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Die Studentin, der Teenie und das kleine Kind sehen sich im Vorführraum dem Killer gegenüber - Red Screening

Red Screening – Blutige Vorstellung

Der Retro-Slasher Red Screening – Blutige Vorstellung aus Uruquay bemüht das Motiv des im Kino wütenden Killers. Ob uns das aus den Sitzen haut, erfahrt ihr hier!

RED SCREENING - BLUTIGE VORSTELLUNG (2021) HD Trailer (Deutsch / German)

TitelRed Screening – Blutige Vorstellung (OT: Al Morir la Matinee)
Jahr2020
LandUruquay
RegieMaximilliano Contenti
DrehbuchMaximilliano Contenti, Manuel Facal
GenreHorror, Thriller
DarstellerLuciana Grasso, Ricardo Islas, Julieta Spinelli, Franco Duran, Pedro Duarte
Länge88 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihNeue Pierrot Le Fou
Zwei schwarze Handschuhe halten zwei Augäpfel vor den Lichtstrahl einer Projektors, dahinter die Reihen an Sitzplätzen im Kinosaal - Red Screening - Blutige Vorstellung
Appetitliches Cover zum MB von Red Screening – Blutige Vorstellung © Pierrot Le Fou

Die Handlung von Red Screening – Blutige Vorstellung

In einem Kino in Montevideo übernimmt Studentin Ana (Luciana Grasso) die Spätschicht ihres kränkelnden Vaters, der ihr nur widerwillig nachgibt. Die Nachtvorstellung eines Horrorfilms mit dem Frankenstein-Motiv ist ehedem nicht gut besucht. Ein kleiner Junge hat sich heimlich reingeschlichen, ein alter Mann nach der vorangegangen Vorstellung entschlossen, noch hier zu bleiben. Außerdem begeht ein junges Pärchen sein erstes Date, und an der Straße glühen drei Jugendliche mit Flachmann und Joint ordentlich vor. Nach Beginn des Films gesellt sich noch ein Mädchen dazu, das versetzt wurde.

Eigentlich will Ana hier ein wenig für eine Prüfung büffeln, doch Platzanweiser Tomas (Franco Duran) erweist sich schnell als penetrante Nervensäge. Doch sie gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, keinen gesteigerten Wert auf Konversation zu legen, also begibt sich Tomas die Treppe herunter ins Foyer. Dort trifft er die Chefin, die Feierabend macht und ihm die Schlüssel zum Filmtheater aushändigt. Als er sich im Hinterhof darauf genüsslich eine Zigarette anzündet, überrascht ihn der Killer (Ricardo Islas) von hinten und schlitzt ihm die Kehle auf. Daraufhin versteckt er die Leiche, sperrt ab und begibt sich zurück in den Kinosaal, um sein blutiges Werk fortzusetzen…

Eine junge Frau wird vom Platzanweiser aufgefordert, ihre Zigarette auszumachen, während ihre Begleitung das Programmheft studiert - Red Screening
Rauchen verboten! Qualm und Blut verträgt sich schlecht © Pierrot Le Fou

Handwerklich passabler Retro-Slasher …

Red Screening – Blutige Vorstellung beginnt tatsächlich recht stimmungsvoll. Die Kamera verfolgt, mal aus der Luft, mal über der Schulter, den Weg des Killers mit dem Auto zum Handlungsort, dem Kino. Damit baut Regisseur Contenti Spannung auf und schürt bewusst eine Erwartungshaltung. Das erste Drittel nutzt er nun, um seine weiteren Figuren vorzustellen, bis der Killler dann pünktlich zur Halbstundenmarke mit dem Morden beginnt. Die ganze Geschichte ist simpel gestrickt, und das Drehbuch exerziert dieses Muster zumindest folgerichtig durch. Gleichermaßen setzt die Inszenierung auf ein farbliches Konzept im bläulichen und rötlichen Zwielicht, was durchaus passend erscheint. Zudem untermalt ein ordentlicher Retro-Synth-Score von der Tonspur das Geschehen, und die Effekte erweisen sich als handgefertigt und ziemlich blutig.

Wir verfolgen abwechselnd die Gespräche der Zuschauer im Saal und das Treiben des Mörders, ab und an geht es auch zu Ana in den Vorführraum, die erst spät mitbekommt, was im Saal unter ihr geschieht. Leider ist das, was sich unter den Zuschauern abspielt, abgesehen von zwei witzigen Pointen, nicht sehr interessant. Auch der Spielraum für die Morde ist ja arg begrenzt, da sich alle Anwesenden entweder im Saal oder eben im Vorführraum aufhalten. Auch wenn Contenti es glücklicherweise versteht, die Kills gleichmäßig zu verteilen und in sich steigernder Brutalität auszugestalten, schleichen sich merkliche Längen dazwischen ein.

Denn mehr als eben diese Abfolge von Schock-Momenten hat dieser Retro-Slasher nicht zu bieten. Selbst der Film-im-Film erweist sich als belanglos und austauschbar. Allerdings gelingt ihm ein optisch schöner Effekt, wenn im Vorführraum das Blut auf die Linse des Projektors spritzt und der Blutfleck dann groß auf die inzwischen weiße Leinwand projeziert wird. Das bildet hier aber leider nur die Ausnahme.

Ana kommt mit besorgtem Gesicht in den Kinosaal, während der Projektor hinter ihr noch läuft - Red Screening
Irgendetwas ist hier unheimlich © Pierrot Le Fou

… ohne Finesse oder eigene Vision

Natürlich erinnert der Film in nicht wenigen Momenten an bekanntere Filme, die ohne Frage als Vorbilder gedient haben. Entsprechend wurde der Handlungsort ausstaffiert, wir sehen Plakate und Aushangbilder zu u.a. Dario Argentos Opera und Sam Raimis Armee der Finsternis. Besonders angetan hat es Maximilliano Contenti wohl der spanische Horrorklassiker Im Augenblick der Angst von Bigas Luna, den er regelmäßig zitiert. Das fängt bei der Wahl des Kinos als Schauplatz an, die Art der Beleuchtung und wie sich die Kamera immer wieder im Saal bewegt, um die Reaktionen des Publikums einzufangen. Im Gegensatz zum Vorbild, bietet Red Screening – Blutige Vorstellung aber keinerlei Meta-Ebene an. Das Original lässt unmerklich die Filmhandlung mit der des im Film gezeigten Films verschmelzen, was zu Desorientierung des Zuschauers auf und vor der Leinwand führt. Solcherlei Manipulation findet in der Hommage eben nicht statt.

Sowieso begnügt sich das Drehbuch viel zu sehr damit, altbekannte Klischees aufzukochen, anstatt eigene, frische Ideen mit einzubringen. So hat es auch den Anschein, dass das Material für den im Kino gezeigten Frankenstein-Film nur deshalb gedreht wurde, damit man keine Lizenzgebühren für Ausschnitte aus einem „echten“ Film bezahlen muss. Denn wer hier nach einer Einbindung in die richtige Handlung sucht, tut dies vergebens. Contenti schaffte es weder eine neue Interpretation der alten Stoffe vorzunehmen noch eine detailgenaue Kopie der alten Filme abzuliefern. Letzteres bewerkstelligen z.B. die argentinischen Onetti-Brüder bei ihren Giallo-Hommagen Sonno Profondo, Francesca und Abrakadabra auch ohne nennenswertes Budget, aber auch dort lässt sich über die Qualität des Endprodukts letztlich streiten.

Ein kleiner Junge lugt ängstlich über seinen Kinosessel nach hinten - Red Screening
Es ist nicht immer eine gute Idee, sich heimlich in Erwachsenenfilme zu schleichen © Pierrot Le Fou

Unser Fazit zu Red Screening – Blutige Vorstellung

Im Endeffekt genügt sich Contenti zu sehr damit, auf der Welle der angesagten Retro-Slasher mitzureiten, anstatt dem Genre selbst noch etwas hinzufügen zu wollen. Handwerklich und auch erzählerisch gelingt ihm das zumindest halbwegs passabel, er bietet auch durchaus Schauwerte. Doch für einen guten, eigenständigen Film fehlen ihm einfach eigene Ideen, und als Hommage dann doch die Finesse bei den Anspielungen. Da Optik und Musik stimmen, lässt sich Red Screening – Blutige Vorstellung für den Horror-Allesseher sicherlich gut konsumieren. Wer nicht genug davon bekommt, Filme wie Dämonen 2, Skinner… lebend gehäutet und Scream 2 schon auswendig kennt und einfach nur neues Futter sucht, kann ja mal einen Blick riskieren. Aber Innovationen, zeitgemäße Aufarbeitung oder eine clevere Neuausrichtung des Genre sollte man lieber nicht erwarten.

Das Mediabook mit Blu-ray und DVD erscheint am 23. April 2021!

Unsere Wertung:

 

 

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© Neue Pierrot Le Fou

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