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Nahaufnahme des Monsters Psycho Goreman mit gefletschten Zähnen und blutverschmiertem Mund

Psycho Goreman

Endlich ist er da! Auf dem Fantasy Filmfest 2020 feierte Psycho Goreman seine deutsche Premiere. Jetzt kommt die launige Sci-Fi-Horrorkomödie auch für den Heimkinomarkt. Grandiose Trash-Granate oder peinlicher Klamaukstreifen – was erwartet uns?

PG: Psycho Goreman - OFFICIAL TRAILER

TitelPsycho Goreman
Jahr2020
LandKanada
RegieSteven Kostanski
DrehbuchSteven Kostanski
GenreSci-Fi/Fantasy, Horror, Komödie
DarstellerNita-Josee Hanna, Owen Myre, Steven Vlahos, Adam Brooks, Alexis Hancey, Matthew Ninaber, Reece Presley
Länge99 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Media
Das Cover des Mediabooks von Psycho Goreman mit FSK 16 Sticker
Psycho Goreman im Mediabook (Cover A) © Koch Films

Das ist die Handlung von Psycho Goreman

Als die Geschwister Mimi (Nita-Josee Hanna) und Luke (Owen Myre) ein selbst erfundenes Ballspiel im Garten der Eltern spielen, stoßen die beiden unerwartet auf ein besonders bösartiges außerirdisches Monster (Matthew Ninaber). Doch zum Glück sorgt dessen Befreiung aus seinem jahrhundertealten Gefängnis nicht für ein Blutbad. Denn das Monster muss jedem gehorchen, der die Quelle seiner Macht, ein magisches Amulett, in Händen hält.

Fortan kontrolliert Mimi das schaurige Ungetüm, das die Kinder wegen seiner erbarmungslosen Brutalität Psycho Goreman taufen. Während die Eltern Greg (Adam Brooks) und Susan (Alexis Kara Hancey) mehr als geschockt sind, freuen sich ihre Sprösslinge über den neuen mächtigen Spielkameraden. Doch die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle. Denn nicht nur Psycho Goremans ehemalige Mitstreiter, die Paladine von Obsidian, wollen ihm ans Leder. Ein kosmischer Rat auf Goremans Heimatplaneten Gigax entsendet die Templar-Wächterin Pandora (Kristen MacCulloch/Anna Tierney). Dem weltenvernichtenden Bösewicht soll endgültig der Garaus gemacht werden.

Steven Kostanski – ein Mann fürs Horrorgenre

Wer sich gerne in den Untiefen des Horror-Genres herumtreibt, der könnte bereits von Regisseur, Drehbuchautor und Kreativkopf Steven Kostanski gehört haben. Nach seinem trashigen Einstieg 2011 mit Manborg – Retter der Zukunft und Father’s Day konnte Kostanski später mit Leprechaun Returns und The Void zwei respektable Empfehlungensschreiben abgeben. Während er das alte Franchise um den mordlustigen grünen Kobold ansprechend wiederbeleben konnte, versprühte The Void den abgründig-unheimlichen Charme von Hellraiser, gepaart mit deftigen Splattereinlagen eines Stuart-Gordon-Films und gekleidet in ein Setting à la Assault – Anschlag bei Nacht.

Nahaufnahme des Monsters Psycho Goreman mit gefletschten Zähnen und blutverschmiertem Mund
Das ultimative Böse ist erwacht: Psycho Goreman © Koch Films

Mit Psycho Goreman peilt Kostanski nun alles andere als den nächsten großen Karriereschritt an. Stattdessen liefert er wieder einen äußerst kostengünstig produzierten Horrorfilm ab, der ähnlich wie Manborg ein Geschenk an sein vergangenes 12-jähriges Ich zu sein scheint, das einmal davon träumte, genau solche Filme zu machen. Dementsprechend ist Psycho Goreman eine reinrassige Indieproduktion, in der Kostanski nach eigenem Gusto alle möglichen Ideen aus den Bereichen Fantasy, Sci-Fi und Horror miteinander verrührt und schließlich kräftig mit Humor garniert.

Als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Cutter und Creature Designer lief bei diesem Projekt nichts ohne den Kanadier, der durch die Barker-Verfilmung Rawhead Rex auf die Idee kam, ein altertümliches Monster im Vernichtungsmodus mit unschuldigen Kindern in einem Abenteuerfilm zu vereinen.

Meine eigene blutrünstige Actionfigur

Psycho Goreman erinnert nicht ganz ungewollt an die 90er-Jahre. Kostanski verortet seinen neuesten Film selbst lose Anfang dieses Jahrzehnts, allein was die technischen Geräte anbelangt. Doch vor allem der Look und die Inszenierung des titelgebenden Weltenvernichters schlagen auch den Bogen in die Popkultur der 90er. Erinnerungen an den besonderen Trashcharme der Power Rangers und anderer Super-Sentai-Serien werden wach und standen tatsächlich Pate für Figuren und Kostüme. Auch die typischen TV-Werbungen, in denen Kinder mit Actionfiguren aller Art spielen, kommen einem ins Gedächtnis. Denn Mimi kann Psycho Goreman wie eine solche Puppe befehligen. Endlich einmal als Kind das sagen haben und den eigenen Kopf durchsetzen – Mimi-Darstellerin Nita-Josee Hanna geht in ihrer Rolle zu jeder Zeit auf und setzt zu plakativem Overacting an, was Kostanski gerne so laufen lässt. Die Nervgrenze wird dadurch das ein oder andere Mal mit Volldampf überschritten.

Hauptdarstellerin Nita-Josee Hanna kniet neben einem riesigen Gehirn mit Augen und legt ihre Hand auf dieses
Mimi bemitleidet ihren Freund Alastair, der von Psycho Goreman in ein riesiges Gehirn verwandelt wurde © Koch Films

Die Grundidee von Psycho Goreman ist schnell klar. Eine übermächtige und besonders übellaunige Kreatur ist die willenlose Marionette eines kleinen Mädchens. Leider strapaziert Kostanski diese Prämisse bis an ihre Grenzen. Immer dann, wenn Psycho Goreman mal wieder mit basslastiger Stimme seine bestialischen Tötungsphantasien vorträgt, unterbricht ihn Mimi mit vorlautem Befehlston, um ihn herumzukommandieren. Bruder Luke, der überraschend den schwächeren Part im Geschwisterspann darstellt, bleibt dagegen die meiste Zeit blass und ziemlich austauschbar.

Wenn im Finale Teams aus Monstern und Menschen zum regeltechnisch völlig absurden Ballspiel der Geschwister antreten, unterstreicht das noch mal, wie die Macher hier ihren quatschigen Einfällen freien Lauf gelassen haben. So bleibt dieser trashige Horrorstreifen, der fast ganz auf narrative Muster und Charakterentwicklungen pfeift, nie so richtig ausrechenbar.

Handgemachte Effekte aus der eigenen Garage

Ein stürmischer, düsterer Planet namens Gigax, ein intergalaktischer Rat unterschiedlichster Rassen, ein mächtiges Monster auf Rachefeldzug und eine Portion Splatter und Gore –  Psycho Gorman ist für Freunde handgemachter Spezialeffekte und fantasievoller Kostüme eine wahre Freude. Gerade in einer Zeit, in der computergenerierte Effekte dieses so kreative Kunsthandwerk immer mehr ins Abseits drängen, erscheint Kostanskis Herzenprojekt als nostalgische Reise in die guten alten Zeiten der 80er- und 90er-Jahre.

Pandora schlägt mit einem Schwert auf Susan ein, die den Hieb mit ihrem gepanzerten Arm abwehrt
Inspiration aus Fernost: Super Sentai lässt grüßen © Koch Films

So funktionierte Kostanski die eigene Garage zur Werkstatt für Kulissen und Requisiten sowie zum Aufnahmestudio um. Gemeinsam mit seinem Team stellte er aufwendige Masken und Kostüme her, rührte Blut an und erschuf den Planeten Gigax per Miniaturmodell. Weil Miniaturmodelle wohl am plastischsten und damit realistischsten wirken, wenn sie nass sind, sorgte das Team mit Sprühflaschen und Ventilatoren für eine stürmische Wetterlage auf dem Planeten. Es sind diese und viele weitere großartige Anfertigungen wie die detailreichen Kostüme aller Fantasy-Kreaturen, die es sich im Film zu entdecken lohnt.

Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Drehorte selbst nicht der Rede wert sind. Vor allem der ziemlich amüsant inszenierte Kampf zwischen Psycho Goreman und seinen abtrünnigen Gefolgsleuten wurde in einem Wald im tristen Herbstlook abgefilmt. Gerade dieser Mix aus fantastischen Elementen mit alltäglichen Settings soll zumindest für einen eigenwillig Trashcharme sorgen, der auch die Power Rangers in den 90er-Jahren umwehte. Es liegt am Ende beim jeweiligen Zuschauer, wie sehr er sich auf den gezeigten Mumpitz einlassen kann und möchte.

Unser Fazit zu Psycho Goreman

Psycho Goreman ist ein wilder Mix aus Sci-Fi, Fantasy, Horror und Comedy, der sich mit seinen zahlreichen handgemachten Effekten und der charmanten Do-it-Yourself-Mentalität ganz klar an ein Genrepublikum richtet. Dabei sollte jedem klar sein, dass Regisseur, Autor und Produzent Steven Kostanski sich wieder mal einen Kindheitstraum erfüllt. Dadurch schielt er nicht nur subtil Richtung Trash, sondern dreht in seinem Einfallsreichtum nahezu völlig frei. So lebt Psycho Goreman zum einen von seiner amüsanten Prämisse, dass Kinder ein übermächtiges Monster kontrollieren, und zum anderen von vielen abgedrehten Einzelszenen mit gelegentlichen Splatterspitzen.

Wie sehr man sich als Zuschauer am lose zusammengeklöppelten Drehbuch und der doch recht schnell erschöpften Grundidee stört, sollte jeder für sich entscheiden. Einige Längen sind nicht zu leugnen. Denn Kostanski setzt unerwartet stark auf den immergleichen Dialogwitz zwischen Monster und Kindern, statt das Tempo mit derben Gewaltspitzen hochzuhalten. Wie das FSK-16-Rating vermuten lässt, wäre hier in Sachen Schauwerte noch deutlich mehr möglich gewesen, um Psycho Goreman als neuen Kult-Splatterfilm zu positionieren.

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

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