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Tony schießt in Scarface (1932) aus dem Fenster

Scarface (1932)

Satte 50 Jahre vor der Neuverfilmung mit Al Pacino flimmerte der originale Scarface (1932) in schwarz-weiß über die Leinwand und ist unbestritten einer der großen Klassiker des Gangsterfilms. Kann der Streifen auch knapp 90 Jahre nach Erscheinen noch mitreißen? 

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TitelScarface
Jahr1932
LandUSA
RegieHoward Hawks
DrehbuchBen Hecht
GenreDrama, Action
DarstellerPaul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, C. Henry Gordon, George Raft, Vince Barnett, Boris Karloff
Länge93 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures
Heimkinocover zu Scarface (1932)
Blu-ray-Cover zu Scarface (1932) © Universal Pictures

The World Is Yours! 

Chicago in den 20er Jahren. Inmitten der Zeit der Prohibition kämpfen verschiedene Mafiabanden um die Vorherrschaft, wenn es darum geht Alkohol unters Volk zu bringen. Einer davon ist der Mafiaboss Louis Costillo (Harry J. Vejar), der eines Nachts ermordet wird, was eine Verschiebung am Markt mit sich bringt. Verantwortlich dafür ist ausgerechnet sein Leibwächter Tony “ScarfaceCamonte (Paul Muni), der durch diesen Mord in die Gunst des konkurrierenden Mafiabosses Johnny Lovo (Osgood Perkins) kommt. Zusammen mit seinem Partner Guino Rinaldo (George Raft) steigt er die Mafialeiter immer weiter auf und strebt mit seiner rücksichtlosen Art neben einem Bandenkrieg auch die Übernahme der kriminellen Vorherrschaft in Chicago an. 




Scarface (1932) vom schwarzen Schaf zum großen Klassiker 

Knappe zwei Jahre hatte es damals gedauert, bis Scarface (1932) nach seiner Fertigstellung den Weg in die Kinos geschafft hat. Denn wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung und der Glorifizierung des organisierten Verbrechens gab es Probleme mit der amerikanischen Zensurbehörde. Viele Schnitte und Änderungen später hat es der von Howard Hughes (Ja, genau der von Leonardo DiCaprio in Aviator verkörperte Howard Hughes) produzierte Streifen dann doch in die Lichtspielhäuser geschafft. Ein anderes Ende, umgeschriebene Figuren und viele nachgedrehte Szenen ließen die Zensurbehörde besänftigt den Film durchwinken. Auch im Nachgang wurde noch weitere Fassungen des Films mit Unterschieden im Finale veröffentlicht. Zwei davon befinden sich auf der neuen Veröffentlichung aus dem Hause Universal, worauf diese Besprechung beruht. Neben der bekannten deutschen Version ist hier noch eine alternative Fassung enthalten, die ausschließlich im O-Ton daherkommt.

Paul Muni spielt in Scarface (1932) Tony Camonte
Paul Muni als Tony „Scarface“ Camonte © Universal Pictures

Viel Wirbel also, den der Film damals ausgelöst hat und vor allem Wirbel, den man sonst nur aus dem zensurfreudigen Deutschland kennt. Heutzutage ist davon freilich nicht mehr viel vorhanden, da sich die Sehgewohnheiten in den Jahrzehnten stark geändert haben. Doch seinerzeit hat die lose Verfilmung des Lebens von Al Capone Grenzen überschritten und musste zeitweise den Untertitel “Schande der Nation” mit sich tragen. Von dieser Schande ist aber nicht viel übriggeblieben und so macht es sich Scarface (1932) mittlerweile in der National Film Registry gemütlich, einem Verzeichnis US-amerikanischer Filme, die als besonders erhaltenswert gelten. Ein Status den er zurecht innehat, denn auch heute noch muss man dem Film seinen Mut, Pioniergeist und die Rolle für das Gangster-Genre zugutehalten. 

Die Anfänge des Gangsterfilms 

Mittlerweile ist Scarface ein großer Name in der Film- und Popkultur. Vor allem dank der Neuauflage von Brian De Palma und der eindrucksvollen Performance von Al Pacino als Tony Montana. Der Protagonist hieß auch schon 1932 Tony, nur nicht Montana, sondern Camonte und wurde von Paul Muni gemimt, der die Rolle ähnlich ausufernd auslegte wie Al Pacino. Denn verrückt ist er, dieser Tony und zwar in beiden Filmen. Ohne Rücksicht und mit viel Gewalt erkämpft er sich seinen Platz am Gangster-Thron und schreckt dabei vor nichts zurück. Viele Story-Elemente und gar Einstellungen, die man aus der Neuverfilmung kennt, haben hier ihren Ursprung. Nur klassisch in Chicago und mit italienischstämmigen Mafiabanden, wie man es aus dem Genre mittlerweile eben kennt. Dazu gehören auch pikfeine Anzüge, Hüte und das berühmte Thompson-Maschinengewehr, das hier ausgiebig Verwendung findet.

Tony (Paul Muni) nach einer Schießerei in Scarface (1932)
Tony (Paul Muni) schlendert angeschlagen durch die Straßen Chicagos © Universal Pictures

Inszenatorisch ist Scarface (1932) ein Kind seiner Zeit und wirkt phasenweise wie ein Theaterstück mit einigen wenigen Außenaufnahmen. Beeindruckend ist dabei die lange Plansequenz zu Beginn des Films, die den Mord an Louis Costillo mit einer langen Kamerafahrt darstellt. Ansonsten ist der Film vor allem dialoglastig und profitiert dabei von den Spannungen zwischen den Figuren und den Entwicklungen aufgrund Tonys Aufstieg. Kommt es dann zu den Schießereien, wird es laut, aber eben nicht wirklich dynamisch. Das liegt freilich an den damaligen Möglichkeiten, wirkt heute aber angestaubt und veraltet. Charmant und stilprägend ist es dennoch und so fühlen sich gerade Kenner der Neuverfilmung heimisch, wenn zum Abschluss der “The World Is Yours”-Banner eingeblendet wird. 

Mein Fazit zu Scarface (1932) 

Mit Rücksichtslosigkeit und Brutalität an die Spitze des organisierten Verbrechens. Der Weg von Tony Camontes Aufstieg ins Kino war kein leichter, doch ein lohnenswerter. Prägend für ein ganzes Genre und Vorlage für einen der popkulturellen Klassiker der 80er Jahre. Scarface (1932) war damals laut und brutal, ist es heute zwar nicht mehr so sehr, aber dennoch absolut sehenswert. Denn auch wenn der Zahn der Zeit an diesem Werk nagt, unter dem Staub schlummert ein stimmiger und knallharter Gangsterfilm mit einem vereinnahmenden und verrückten Protagonisten. Inhaltlich und inszenatorisch häufig Deckungsgleich mit der Neuverfilmung lohnt sich gerade für dessen Kenner auch heute noch eine Sichtung dieses Klassikers der Filmgeschichte. The World Is Yours. 

Scarface (1932) ist seit dem 20.02.2020 als Neuauflage inklusive einer alternativen Version auf Blu-ray-Disc erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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© Universal Pictures

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