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Kirigan und Alina beschwören gemeinsam eine helle Flamme.

Shadow and Bone – Legenden der Grisha

Kein Monat ohne neuen Fantasystoff bei Netflix. Diesmal ist die Fallhöhe allerdings recht hoch, denn die Buchvorlage hat weltweit eine große Fangemeinde. Ob Shadow and Bone die Leser und die Nichtleser gleichermaßen abholen kann, erfahrt ihr in dieser Serienkritik.

Shadow and Bone – Legenden der Grisha | Offizieller Trailer | Netflix

TitelShadow and Bone – Legenden der Grisha
Jahr2021
LandUSA
RegieLee Toland Krieger
DrehbuchEric Heisserer, Leigh Bardugo
GenreSerien
DarstellerJessie Mei Li, Archie Renaux, Freddy Carter, Amita Suman, Kit Young, Ben Barnes, Sujaya Dasgupta, Danielle Galligan, Daisy Head, Simon Sears, Calahan Skogman, Zoë Wanamaker, Kevin Eldon, Julian Kostov, Luke Pasqualino, Jasmine Blackborrow, Gabriele Brooks
Länge8 Folgen jeweils ca. 50 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Key-Art von Shadow and Bone zeigt das Gesicht von Alina in groß. Davor sieht man in kleinerem Maßstab die anderen Hauptfiguren der Serie, Kirigan, Mal, Kaz, Inej und Jesper. Außerdem kann man den Titel lesen, der auf einer Grafik steht, die sich aus einem Palast und einem Hirschgeweih zusammensetzt. Der Hintergrund ist grünblau.
Das Poster von Shadow and Bone © Netflix

Shadow and Bone  – Legenden der Grisha

Alina Starkov, eine verwaiste, niedrigrangige Soldatin, setzt in einer vom Krieg gezeichneten Welt außerordentliche Kräfte frei, die die Freiheit ihres Landes bedeuten könnten. Angesichts der unsagbaren Bedrohung durch die Schattenflur, das Böse in Form einer sich ausbreitenden Dunkelheit, muss Alina alles zurücklassen und sich einer Eliteeinheit magischer Soldaten, genannt Grisha, anschließen. Doch ihre Fähigkeiten machen ihr zu schaffen und in einer Welt, in der Verbündete zugleich Feinde sein können, ist nichts, wie es scheint. Überall lauern Gefahren, darunter eine Gruppe charismatischer Krimineller. Magie allein ist nicht genug, um zu überleben.

Kirigan (Ben Barnes) steht in einem schwarzen Mantel zwischen zahlreichen festlich, aber bunt gekleideten Personen bei einer Feierlichkeit. Rechts im Bild sitzt der König in seinem Thron. Er trägt ein Beiges Outfit mit zahlreichen Ehrenzeichen. Im Hintergrund sieht man weitere Feiergäste.
General Kirigan (Ben Barnes) auf einer Feier des Königs © Netflix

Unsere Kritik zu Shadow and Bone:

Im vergangenen Monat durfte ich mir mit Die Bande aus der Baker Street eine Serie ansehen, mit der Netflix schon wieder ein neues Franchise für die Young-Adult-Fantasy-Zielgruppe lostreten wollte. Je mehr Formate in diesem Bereich jedoch das Licht der Öffentlichkeit erblicken, desto redundanter wirken die Produktionen des Streaminggiganten inzwischen. Manchmal macht sich gar der Eindruck breit, dass Quantität die Qualität schlägt. Während es sich jedoch bei einigen Projekten hiervon entweder um originäre Stoffe oder eher unbekanntere Vorlagen handelt, wagt man sich mit Shadow and Bone an einen literarischen Welthit heran. Einerseits ist damit die Neugierde vor allem der Leser garantiert, andererseits birgt die Verfilmung auch die Gefahr, die hohen Ansprüche der Fans einer in sich schon gewachsenen Fantasywelt zu enttäuschen.

Netflix ist sich dieses Rasierklingenritts durchaus bewusst. Bereits im Marketing ist man stets zweigleisig gefahren und hat auf der einen Seite Teaser gezielt an die Kenner adressiert. Auf der anderen Seite hat man nun kurz vor Start aber auch eine Einführung in die umfangreiche Welt von Leigh Bardugos Büchern bei YouTube veröffentlicht, um fachfremde Abonnenten mit ins Boot zu holen. Am Ende dieses Artikels habe ich deswegen dieses hilfreiche Video hier mit eingebettet. Ich selbst bin auch ohne Vorkenntnisse an die Serie herangegangen und bitte daher um Entschuldigung bei den Fans, falls ich den ein oder anderen Zusammenhang vielleicht nicht ganz richtig wiedergebe. Denn eines gleich vorweg: Shadow and Bone ist für eine Fantasyserie wirklich anspruchsvoll!

Eine Reiterin mit rotem Umhang auf weißem Pferd reitet in Richtung einer dunklen Nebelwand, der Schattenflur.
Die Schattenflur ist die große mysteriöse Bedrohung in der Geschichte © Netflix

In dieser Kritik wird auch möglichst wenig auf die konkrete, wendungsreiche Handlung eingegangen, da niemandem die wirklich gut eingewobenen Überraschungsmomente vorweggenommen werden sollen. Netflix hat uns die gesamte erste Staffel vorab zur Verfügung gestellt. Diese Kritik soll kompakt und spoilerfrei alle Eindrücke zur kompletten Debütstaffel wiedergeben.

Der Einstieg in eine neue, vielversprechende Fantasywelt

Die erste Folge ist quasi ein Sprung ins kalte Wasser, Shadow and Bone geht direkt in medias res. Mit den unzähligen Begriffen, den verschiedenen Ortschaften in der fiktiven Welt und vor allem auch mit den unterschiedlichen Ethnien und Fraktionen wird man anfangs nahezu erschlagen. Es dauert wirklich einige Zeit, bis man ansatzweise beginnt zu verstehen, wer hier mit wem zusammenarbeitet und wer welche Ziele verfolgt. Dabei ist zugleich ein großer Pluspunkt der Romanverfilmung, dass man als Zuschauer auch im Unklaren darüber gelassen wird, wer hier „Gut“ und „Böse“ ist. Überhaupt ist es im Gegensatz zu anderen Young Adult Stoffen erfrischend zu erkennen, dass in dieser Welt eben kein simples Schwarz-Weiß existiert, sondern vermeintlich böse Charaktere auch hehre Absichten verfolgen und die Heldenfiguren auch dunkle Seiten andeuten.

Was dieses Fantasywerk zusätzlich von der Masse abhebt, ist die Ansiedlung in der eher selten verwendeten slawischen/russischen Mythologie. Die Städte beispielsweise tragen allesamt russische Namen, die meisten Figuren ebenso. Zudem spielt die Handlung zwar an Mittelalterschauplätzen, aber gleichzeitig tauchen deutlich später entwickelte Schusswaffen auf. Alles in allem kann man der Serie schon mal attestieren, mit Bedacht die ausgetretenen Genre-Fußspuren verlassen zu wollen.

Die Komplexität von Shadow and Bone bedingt viel Exposition

Ganz ohne Reminiszenzen kommt die neue Netflix-Show dann aber doch nicht daher. Die Geschichte rund um eine Außenseiterin, die zur Hoffnungsträgerin wird, als sie ihre wahren Kräfte erkennt, erinnert hier vor allem in Verbindung mit den magischen Aspekten an Harry Potter. Die rebellische Seite Alinas, die sich gegen die ungleichen Verhältnisse in ihrer Gesellschaft stellt, weckt alte Hunger Games Gefühle. Und eine Welt, deren ethnische Konflikte im übertragenen Sinne auf die echten Verhältnisse unserer Zeit anspielt, ist in den letzten Jahren im Fantasygenre, zum Beispiel in Carnival Row, eh zum Standard geworden.

All diese Genre-Elemente sind in Shadow and Bone jedoch intelligent und stimmig vereint worden und mit einer Vielzahl eigener Einfälle gespickt, die man erst einmal kennenlernen muss. Da der Einstieg ohne große Erläuterung vonstatten geht, war es nicht zu verhindern, das nach und nach doch noch Dinge erklärt werden müssen. So nimmt sich die Serie verhältnismäßig viel Zeit für die Exposition: Bis zum Ende der fünften Folge wirkt alles teils bruchstückhaft und komplex, erst dann finden bestimmte Personengruppen zusammen, und der Kern der Geschichte wird erkennbar. Man merkt anschließend recht deutlich, dass diese erste Staffel nur der Auftakt für eine potentiell ganz große Geschichte ist. Dementsprechend muss man mit einem überhasteten Finale und dem obligatorischen Cliffhanger vorerst vorlieb nehmen. Die Fortsetzung kann dann dafür direkt in die Vollen gehen. Falls Netflix dafür grünes Licht gibt.

Jesper, Kaz und Inej (von links nach rechts) sitzen in einer Kutsche. Alle tragen dunkle Kleidung und schauen eher ernst und besorgt drein. In der Mitte hält Kaz in seinen Händen einen Bogen Papier.
Die „Krähen“: Jesper, Kaz und Inej © Netflix

Düster, rätselhaft und rasant

Audiovisuell ist Shadow and Bone auf dem hohen Niveau, an das man sich bei den Prestigeprojekten von Netflix inzwischen gewöhnt hat. Die Computereffekte, speziell wenn die magischen Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen, sehen sehr gut aus, und die Ausstattung schafft schon einen Eindruck davon, wie viel Aufwand betrieben wurde. Die Kostüme sehen wirklich fantastisch aus, und bei der Auswahl der Locations hätte man es kaum besser treffen können. Demgegenüber steht leider ein über weite Strecken (zu) dunkles Bild in den Nachtsequenzen, das vor allem in den Actionszenen schwer den Überblick behalten lässt. Dabei hätte man die Action gern noch mehr betonen dürfen, denn immer wenn es mal rasant wird, können die Choreografien durchaus glänzen.

Tonal ist dieses Format definitiv erst für Jugendliche jenseits der 16 Jahre gemacht. Sowohl der Härtegrad in den Kampfszenen, als auch die inhaltliche Komplexität und die erwachsene Darstellung der romantischen Aspekte fordern vom Zuschauer eine gewisse Reife ab. Im Gegensatz zur Diskrepanz zwischen Brutalität und inhaltlich fehlendem Anspruch in Die Bande aus der Baker Street ist es hier jedoch gelungen, dass Geschichte und Inszenierung perfekt ineinander greifen. Das Worldbuilding ist hier stimmig und sorgt dafür, dass man sehr schnell vom Sog der komplexen Welt erfasst wird.

Hochveranlagter Newcomer-Cast, spannende Figuren

Bis auf Ben Barnes, der zuletzt in der zweiten Staffel von The Punisher zu sehen war und Zoë Wanamaker, die man als Lehrerin für den Besenflug in Harry Potter und der Stein der Weisen kennen könnte, sind die Schauspieler hier allesamt relativ unbekannt. Die unverbrauchten Gesichter sorgen dafür, dass man sie sehr schnell mit ihren Rollen identifizieren kann. Die Newcomer machen durch die Bank weg einen guten Job. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass man nach dem viel zu frühen Ende der ersten Staffel schnellstmöglich mehr sehen will. Die Protagonistin Alina wird von Jessie Mei Li als eine angenehme Mischung aus unerfahrener Hoffnungsträgerin und zweifelnder Rebellin dargestellt, die immer wieder auch Kanten zeigen darf. Dabei wirkt sie jedoch nie aufgesetzt schnippisch, sondern immer authentisch.

Neben ihr sollte man vor allem noch das Trio aus Kaz (Freddy Carter), Inej (Amita Suman) und Jesper (Kit Young) erwähnen. Der undurchsichtige Kaz ist lange Zeit ein großes Fragezeichen ob seiner Motive, und diese Rätselhaftigkeit schafft Carter mit Bravour abzubilden. Seine beiden Begleiter Inej und Jesper sind zudem äußerst komplexe Figuren, die innerhalb der wenigen Folgen immer wieder mit neuen Facetten zu überraschen wissen. Auch zu den anderen Figuren ließe sich sicherlich noch mehr schreiben. Fest steht allerdings, dass etliche Charaktere so mehrdimensional geschrieben sind, dass man auch von ihnen mehr sehen will, und bislang nur ansatzweise zu erkennen ist, was an Charakterentwicklung in weiteren Staffeln möglich ist.

Shadow and Bone – Legenden der Grisha | Die Erschaffung einer Welt | Netflix

Unser Fazit zu Shadow and Bone:

Die erste Staffel Shadow and Bone macht es ihren Zuschauern nicht leicht. Als Kenner hat man es sicherlich leichter, direkt in die komplexe Geschichte eintauchen zu können. Doch auch als Neuling des Franchise möchte man nach etwas Anlaufzeit unbedingt mehr sehen. Die Figuren sind tiefgründig, und die komplexe Welt will erkundet werden. Außerdem zieht auch die Inszenierung durch Tempo und hohe Emotionalität schnell in ihren Bann. Abstriche gibt es für diese Auftaktstaffel letztlich dafür, dass man sich, kurz nachdem sich die Handlungsfäden endlich treffen, schon mitten im Finale befindet und dieses dafür dann etwas überhastet wirkt. Falls diese Fantasyserie mit weiteren Staffeln fortgeführt wird, wird man hoffentlich von Beginn an das Tempo anziehen. Der Grundstein für eine Serie, die von Staffel zu Staffel noch gewinnen kann, ist jedenfalls gelegt.

Shadow and Bone ist ab dem 23. April komplett bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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