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Pavarotti singt im Stehen inbrünstig eines seiner ausgewählten Stücke. Das Bild ist in Schwarz-Weiß gehalten.

Pavarotti

Die berühmte Arie Nessun dorma aus Puccinis Oper Turandot bedeutet übersetzt so viel wie “Niemand schlafe”. Schafft es Ron Howards Dokumentation Pavarotti über den wohl bekanntesten, titelgebenden Opernsänger, auch Laien wach zu halten?

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TitelPavarotti
Jahr2019
LandUSA, Großbritannien, Frankreich, Italien
RegieRon Howard
DrehbuchMark Monroe, Cassidy Hartmann
GenreDokumentation, Biografie, Musikfilm
DarstellerLuciano Pavarotti, Adua Veroni, Nicoletta Mantovani, Lorenza Pavarotti, Giuliana Pavarotti, Cristina Pavarotti, Plácido Domingo, José Carreras, Bono, Herbert Breslin, Tibor Rudas, Princess Diana
Länge114 Minuten
FSKab 0 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Das Cover zu Pavarotti ist sehr reduziert und in Schwarz-Weiß gehalten. Zu sehen ist nur der fröhliche Pavarotti, die Arme ausgestreckt, in der linken Hand ein weißes Stofftaschentuch - eines seiner Markenzeichen.
Das Blu-ray-Cover zu Pavarotti. © capelight pictures

Darum geht’s in Pavarotti

Er war der erste Künstler klassischer Musik, der mit seinen Tonträgern in den von Popmusik dominierten Charts Einzug erhielt und dessen Verkaufszahlen sich nicht hinter den Topstars der Branche verstecken mussten – sonst schier unvorstellbar für einen Opernsänger. Er war der wohl berühmteste Tenor aller Zeiten. Doch vor allem war er ein Jahrhundertkünstler mit einer Stimme, die bis heute unvergleichlich ist: Luciano Pavarotti, geboren am 12. Oktober 1935 als Sohn eines Bäckers und einer einfachen Arbeiterin in Modena, Italien. 12 Jahre nach dem Tod des Opernstars widmete sich Oscar-Preisträger Ron Howard (A Beautiful Mind, Solo: A Star Wars Story) 2019 schließlich Pavarottis Lebenswerk und beleuchtete dabei sowohl die Karriere als auch das Privatleben des Maestros.

Strukturiert nach Schema F

Dafür greift Howard auf private Familienaufnahmen, öffentliches Archivmaterial und Stockfotografien, Konzertmitschnitte, ehemalige und neue Interviews (sowohl mit Pavarotti selbst als auch mit etlichen seiner Wegbegleiter) sowie auf Showauftritte zurück. Strukturiert wird das Ganze nach Schema F: Die Dokumentation erzählt von den Kindstagen an über das Pädagogikstudium, den ersten Gesangserfahrungen im Chor über wichtige Eckpunkte der imposanten Karriere und des Privatlebens bis hin zu Pavarottis Tod am 6. September 2007 – und wirkt dabei teilweise etwas zu sprunghaft. So haben auch die Bilder und Filmschnipsel von denkwürdigen Momenten mitunter kaum Zeit, auf den Zuschauer einzuwirken. Hier hätte es sich wohl angeboten, auf ein paar Stationen zu verzichten und sich stattdessen auf ein paar ganz besondere Momente zu fokussieren.

Pavarotti sitzt fröhlich lachend in buntem Hemd auf einem Stuhl. Links neben ihm steht sein Vater, ebenso herzhaft lachend und rechts von Pavarotti beugt sich seine Mutter herunter, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben.
Pavarotti sieht sich als Familienmensch – hier mit den Eltern. © capelight pictures

Amüsante Anekdoten

Das Interesse des Zuschauers wird trotzdem hochgehalten. In Talking Heads kommen unter anderem Pavarottis Töchter, seine zwei Ehefrauen, befreundete Tenöre, seine ehemaligen Manager und Musikstars wie Bono oder Lang Lang zu Wort. Die persönlichen, teils erstaunlich lustigen, Anekdoten sind hervorragend ausgesucht. So erzählt eine von Pavarottis Töchtern, wie sie als Kind überzeugt davon war, ihr Vater sei ein Dieb: “Er arbeitete nachts. Und er verreiste immer mit einem Koffer voller falscher Bärte und Schnurrbärte.” Und auch Pavarotti selbst erinnert sich zurück, zitiert seine Mutter und lacht dann schelmisch. Denn als diese einmal sagte, sie spüre etwas im Herzen, wenn sie ihren Sohn singen höre und Pavarotti daraufhin entgegnete, das würde sie nur als seine Mutter sagen, widersprach sie: “Nein, nein, nein! Wenn ich deinen Vater höre, sage ich das nämlich nicht.”

Harmonische und historische Höhepunkte

Und der Zuschauer kann – zumindest mit dem ersten Teil ihrer Aussage – nur zustimmen. Denn der wunderbar träumerische Teddybär-Tenor mit dem strahlend-hellen Timbre weiß, mit seiner Musik in den Bann zu ziehen. Das absolute Highlight des Porträts ist der erste Auftritt der Drei Tenöre, bestehend aus Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras, in den Ruinen der römischen Caracalla-Thermen, der aus Luciano Pavarotti endgültig einen internationalen Superstar machte – die Übertragung fand am Abend vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien statt und fesselte etwa eine Milliarde Zuschauer vor den Fernsehern. Und wenn er vor dem Abspann inbrünstig seine wohl bekannteste Arie Nessun dorma – eine der schönsten Harmonien der Musikgeschichte – schmettert, dann ist das ein perfekter, schön-melancholischer Schlusspunkt.

Pavarotti und Prinzessin Diana stehen Arm in Arm da und grinsen freudig. Beide sind durchnässt, das vorangegangene Konzert fand unter strömendem Regen statt.
Pavarotti scherzt nach seinem Benefizkonzert mit Prinzessin Diana. © capelight pictures

Bis es so weit kommt, erfahren wir aber noch, wie er sich mit Lady Diana anfreundete, sich neu verliebte und wie er elitäre Opern-Puristen verärgerte. Denn neben der Bühnenkarriere startete der voluminöse Charmeur eine ebenso erfolgreiche Konzertkarriere, die in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt feierte. So gab er 1992 im Londoner Hyde Park und 1993 im New Yorker Central Park zwei riesige Open-Air-Konzerte, letzteres vor stolzen 500.000 Zuhörern. Auch beleuchtet wird seine in den 1990er und Anfang der 2000er Jahren fast jährlich stattfindende Benefiz-Konzertreihe Pavarotti & Friends, in denen er mit Popstars wie Bono, Sting, Brian May, Elton John, Eric Clapton, Stevie Wonder, Celine Dion und vielen weiteren auftrat. Sämtliche Erlöse wurden dabei für humanitäre Zwecke gespendet.

Zu wenig negative Stimmen?

Bei all der gerechtfertigten Lobhudelei mag dem ein oder anderen die (ebenfalls gerechtfertigte) negative Kritik etwas zu kurz kommen – die wird unterschwellig und vereinfacht nämlich als unwichtig abgetan. Auch wird in Pavarotti beispielsweise die Anklage wegen Steuerhinterziehung komplett verschwiegen. Hier muss der Zuschauer sich allerdings die Fragen stellen: Möchte er das im Rahmen dieses Films überhaupt sehen? Hat der Film den Anspruch, jede einzelne Facette im Leben des Luciano Pavarotti abzubilden? Ist es verwerflich, das nicht zu tun, wenn sich derlei Informationen doch sowieso selbst mit einem flüchtigen Blick ins Internet schnell auffinden lassen? Ist es uns nicht auch lieber, ihn stattdessen in den knapp zwei Stunden wieder singen zu hören, lachen zu sehen, die positiven Aspekte des Lebens zelebrierend?

Pavarotti legt lächelnd seinen rechten Arm um die Schulter seiner zweiten Ehefrau, Nicoletta Mantovani. Sie trägt einen knallroten Pullover und strahlt ihn an.
Pavarotti mit seiner zweiten Ehefrau Nicoletta Mantovani. © capelight pictures

Denn positives, davon gab es reichlich in Pavarottis bewegtem Leben. Und dass er mit der Unmenge an Benefizkonzerten, millionenschweren Stiftungen für Kinder in Konfliktregionen, aber auch mit seiner fröhlichen Natur und nicht zuletzt selbstredend mit seiner Kunst durchaus einen Teil zur Verbesserung der Welt beigetragen hat, ist unbestreitbar.

Unser Fazit zu Pavarotti

Ron Howard inszeniert ein mitreißendes Porträt über Pavarotti als einen der größten Künstler unserer Zeit – teils sehr persönlich, teils etwas zu oberflächlich, aber immer unterhaltsam. Pavarottis schelmisches Grinsen und die zahlreichen Anekdoten sorgen für Witz, sein Gesang für Gänsehaut. Hier gilt tatsächlich: Nessun dorma – niemand schlafe!

Pavarotti erscheint am 30. April 2020 digital als Download sowie auf DVD und Blu-ray.

Unsere Wertung:

 

 

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