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Schwanengesang

In Schwanengesang begibt sich Oscarpreisträger Mahershala Ali auf eine emotionale Reise. Ob es sich lohnt, dabei zu sein, erfahrt ihr in unserer Review.

SCHWANENGESANG Trailer German Deutsch (2021) Apple TV+

Titel Schwanengesang (Originaltitel: Swan Song)
Jahr 2021
Land USA
Regie Benjamin Cleary
Drehbuch Benjamin Cleary
Genre Sci-Fi/Fantasy, Drama
Darsteller Mahershala Ali, Naomie Harris, Awkwafina, Glenn Close, Nyasha Hatendi
Länge 112 Minuten
FSK ab 12 Jahren freigegeben
Verleih Apple TV+
Originalcover von Schwanengesang mit Mahershala Ali als Porträt - es ist fast schon eine Grafik. Die Hälfte des Kopfes fehlt und es geht eine Linie von seiner Nase nach oben.
Originalcover von Schwanengesang © Apple TV+

Die Handlung von Schwanengesang

Der Grafikdesigner Cameron (Mahershala Ali) führt ein bodenständiges Leben in der nahen Zukunft. Mit seiner liebevollen Ehefrau Poppy (Naomie Harris) und seinem kleinem Sohn Cory scheint er die Erfüllung in seinem Leben gefunden zu haben. Doch dann trifft ihn eine unerwartete Botschaft: Er ist unheilbar krank und es bleibt nicht mehr viel Zeit, dieses Leben zu genießen. Die Ärztin Dr. Scott (Glenn Close) könnte die Situation für ihn und seine Angehörigen leichter machen. Doch das ist mit einer großen ethischen Herausforderung verbunden. Es besteht die Möglichkeit, einen Klon von Cameron anzufertigen und ihn nach seinem Ableben durch ihn zu ersetzen. Somit müsste niemand etwas von seiner Krankheit erfahren und er würde sie quasi einfach überleben.

Kurzum willigt Cameron in dieses Angebot ein, hadert aber mit schweren Gewissensbissen. Denn mit dieser Entscheidung bricht er das Vertrauen gegenüber seiner schwangeren Frau und seinem Sohn. Dessen ungeachtet hat Poppy den Verlust ihres Zwillingsbruders (Nyasha Hatendi) bereits kaum verkraftet, was ihn wiederum in seiner Entscheidung bestärkt. Unglücklicherweise schreitet seine Krankheit schnell voran, wodurch er sich für eine Woche in die Anlage von Dr. Scott zurückziehen muss. In der idyllischen Waldanlage trifft er auf Kate (Awkwafina), welche die gleiche Wahl wie er getroffen hat und ihm daher bei seinen Gedankenqualen zur Seite stehen kann. Doch wird er es wirklich schaffen, seinen Plan vollends umzusetzen? Oder wird Poppy noch einen weiteren schweren Verlust verarbeiten müssen?

Cameron und Poppy - Sie hält sein Gesicht mit den Händen fest und beide schauen sich verliebt in die Augen.
Cameron und seine große Liebe Poppy © Apple TV+

Erfolgsrezept: Eine doppelte Menge Ali

Wir begleiten Cameron auf einer der wohl emotionalsten Reisen, die das Leben zu bieten hat. Diese bringt so einige Fragen mit sich, die sich von Ethik und Moral hin zur Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz beschäftigen. Dementsprechend steht der von Mahershala Ali besetzte Charakter (und dessen Klon) im Mittelpunkt der Erzählung. Trotz der tragischen Situation schafft er es, eine enorme Herzlichkeit herüberzubringen, die dem Film zugutekommt.

Allerdings braucht die Figur ein wenig Zeit, um sich voll zu entfalten. Sie scheint anfangs viel mit sich selbst auszumachen, was hier phasenweise durchaus hätte noch expliziter dargestellt werden können. Spätestens aber ab dem Zeitpunkt, ab dem er gemeinsam mit seinem Klon – also wortwörtlich sich selbst – interagiert, kann Ali in seiner Rolle in vollem Umfang überzeugen. Seine Gedankenwelt und sein innerer Konflikt werden nun nach außen gekehrt und sind somit greifbarer beziehungsweise nahbarer für die Zuschauer:innen. Bereits bei Moonlight oder Green Book konnte Ali sein Talent unter Beweis stellen und sogar einen Oscar abräumen. Vor allem seine schauspielerische Leistung macht Schwanengesang zu einem facettenreichen emotionalen Erlebnis.

Aber auch der restliche Cast muss an dieser Stelle lobend erwähnt werden. Naomie Harris kommt mit einer interessanten Natürlichkeit daher und bringt den Film während ihrer Screentime zum Strahlen. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden funktioniert wahnsinnig gut und ist packend für die Zuschauenden. Ebenso Glenn Close, die als Wissenschaftlerin Dr. Scott auftritt. Sie ist gegenüber dem Vorhaben instinktiv abgeklärt und scheint nicht mit moralischen Fragen zu hadern. Für die Handlung und die resultierende Botschaft des Films ist sie daher eine zentrale Figur, die einen interessanten Gegenpol darstellt. Zuletzt wird der Cast perfekt durch Awkwafina ergänzt, die in ihrer Performance den gleichen Leidensweg wie Cameron gehen muss. Sie ist tiefsinnig, gefasst und bringt eine wohlige Gelassenheit in den Sachverhalt.

Dr. Scott schaut glücklich und zufrieden durch eine Fensterscheibe. Sie hält sich mit einer Hand am Rahmen fest und mit der anderen stützt sie ihren Kopf. Sie hat leicht gelocktes, weißes Haar und trägt weite Kleidung.
Dr. Scott ist fasziniert von ihrem Schaffen © Apple TV+

Zwischen Schwermut und Rührseligkeit

Ähnlich wie die Auseinandersetzungen, mit denen Cameron zu kämpfen hat, ist auch das allgemeine Filmerlebnis für die Zuschauenden. Somit braucht nicht nur er Zeit, sich als Figur zu entfalten, sondern auch die gesamte Erzählung. Gerade in der ersten Hälfte des Films fehlt ein wenig Antrieb. Dementsprechend erscheint der Anfang zunächst etwas schwerfällig, was aber im weiteren Verlauf teilweise ausgeglichen werden kann. Denn nichtsdestotrotz wird Camerons individuelle Reise mit Voranschreiten der Krankheit zunehmend dramatischer, was den gedrückten Grundton nie ganz aufwiegen kann. Beispielsweise bricht die emotionale Gefasstheit mit Auftauchen beziehungsweise Konfrontation des Klons etwas auf. Dementsprechend wird er nun mit den ersten Konsequenzen seiner Entscheidung konfrontiert, was ein intensives Gefühlchaos hervorruft. Trotzdem bleibt Schwanengesang über die ganze Zeit tiefsinnig und zugleich sanft melancholisch. Das wird auch mit Auswahl des Soundtracks untermalt.

Durchaus hätte dem Film hin und wieder ein bisschen Humor gut getan. Denn inmitten des ganzen Schwermuts werden die kleinen schmunzelnden Lichtblicke gänzlich gemieden. Zwar werden mittels etlicher Rückblenden liebevolle und schöne Momente aus Camerons Leben gezeigt, jedoch verstärkt das nur die vermeintlich angestrebte Rührseligkeit der Geschichte. Insgesamt fehlt dem Gesamtbild streckenweise auch ein bisschen Futter rund um den tatsächlichen Alltag und die Anfänge seiner Krankheit. Auch die Frage, warum niemand in dem nahezu perfekt dargestellten Familienkonstrukt mitbekommen hat, dass er krank ist oder niemand je einen unkontrollierbaren Anfall miterlebt hat, ist nicht schlüssig und steht konträr zu der stark emotionalisierten Beziehung seiner Liebsten.

Cameron und Kate sitzen gefasst im Wald und schauen in Gedanken verloren ins nichts. Beide tragen Winteroutfits mit dicken Jacken und Mütze.
Bereuen Cameron und Kate ihre Entscheidung? © Apple TV+

Die Frage nach dem Sein

Schwanengesang beschäftigt sich mit tiefgründigen moralischen Entscheidungen und Fragen um das Leben sowie die eigene Existenz. Auch das Gebiet der zwischenmenschlichen Beziehungen wird hier aufgegriffen und kritisch beleuchtet. Durch die Tatsache, dass die Handlung in der nahen Zukunft spielt, werden diese Auseinandersetzungen durch Einsatz neuartiger wissenschaftlicher Technologien verstärkt. Beispielsweise durch die Chance, die eigene Existenz einfach zu duplizieren. Diese technischen Möglichkeiten erhöhen das Diskussionspotenzial, da es nicht mehr nur um „den Mensch“ an sich geht. Egal wie Cameron nun am Ende des Films entscheidet – durch die besinnliche Erzählweise wird man sich am Ende selbst die Frage stellen: Wie weit würde ich gehen? Würde ich genauso handeln, um meinen Liebsten das schlimmste Leid zu ersparen?

Unser Fazit zu Schwanengesang

Benjamin Clearys Langfilmdebüt ist ein sehenswertes, rührseliges Sci-Fi-Drama und gewiss keine leichte Kost. Der Fokus liegt klar auf den zwischenmenschlichen Beziehungen sowie den damit einhergehenden Problemen und Chancen, die wissenschaftlicher Fortschritt und Technik in Bezug auf unsere moralischen Prinzipien mit sich bringen können. Dank der melancholischen Erzählweise sowie einem großartigen Cast ist es packend genug für die Zuschauenden und schafft genau die richtigen Emotionen zu erzeugen. Mit den daraus resultierenden weitreichenden philosophischen Fragen wird Schwanengesang auch im Nachgang noch zum Nachdenken anregen.

Schwanengesang ist ab dem 17. Dezember auf Apple TV+ abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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