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Poker Face

Rian Johnson – als Star-Wars-Regisseur umstritten, für Knives Out gefeiert – wendet sich mit Poker Face einem klassischen Serienkonzept zu und reichert dies mit Starpower und seiner Handschrift an. In den USA wurde die Serie wohlwollend aufgenommen, aber ist sie wirklich so gut?

Poker Face | Official Trailer | Peacock Original

TitelPoker Face
Jahr2023
LandUSA
RegieRian Johnson
DrehbuchRian Johnson
GenreSerien
DarstellerNatasha Lyonne, Adrien Brody, Angel Desai, Audrey Corsa, Benjamin Bratt, Brandon Michael Hall, Charles Melton, Chelsea Frei, Cherry Jones, Chloë Sevigny, Clea DuVall, Colton Ryan, Danielle MacDonald, Dascha Polanco, Ellen Barkin, Hong Chau, Jasmine Aiyana Garvin, Jameela Jamil, Joseph Gordon-Levitt, Judith Light, Leslie Silva, Lil Rel Howery, Luis Guzmán, Megan Suri, Niall Cunningham, Nicholas Cirillo, Nick Nolte, Reed Birney, Rhea Perlman, Ron Perlman, Rowan Blanchard, S. Epatha Merkerson, Shane Paul McGhie, Simon Helberg, Stephanie Hsu, Tim Blake Nelson, Tim Meadows
Länge10 Folgen jeweils ca. 60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingdienstSky
Das Poster zu Poker Face zeigt die Protagonistin mit Zahnstocher und Sonnenbrille, in der sich ein blaues Auto spiegelt.
Das Poster zu Poker Face © Peacock

Poker Face – Die offizielle Handlungsangabe

Poker Face ist eine zehnteilige „Rätsel der Woche“-Serie in deren Mittelpunkt Charlie, verkörpert von Natasha Lyonne, steht. Charlie besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit sofort zu erkennen, wenn jemand lügt. Während sie mit ihrem Plymouth Barracuda quer durch die USA fährt, trifft sie auf jedem Zwischenstopp auf neue Charaktere und seltsame Kriminalfälle, die ihr keine andere Wahl lassen als sie zu lösen.

Spoilerfreie Staffelkritik zu Poker Face – Staffel 1

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der ersten Staffel der Serie, die ab dem 24. April bei Sky jeweils montags in Einzelfolgen ausgestrahlt wird. Dementsprechend ist die Kritik auch auf alle Folgen bezogen und soll dazu dienen, den Lesern eine Einschätzung geben, wie die Show insgesamt funktioniert. Es wird in diesem Artikel allerdings auf  Spoiler verzichtet.

Krimi-Procedural, Genre-Persiflage, liebevolle Hommage? Alles!

Es ist eigentlich schon ärgerlich, wie negativ der Begriff „klassisch“ im Serienbereich inzwischen konnotiert ist, sodass man sich quasi rechtfertigen muss, wenn man zum guten, alten Prinzip abgeschlossener Episodenhandlung zurückkehrt. Wenn man sich also etwas vornimmt, was vermeintlich outdated, abgedroschen oder anachronistisch ist, dann muss man sich seiner Sache sicher sein. Aber dass Rian Johnson genau der richtige Mann ist, um alten Formaten neuen Lebensgeist einzuhauchen, hat er ja mit seiner Whodunnit-Reminiszenz in Knives Out bewiesen. Doch der Regisseur ist bei diesem Format kreativ nicht allein auf weiter Flur. Allein die Wahl der Hauptdarstellerin wird beim geneigten Serien-Junkie ebenfalls die Glocken schellen lassen. Denn die American-Pie-Alumni hat in zwei Staffeln Matrjoschka schon dem Zeitschleifen-Gimmick aus der eigenen Schleife geholfen und neue Facetten in ein übersättigtes Metier gebracht.

I like my life. I like my job.

Beim neuen Johnson-Projekt handelt es sich streng genommen um eine moderne Variante einer invertierten Detektivgeschichte, auch howcatchem“ genannt, wobei hier die meisten zuerst an den legendären Columbo denken werden. Und ja, in diese Fußstapfen soll die schrullige Protagonistin ohne jeden Zweifel treten. Auch in Poker Face stehen die einzelnen Fälle in den Folgen im Vordergrund, die Situationskomik spielt eine wichtige Rolle und die Charaktere haben oftmals nur wenig Zeit, um zu glänzen. Doch das, was Johnson hier fabriziert hat, hat Sinn und Verstand: Lyonne als Dreh- und Angelpunkt ist sensationell, die Fälle sind originell und so weit entfernt von Redundanz, wie man es sich nur wünschen kann und auch die Folgen-übergreifende Geschichte funktioniert fantastisch.

Der bunte Blumenstrauß bekannter Stars trifft ins Schwarze

Für diesen Serien-Volltreffer verantwortlich ist neben dem starken Skript, die Riege an namhaften Hollywoodstars, die sich hier pro Folge die Klinke in die Hand geben. Außer Spoilergründen wird hier auf die konkreten Fälle und auch die durchaus überraschenden Rollen der großen Namen nur rudimentär eingegangen. Denn Poker Face ist eine Show, die von ihren wirklich zu einhundert Prozent gelungenen Überraschungsmomenten lebt. Was man, ohne zu viel zu verraten aber sagen kann, ist, dass sich beispielsweise ein Oscarpreisträger wie Adrien Brody einmal mehr nicht zu schade ist, einen schmierigen, unsympathischen Charakter zu spielen, den man als Zuschauer vom ersten Auftritt an hasst. Viele der fast Cameo-artigen Kurzauftritte werden im Gedächtnis bleiben, da die Schauspieler oftmals gegen ihre typischen Rollenwahl besetzt wurden, was selbstverständlich volle Absicht Johnsons war und womit er die Komik hier erst auf das hohe Niveau gehievt hat.

Doch die neue Serie hat nicht nur tolle, kleine Geschichten und skurrile Charaktere zu bieten. Auch die Bilder überzeugen. Bereits in der ersten Folge etabliert man einen speziellen Look, der sich durch eine ruhige, aber dennoch dynamische Kamera auszeichnet. Zudem schafft es die Peacock-Show auch im abgedroschenen Vegas-/Casino-Setting neue Perspektiven und Bilder zu kreieren. Der Produktionswert ist augenscheinlich hoch, man merkt, dass man das Budget nicht nur für Darstellerinnen und Darsteller verpulvert hat.

Wer sollte sich Poker Face nicht entgehen lassen?

Es gibt in der Film- und Seriengeschichte etliche ikonische Ermittlerfiguren, die mit schrägen Methoden ihren Status erst schafften zu manifestieren. Ob ein Monk mit seinen Marotten, ein Psych mit seinem Hellseher-Schwindel oder eben Miss Marple und Columbo durch ihre schrullige liebevoll-aufdringliche Penetranz. Nun ist es also eine Casino-Mitarbeiterin in leicht verlottertem Look, die als menschlicher Lügendetektor in diese Kerbe schlägt. Wer also den Johnson-Humor mag, Lyonne in Matrjoschka schon ins Herz geschlossen hat und einfach mal wieder Bock auf kurzweilige, brillant geschriebene Krimi-Rätsel hat, der wird Poker Face von Beginn an lieben.

Natasha Lyonne in Poker Face in einem Wohnwagen, der sehr unaufgeräumt ist.
Natasha Lyonne in der neuen Serie © Peacock

„Der Fall der Woche“ funktioniert auch 2023…

… vorausgesetzt man hat jemanden wie Rian Johnson, der für Poker Face verantwortlich zeichnet und weiß, wie man ein klassisches Serienmodell einmal auf links dreht und so einen der besten Serienneustarts des Jahres abliefert! Das Wichtigste ist – was man heutzutage leider bei aller Analyse und Detailbetrachtung verdrängt – dass diese Produktion schlicht und einfach einen Heidenspaß macht. Alle beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler haben sichtlich Spaß, die Dialoge sind exzellent, sodass man manchmal zurückspulen und sie ein zweites Mal hören möchte und die Struktur der Folgen ist nur oberflächlich altbacken, eigentlich aber perfekt auf die modernen Sehgewohnheiten zugeschnitten. Ein kleines Fleißbienchen verdienen sich die Editoren noch für die kreativen Folgen-Intros.

Unser Fazit zu Poker Face – Staffel 1

Bei Poker Face denken wohl die meisten aktuell an den Lady Gaga Song. Doch wenn sich noch weiter herumspricht, wie kultverdächtig die gleichnamige Serie von Knives-Out- Macher Johnson ist, dann wird bald die Peacock-Show dem Popsong den Rang ablaufen. Die Serie ist originell, fantastisch gespielt und liebevoll präsentiert – und das Beste: bereits jetzt ist eine weitere Staffel in der Mache, sodass weiter am Kultstatus gearbeitet werden kann. Eine der eindeutigsten Must-See-Empfehlungen im noch jungen Serienjahr 2023.

Poker Face – Staffel 1 startet am 24. April bei Sky/WOW. Danach geht es jeweils am Montag mit einer neuen Folge weiter!

Unsere Wertung:

 

 

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© Peacock

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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