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Mad Mikkelsen mit ernster Miene und einem erhobenen Zauberstab vor einem dunkelhäutigen Mann, den man nur von hinten sieht.

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Die Produktion des dritten Teils der Harry-Potter-Spin-Off-Reihe stand unter keinem guten Stern. Wie ist Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse nach den zahlreichen Verschiebungen und dem Wechsel von Depp auf Mikkelsen nun letztendlich geworden?

PHANTASTISCHE TIERWESEN: DUMBLEDORES GEHEIMNISSE Trailer 2 German Deutsch (2022)

TitelPhantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse
Jahr2022
LandUSA, UK
RegieDavid Yates
DrehbuchJ.K. Rowling, Steve Kloves
GenreAction, Fantasy
DarstellerEddie Redmayne, Jude Law, Ezra Miller, Dan Fogler, Mads Mikkelsen, Katherine Waterston, Alison Sudol, Callum Turner, Oliver Masucci, Fiona Glascott, Victoria Yeates, Richard Coyle
Dauer142 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihWarner Bros. Entertainment GmbH
Das Poster zu Dumbledores Geheimnisse zeigt den Titel im Zentrum. Oben im Bild das Hogwarts Schloss und in der unteren Hälfte eine lodernden Phönix
Das deutsche Poster zum neuen Abenteuer aus der magischen Welt von Harry Potter © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Die Handlung von Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Professor Albus Dumbledore (Jude Law) weiß, dass der mächtige dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen) die Kontrolle über die magische Welt an sich reißen will. Da er ihn allein nicht aufhalten kann, schickt er den Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) und eine unerschrockene Truppe aus Zauberern, Hexen und einem mutigen Muggel-Bäcker auf eine gefährliche Mission, bei der sie auf alte und neue fantastische Tierwesen treffen – und mit Grindelwalds wachsender Anhängerschaft aneinandergeraten. Doch wie lange kann sich Dumbledore im Hintergrund halten, wenn so viel auf dem Spiel steht?

! Spoilerfreie Kritik !

Auch in dieser Kritik verzichten wir auf Spoiler. Wer den Film also noch nicht gesehen hat und zumindest mit dem Trailer vertraut ist, kann getrost weiterlesen, ohne befürchten zu müssen, dass Überraschungen der Handlung vorweggenommen werden.

Holpriger Start, symptomatisch für das Chaos der Produktion

Der dritte Teil der Phantastische-Tierwesen-Reihe hat einen äußerst schwierigen Weg hinter sich, ehe er nun endlich in die Kinos gekommen ist. Angefangen beim allgemeinen Unmut bezüglich Grindelwalds Verbrechen und dem durch die Boulevardpresse heiß thematisierten Wechsel des Grindelwald-Darstellers von Johnny Depp zu Mads Mikkelsen, bis hin zu etlichen pandemiebedingten Turbulenzen, stand die Produktion wahrlich unter großen Druck von etlichen Seiten. Man merkt recht schnell, dass mit Biegen und Brechen versucht wurde Fehler des Vorgängers auszumerzen, in erster Linie durch tonale Anpassungen. Vieles in Dumbledores Geheimnisse fühlt sich nach Kurskorrektur an, was dem Handlungsfluss der Gesamtreihe keinen Dienst erweist. Um schon eines direkt festzuhalten: als Fortsetzung ist dieser dritte Teil wesentlich schwächer einzustufen, als wenn man das magische Abenteuer für sich allein betrachtet.

Albus Dumbledore in der Mitte zwischen seinen Mitstreitern Lally Hicks, Theseus Scamander, Tina Goldstein, Jacob Kowalski und Newt Scamander in einer großen Halle. Dumbledores Geheimnisse
Dumbledores Truppe, die auf gefährliche Mission geschickt wird © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Der Beginn des Films ist – typisch für die Reihe – recht rasant und unmittelbar. Nachdem dann jedoch der Titel über die Leinwand geflattert ist, gerät der Handlungsfluss in der ersten Hälfte des Films immer wieder ins Stocken. Sowohl das Zusammentrommeln des Teams, das auf die Mission gegen den Bösewicht geschickt werden soll, als auch die Szenen, die die Fortschritte auf der Gegenseite zeigen, sind schleppend inszeniert. Vieles wird dem Publikum einfach so hingeworfen, sei es der Blutschwur zwischen Grindelwald und Dumbledore oder die familiären Verhältnisse der Dumbledores. Auf Erklärungen wartet man vergebens. Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass auch den Machern hier die eigene Filmwelt irgendwie zu komplex wurde. Abermals werden zu viele Fässer aufgemacht, um alles befriedigend und vollständig auszubuchstabieren.

Probleme der Reihe bleiben teils, aber Besserung ist trotzdem spürbar

Einige Probleme der Reihen lassen sich ohnehin schwer beseitigen. So ist der Protagonist Newt Scamander weiterhin ein großes Manko, der auch in Dumbledores Geheimnisse immer noch nicht zu einem Sympathieträger reift und dem jegliche Nahbarkeit abgeht. Eddie Redmayne legt seine Rolle sehr empathiearm aus, sodass sein Newt definitiv autistische Züge aufweist. Das ist einerseits natürlich löblich, da man diesem Thema dadurch in einem Blockbuster Aufmerksamkeit zukommen lässt. Andererseits tut man sich als Zuschauer:in dadurch aber enorm schwer, mit ihm irgendwie mitzufiebern.

Verbesserung lässt sich jedoch beim Antagonisten feststellen. Mads Mikkelsen passt viel besser in die Rolle des charismatischen Machtmenschen und auch die Verbindung zwischen ihm und Dumbledore nimmt man dem Dänen mehr ab. Auch wenn Gellert Grindelwald immer noch kein Schurke wird, der die Bedrohung eines Voldemort ausstrahlt, so ist die leichte Lächerlichkeit, die durch Johnny Depps Jack-Sparrow-Anleihen entstanden war, zum Glück nun Geschichte. Erschreckend sind auch die Parallelen, die man zwischen Grindelwalds Agenda und dem Dritten Reich hier zieht. Diese politische Dimension gibt der Handlung doch eine Ernsthaftigkeit, die man von einem Abenteuer von Hexen und Zauberern wohl kaum erwarten würde.

Jude Law ist obendrein ein wirklich guter Albus Dumbledore, der noch nicht die alles überstrahlende Aura hat, die in den Harry-Potter-Filmen von seinem älteren Ich ausgegangen war, aber dem man abkauft, dass er auf dem Weg ist, dieser Mann zu werden, wenn er es schafft seine Selbstzweifel, die durch die Beziehung mit Grindelwald aufrecht erhalten werden, ein für alle mal zu besiegen.

Tierwesen oft nur noch Beiwerk ohne Handlungsrelevanz

Was schon beim Betrachten der Filmplakate auffällt, steht ebenfalls symptomatisch für den fehlenden Gesamtplan dieser Reihe: hieß der erste Teil noch Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, so wich schon mit der Fortsetzung der Obertitel dem Beititel Grindelwalds Verbrechen. Beim neuen Plakat muss man nun fast die Lupe herausholen, um noch den Bezug zu den Tierwesen zu erkennen. Hinter den Kulissen hat man augenscheinlich selbst recht schnell den Missstand rund um die Nahbarkeit der eigentlichen Hauptfigur Newt einsehen müssen. Deswegen wurde nach dem Auftaktfilm entschieden, doch die Brücke zur Originalreihe offensiver zu forcieren. So wurde Dumbledore in Teil 2 eingeführt und nun in diesem Teil endgültig zur zentralen Figur.

Dementsprechend rücken auch die Tierwesen ins zweite Glied, da diese nunmal die Domäne Newts sind. Um ihnen trotzdem einigermaßen gerecht zu werden, hat man einige Kapitel in Dumbledores Verbrechen integriert, in denen dann doch die magischen Geschöpfe von Bedeutung sind. Diese Szenen sind jedoch größtenteils reingepresst und fast entbehrlich. Auch wenn eines der Tierwesen eine ganz fundamentale Rolle für den Ausgang der Geschichte spielt, so sind die anderen Szenen mit den titelgebenden Zaubertieren nur noch ein stiefmütterlich behandeltes Beiwerk. Vom Niffler, dem heimlichen Star der Reihe, hätte man gern mehr zeigen dürfen.

Albus Dumbledore (Jude Law) hält eine Kette vor sich in die Höhe. Hinten im Bild Eddie Redmayne, vorne von hinten Callum Turner. Dumbledores Geheimnisse
Albus Dumbledore zeigt Newt und seinem Bruder ein magisches Artefakt © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Geplante Planlosigkeit?

Der große Plan von Dumbledore, um seinen Erzfeind zu stoppen, bleibt für das Publikum ein großes Rätsel. Zwar betont der weise Magier selbst, dass der Plan so zufällig wie möglich sein muss, um die hellseherischen Fähigkeiten Grindelwalds zu unterminieren, aber wenn selbst die finale Auflösung dann mehr Fragen als Antworten liefert und ganz zentrale Elemente mit einer lapidaren Erklärung abgehakt werden, dann fühlt man sich fast ein bisschen veralbert. Exemplarisch dafür kann man die Aufgabe, die Dumbledore für die Figur Yufus Kama vorgesehen hat, anführen. Weder macht die Motivation für Handlungen wirklich Sinn noch gibt es am Ende eine schlüssige Erklärung, ob es nun tatsächlich von Beginn an so geplant war oder doch nur Produkt des Zufalls ist, wie hier die Wege der Charaktere im späteren Verlauf wieder zusammenfinden.

Viele Stränge und Figuren im Schatten des großen Konflikts

Insgesamt gibt es in diesem Magie-Thriller zu viele Figuren, deren Aufgabe in der Handlung zu vage bleibt. Dabei hat man speziell mit dem deutschen Schauspieler Oliver Masucci, der auch noch einen deutschen Zaubereipolitiker mimt, beispielsweise eine wirklich spannende neue Figur eingeführt, die auch sofort eine gewisse Präsenz auszustrahlen weiß. Letztlich bleibt aber das Potenzial genauso im Ansatz stecken, wie das Geschwisterverhältnis von Newt und seinem Bruder (Callum Turner) oder auch eine wirklich nachvollziehbare Charakterentwicklung von Queenie (Alison Sudol).

Bereits in Teil 2 wurde forciert, dass sich der zentrale Konflikt zwischen Dumbledore und Grindelwald abspielt. Die anderen Handlungsstränge werden dem untergeordnet. Lediglich im Familiendrama der Dumbledores kommt endlich etwas Licht ins Dunkle. Dadurch finden sich dann hier auch eindeutig die emotional stärksten Momente eines Films, der ansonsten zu wenig bietet, um wirklich komplett ans Herz zu gehen.

Reingepresste Hogwarts-Nostalgie und zu gewollter Humor

Ein kurzer Ausflug nach Hogwarts und in die lieb gewonnenen Säle der Zauberschule wirkt genauso erzwungen, wie der ein oder andere Gag. Selbst als großer Fan des Potterverse ist dieser Fanservice zu unorganisch eingewoben, als das man die alte Magie der Originalfilme wirklich heraufbeschwören könnte. Sei es ein kurzer Auftritt einer jungen Prof. McGonagall oder ein paar Anspielungen auf ikonische Hogwartsmomente. Die Figur Jacob Kowalski (Dan Fogler) war bisher immer für den ein oder anderen Lacher gut. Er ist erneut hier mehrfach der Scene-Steeler. Dabei sitzt jedoch nicht mehr jeder Witz, insbesondere, wenn es sich nur um zu gewollt wirkende Running Gags handelt. Nichtsdestotrotz kann man lobend anführen, dass man die Figur Jacob in diesem Teil vollkommen ernst nimmt! Er ist definitiv mehr als ein Comic Relief.

Eddie Redmayne mit einer großen Heuschrecke auf der Schulter in einem dunklen Wald.
Eddie Redmayne ist als Magizoologe Newt Scamander wieder dabei © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Die Magie ist streckenweise da, den Effekten und der Musik sei Dank

Immer mal wieder schafft es Dumbledores Geheimnisse die Magie, die die Hauptreihe so beliebt gemacht hat, wieder durchscheinen zu lassen. Insbesondere in den Actionszenen, in denen man erneut viel Detailverliebtheit in jeder Einstellung spürt, sieht man vieles, was man so an magischen Einfällen noch nicht gesehen hat. Die Effekte sind insgesamt wirklich gut. Und auch die Tierwesen sind wieder sehr liebevoll gestaltet, sodass es, wie beschrieben, nochmals mehr ärgert, dass man nicht noch mehr von ihnen zeigen wollte. Der Score von James Newton Howard greift ebenfalls das alte Feeling gekonnt auf. Das sorgt dafür, dass auch auf der musikalischen Ebene alteingesessene Fans an die besten Zeiten der Reihe zurückerinnert werden.

Ein starker Finalakt entschädigt für Längen und Holprigkeiten

Las sich diese Kritik womöglich bislang etwas negativ, so muss letztendlich doch noch ein versöhnliches Fazit folgen. Auch wenn vieles im finalen Akt etwas unvorbereitet wirkt, so kann man sich kaum dagegen wehren, dass das Finale seine Zuschauer:innen doch fesseln kann. Der große Kampf in Bhutan ist klasse inszeniert und punktet mit fantastischen Kamerafahrten. Der dann noch folgende Showdown ist konsequent und schafft es letztlich sogar nochmal Figuren Raum zu geben, die zuvor etwas in den Hintergrund getreten waren. Auf emotionaler Ebene hallt das Finale noch nach und die abschließende Schlussszene wirkt zwar als möglicher Abschluss, falls es keine Fortsetzung mehr gäbe, alle Konflikte, vor allem besagte Geheimnisse Dumbledores sind aber noch nicht gelöst.

Unser Fazit zu Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Der dritte Teil der Harry-Potter-Spin-Off-Reihe ist deutlich runder als der Vorgängerfilm. Zwar ist die Magie der Originalreihe immer noch nur in Nuancen spürbar, aber Faktoren wie die Detailliebe der Macher oder die emotionale Geschichte Dumbledores sorgen für einen zauberhaften Kinobesuch, der den Zuschauer am Ende mit einem befriedigten Gefühl den Saal verlassen lässt.

Insgesamt ist Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse ein Heist-Thriller im Potterverse, der durch einen spannenden Konflikt zwischen zwei mächtigen und vor allem ambivalenten Charakteren mehr zu überzeugen weiß, als mit seiner ursprünglichen Hauptfigur oder der sinnvollen Integration der titelgebenden Tierwesen in die Handlung.

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse läuft seit dem 6. April im Kino!

Unsere Wertung:

 

 

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