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Ride

Lasse nie einen zwielichtigen wildfremden Typen, der gerade eine harte Trennung hinter sich hat, in dein Auto einsteigen. Besonders nicht nachts. Besonders nicht in LA. So denkt man zumindest, nachdem man sich den Thriller Ride zu Gemüte geführt hat.

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TitelRide
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieJeremy Ungar
DrehbuchJeremy Ungar
GenreThriller
DarstellerBella Thorne, Jessie Usher, Will Brill
Länge73 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihWeltkino Filmverleih GmbH
Das Bluray-Cover zu Ride © Universum Film
Das Bluray-Cover zu Ride © Universum Film

Ein nächtlicher Höllenritt

Der wenig erfolgreiche Schauspieler und Uber-Fahrer James (Jesse T. Usher) gabelt eines Abends in LA die hübsche Jessica (Bella Thorne) auf, um sie zu einer Party zu fahren. Die beiden kommen ins Gespräch und verstehen sich auf Anhieb gut. Nachdem er sie am Ziel rauslässt und ihr Angebot, mit ihr mitzukommen, berufsbedingt ablehnt, steigt später der extrovertierte Bruno (Will Brill) als nächster Kunde in sein Auto, der gerade eine Trennung hinter sich hat und der selbst noch nicht zu wissen scheint, wo genau er hin möchte.

Ein äußerst zwielichtiger Kerl: Bruno © Universum Film
Ein äußerst zwielichtiger Kerl: Bruno © Universum Film

Also kutschiert James ihn an unterschiedliche Orte in LA, bis Bruno James dazu überredet, zu der Party zu fahren, wo er vorhin Jessica rausgelassen hat. Dort angekommen fragt James sie, ob sie nicht zu dritt etwas unternehmen wollen. So begeben sich die Drei auf eine nächtliche Fahrt durch LA. Die Stimmung ist heiter. Doch Brunos Verhalten wird immer merkwürdiger und ausgefallener. Die Lage eskaliert. Für James und Jessica beginnt die schlimmste Autofahrt ihres Lebens…

Ein unverbrauchtes Dreiergespann

Ride ist als dialoglastiges Kammerspiel inszeniert und findet sich irgendwo zwischen Collateral (2004) und No Turning Back (2013) wieder. Der Film spielt sich fast komplett im Auto ab und setzt ohne allzu große Zeitsprünge auf eine Echtzeit-ähnliche Erzählung. Diese Komprimierung der Geschichte spiegelt sich auch in der Laufzeit von gerade einmal 73 Minuten wieder. Dementsprechend werden hier nur drei Figuren behandelt, die mit unverbrauchten Gesichtern besetzt sind.

Noch ist die Stimmung gut unter den drei Bekanntschaften © Universum Film
Noch ist die Stimmung gut unter den drei Bekanntschaften © Universum Film

James T. Usher als Uber-Fahrer mit Schauspiel-Traum ist in jeder Szene präsent und weiß seine Rolle weitestgehend auszufüllen, auch wenn sein Charakter drehbuchbedingt relativ blass bleibt. Dasselbe gilt für die Rolle von Bella Thorne, die sogar noch weniger Hintergrund spendiert bekommt. Am meisten überzeugt noch Will Brill als wortgewandter Psychopath, doch auch seine Motive werden nicht weiter beleuchtet und er bleibt in seiner Rolle als fieser Antagonist gefangen. So liefern am Ende alle eine solide, Will Brill sogar eine gute Performance ab, so wirklich mitfiebern kann man mit James und Jessica dennoch nicht.




Die Einsamkeit der Großstadt und viel Geplauder

Das Motiv der Geschichte ist allgemein bekannt und wurde von Michael Mann beispielsweise sehr gut in Collateral dargestellt. LA ist bei Nacht eine gefährliche Stadt, wo sich jede Menge zwielichtiger Gestalten tummeln. Und trotz der geballten Menschenmenge dieses Ortes wird man schnell von der Anonymität der Großstadt verschlungen, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht und dir bei Gefahr niemand zu Hilfe eilt. Diese Prämisse wurde schon oft für spannende Szenarien verwendet. Doch während Tom Hardy beim ähnlich gelagerten PKW-Kammerspiel No Turning Back die Dialoge als kontinuierlich aufbauendes Spannungsmittel aufsagt, so ist hier eher das Gegenteil der Fall: Sie ermüden.

Die Situation eskaliert © Universum Film
Die Situation eskaliert © Universum Film

Die Dialoge sind nicht einmal schlecht geschrieben, doch oftmals sind sie einfach belanglos und Ride vergisst, zwischen all dem Geplauder völlig, an der Spannungsschraube zu drehen. Nach einer viel zu langen Einleitung will der Film ab einem gewissen Höhepunkt mitreißend sein, doch die belanglosen Dialoge, die die Geschichte schlicht nicht voran treiben können, gehen auch danach noch endlos weiter. So wirkt selbst die sehr geringe Laufzeit von 73 Minuten noch zu lang.

Ereignislose Spritztour statt intensiver Adrenalintrip

Bei Ride handelt es sich um Jeremy Ungars Regiedebüt und man merkt auch, dass sich hier eher ein unerfahrener Filmemacher heranwagt. Formal ist Ride, der Geschichte angepasst, ein eher unauffälliger Film, der dennoch solide inszeniert ist und ein paar schöne, mit passender Musik unterlegte Aufnahmen des nächtlichen Los Angeles zu bieten hat. Die Kamera fängt dabei alles während der Fahrt vom Inneren des Autos heraus ein und verlässt dieses auch nur in drei Szenen. Jedoch wiederholen sich besagte Aufnahmen zu oft und die Bilder bieten relativ schnell nichts wirklich Neues mehr.

Mit so einer Tortur hat James im Vorfeld sicher nicht gerechnet © Universum Film
Mit so einer Tortur hat James im Vorfeld sicher nicht gerechnet © Universum Film

Look und Inszenierung sind trotzdem, gerade für ein Regiedebüt, relativ hochwertig geraten. Auf Kameraspielereien wird verzichtet und die nüchterne Inszenierung übergeht angenehmerweise eine Überdramatisierung der Ereignisse. Ärgerlich anzumerken sind dennoch unzählige Logiklöcher und nicht nachvollziehbares Verhalten der Figuren. So steigt man in vielen Szenen als Zuschauer aus der unrealistischen Handlung aus. Zudem kommt das Ende sehr abrupt daher und lässt ein paar Fragen zu viel offen.

Unser Fazit zu Ride

Ride könnte man als solide inszenierte und gespielte Light-Version von Collateral bezeichnen. Das kammerspielartige Regiedebüt ist kein Totalausfall, jedoch auch weit davon entfernt, ein guter Film zu sein. Dafür sind die Dialoge zu belanglos und die Logiklöcher zu groß. Wirklich spannend wird diese nächtliche Irrfahrt durch Los Angeles nur selten. Jedenfalls ist es kein gutes Zeichen, wenn einem ein Film mit einer Lauflänge von 73 Minuten noch zu lang erscheint. Wer auf dialoglastige, kleine Psychothriller für zwischendurch steht, kann hier mal einen Blick riskieren. Alle anderen verpassen jedoch nichts.

Die Blu-ray und die DVD zu Ride veröffentlichte der Weltkino Filmverleih am 29. März 2019, wobei leider jegliche Extras fehlen.

 

Unsere Wertung:

 

 

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