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Serendipity

Serendipity ist ein Dokumentarfilm von Prune Nourry. Die multidisziplinäre Künstlerin hat in ihrem Erstlingswerk ihr eigenes, jüngeres Leben Revue passieren lassen und ihr Schicksal verarbeitet. Wie sich ihre Reise in filmischer Sicht gestaltet, erfahrt ihr im Folgenden!

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TitelSerendipity
Jahr2019
ProduktionslandUSA
RegiePrune Nourry
DrehbuchAlastair Siddons
GenreDokumentation
DarstellerPrune Nourry
Länge74 Minuten
FSKab 0 Jahren freigegeben
VerleihCinetic Media

Ein künstlerischer Werdegang: Die Handlung von Serendipity

Prune Nourry erhielt im Jahre 2016 mit 31 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Auf einem Bett liegend und durch die Gänge eines Krankenhauses rollend, vermittelt sie die Eindrücke, die sie um sich herum wahrnimmt. In einzelnen Etappen zeigt die Kamera den Heilungs- und Verarbeitungsprozess und den Werdegang ihrer künstlerischen Seite.

Die einzelnen Abschnitte ihrer Projekte sind essentieller Teil der Handlung und werden in regelmäßigen Abständen zwischengeschaltet. Je nach Stand des Krankheitsbildes beziehungsweise des Heilungsfortschritts entstehen neue künstlerische Projekte, in Form von Skulpturen, Installationen und Performances. Nourrys Werdegang als Künstlerin geht Hand in Hand mit ihren gesundheitlichen Stadien.

Der Weg zum Film

Prune Nourry ist eine Künstlerin, die sich in vielen Disziplinen bewegt und sich auch sehr für Naturwissenschaften und Anthropologie interessiert: biologisch-ethische Fragen, wie die Gender-Selektion und die künstliche Evolution der Menschheit.

Nourry nutzt ihre Art, um Stereotypen herauszufordern und vermeintliche Weisheiten zu hinterfragen. Dabei greift sie auf verschiedenste Medien der Kunst zurück und erhält sowohl im künstlerischen Metier als auch in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit. Das Guimet Musum in Paris hat ihrer Ausstellung das gesamte Gebäude eingeräumt, womit ihr eine Ehre zu Teil wurde, die noch nie ein lebender Künstler zuvor erhalten hatte.

Am Anfang war das Buch

Die Dokumentation Serendipity beruht auf dem gleichnamigen Buch von Prune Nourry. Der Anlass war die besagte Solo-Show im Guimet National Asian Art Museum in Paris im Jahre 2017. Hierbei beschäftigte sie sich vorrangig mit Geschlechterfragen, dem weiblichen Körper und dessen Fruchtbarkeit. Auf 272 Seiten zeigt Nourry die Höhepunkte ihrer zehnjährigen Schaffensphase, die auf Reisen, Beobachtungen, Aufeinandertreffen und Nachforschungen beruhen.

Jene Punkte wurden ihre künstlerischen Motive, welche auch in Serendipity erkennbar werden. Ihre Brustkrebsdiagnose führte letztendlich dazu, dass Nourry sich an ein filmisches Schaffenswerk machte und ihre Kunst zusammen mit ihren Erfahrungen in einer Dokumentation aus der Ego-Perspektive heraus dem Zuschauer schildert. Projekte wie Domestic Babies, Process, Holy Daughters, Holy Rivers und Terracotta Daughters, die bereits in Nourrys Buch zum Ausdruck kommen, präsentiert sie auch in ihrem Film Serendipity.

Die Kunst liegt in der Machart

Die Dokumentation, die Nourry präsentiert, zeigt sich in ihrer Gestaltungsweise künstlerisch kreativ und keineswegs nüchtern, wissenschaftlich-trocken. Die verwendeten Stilmittel sind durchweg interessant gewählt und regen den Zuschauer zum Mitdenken an, da die Intentionen der Künstlerin der eigenen Interpretation beziehungsweise dem versuchten Nachvollziehen überlassen werden.

Es sind Szenen wie die Eingangssequenz, die in Erinnerung bleiben. In dieser wird Nourry auf einem Bett liegend durch die Gänge eines Krankhauses gefahren. Währenddessen hält sie eine Kamera in der Hand und filmt die Eindrücke um sie herum. Diese wirken steril und mit hastigen Aktionen überladen. Dazu gesellt sich ein monotones Stimmen-Wirrwarr, welches im Laufe ihrer Bewegung durch die Gänge, hin zu ihrem Zimmer, weniger wird. Stattdessen dominieren nun Tier- und Naturgeräusche die Tonebene. Das Rauschen von Blättern und Gewässern gepaart mit verschiedenen Lauten von Lebewesen diverser Habitate.

Mit dem Filmen ihres Weges durch die Gänge des Krankenhauses lässt Nourry den Zuschauer am Geschehen teilhaben und vermittelt ihm ihre Art der Ablenkung. Die Sicht durch ein Objektiv lässt die Realität in einem künstlerischen Licht erscheinen. Zudem stellen die Naturgeräusche eine Rückbesinnung dar, die einem drohenden Ende den menschlich-natürlichen Ursprung gegenüberstellt. Auf diese Weise ziehen sich verschiedene künstlerische Stilmittel durch den gesamten Film, die Serendipity nicht als bloße Abbildung der Realität einer Künstlerin darstellen, sondern als künstlerisches Ebenbild.

Der Film als Mittel zum Zweck

Dennoch hat diese Medaille der Machart eine zweite Seite, die es sich zu betrachten lohnt. An die eben beschriebene Momente reihen sich noch einige weitere, künstlerisch anmutende Szenen an. Jedoch werden diese gegen Ende des Film weniger. Es scheint als verkomme Serendipity im Laufe der Minuten von der künstlerischen Interpretation eines Lebens zu einer trocken-dienstlichen Dokumentation eines noch jungen Lebenswerkes.

Im Verlauf des Films reihen sich die Beschreibung und Erschaffung der Kunstwerke Nourrys aneinander, ohne dabei das filmische Werk selbst zu beachten. Auch wenn es sich “nur” um eine Dokumentation handelt, so muss man auch dieser einen cineastischen Wert eingestehen. Vor allem, wenn man einen Film als ein eigenes Kunstwerk betrachtet, gilt es, mit den Möglichkeiten der Leinwand zu spielen. In Serendipity jedoch scheint es, als verkomme der Film im Laufe der Handlung zu einem Mittel, um den Zweck zu heiligen.

Nach rund einem Drittel des Film macht dieser selbst keinen Spaß mehr. Stattdessen wird der Zuschauer eher animiert, eine Ausstellung von Prune Nourry zu besuchen. Die Dokumentation als ein Kunstwerk selbst ist dabei Nebensache. Die eigentliche Kunst steht in den vier Wänden irgendwelcher Museen und genau dorthin möchte man im Anschluss an die letzte Minute aufbrechen. Der Film selbst, als Kunstwerk und cineastische Schöpfung, gerät dabei sofort in Vergessenheit. Es sind die Objekte, die bleiben. Es bleibt die Frage, ob der Film genau dies erreichen sollte…

Was bleibt? Mein Fazit zu Serendipity

Serendipity ist eine Dokumentation, die das Leben einer noch jungen Künstlerin darstellt und ihren Genesungsprozess begleitet. Darin zeigt sie Eindrücke davon, welche Gedanken sie ereilten, wie sie gelernt hat, mit ihrem Schicksal umzugehen und wie dieses Fortschreiten ihre Kunst beeinflusst hat. Dabei macht sie als Regisseurin einiges richtig und überlässt ihrer künstlerischen Ader zum Teil die Führung der Kamera. So entstehen Bilder in Verbindung mit Ton und Schnitt, die durchaus ansehenswert über die Leinwand flimmern.

Doch letztendlich bleibt die künstlerische Machart auf der Strecke. Es sind die Objekte, die innerhalb des Film gezeigt werden, die in Erinnerung bleiben. Der Film selbst gerät in Vergessenheit. Er ist nur ein Mittel zum Zweck; ein Präsentierteller, auf welchem die Kunstwerke Nourrys appetitlich zu sehen sind. Dass der Film als Film aus dem Gedächtnis des Zuschauers gestrichen wird, können auch die Credits nicht ändern: Angelina Jolie und Darren Aronofsky waren als ausführende Produzenten an dem Film beteiligt. Doch alles, was im Gedächtnis zurückbleibt, sind die namhaften Teilhaber und das Verlangen, eine Ausstellung Nourrys zu besuchen, die wahrscheinlich sehenswerter ist als Serendipity

Hier gelangt ihr zu unserem Interview mit Prune Nourry.

Unsere Wertung: 

 

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