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Red Dot

Um neuen Schwung in ihre monotone Ehe zu bringen, macht ein junges Paar einen Ausflug in die Wildnis – und erlebt einen Albtraum. Unsere Kritik zu Red Dot, dem ersten schwedischen Netflix-Film!

Red Dot | Official Trailer | Netflix

TitelRed Dot
Jahr2021
LandSchweden
RegieAlain Darborg
DrehbuchAlain Darborg, Per Dickson
GenreThriller, Horror, Drama
DarstellerNanna Blondell, Anastasios Soulis, Johannes Kuhnke, Kalled Mustonen, Thomas Hanzon, Anna Azcárate
Länge85 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix

Worum geht es in Red Dot?

Nadja (Nanna Blondell) und David (Anastasios Soulis) sind ein junges Paar, das versucht, sich in Stockholm ein Leben aufzubauen. Während die Beziehung oberflächlich gut aussieht – David arbeitet als Ingenieur und Nadja ist angehende Ärztin – ist das Eheverhältnis der Beiden seit geraumer Zeit angespannt.  Als Nadja dann auch noch entdeckt, dass sie schwanger ist, scheint das Verhältnis in eine Sackgasse zu laufen. Auf der Suche nach einer Chance neue Leidenschaft zu erwecken, überrascht David Nadja mit einem romantischen Wochenende im ländlichen Nordschweden, wo Camping unter den Polarlichtern auf dem Programm stehen soll.

Der Beginn der Reise gestaltet sich zunächst relativ gewöhnlich, doch schon bald beginnen die Dinge ins Negative abzudriften, als beide an einer Tankstelle zwei Jägern begegnen, die einen abgetrennten Hirschkopf auf der Ladefläche ihres Pick-Ups verwahren. Als David zusammen mit seiner dunkelhäutigen Frau dann auch noch versehentlich das Fahrzeug der Jäger anschrammt und in großer Aufregung davon fährt – wohlgemerkt ohne den erzeugten Schaden anzuzeigen – entwickelt sich der ideale Nährboden für Paranoia, Furcht und Angst.
David, Nadja und ihr Hund Boris versuchen zwar, diesen kurzen Zwischenfall hinter sich zu lassen, aber spätestens als das Trio ihre erste Nacht in einem kleinen Zelt unter den Nordlichtern verbringt, wird durch einen roten Laserpunkt in der Finsternis ihre traute Einigkeit unterbrochen….

David (Anastasios Soulis) und Nadja (Nanna Blondell) bringen sich in Sicherheit. © Netflix
David (Anastasios Soulis) und Nadja (Nanna Blondell) bringen sich aus Angst vor dem Red Dot in Sicherheit. © Netflix

Der Laserpointer und die Katze

„Das ist Blaues Licht“
Und was macht das?“
„Es leuchtet blau.“

Obiges Zitat aus Rambo III  beschreibt, was Red Dot nach der Exposition so sehenswert macht. Ein kleiner, roter Punkt als gefährliche lebensbedrohende Entität, mitten in der schwedischen Wildnis. Rundherum lediglich Schnee, Wald und das ferne Jaulen eines einsamen Wolfes. Scheinbar ohne validen Grund wird die romantische Nacht eines jungen Paares durch einen kleines rotes Lichtchen gestört, während über ihnen am Firmament der ganze Himmel hell erleuchtet wird. Dunkelheit, ein blau-grüner Himmel und die endlose Weite der Umgebung – und als Kontrast der kleine rote Punkt, der in seinem erzählerischen Kontext so viel Gefahr ausstrahlt.

Ein Lausbubenstreich? Ausgeschlossen, zu so später Stunde und meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt. Das wird auch David und Nadja schnell klar. Spätestens als – so viel darf verraten werden – der treue Hund des Paares ausreißt, spurlos verschwindet und der rote Punkt nicht mehr vom Körper der beiden weicht, wird schnell klar, dass sich unsere Protagonisten im Fadenkreuz eines unbekannten Schützens befinden. Wer, weshalb und zu welchem Zweck einen so tiefen Groll gegen die beiden hegt? Dies rückt beim Katz-und-Maus-Spiel durch die ländliche schwedische Flora und Fauna erst einmal in den Hintergrund.

Nadja (Nanna Bondell) und David (Anastasios Soulis) sind von der Flucht in ihrer ersten Nacht sichtlich gezeichnet.
Eine lange Nacht hinterlässt ihre Spuren… © Netflix

Red Dot Redemption

Nicht in den Hintergrund rückt jedoch leider unser Protagonisten-Duo. Wenig nachvollziehbar handelnd und oft – trotz heller Polarlichter – den Wald vor lauter Bäumen nicht sehend, stolpern die relativ unsympathischen Hauptfiguren von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Es wirkt oft so, als ob beide absichtlich jede falsche Entscheidung treffen, die sie treffen können. Gepaart mit einer von Anfang an blassen Charakterisierung, fällt es schwer Empathie aufzubauen, insbesondere da das Überleben des Pärchens weniger durch eigene Entscheidungen, sondern vielmehr durch das Drehbuch sichergestellt wird. Apropos Drehbuch – Realismus-Fanatiker werden hier nicht auf ihre Kosten kommen, denn lebensbedrohliche Körperzustände wie eine Sepsis oder Hypothermie scheinen im Universum von Red Dot schlichtweg nicht zu existieren.

Wenn dann schließlich in der zweiten Hälfte des Films mehr schlecht als recht versucht wird, einen großen Twist zu inszenieren, schlägt das vor allem aufgrund dieser Problematik vollkommen fehl. Denn wie soll man mit Figuren mitfiebern, die gar nicht erst als echte Menschen erscheinen? Die ohnehin schon von Anfang an blass und unverständlich gezeichnet sind und zusätzlich dazu schließlich zu reinen Steigbügelhaltern für das Drehbuch und als bloßes Mittel zum Zweck für einen vermeintlichen Wow-Effekt verkommen? Das Drehbuch möchte eine Art Erlösung für ebenjene Figuren aufbauen. Doch was bleibt, ist letztlich nur der Zuseher, der sich ab der Hälfte des Filmes wünscht, erlöst zu werden.

© Netflix
Lauft durch den Forest, lauft! © Netflix

Der springende Punkt – Unser Fazit zu Red Dot

Das ist schade. Denn Red Dot ist toll inszeniert: Drohnen-Aufnahmen, die die immensen Ausmaße der Wälder verdeutlichen; Gestochen scharfe Close-Ups als Kontrast zur Umgebung. Ein tolles Sound-Design, das Anstrengung, Schmerz und Leid der Protagonisten greifbar macht. Ein atmosphärischer Score (den sich anbietenden Red Dot Chili Peppers Witz lasse ich hier mal liegen). Schauspieler, die trotz des besten Falls durchschnittlichen Drehbuchs überzeugen. Eine grundsolide Rache-Dynamik und glaubhaft inszenierte Gegenspieler.

Es scheitert an der Basis: Daran Protagonisten zu etablieren, denen man gern zusieht und vor allem daran, aus den vielen kleinen Punkten und der coolen Prämisse, ein großes Ganzes zu machen. So hat Red Dot zwar sehr viele gute Impulse und Momente, verliert sich dann jedoch in seiner unnötig bedeutungsschwangeren zweiten Hälfte und einer Handlung, die ganz ganz viel – Entschuldigt das Englisch – Suspension of Disbelief erfordert. Dadurch entsteht nur in den seltensten Momenten Spannung, vielmehr macht sich oft Frustration über vertane Chancen breit. Ein Film, der sich in die Riege der ganz okayen Netflix-Filme einreiht und damit leider viel Potential verspielt.

Red Dot ist seit dem 11.02.2021 auf Netflix verfügbar.

Unsere Wertung:

 

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