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Screen 08 Quigley der Australier © Capelight Pictures

Quigley der Australier

Tom Selleck setzt sich als Quigley der Australier für die gejagten Aborigines ein. Kann der Outback Western an sich noch heute im Allgemeinen und das neue Mediabook von Capelight im Speziellen überzeugen? Dazu alles in unserer Besprechung!

TitelQuigley der Australier (OT: Quigley Down Under)
Jahr1990
ProduktionslandUSA, Australien
RegieSimon Wincer
DrehbuchJohn Hill
GenreWestern
DarstellerTom Selleck, Laura San Giacomo, Alan Rickman
Länge120 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Cover Quigley der Australier © Capelight Pictures
Cover des Mediabooks von Quigley der Australier © Capelight Pictures

Ein Yankee im Outback

Irgendwann in den 1860ern schippert der Scharfschütze Matthew Quigley (Tom Selleck) von Amerika aus über den großen Teich nach Australien. Der Großgrundbesitzer Elliott Marston (Alan Rickman) hat ihn eingeladen, um ihm ein lukratives Jobangebot zu unterbreiten. Alleine für sein Erscheinen werden ihm 5.000 $ in Gold offeriert. Schon bei seiner Ankunft legt er sich mit einigen üblen Gesellen an, die eine Frau gegen ihren Willen mitnehmen wollen. Die Dame, Crazy Cora (Laura San Giacomo) genannt, hat fortan einen Narren an ihm gefressen und nennt ihn nur „Roy“. Die von ihm verdroschenen Herrschaften stellen sich außerdem als Arbeiter der Marston-Farm heraus, die geschickt wurden, um Quigley abzuholen. Also macht man sich zusammen auf den langen Weg ins Outback.

Auf der Ranch angekommen, darf der Scharfschütze dann schon mal eine Probe seines Könnens abliefern. Mit seiner Sharps Rifle verblüfft er Marston und seine Belegschaft mit einem unglaublichen Schuss aus mehreren hundert Yards. Sein potenzieller neuer Arbeitgeber ist höchst erfreut darüber, dass der Amerikaner seine hohen Erwartungen damit sogar noch übertrifft. Doch die Stimmung kippt, als er Quigley eröffnet, wofür er seine Dienste wirklich benötigt. Statt Dingos soll er Aborigines erschießen, die immer noch auf Marstons weitläufigen Grund und Boden siedeln. Nonchalant prügelt der angewiderte Cowboy den skrupellosen Marston aus seinem eigenen Wohnzimmer, wird aber ausgerechnet von dessen Aborigine-Diener überrumpelt. Halb tot geprügelt wird Quigley zusammen mit Cora zum Sterben in die Wüste gebracht. Mit letzter Kraft kann sich der hartgesottene Schütze aber befreien. Sie haben Glück und werden von einem Stamm von Aborigines aufgelesen und wieder aufgepäppelt. Quigley brennt darauf, mit dem fiesen Rassisten abzurechnen…

Screen 01 Quigley der Australier © Capelight Pictures
Tom Selleck weiß sich zur Wehr zu setzen als Quigley der Australier © Capelight Pictures

Die Rückkehr des Westerns

Der Outback Streifen Quigley der Australier gesellte sich 1990 zu anderen Westernfilmen, die damals in einer neuerlichen Phase des Booms entstanden. Ausgelöst wurde dieser 1985 durch den Erfolg von Pale Rider mit Clint Eastwood und Silverado mit Kevin Kline, Danny Glover und, in einer Nebenrolle, Kevin Costner. Was folgte, war eine zeitgemäße Aufbereitung von Western-Stoffen, sei es als Komödie wie Drei Amigos (1986) von John Landis, oder als Action-Abenteuer der Marke Young Guns (1988) mit Mitgliedern des sogenannten Bratpacks in den Hauptrollen. Ihren Höhepunkt bildeten Kevin Costners revisionistischer Vertreter Der mit dem Wolf tanzt (1990), der mit 7 Oscars ausgezeichnet wurde, und Clint Eastwoods Abgesang auf die althergebrachten Mythen in seinem Altherren-Western Erbarmungslos, der vier Goldjungs einheimsen konnte. Quigley der Australier brachte durch seine Verlagerung des Settings von Nordamerika nach Australien etwas Frische ins Genre, bediente aber durchaus klassische Klischees und Dramaturgie.

Der Film ist dabei einen langen Weg gegangen. Drehbuchautor John Hill (Little Nikita) hatte das Skript schon Ende der 70er-Jahre geschrieben, und die Rolle des Quigley wurde damals mit bekannten Namen in Verbindung gebracht. Clint Eastwood (Dirty Harry, Erbarmungslos) war im Gespräch, mit Steve McQueen (Die glorreichen Sieben, Gesprengte Ketten) sollte es schließlich umgesetzt werden. Der starke Raucher erkrankte jedoch an Krebs und verschied schon 1980, sodass das Projekt erst einmal wieder auf Eis gelegt wurde. Einige Jahre später landete das Drehbuch dann bei Tom Selleck (Magnum, Blue Bloods), und es sollte von Bond-Regisseur Lewis Gilbert (Man lebt nur zweimal, Moonraker) verfilmt werden. Schließlich ging das Projekt in die Hände des Australiers Simon Wincer (Free Willy, Lightning Jack), der sich durch die TV-Miniserie Lonesome Dove einen Namen für Western-Stoffe gemacht hatte und die Geschichte aufgrund historischer Ungenauigkeiten nochmal grundlegend überarbeiten ließ.

Screen 07 Quigley der Australier © Capelight Pictures
Laura San Giacomo wütet als Crazy Cora in Quigley der Australier © Capelight Pictures

Neues Land, bekannter Stoff

Auch wenn Quigley der Australier in der südlichen Hemisphäre und einige Tausend Kilometer vom Wilden Westen entfernt spielt, erweist sich das Konzept der Geschichte als eher altbacken. Der Scharfschütze Matthew Quigley steht ein für Werte wie Freiheit und Gleichheit, er schlägt sich sofort und ohne zu Zögern auf die Seite der Aborigines. Als Antagonist steht ihm der rassistische Elliott Marston gegenüber, der als Großgrundbesitzer auf seinem Land schaltet und waltet, wie es ihm beliebt. Die englischen Kolonial-Truppen haben zwar ein Auge auf ihn, lassen ihn und andere einflussreiche Leute aber scheinbar stillschweigend gewähren. Ihm folgt ein Tross willfähriger Handlanger, die zwar von ihm abhängig sind, aber in ihrem Wesen die gleichen menschenverachtenden Züge wie ihr Arbeitgeber verinnerlicht haben. Es ist also der klassische Kampf des guten Helden als Beschützer der Geschundenen und Wehrlosen gegen die bösen Unholde.

Und da die Aborigines, obwohl sie Gegenstand der Anfeindungen sind, hier nur eine Rolle am Rande spielen, fungiert Crazy Cora als deren Bindeglied zum Zuschauer. Durch sie, die von dem Mord ihres Kindes durch Indianer traumatisiert wurde, erleben wir Vergebung, Leid und Verlustängste. Der Film muss sich hierbei schon den Vorwurf gefallen lassen, das damals schon abgedroschene Klischee des „edlen Wilden“ zu bedienen. Es ist eine Gruppe, deren Mitglieder nicht von Individualität geprägt und für den Zuschauer nur in Mann, Weib und Kind zu unterscheiden sind. Einzig der Diener Marstons sticht durch seinen Anzug und sein unterwürfiges Handeln hervor. Allerdings verpasst es das Drehbuch, auch bei ihm frühzeitig herauszustellen, dass er nur durch seine Abhängigkeit angetrieben Quigley nach der Auseinandersetzung mit Marston niedergeschlagen hat. Um den unmenschlichen Umgang mit ihnen zu verdeutlichen, werden wir Zeuge eines Massakers an den Ureinwohnern.

Screen 04 Quigley der Australier © Capelight Pictures
Auch Marston löst Probleme am liebsten mit Gewalt in Quigley der Australier © Capelight Pictures

Humanismus und Waffenkult

Die Dramaturgie arbeitet sich dabei recht streng an etablierten Punkten ab. Der Held kommt in ihm fremdes Terrain, wo er Unrecht erkennt. Er lehnt sich gegen den Bösen auf, um Unschuldige zu verteidigen. Darauf wird er von denen, die er zu verteidigen suchte, wieder aufgepäppelt, und zieht in die finale Schlacht, um die Bösen der Gerechtigkeit zuzuführen. Erstaunlich an Quigley der Australier ist, dass er neben seiner antirassistischen, humanistischen Botschaft mit einem ungewöhnlich ausgeprägten Waffen-Fetisch kokettiert. Das geht über die Liebe eines Wild-West-Helden für seine „Silberbüchse“ oder den „Bärentöter“, wie man es aus den Büchern Karl Mays kennt, weit hinaus. Hier wird fachkundig diskutiert, Vorzüge werden herausgestellt und Vorlieben offenbart. Bis zum Ende scheint der Scharfschütze nahezu wehrlos ohne seine Sharps Rifle, und Marston hegt eine große Faszination für den amerikanischen Army Colt, da solche Waffen in Australien damals Mangelware waren.

Screen 08 Quigley der Australier © Capelight Pictures
Ein ungeleiches Paar in Quigley der Australier © Capelight Pictures

Cast und Crew

Tom Selleck ist ja bekannt für seine Rollen als genauso mutiger wie charmanter und spitzzüngiger, leicht von sich eingenommener Held. Ob nun in Magnum, Jesse Stone oder Blue Bloods, er gibt die gerechten, integeren Typen, und er passt mit seinem charakteristischen Schnauzer als Matthew Quigley wunderbar. Auch Alan Rickman (Stirb langsam, Robin Hood – König der Diebe) spielt seine Rolle als Widerling Marston gewohnt souverän. Er hat verhältnismäßig wenig Screentime, nutzt diese aber bestmöglich. Die etwas unglücklich angelegte Rolle der Crazy Cora ging an Laura San Giacomo (Sex, Lügen & Video, Pretty Woman), die diese aber gut annimmt und interpretiert, ohne irgendwie peinlich zu wirken. Auch der übrige Cast liefert solide Arbeit ab, es sticht keiner großartig hervor oder fällt negativ auf.

Kameramann Dave Eggby (Mad Max, Pitch Black) fängt die weiten Landschaften des australischen Outbacks wunderbar ein, der Score von Basil Poledouris (Conan der Babar, Robocop) unterstreicht die Szenerie mustergültig und setzt auch passende dramatische Akzente. Die Sets und Kostüme sind historisch korrekt gestaltet, wie sich das Benehmen der handelnden Personen zeitgemäß gebiert. In seiner Ausgestaltung gibt sich Quigley der Australier nicht besonders blutig, ist aber auch weit entfernt von weichgespült. Die hiesige Freigabe ab 12 Jahren scheint auf den ersten Blick großzügig, ist aber der Thematik und Aussage angemessen.

Screen 02 Quigley der Australier © Capelight Pictures
Tom Selleck stellt sich schützend vor die Gejagten als Quigley der Australier © Capelight Pictures

Quigley der Australier – Mein Fazit

Leute meines Alters werden den Film vielleicht noch aus der Kino, der Videothek oder von der TV-Erstausstrahlung kennen. Er erfreute sich schon damals einer gewissen Beliebtheit, was zum einen sicherlich am sympathischen Tom Selleck lag. Aber auch das australische Setting und genauso die Faszination für Waffen haben gewiss ihren Teil dazu beigetragen. Er schien im Vergleich zu anderen Genrevertretern dieser Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein und wurde eine Zeitlang nur unter Fans diskutiert. Völlig zu Unrecht, denn dieser Outback Western gehört immer noch zu den besseren Spätwestern.

Die DVD Auflagen zu Quigley der Australier sind schon lange vergriffen, TV-Ausstrahlungen seither auch eher rar gesät. Capelight Pictures hat jetzt mit einem schön ausgestatteten Mediabook Abhilfe geschaffen. Farblich dominieren ockergelb und dunkles rotbraun, im Buchteil findet sich ein informativer Text von Christoph Kellerbach, der die auf der Disc enthaltenen Dokumentationen sinnvoll und interessant erweitert. Bild und Ton sind tadellos, die großartigen Landschaftsaufnahmen sahen wohl nur im Kino schöner aus. Erschienen ist das empfehlenswerte MB am 22. März, die einfachen Amaray-Versionen auf Blu-ray und DVD folgten gerade am 26. April.

Unsere Wertung:

 

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© Capelight Pictures

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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