piper und ich über viele Wochen inmitten aller anderen und müssen erkennen, dass wir nicht weniger verrückt sind, als sie. Eben ganz normal.

Fazit

Orange is the new Black besticht durch das Zusammenleben der Gefangenen in Litchfield und ihrer ganz individuellen Hintergründe. Jeder Charakter bekommt seine eigene Geschichte und somit in vielerlei Hinsicht eine Rechtfertigung hinter seinem Verhalten im Gefängnis. Die Beziehungen, Macht- und Revierkämpfe, Auseinandersetzungen und Intrigen bekommen dadurch zunehmend eine ganz andere Sichtweise und gewinnen somit stetig an Authentizität. Zumindest die ersten drei Staffeln sind beinahe uneingeschränkt spannend, ausgeglichen, mitreißend und laden zum Serienmarathon ein, während die beiden darauffolgenden Staffeln etwas an Spannung einbüßen. Dafür ist ab der 6. Staffel wieder Luft nach oben und so steigt zumindest bei mir die Spannung ins Unermessliche, wenn die 7. und letzte Staffel komplett am 26. Juli auf Netflix erscheint.

Unsere Wertung:

 

Orange Is the New Black - Staffel 1-4 (20 Discs)
5 Bewertungen
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Rocket Man

Hallo liebe Filmfreakz. Ich bin Rocket Man. Bevorzugt bin ich im Bereich Drama tätig. Tieftraurige Emotionen, Empfindungen und vielfältige Charakterzeichnung bedeuten mir sehr viel. Nichts ist für mich wichtiger, nichts ausschlaggebender, als das, was in mir und uns Zuschauern übrig bleibt, wenn der Abspann erscheint.
Wenn es dann noch zu wochenlangen Nebenwirkungen oder Abwesenheit oder gar zu Tagträumen während dem üblichen Geschehen da draußen kommt, dann hat der Film dir etwas tiefsinniges und ehrliches mitgegeben, das gehört und verinnerlicht werden will. Viel Spaß beim Lesen :-)

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