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Von seinem toten Kameraden hat er keine Hilfe zu erwarten © Capelight Pictures

Solis

Über scheinbar ausweglose Situationen in den unendlichen Weites des Weltraums gibt es unzählige Verfilmungen. Um mit dieser Prämisse Aufmerksamkeit zu erzeugen, braucht es daher ein paar hervorstechende Alleinstellungsmerkmale. Ob sich Solis, das Debüt von Drehbuchautor und Regisseur Carl Strathie, in diesem hart umkämpften Sub-Genre behaupten kann, lest Ihr im folgenden Beitrag.

TitelSolis
Jahr2018
ProduktionslandGroßbritannien
RegieCarl Strathie
DrehbuchCarl Strathie
GenreScience-Fiction
DarstellerSteven Ogg, Alice Lowe
Länge92 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Das Blu-ray Cover zu Solis © Capelight Pictures
Das Blu-ray Cover zu Solis © Capelight Pictures

Worum gehts in Solis?

Die Ausgangssituation in Solis ist schnell beschrieben. Wir befinden uns in einer nicht näher eingegrenzten Zukunft und im Kern geht es um eine Rettungsmission. Der Astronaut Troy Holloway, dargestellt von Steven Ogg, erwacht leicht verletzt an Bord einer kleinen Raumkapsel. Neben sich, auf dem zweiten Platz der Kapsel, sieht er einen seiner Team-Kollegen. Tot. Er und sein Team waren mit der Ernte von Rohstoffen auf einem Asteroiden beschäftigt, als sich ein verheerendes Unglück ereignete.





Nun ist er, in einer technologisch veralteten Rettungskapsel, auf sich allein gestellt. Unterstützung bekommt er nur per Funk von Commander Roberts, vertont von Alice Lowe. Sie ist Leiterin des Rettungsteams, das ihn aus seiner misslichen Lage befreien soll. Doch die Chancen stehen schlecht, weil die manövrierunfähige Kapsel mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf die Sonne zusteuert.

Troy Holloway erwacht in der Raumkapsel "Solis" © Capelight Pictures
Troy Holloway erwacht in der Raumkapsel “Solis” © Capelight Pictures

Reduziertes Setting

Solis bietet 90 Minuten Überlebenskampf auf engstem Raum. Denn wenn man von ein paar Außenaufnahmen absieht, dann spielt sich der komplette Film an Bord der Raumkapsel ab. Leider sieht man sowohl der Raumkapsel als auch den angesprochenen Außenaufnahmen das limitierte Budget an. Da wir uns hier aber noch in weiter Umlaufbahn von Begriffen wie „billig“ oder „trashig“ bewegen, möchte ich das dem Film nur marginal ankreiden.

Solis ist eine Art Sci-Fi-Kammerspiel mit Steven Ogg als einzigem, für den Zuschauer sichtbaren Schauspieler. Und dieser macht seine Sache wirklich überzeugend. Er transportiert die Ausweglosigkeit der Situation sowie das ständige Schwanken zwischen leiser Hoffnung und völliger Kapitulation stets nachvollziehbar und eindrucksvoll. Limitiert wird sein Spiel lediglich durch das an machen Stellen leider unausgegorene Drehbuch. Doch werfen wir erstmal einen kurzen Blick auf das Personal vor und hinter der Kamera.

Beklemmende Enge in Solis © Capelight Pictures
Beklemmende Enge in Solis © Capelight Pictures

Das Bordpersonal

Hauptdarsteller Steven Ogg begann seine Schauspielkarriere um den Jahrtausendwechsel herum, nachdem er sich vorher bereits am Theater einen Namen gemacht hatte. In unseren Gefilden ist er aber aus einem anderen Medium bestens bekannt. Denn Ogg übernahm 2013 die Rolle des Trevor Philips in dem Videospiel-Megaseller GTA 5. Diese ungewohnte Rolle kann man durchaus als seinen Durchbruch bezeichnen. Denn fortan war er in Serienerfolgen wie Better Call Saul, Westworld und The Walking Dead zu sehen.

Die Rolle von Commander Roberts verkörpert Alice Lowe. Wobei verkörpern an der Stelle das falsche Wort ist, denn Commander Roberts tritt ausschließlich per Funk mit Holloway in Kontakt. Wenn sich das eigentliche Spiel eines Darstellers auf seine Stimme beschränkt, dann muss ebendiese Stimme alle Emotionen glaubwürdig vermitteln können. Das gelingt Alice Lowe und übrigens auch der deutschen Synchronsprecherin auffallend gut.

Fans des Horror-Genres werden Alice Lowe am ehesten als Hauptdarstellerin aus Ben Wheatleys abgedrehten Road-Movie Sightseers kennen. Ganz aktuell übernahm sie die Rolle der Dr. Haynes im Netflix-Überraschungshit Bandersnatch. Kleiner Fun-Fact am Rande: In Sightseers ist Anke Engelke ihre deutsche Synchronstimme.

Sowohl für das Drehbuch als auch für die Regie von Solis zeichnet sich Debütant Carl Strathie verantwortlich. Dieser ist bisher ausschließlich durch Kurzfilme in Erscheinung getreten, hat aber mit Dark Encounter bereits sein zweites Werk in der Postproduktion. Auch wieder mit Alice Lowe in einer tragenden Rolle.

Holloway bereitet sich in Solis für einen Außeneinsatz vor © Capelight Pictures
Holloway bereitet sich in Solis für einen Außeneinsatz © Capelight Pictures

Starke Turbulenzen im luftleeren Raum

Ein derart reduziertes Setting wie bei Solis sorgt naturgemäß dafür, dass sich die Schauwerte in überschaubaren Grenzen halten. Daher muss das Drehbuch umso mehr dafür sorgen, dass der Zuschauer im Laufe des Films nicht mit den Gedanken in die sprichwörtlichen unendlichen Weiten des Weltalls abdriftet. Leider gelingt dies bei Solis nur bedingt.

An manchen Stellen wird der Plot dermaßen künstlich in die Länge gezogen, dass das Pacing in arge Turbulenzen gerät. Zudem gibt es die eine oder andere Abzweigung im Laufe der Story, die bei näherer Betrachtung doch arg konstruiert daherkommt. Auf Details möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da ich das Wenige, das es zu entdecken gilt, nicht vorwegnehmen möchte.

Der einsame Astronaut als Leitmotiv

In den Weiten des Alls völlig allein mit seinem Schicksal. So fühlt sich doch jeder einmal. Und auch im Science-Fiction-Genre gibt es ein paar Vertreter dieser Zunft. Etwas abseits von Effektbombast und Mainstream möchte ich an dieser Stelle auf zwei Filme hinweisen, die im gleichen Fahrwasser wie Solis schwimmen.

Zunächst wäre da Moon aus dem Jahr 2009. Das Regiedebüt von Duncan Jones, mittlerweile bestens bekannt durch Source Code, Warcraft: The Beginning und Mute. In Moon verkörpert Oscargewinner Sam Rockwell den einsamen Astronauten, der auf der dunklen Seite des Mondes die Rohstoffernte überwachen soll. Auf Basis dieser Prämisse entspinnt sich eine wendungsreiche Geschichte, die ein wenig mehr in Mystery-Gefilden wildert, als Solis das tut.

Noch etwas weiter weg vom Mainstream bewegt sich Love aus dem Jahr 2011. Inszeniert wurde Love von William Eubank und produziert sowie vertont von der Rock-Band Angels and Airwaves. Dort macht sich der einsame Astronaut allein auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS, um zu prüfen, ob diese nach Jahren der Funkstille noch sicher und betriebsbereit ist. Ein weiterer kleiner Fun-Fact am Rande: Das Modell der ISS, in dem sich ein Großteil des Films abspielt, stand während der Dreharbeiten im Garten der Eltern von Herr Eubank.

Solis findet seinen Platz zwischen seinen thematischen Geschwistern und behandelt auch ganz ähnliche Motive. Wie viel Einsamkeit hält ein Mensch aus? Wie geht er mit Extremsituationen um, wenn er, fast, komplett auf sich allein gestellt ist? Wann schalten Körper und Geist um? Vom eisernen Überlebenswillen zu Resignation und Gleichgültigkeit.

Von seinem toten Kameraden hat er keine Hilfe zu erwarten © Capelight Pictures
Von seinem toten Kameraden hat er keine Hilfe zu erwarten © Capelight Pictures

Unser Fazit zu Solis

Trotz deutlich merkbarer Limitierungen in Sachen Budget und Drehbuch möchte ich eine leise Empfehlung für Solis aussprechen. Dank dem reduzierten Setting und dem ausdrucksstarken Spiel von Steven Ogg fiebert man mit dem einsamen Astronauten auf seiner vielleicht ausweglosen Mission. Zudem sorgt die Balance zwischen Hoffnung und Verzweiflung für ein paar philosophische Zwischentöne, über die man über den Abspann hinaus nachdenken kann.

Zugegeben, sowohl Moon als auch Love halte ich für die subjektiv besseren Filme. Als dritte Interpretation der ähnlichen Prämisse sollte man Solis aber eine faire Chance geben.

Drei von fünf Raumkapseln.

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© Capelight Pictures

Patrick Krämer

4 Kommentare

  • Schöne Review! Steven Ogg mag ich seit GTA V und The Walking Dead ohnehin verdammt gerne, denke also, dass ich hier auf jeden Fall mal einen Blick riskieren werde 🙂

    • Danke Dir!
      Ja, den kann man schon machen. Auf dem Fantasy Filmfest 2018 empfand ich ihn noch etwas schwächer als bei der Zweitsichtung für die Rezension. Das lag damals aber vermutlich an der unheiligen Startzeit von circa 14 Uhr 🙂

  • MOON ist einfach fantastisch, was aber zu einem sehr großen Teil auch an der grandiosen Musik von Clint Mansell begründet liegt.
    Ich denke da kann man sich dieses Werk hier als einen Bruder im Geiste wohl auch mal anschauen 🙂
    Danke für die Vorstellung!

    • Sehr gerne doch!
      Ja, ich mag MOON auch sehr. Sowohl die von Dir angesprochene Vertonung als auch die schauspielerische Leistung von Rockwell heben den, neben der tollen Story, auf ein ganz schön hohes Niveau.