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Das offizielle Titelbild zu Parallelwelten © Netflix

Parallelwelten

Die Spanier haben oft bewiesen, dass sie ein Händchen für düsteren Thriller-Stoff haben, ähnlich wie die Franzosen für charmante Komödien. Einen ebenso hochwertigen Zeitreise-Mystery-Thriller aus Spanien gibt es seit dem 22.03.2019 auf Netflix zu begutachten, der den unspektakulären deutschen Titel Parallelwelten trägt.

TitelParallelwelten [OT: Durante la tormenta]
Jahr2018
ProduktionslandSpanien
RegieOriol Paulo
DrehbuchOriol Paulo, Lara Sendim
GenreMyserty, Thriller, Sci-Fi/Fantasy, Drama
DarstellerAdriana Ugarte, Chino Darín, Javier Gutiérrez, Álvaro Morte, Nora Navas, Miquel Fernández, Clara Segura
Länge128 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das offizielle Titelbild zu Parallelwelten © Netflix
Das offizielle Titelbild zu Parallelwelten © Netflix

Die verschachtelte Handlung von Parallelwelten

Krankenschwester Vera (Adriana Ugarte) zieht mit ihrem Mann David (Alvaro Morte) und ihrer kleinen Tochter Gloria in ein neues Haus. Dort findet sie eine alte Kamera, mit der sie über eine Art Wurmloch mit einem Jungen aus der Vergangenheit namens Nico kommunizieren kann. Dieser lebte selbst vor 25 Jahren in diesem Haus. Nachdem er Zeuge eines Mordes wurde, flüchtete er und verunglückte dabei tödlich. Durch den Kontakt mit Vera ändert sich die Vergangenheit jedoch und Nico überlebt. Der dadurch entstehende Schmetterlingseffekt verändert auch die Gegenwart von Vera, welche nun erfolgreiche Chirurgin ist, dafür jedoch ihren Mann nie kennenlernte, geschweige denn eine Tochter mit ihm zeugte. Vera hat nun 72 Stunden Zeit, die Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, um ihr altes Leben zurückzugewinnen. Die Uhr tickt…

Fesselnder Wettlauf gegen die Zeit

Klingt erstmal kompliziert, ist es auch größtenteils. Wer jedoch am Ball bleibt, wird mit einem fesselndem Mystery-Thriller belohnt. Klar, ganz logisch war noch nie ein Zeitreise-Film, da sich diese abstrakte Thematik schlicht einer uns verständlichen Logik entzieht. Man sollte sich darüber hier jedoch nicht den Kopf zerbrechen, sondern sich mitreißen lassen. Denn die Handlung ist clever durchdacht und verschachtelt, aber nie so konfus, dass einem die Lust am Miträtseln vergeht.

Lediglich gegen Ende geht dem etwas zu lang geratenen und stellenweise überkonstruierten Film die Puste aus und er verliert sich ein wenig in seinem uninteressantem Liebeskonflikt. Doch selbst darüber kann die starke Hauptdarstellerin Adriana Ugarte hinwegtrösten. Sie hat zwar überzeugende Nebendarsteller an ihrer Seite, muss den Film jedoch trotzdem größtenteils im Alleingang stemmen, was ihr auch problemlos gelingt. Ihr wird eine breitgefächerte Palette an Emotionen abverlangt, von wärmender Mutterliebe zu benebelter Verwirrung bis zu tiefster Verzweiflung, die sie stets überzeugend zu vermitteln weiß.

Ein Gewitter liegt in der Luft

Oriol Paulo hat mit Filmen wie The Body (2012) oder auch Der unsichtbare Gast (2016) bewiesen, dass er weiß, wie twistreiche Thriller funktionieren. Wer diese Filme schon mochte, sollte auch hier einen Blick riskieren. Wieder baut Paulo mit klassischen Mitteln wie bedeutungsvollen Blicken, langsamen Kamerafahrten und einem Gewitter, das durchgehend präsent und auch fester Bestandteil der Handlung ist, eine enorme subtile Spannung auf. Man sollte hier also keinen blutigen oder actionreichen Horror-Thriller erwarten. Die Spannung ist schleichend, der Film eher ruhig und mit nicht geringem Dramaanteil inszeniert und hat viele einfühlsame Momente zu bieten.

Auch die unheilvolle Musik trägt zur bedrohlichen Atmosphäre des Films bei. Kombiniert wird diese mit entsättigten, blaustichigen Bildern eines verregneten und kalten Vorortes, die stilvoll mit dem Sommer-Sonne-Klischee brechen, das man bei Spanien normalerweise im Kopf hat. Rein atmosphärisch weiß Paulo ganz genau, welche Hebel er zu ziehen hat, um beim Zuschauer ein unbehagliches Gefühl auszulösen.

Unser Fazit zu Parallelwelten

Die Spanier haben erneut bewiesen, dass sie die Thriller-Mechanismen ziemlich gut beherrschen. Wer also Filme desselben Regisseurs wie The Body und Der unsichtbare Gast mochte und nicht allzu viel Wert auf Glaubwürdigkeit legt, der ist hier bestens aufgehoben. Die Hauptdarstellerin spielt wirklich stark, die Bilder sind sowohl stilvoll als auch bedrohlich und die Zeitreise-Geschichte schlägt jede Menge Haken, weshalb Parallelwelten Aufmerksamkeit fordert und kein Film für nebenbei ist. Nur über Logik sollte man sich, wie so oft bei Zeitreisen, nicht den Kopf zerbrechen. Die Qualität der beiden genannten Werke erreicht Oriol Paulo außerdem nicht und eine Viertelstunde kürzer hätte dem Film gut getan. Aber wenn man etwas für spanische Mystery-Thriller mit Dramaelementen übrig hat, sollte man durchaus einen Blick in dieses Netflix-Original riskieren.

Unsere Wertung:

 

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© Netflix

Sebastian Pixberg

99er Baujahr. Ist seit August 2018 eine Scheibe des Toastbrotes. Kann sich sowohl für Filme jeglicher Art, vorzugsweise Thriller, als auch Sport begeistern und verschlingt in seiner Freizeit liebend gerne andere Medien von Videospielen bis hin zu Büchern und selbstverständlich Musik. Ist deshalb auch aktuell im allseits bekannten Studiengang "Irgendwas mit Medien" tätig. Follow your Plan.

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