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Heiß geht es her bei dem Dreh von Pornos in Paris bei Nacht

Paris bei Nacht

In Paris bei Nacht begeben wir uns mit zwei Undercover-Cops in die schmuddelig, grelle Pornofilm-Szene der frühen 80er. Ob der Film von Cédric Anger sich genauso spannend wie anregend gibt, erfahrt ihr bei uns!

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TitelParis bei Nacht (OT: L’amour est une fête)
Jahr2018
LandFrankreich
RegieCédric Anger
DrehbuchCédric Anger
GenreKrimi, Drama
DarstellerGuillaume Canet, Gilles Lellouche, Michel Fau, Camille Razat
Länge114 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihAlamode Film
Leuchtende Neonreklame auf dem Cove von Paris bei Nacht
Das DVD Cover von Paris bei Nacht © Alamode Films

Paris bei Nacht – Was geht da ab?

Anfang der 80er-Jahre betreiben die Freunde Franck (Guillaume Canet) und Serge (Gilles Lellouche) einen Stripclub im Rotlichtviertel von Paris. Um die Besucherzahlen anzukurbeln, drehen sie mit ihren Mädchen kurze Sexstreifen, die Werbung für den Club machen sollen. Doch damit erwecken sie die Aufmerksamkeit verbrecherischer Porno-Produzenten, die der ungewünschten Konkurrenz kurzerhand das Inventar zertrümmert. Kurz darauf bietet der zwielichtige Maurice Vogel (Michel Fau) ihnen einen Kredit für den Neuaufbau ihres Etablissements an. Im Gegenzug sollen sie in die Pornofilmbranche einsteigen. Was er nicht weiß – Darauf haben die beiden nur gewartet. Franck und Serge sind beides falsche Identitäten der Undercover-Polizisten Martin und Georges, die mit Maurice, der sein Drogengeld mit den Filmen wäscht, einen dicken Fisch im Netz haben.

Doch die Freude über den Coup hält sich bei den Fahndern in Grenzen. In ihrer Einheit sind sie wegen ihres Einsatzes Außenseiter und werden von ihrem Vorgesetzten schwer unter Druck gesetzt. Georges macht es schwer zu schaffen, dass er sich immer mehr von seiner Familie entfremdet, und übertüncht das durch sexuelle Abenteuer. Martin indes fungiert als Ansprechspartner für Vogel, der ihn zu ausschweifenden Parties auf seiner Villa einlädt. Er verliebt sich zudem in die süße Studentin Caprice (Camille Razat), die dabei ist, ihr Debüt als Pornodarstellerin zu geben. Und auch die unbedarfte Filmcrew um Regisseur Henri (Xavier Beauvois) wächst ihnen immer mehr ans Herz…

Gilles Lellouche und Guillaume Canet stehen vor ihrem Club in Paris bei Nacht
Gilles Lellouche und Guillaume Canet halten eine geschäftliche Besprechung ab © Alamode Films

Eine ungezügelte Zeit

Cédric Angers Paris bei Nacht entführt den Zuschauer in die schummerige Welt des französischen Pornofilms der frühen 80er. Die „Golden Age of French Porn“ befand sich in seinen letzten Zügen. Die Videokassette machte viele Pornokinos obsolet, und schon wenige Jahre später versetzte AIDS die Branche kurzzeitig in Schockstarre. Davon spürt man im Film noch nicht sehr viel. Die expliziten Sexfilme werden vor geschmackvollem Ambiente gefilmt, die Szene hat seine Stars und Sternchen, und am Set sind alle eine große, vorgeblich glückliche Familie. Tatsächlich hat Alan Ceray, der mit seinem Kumpel Richard Allan seinerzeit ein Starduo des französischen Pornos bildete, sogar einen Cameo im Film.

Man merkt, dass Cédric Anger sehr um Authenzität bemüht ist. Und man muss zugeben, dass dieser dichte Zeitkolorit auch sehr vereinnehmend wirkt. Diese mit rotleuchtender Neon-Reklame ausstaffierte Scheinwelt, mit ihren dunklen Hinterzimmern, in denen sich hinter Glas junge Schönheiten rekeln, übt einen nicht zu verleugnenden Reiz aus. Man kann förmlich in diesen verheißungsvollen Morast eintauchen, sich eine zeitlang im frivolen Geschehen treiben lassen.

Heiß geht es her bei dem Dreh von Pornos in Paris bei Nacht
Sex-Clips sollen den Kunden einheizen © Alamode Films

Undercover im Paris bei Nacht

Setzt dann nach knapp einer halben Stunde die eigentliche Krimi-Handlung ein, bekommt nicht nur diese Scheinwelt Risse. Die Geschichte der Undercover-Cops, die unter ihrer Rolle leiden und gleichzeitig mit Familie und Kollegen fremdeln, wurde schon etliche Male erzählt. Und leider kann Cédric Anger ihr auch nichts Neues abgewinnen. So viel Sorgfalt er auch in das Ambiente steckte, so vorhersehbar gestaltet sich die Dramaturgie, so austauschbar sind die Charaktere. Da hilft es auch nicht viel, dass Guillaume Canet als Franck/Martin und Gilles Lellouche als Serge/Georges sehr sympathisch erscheinen. Denn der Film weiß einfach nicht wirklich viel mit ihnen anzufangen, als sie spannungslos durch die erwartbare Geschichte zu führen.

Im Großen gibt sich Paris bei Nacht viel zu bemüht, die beiden Ermittler in und mit der Rotlichtszene agieren zu lassen, anstelle zumindest punktuell die Spannungsschraube anzuziehen. Wenn der Film sich dann doch mal entschließt, dies doch zu versuchen, wirkt es meist wie aus besseren Filmen abgekupfert. So sitzt das Krimi-Drama permanent zwischen den Stühlen, denn als Drama kommt man an Platzhirsche wie Boogie Nights (1997) trotz aller Mühe nicht heran, als Szene-Krimi bleibt man dazu auch hinter bspw. einem Wonderland (2003) hinterher. Im Mittelteil zieht sich der Film folglich unangenehm. Erst im letzten Drittel, wenn die Polizei den Zugriff während eines Pornodrehs plant, kommt wieder Schwung, und auch ein wenig Humor, in die Angelegenheit.

Auch hinter den Kulissen feiert der Gangster Maurice frivole Partys in Paris bei Nacht
Michel Fau feiert als Gangster Maurice ausschweifende Partys © Alamode Films

Cast & Crew

Guillaume Canet (The Beach) und Gilles Lellouche (Kein Sterbenswort) können, wie bereits erwähnt, in den Hauptrollen durchaus überzeugen. Michel Fau (Swimming Pool, Harry meint es gut mit Dir) dreht leider als Gangster Maurice ein wenig sehr auf, was aber auch daran liegt, dass dieser schon vom Drehbuch stark überzeichnet wird. Es fällt schwer, ihn ernst zu nehmen, weswegen er auch in den Spannungsszenen kaum Gefahr versprüht. Herrlich agiert Xavier Beauvois (Django – Ein Leben für die Musik) als Porno-Regisseur Henri, auch Porno-Starlet Jade Laroche als fiktive Porno-Queen und Marc Brunet (Glacé – Ein eiskalter Fund) als potenter Stecher sind mit Gusto dabei. Jungschauspielerin Camille Razat wirkt als Caprice frisch und unverbraucht.

Technisch gibt es an Paris bei Nacht nichts zu mäkeln. Thomas Hardmeier (22 Bullets, Yves Saint Lauren) fängt die grellend-leuchtenden Bilder famos ein, durch seine Arbeit in der Werbung kennt der Schweizer dafür jeden Kniff. Neben zahlreichen Songs dieser Zeit findet Komponist Grégoire Hetzel (Die Frau die singt – Incendies) immer den passenden Ton; er gehört zum Stammpersonal von Regisseur Cédric Anger (Der Killer). Als Regisseur muss man letzteren leider mangelndes Interesse an einem Spannungsbogen vorwerfen, auch als Autor beweist er hier kein Gespür für originelle Ideen, die über das reizvolle Setting hinausgehen.

Camille Razat räkelt sich im grellen Rotlicht
Als junge, aber aufreizende Unschuld verdreht Camille Razat einen der Ermittler den Kopf © Alamode Films

Unser Fazit zu Paris bei Nacht

Als jemand, der noch selbst welche dieser doch relativ charmanten Vertreter dieses verruchten Genres aus der Videothek entliehen hat, würde ich gerne ein positiveres Fazit über Paris bei Nacht ziehen. Es liegt nicht daran, dass ich den Film nicht mag, denn zu großen Teilen ist dies der Fall, doch unterm Strich funktioniert er im Ganzen nicht so, wie er sollte. Die Figuren, wenn auch sympathisch, entpuppen sich schnell als sehr flach, die Krimi-Handlung als nicht spannend, und am Ende stellt man fest, dass es andere Filme in dieser Richtung gibt, die es sehr viel besser machen. Da hilft es leider auch nichts, dass Cédric Anger in der letzten halben Stunde nochmal aufdreht, der Film dann zeitweise wirklich Spaß macht. Denn da musste man sich schon gut eine Stunde durch den Krimi-Part mühen, der sich leider zieht wie Kaugummi.

Technisch kann man genauso wenig zum Film wie zur Veröffentlichung etwas Schlechtes sagen, da ist natürlich alles auf der Höhe der Zeit. Das Bild ist scharf, die Farben knallig, und die deutsche Tonspur sauber abgemischt. Wer also aus nostalgischer Sicht doch einen Blick riskieren möchte, der kann hier mit bestem Gewissen zugreifen.

Paris bei Nacht erschien am 29. November 2019 auf DVD und Blu-ray aus dem Hause Alamode Films durch den Vertrieb Alive!

Unsere Wertung:

 

 

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