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Rocco und Eva sitzen grinsend nebeneinander am reich gedeckten Wohnzimmertisch in Perfetti Sconosciuti

Perfetti Sconosciuti – Wie viele Geheimnisse verträgt eine Freundschaft?

Nach dem durchschlagenden Kinoerfolg von Das perfekte Geheimnis erscheint nun auch das italienische Original Perfetti Sconosciuti auf dem deutschen Markt. Wir verraten euch, ob die Vorlage ebenso viel Zündstoff und Witz bietet wie seine deutsche Adaption. Außerdem blicken wir auf das mittlerweile weltweite Phänomen, das sogar zu einem Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde geführt hat.

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TitelPerfetti Sconosciuti – Wie viele Geheimnisse verträgt eine Freundschaft?
Jahr2016
LandItalien
RegiePaolo Genovese
DrehbuchPaolo Genovese, Filippo Bologna, Paolo Costella, Paola Mammini, Rolando Ravello
GenreKomödie, Drama
DarstellerEdoardo Leo, Kasia Smutniak, Marco Giallini, Alba Rohrwacher, Giuseppe Battiston, Valerio Mastandrea
Länge96 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihConstantin Film
Das DVD-Cover von Perfetti Sconosciuti mit den Köpfen aller Darsteller von links nach rechts
Das offizielle DVD-Cover von Perfetti Sconosciuti © Constantin Film

Die Handlung von Perfetti Sconosciuti

Am Abend einer Mondfinsternis laden Eva (Kasia Smutniak) und Rocco (Marco Giallini) ihre befreundeten Paare Bianca (Alba Rohrwacher) und Cosimo (Edoardo Leo) sowie Lele (Valerio Mastandrea) und Carlotta (Anna Foglietta) zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Der letzte im Bunde ist Peppe (Giuseppe Battiston), der allerdings ohne seine neue Freundin auftaucht. Das lässt die Neugierde der Clique aber nur noch größer werden.

Es entwickelt sich ein entspanntes Beisammensein, bis Eva ein Spiel vorschlägt. Alle sollen ihre Handys auf den Tisch legen und eingehende Nachrichten laut vorlesen sowie Telefonanrufe über den Lautsprecher führen. Doch wie viele Geheimnisse treten so zutage und können sich die Freunde am Ende des Abends noch in die Augen schauen?

Perfetti Sconosciuti im Guiness-Buch der Rekorde

Manchmal braucht es nur eine spannende Grundidee, wie sie Regisseur Paolo Genovese mit seinem vierköpfigen Autorenteam (Filippo Bologna, Paolo Costella, Paola Mammini, Rolando Ravello) ersonnen hat, um die Massen zu begeistern und ein weltweites Phänomen loszutreten. Denn wer hätte gedacht, dass der italienische Film Perfetti Sconosciuti von 2016 innerhalb weniger Jahre zum am meisten wiederaufgelegten Film der Kinogeschichte avancieren würde? Zudem scheint die Zahl der Remakes, die auf der ganzen Welt entstehen, weiterhin anzuwachsen. Bereits jetzt existieren laut All about Italy 18 Remakes, darunter der auf Netflix veröffentlichte Le Jeu – Nichts zu verbergen aus Frankreich, Perfectos desconocidos aus Spanien und die deutsche Adaption Das perfekte Geheimnis, die  hierzulande gut fünf Millionen Zuschauer in die Kinos zog.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch eine US-amerikanische Neuauflage des italienischen Originals im Kasten ist. Der Erfolg und Einfluss von Perfetti Sconusciuti liegt offenkundig in seinem simplen, sofort verständlichen Grundkonzept, das sich in bester High-Concept-Manier in nur 25 Wörtern zusammenfassen lässt. Zudem ist die Prämisse so universal, dass sie sich im Grunde in jedes Land und jede andere Kultur übertragen lässt. Denn wie es auch im Originalfilm heißt, ist das Smartphone in nahezu allen heutigen Gesellschaften der Flugschreiber eines Einzelnen, der alle Informationen und eben Geheimnisse dieser Person enthält. Nicht zuletzt lässt sich diese Filmidee enorm kostengünstig realisieren, gerade was Ausstattung und Kostüme angeht. Dafür kommen Freunde des reinen Schauspiels auf ihre Kosten, weil sich in der Regel ein All-Star-Cast des jeweiligen Landes die Klinke in die Hand gibt.

Peppe und Biance sitzen nebeneinander am Wohnzimmertisch und schauen auf Peppes Handy in Perfetti Sconosciuti
Welche Geheimnisse einer Person verbergen sich auf ihrem Smartphone? © Constantin Film

Der neugierige Blick durchs Fenster

Perfetti Sconusciuti fühlt sich lange Zeit so an, als würde man beim abendlichen Spaziergang durch das Fenster in das hell erleuchtete Wohnzimmer eines Hauses schauen. Die seit Kindheitstagen befreundete Clique und die hinzugekommenen Partner unterhalten sich angeregt und temporeich über alle möglichen Themen. Diese decken die komplette Bandbreite zwischen belanglosen Kleinigkeiten und bedeutungsvolleren Lebensplänen und -entscheidungen ab. Durch die Vielfalt an Gesprächsthemen, das starke Schauspiel der italienischen Darstellerriege und den knackigen Schnitt entsteht so schnell eine gewisse Kurzweiligkeit. Diese lässt den Zuschauer als sozusagen unsichtbaren Tischnachbarn immer mehr in das Ambiente und Leben der Figuren eintauchen.

Dennoch dürfte sich der ein oder andere Zuschauer bei dem Gedanken ertappen, dass dieses einführende Geplänkel endlich der eigentlichen Attraktion, dem Spiel mit den Handys, weichen möge. Auch dann dauert es eine Weile, bis sich alle Beteiligten wirklich an die Grundregel, alles offenzulegen, halten und die ersten belastenden Geheimnisse ans Tageslicht treten. Ähnlich wie Gott des Gemetzels oder Der Vorname konzentriert sich Perfetti Sconusciuti also auf ein kammerspielartiges Setting und zieht seinen Unterhaltungswert aus den unzähligen kleineren und größeren Wortgefechten.

Rocco und Eva sitzen grinsend nebeneinander am reich gedeckten Wohnzimmertisch in Perfetti Sconosciuti
Die Gastgeber des Abends: Rocco und Eva © Constantin Film

Hochgejazzte moralische Konflikte

Während Perfetti Sconusciuti bis hierin noch enorm authentisch und ungestellt erscheint, wendet sich das Ganze anschließend hin zum flotteren Unterhaltungsfilm, der reichlich Zündstoff präsentiert. Die Prämisse, dass mit der offengelegten Handykommunikation ungeahnte Geheimnisse zutage treten können, wird dann reichlich überspitzt ausgespielt. So melden sich Freunde, Familienmitglieder und sogar Geschäftskontakte allesamt zu fortgeschrittener Uhrzeit, um wichtige oder brisante Themen zu besprechen.

So setzt sich mit der Zeit ein Mosaik aus unmoralischen Taten zusammen. Nahezu alle Figuren bekommen dabei gleichermaßen ihr Fett weg und müssen daraufhin vom Zuschauer ganz neu bewertet werden. Das mag eben zum Teil in seiner Drastik überzogen sein. Gleichzeitig darf man den Autoren zumindest zugutehalten, dass sie gelegentliche Hinweise und Andeutungen in die Szenen streuen und tatsächlich alles nach und nach zur Auflösung bringen. Es lohnt sich also durchaus für den Zuschauer, am Ball zu bleiben, wichtige Infos von weniger wichtigen Infos zu trennen und so aktiv an der Entlarvung und Offenlegung mitzuwirken.

Peppe, Bianca, Cosimo und Eva stehen vor einem Teleskop auf dem Balkon und schauen in den Himmel
Vom Balkon aus verfolgen die Freunde die stattfindende Mondfinsternis © Constantin Film

Als besonders schwerwiegend erweist sich außerdem ein Handytausch, der eigentlich Schlimmeres verhindern soll, aber in ein gewissermaßen erzwungenes Outing mündet. Auch Perfetti Sconusciuti setzt sich anhand der Reaktion der Freunde mit dem Thema Homophobie auseinander, verhält sich dabei aber bei Weitem nicht so homophob wie Das Perfekte Geheimnis. Denn der Knackpunkt des Ganzen ist, dass das Ausleben der Homosexualität nicht per se, sondern im Rahmen eines Ehebruchs verwerflich ist.

Die (spoilerfreie) Moral von der Geschicht’?

Dass der Abend auf einen Eklat zusteuert und für tiefe Gräben sorgt, ist sicherlich nicht zu viel verraten. Darüber hinaus möchten Genovese und die Autoren mit einer pointierten Schlusswendung noch dafür sorgen, dass der Zuschauer im Anschluss noch angeregt über das Gesehene nachdenkt. Auch könnte man sicherlich mal einen kritischen Blick in den eigenen Freundeskreis werfen. Aber Perfetti Sconusciuti ist einfach zu übertrieben und mit seinen Geheimnissen auf kurzweiligen Unterhaltungsfilm getrimmt, als dass hier eine wirklich ernst zu nehmende Botschaft vermittelt würde. Was die Figuren zum Teil angedichtet bekommen, stellt sowohl in Frage, warum die einzelnen Paare überhaupt (noch) zusammen sind, als auch, wie diese Clique schon so lange befreundet sein konnte. Insofern erscheint das Ende des Films als ein cleverer Gag – nicht mehr und nicht weniger.

Lele greift Peppe mit beiden Händen am linken Arm in Perfetti Sconosciuti
Peppe und Lele planen, ihre Handys zu tauschen © Constantin Film

Unser Fazit zu Perfetti Sconosciuti

Was für eine Erfolgsgeschichte: Mit Perfetti Sconosciuti schuf Paolo Genovese 2016 einen Erfolgsfilm, der seitdem schon weit über zehn Remakes nach sich zog. Dabei bedurfte es nicht viel mehr als einer simplen Grundidee, um daraus einen durchweg spannenden Plot zu entwickeln. Wie sieben Menschen den Abend als langjährige Freunde beginnen und gewissermaßen als Feinde beenden, ist definitiv sehenswert. Allzu ernst sollte man das Geschehen jedoch nicht nehmen, dafür wirken das Spiel mit den Handys und die auftretenden Konflikte doch zu konstruiert.

Perfetti Sconosciuti erscheint am 3. September auf DVD, Blu-ray und als Download via Constantin Film.

Unsere Wertung:

 

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© Constantin Film

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