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Zwei Opfer sitzen sich gefesselt gegenüber, dazwischen der schwarz gewandete Druide in Slasher: Solstice

Slasher: Solstice

Slasher: Solstice heißt die Staffel 3 der spannenden Horror-Anthologie aus Kanada. Ob das blutige Spiel mit den Klischees immer noch begeistern kann, erfahrt ihr hier!

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TitelSlasher: Solstice
Jahr2019
LandKanada
RegieAdam McDonald
DrehbuchAaron Martin, Lucie Pagé, Duana Taha, Ian Carpenter, Matt MacLennan, J.P. Laroque
GenreSerie
DarstellerBaraka Rahmani, Lisa Berry, Salvatore Antonio, Dean McDermott, Mercedes Morris, Gabriel Darku, Ilan Muallem, Paula Brancati, Rosie Simon, Jim Watson, Erin Karpluk, Joanne Vannicola
Länge378 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
Verleihjustbridge Entertainment
Eine dunkle Gestalt mit einem großen Messer nähert sich durch einen in Neonlicht getauchten Gang in Slasher: Solstice
Das BD-Cover von Slasher: Solstice © justbridge Entertainment GmbH

Worum geht’s in Slasher: Solstice?

Nach einer berauschenden Party zur Sommersonnenwende wird Kit Jennings auf dem Nachhauseweg von einem maskierten Unbekannten in einem dunklen Umhang brutal niedergestochen. Knapp ein Jahr später geht der Mörder nun wieder um. Er sucht die Bewohner eines kleinen Appartement-Hauses heim, in dem auch Kit wohnte. Und während Vloggerin Violet (Paula Brancati) erfahren muss, dass ihr Mann Joe (Ilam Muallem) eine Affäre mit dem schwulen Nachbarn Angel (Salvatore Antonio) pflegt und Hipster Xander (Jim Watson) damit klarkommen muss, dass seine Freundin Amy (Rosie Simon) mehr an Abenteuern in der virtuellen Welt interessiert ist, als am gemeinsamen Beischlaf, dünnt die dunkle Gestalt, die Druide genannt wird, den bunten Haufen immer weiter aus.

Als Cassidy (Genevieve DeGraves), die Tochter des rechtsextremen Verschwörungsfanatikers Dan (Dean McDermott), das Handy der von ihr schikanierten Muslimin Saadia (Baraka Rahmani) klaut und spurlos verschwindet, geht diese mit ihrer besten Freundin Jen (Mercedes Morris) dem nach. Während Detective Hanson (Lisa Berry) weiter im Dunkeln tappt, kommen die beiden Mädchen dem geheimnisvollen Täter gefährlich nahe…

Der schwarz gewandte Killer überwältigt sein weibliches Opfer mit Chloroform vom Rücksitz ihres Wagens aus in Slasher: Solstice
Der Druide lauert überall, ob im Auto… © justbridge Entertainment GmbH

Ein Füllhorn voller Motive, Themen und Klischees

Ja, hier gibt es ganz schön was zu sehen, und Slasher: Solstice bietet zugleich mehr als eine Handvoll aktueller Diskussionsthemen. Dabei kannten die Serienmacher keine falsche Scham, und so bekommen wir in Staffel 3 neben den erwartbaren heftig blutigen Gewaltakten auch ausgedehnte Sexszenen hetero- wie homosexueller Ausrichtung zu sehen. Und Videospiel-Testerin Amy setzt sich schon mal ihre VR-Brille während des Liebes-Akts auf. Hinzu gesellen sich weitere Themen wie Rassismus, Paranoia und Homophobie, hier bleibt eigentlich kein heißes Eisen unangepackt. Nichts davon wirkt aufgesetzt, die Autoren beweisen große Sensibilität und arbeiten alles in die Geschichten, die dieser Mikrokosmos erzählt, ein.

Im Gegensatz zu den deutschen Episoden-Titeln werden diese im Original mit den Zeiträumen bezeichnet, die sie umfassen. Denn die ganze Geschichte von Slasher: Solstice spielt sich innerhalb der 24 Stunden rund um die Sommersonnenwende ab, jede Episode umfasst somit drei Stunden. Immer wieder eingestreut werden Zeitsprünge zu den Ereignissen im Jahr davor. Dadurch setzt sich die Verbindung zwischen den verschiedenen Charaktere nach und nach zusammen. Allerdings schafft es die Serie hier leider auch, für Verwirrung zu sorgen; denn es wird lediglich der Einstieg in einen Zeitsprung durch die Texteinblendung “Ein Jahr zuvor” gekennzeichnet.

Im Vordergrund der gefesselte Joe, im Hintergrund seine Frau Violet, nicht ahnend, dass der Killer hinter ihr steht in Slasher: Solstice
… oder im eigenen Zuhause © justbridge Entertainment GmbH

Konsequent – eine keusche Muslimin als Final Girl

Auch die Wahl der Hauptfigur fällt dabei recht gewagt aus. Ziemlich schnell kristallisiert sich die junge Muslimin Saadia als Dreh- und Angelpunkt der Handlung und treibende Kraft hinter der investigativen Arbeit heraus. An ihrer Seite ist dabei immer ihre beste Freundin Jen, deren lesbische Mutter sich vor einem Jahr das Leben nahm, indem sie sich im Hof des Hauses selbst anzündete. Dazu gesellt sich dann noch ihr Bruder Connor, zu dem sich Saadia hingezogen fühlt. Durch ihre Nachforschungen und eingestreute Rückblenden setzt sich dann das Puzzle der komplexen Beziehungen innerhalb des Hauses zusammen. Hierbei werden Tragödien, Intrigen und daraus folgende Verfehlungen und Verbrechen freigelegt.

Auf der Party im lila Neon stehen sich der als Teufel verkleidete Kit und Angel, eine Polizei-Uniform tragend, gegenüber in Slasher: Solstice
Mit dem Mord am bisexuellen und immer zugedopten Kit fängt alles an © justbridge Entertainment GmbH

Immer kontroverser, immer blutiger, immer besser?

Slasher: Solstice integriert diesen Wust an Themen teils recht geschickt in seiner Dramaturgie. Allerdings ist diese dann doch dem Konzept des Slashers unterworfen. Man braucht gewiss kein Genie zu sein, um darauf zu kommen, wer denn nun am Ende das Final Girl ist. Und so verpufft auch ein Teil der Spannung, nachdem am Ende der siebten Episode die Identität des Mörders gelüftet ist. Was nun noch folgt, ist stets vorhersehbar – was nicht heißt, dass die Macher am Ende nicht doch noch eine kleine Überraschung parat halten. Dazu treiben sie auch das Tempo noch einmal hoch, langweilig wird es einem hier sicherlich nicht. Und Freunde von handgemachten Gore-Effekten dürfen sich hierbei sowieso die Hände reiben.

Und auch im Ganzen betrachtet, trübt das den Spaß kaum, denn Slasher: Solstice ist seinen beiden Vorgänger-Staffeln in allen Belangen teils deutlich überlegen. Bemängelte ich etwa in Slasher: The Executioner noch die schlechten Darsteller und in Slasher: Guilty Party die etwas abwegige Auflösung, trifft das auf den neuesten Mordreigen in Staffel 3 kaum mehr zu. Ambivalenz und Diversität wurden von den Serienmachern schon immer gepflegt, wirkten zuvor stellenweise aber stark aufgesetzt.

Stereotype kann man auch in der dritten Staffel noch finden, doch gehören diese zum Repertoire des Slasher-Genres dazu. Zumal werden diese auch geschickt in das Wechselspiel der verschiedenen Charaktere eingeflochten und in ihrem Auftreten dazu genutzt, eine Aussage zu treffen oder zu unterstreichen. Die Logik erweist sich auch hier nicht immer als komplett wasserdicht, doch im Ganzen ergibt am Ende alles Sinn. Einzig die Bildsprache, die immer wieder gerne auf in Neon-Licht erstrahlende Gänge und Räume wechselt, wirkt ein wenig aufgesetzt.

Saadia mit Kopftuch, die leicht bekleidete Afro-Amerikanerin Jen und ihr hell ausgestatteter Bruder Connor sitzen auf einer Parkbank im Hinterhof bei Slasher: Solstice
Unsere drei Helden posieren in einer Drehpause © justbridge Entertainment GmbH

Der Cast von Slasher: Solstice

Der Cast füllt seine teils doch sehr stereotypen Rollen, die eben für dieses Genre vonnöten sind, überzeugend aus. Allen voran steht die sympathische Baraka Rahmani, die als Kopftuch tragende Muslime sicher nicht den allerleichtesten Job hatte. Während ihre Eltern sich immer aus allem raushalten, wird sie in die ganze Mordserie reingezogen und scheut sich nicht, der Sache nachzugehen.

Besonders schön harmoniert das Liebesdreieck aus Salvatore Antonio und Ilan Muallem als Angel und Joe zusammen mit Slasher-Veteranin Paula Brancati als Joes egozentrische Frau Violet. Letztere wirkt ein wenig überzeichnet und besitzt in der deutschen Synchro leider auch ein eher nerviges Organ. Doch der Verlauf, den die Aufdeckung von Joes homosexueller Liaison mit Angel nimmt, wirkt aufgeklärt und angenehm unaufgeregt. So etwas wäre noch vor 10 Jahren außerhalb gängiger LGBT-Serien kaum möglich gewesen.

Auch einige der eher unsympathischen Rollen offenbaren mit der Zeit unerwartete Tiefe. Dean McDermott, ein weiterer Veteran der ersten Staffeln, darf als Rassist Dan mehrmals aus sich rausgehen. Etwas flach bleiben leider Jim Watson und Rosie Simon als das Pärchen Xander und Amy, auch Lisa Berry kommt kaum über die klischeehafte Rolle eines obsessiven Cops hinaus.

Detective Hanson berät sich mit ihrem Partner an ihrem Schreibtisch auf dem Polizeirevier in Slasher: Solstice
Detective Hanson ist ratlos © justbridge Entertainment GmbH

Unser Fazit zu Slasher: Solstice

Anders als viele aktuelle Serien entwickelt sich das Format Slasher kontinuierlich weiter. Es fing damit an, dass die Macher mit Slasher: The Executioner eine Serie für ein Publikum gemacht hatte, das mit Scream & Konsorten aufgewachsen war. In Slasher: Guilty Party verfeinerte man das Konzept, bügelte einige Fehler der ersten Staffel aus. Mit Slasher: Solstice wagt man jetzt den Sprung, auch die nächste Generation von Fans aus Teens und Twens mit ins Boot zu holen. Und das auf die bestmögliche Weise: In Staffel 3 nimmt man sich der Themen an, die diese Generation bewegen, diese nicht nur als zierendes Beiwerk aufgreift, sondern sie ernst nimmt und in die Handlung integriert.

Slasher: Solstice zeigt in beeindruckender Weise auf, was mit diesem eigentlich als überholt und ausgelutscht geltenden Genre-Konzept auch heute noch möglich ist. Dabei ist sie vielleicht nicht so aufwendig und aufregend wie ein American Horror Story: Apocalypse. Doch sie ist viel intimer, bewegender und deswegen wahrscheinlich sogar besser in dem, was sie sein will.

Slasher: Solstice ist seit dem 3. April von justbridge Entertainment auf Blu-ray erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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1 Kommentar

  • Ja, der Blutfaktor war schon recht hoch.
    Bisschen zu viel Popperei aber was mir gefiel, war die Darstellung dieser totalen Handy – Gier, egal wie die Konsequenzen wären.