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Serpico liegt auf dem Bett und telefoniert, während seine Freundin neben ihm auf dem Bett sitzt und sein Bein hält

Serpico

Ab dem 19.11.2020 erscheint Sidney Lumets Klassiker Serpico mit Al Pacino in der Hauptrolle in restaurierter Form für das Heimkino. Wieso das Biopic über den Polizisten Serpico heute aktueller ist denn je, erfahrt ihr in dieser Kritik.

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TitelSerpico
Jahr1973
LandUSA, Italien
RegieSidney Lumet
DrehbuchPeter Maas, Waldo Salt, Norman Wexler
GenreDrama, Krimi
DarstellerAl Pacino, John Randolph, Barbara Eda-Young, Jack Kehoe, Biff McGuire, Cornelia Sharpe
Länge130 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihStudiocanal Arthaus
Auf dem Steelbook-Cover sieht man Al Pacino in Schwarz weiß als Serpico
Offizielles Steelbook-Cover der 4K Restauration von Serpico © 2020 STUDIOCANAL GmbH

Darum geht es in Serpico

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte: Der gutherzige Polizist Frank Serpico merkt bereits 1959 am Anfang seiner Karriere, dass das NYPD nicht seinen ambitionierten Vorstellungen entspricht. Während er darauf hofft, New York zu einem gerechteren Ort zu machen, haben seine Kollegen ganz andere Interessen. Sie legen mehr Wert darauf, ihr Bestechungsgeld einzutreiben, als Verbrechen zu verhindern. Da sich Frank permanent als einziger weigert, Schmiergeld anzunehmen, verkommt er zum schwarzen Schaf der Truppe. Was folgt, sind Versetzungen und Auseinandersetzungen mit den anderen Polizisten oder sogar seinen Vorgesetzten. Die Korruption im Dienst lässt Serpico immer rebellischer werden und sorgt für viel Frustration im Privatleben. Mehr als zehn Jahre lang muss er sich gegen seine eigenen Partner zur Wehr setzen, in der Hoffnung, der Korruption ein Ende zu setzen.

Aktualität von Serpico

Die Ereignisse im Film liegen zwar Jahrzehnte zurück, doch Serpico bleibt aktuell. Natürlich ist Korruption heute noch ein weltweites Problem, doch unter anderem auch die BLM Bewegung macht den Film 2020 noch so wichtig.. Den Problemen der Polizei wird wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. In den USA ist dies durch die Proteste deutlich spürbar und in Deutschland kommen immer mehr Skandale über Rechtsradikalismus in der Polizei zum Vorschein. Trotzdem wird das verwerfliche Handeln zu selten beim Namen genannt und Tätern wird regelmäßig der Rücken gedeckt. Das wirft Parallelen zu der Handlung in Serpico auf. In Lumets Biopic geht es allerdings nicht konkret um Rassismus und es gibt wesentlich bedeutendere Beiträge zum Thema der Polizeigewalt oder Rassismus, bei denen BPOC sowohl hinter als auch vor der Kamera stehen.

Doch das, was Seprico in dem Kontext noch so aktuell macht, ist das Problem des fehlenden Schuldbewusstseins in der Justiz. Es ist kein Geheimnis, dass die Polizei – sowohl in den USA als auch hierzulande – schwerwiegende Probleme hat, doch wirklich ausgesprochen wird es von Behörden kaum. Zu mächtig ist der Apparat, der die Fehler vertuschen möchte, um kein negatives Licht auf die eigene Institution zu werfen. Sei es Rassismus, Korruption oder Machtmissbrauch, Polizisten sind Schikane ausgesetzt, wenn sie sich gegen Kollegen stellen und Vorgesetzte sehen gerne mal weg. Serpico zeigt, wie weit das gehen kann und wie wichtig es ist, auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Frank Serpico steht in Zivilkliedung an der Wand und zeigt zwei Polizisten seine Dienstmarke, während ein Mann mit Handschellen neben ihm steht
In seiner Zivilkleidung bleibt Serpico teilweise selbst von seinen Kollegen unerkannt © 2020 STUDIOCANAL GmbH

Ein Charakter mit vielen Facetten

Frank passt aufgrund seines Aussehens nicht in die Polizei hinein. Er weigert sich, sich zu rasieren oder die Haare zu schneiden und wird daher kurzerhand als Zivilpolizist eingesetzt. Fortan schlüpft Serpico in verschiedene Verkleidungen, doch so facettenreich wie seine Maskierungen ist auch sein Charakter. Im Laufe des Films macht Al Pacinos Rolle eine sichtbare Veränderung durch. Vom naiven, enthusiastischen Anfänger hin zum verzweifelten und wutgeladenen Zyniker. Er ist nicht die liebenswürdige Rolle, die jeder direkt verehrt, sondern stellt sich besonders im Privatleben als große Belastung für seine Partnerinnen heraus. Mit der Aufmerksamkeit der Polizei wächst auch die Angst in Serpico. Auch wenn er seinen Prinzipien treu bleibt, ist seine Verunsicherung spürbar, was ihn zu einer interessanten und dreidimensionalen Figur macht. Al Pacinos überragendes Schauspiel lässt Serpico so unsterblich werden. Zudem komme dem Film der Realität laut dem echten Frank Serpico ziemlich nahe.

Serpico und seine Freundin fahren auf dem Motorad durch die Straße. Im Hintergrund sieht man einen Polizisten und weitere Menschen
Serpicos Beruf steht seinen Beziehungen im Weg © 2020 STUDIOCANAL GmbH

Schnelles Tempo und große Zeitsprünge

Sidney Lumets Film ist mit 130 Minuten nicht wirklich der kürzeste Film, fühlt sich aber dafür sehr kurzweilig an. Bereits in den ersten Minuten erleben wir eine spätere Schlüsselszene des Films. Sirenen schallen durch die Nacht, ein Herz pocht und Frank Serpico sitzt angeschossen im Polizeiwagen. Nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert wird, werden wir Jahre zurückkatapultiert und verfolgen die Geschehnisse bis zu diesem dramatischen Moment. Es ist also zu Beginn klar, dass Serpico einer großen Gefahr ausgesetzt ist und gespannt verfolgen wir, wie es zu der ersten Szene kam. Immer wieder erinnern wir uns an die Frage “You think a cop did it?” zurück, die am Anfang gestellt wird und so fiebert der Zuschauer bei den Auseinandersetzungen Serpicos mit.

Lumet weiß, wie man ein geschicktes Drehbuch spannend inszeniert. Das ist spätestens seit Die 12 Geschworenen unbestreitbar. Doch im Gegensatz zu dem Gerichtsdrama erstreckt sich dieser Film über eine lange Zeitspanne. Dies bringt wieder neue Herausforderungen mit sich, die Lumet und die Drehbuchautoren ebenfalls meistern. Die einzelnen Handlungsabschnitte erscheinen nicht zu kurz und die Zeitsprünge sind anhand Serpicos Aussehen oder des länger werdenden Felles seines Hundes immer gut erkennbar. Auch die Mischung aus Berufs- und Privatleben sind ausbalanciert und ergänzen sich, da sie in einer ständigen Wechselbeziehung zueinanderstehen. Das macht Serpico zu einem weiteren Paradebeispiel von gutem Storytelling, auch wenn der Film im Gesamten vielleicht weniger einprägsame Momente hat als Die 12 Geschworenen oder Network.

Mit Vollbart und schrulligem Kostüm redet Serpico vorgebeugt mit einem Kollegen und einem Journalisten in dessen Büro
Serpico sucht sich Hilfe im Kampf gegen die Korruption © 2020 STUDIOCANAL GmbH

Unser Fazit zu Serpico

Al Pacino legt in Sidney Lumets Biopic eine denkwürdige Leistung ab und zeigt erneut, wieso er einer der größten Schauspieler Hollywoods ist. Das Drehbuch ist auf den ersten Blick zwar nicht unbedingt besonders, doch so geschickt geschrieben, dass sich ein lückenloses Tempo und eine stetig aufrechte Spannung erhalten. Serpico ist zudem von seinem zynischen Thema, dem schmutzigen New York-Setting und dem gebrochenen Protagonisten ein Produkt der New Hollywood-Ära, doch fügt sich auch heute in die aktuellen Debatten über Polizeiskandale und deren Runterspielungen ein. Die Geschehnisse fühlen sich authentisch an und sind nicht zu stark überdramatisiert. Im Gegensatz zu Lumets anderen großen Filmen bleiben allerdings auch weniger ikonische Szenen hängen, doch es bleibt trotzdem ein Filmklassiker, über den man noch lange nach dem Abspann nachdenken kann.

Serpico ist seit dem 19.11.2020 in restaurierter Fassung für das Heimkino verfügbar.

Unsere Wertung:

 

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