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Alden Ehrenreich als junger Han Solo in "Solo: A Star Wars Story" © Walt Disney

Solo: A Star Wars Story

Es ist noch immer ungewohnt, in so kurzen Abständen einen Star Wars-Film im Kino zu erleben. Doch kaum ein halbes Jahr nach Episode VIII: Die letzten Jedi läuft am 24. Mai mit Solo: A Star Wars Story der nächste Streich aus dem Hause Lucasfilm an.  

TitelSolo: A Star Wars Story
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieRon Howard
DrehbuchLawrence Kasdan, Jonathan Kasdan
GenreSci-fi/Fantasy, Abenteuer, Action
DarstellerAlden Ehrenreich, Donald Glover, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Joonas Suotamo, Paul Bettany
Länge135 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihWalt Disney
Offizielles Filmplakat zu "Solo: A Star Wars Story" © Walt Disney
Offizielles Filmplakat zu “Solo: A Star Wars Story” © Walt Disney

Seit der milliardenschweren Übernahme durch Disney im Jahr 2012 scheinen die Produktionen der Star Wars-Filme unter keinem guten Stern zu stehen. Immer wieder erreichen uns Meldungen von Schwierigkeiten am Set und kreativen Differenzen zwischen Regisseuren und der Konzernleitung, namentlich Kathleen Kennedy, die bei allen Star Wars-Projekten das letzte Wort hat. Bei Rogue One wurden nach der ersten Schnittfassung massive Nachdrehs angeordnet und Colin Treverrow (Jurassic World, The Book of Henry) wurde für den kommenden, noch namenlosen Abschluss der Sequeltrilogie durch J.J. Abrams ersetzt, der also nach Das Erwachen der Macht auch Episode IX inszeniert.

A never ending Story… – Kreative Differenzen bei Star Wars

Doch bei keinem der genannten Werke schienen die Probleme größer gewesen zu sein als bei Solo: A Star Wars Story. Die Dreharbeiten hatten längst begonnen, als man sich von den Regisseuren Phil Lord und Chris Miller (21 Jump Street, The Lego Movie) trennte. Die Gerüchteküche brodelte – angeblich brauchte Hauptdarsteller Alden Ehrenreich (Hail, Caesar!) einen Schauspielcoach und die Zustände am Set seien chaotisch. Auch soll Drehbuchautor Lawrence Kasdan (Das Imperium schlägt zurück, Bodyguard) mehr als unzufrieden gewesen sein, dass Lord und Miller sein Script eher als grobe Orientierung verstanden und beim Dreh viel stärker auf Improvisation setzten.

Und genau da könnte der sprichwörtliche Hund tatsächlich begraben liegen. Lord und Miller scheinen eine recht “freie Arbeitsweise” am Set zu bevorzugen. Dies ist ein Umstand, den die ordnende Hand einer Kathleen Kennedy möglicherweise mit Skepsis betrachtete. Daher können vermutlich in diesem Fall tatsächlich die berühmten “kreativen Differenzen” als Grund für die Trennung herhalten. Dass dies aber zu einem so fortgeschrittenen Zeitpunkt der Dreharbeiten geschah, ist dann doch mehr als ungewöhnlich.

Wie chaotisch die Zustände am Set letztlich wirklich gewesen sind (Gerüchte werden immer heißer gekocht als sie sind) lässt sich nicht mehr sagen. Doch Lucasfilm wollte nun auf Nummer sicher gehen und einen ausgesprochen erfahrenen Routinier engagieren, um Solo: A Star Wars Story zu retten. Also verpflichtete man niemand Geringeres als Ron Howard (Apollo 13, Illuminati), um den Film zu beenden. Wie schon bei Rogue One wurden mehrwöchige Nachdrehs angeordnet, bei denen angeblich 70% des Films nochmal neugedreht wurden.

Alden Ehrenreich als junger Han Solo in "Solo: A Star Wars Story" © Walt Disney
Alden Ehrenreich als junger Han Solo in “Solo: A Star Wars Story” © Walt Disney

Worum geht’s in Solo: A Star Wars Story überhaupt?

Der Titel verrät es natürlich schon: Im Mittelpunkt des Films steht der Han Solo. In der Originaltrilogie von Harrison Ford (Indiana Jones, Blade Runner) in seiner unnachahmlichen Art verkörpert, schlüpft nun Alden Ehrenreich in die Rolle des beliebten Schmugglers und stellt eine junge Version des Piloten dar, der den Kesselflug in weniger als 12 Parsecs geflogen ist.

Han Solo hält sich als Kleinkrimineller auf seiner von Verbrechersyndikaten beherrschten Heimatwelt Corellia über Wasser. Als seine Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) bei einem gemeinsamen Fluchtversuch gefangen genommen wird, schwört sich Han, Pilot zu werden, um zurückzukommen und sie zu retten. Bei einer Reihe waghalsiger Abenteuer in der düsteren und gefährlichen kriminellen Unterwelt lernt Han Solo seinen späteren Co-Piloten Chewbacca (Joonas Suotamo) kennen und trifft auf den berüchtigten Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover).

Locker flockig durch’s Universum

Solo: A Star Wars Story ist unterhaltsames Popcorn-Kino. Nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger. Der Film mag vielleicht nicht besonders viel Tiefgang vorweisen können. Doch diesen Anspruch hat er auch gar nicht. Solo: A Star Wars Story macht vor allem eines: Spaß!

Wer geglaubt hat, der Film würde durch die Trennung von Phil Lord und Chris Miller an Humor verlieren, wird eines Besseren belehrt. Er kommt mit einer Lockerheit daher, die ihm sehr gut steht und absolut zum Charakter seiner Hauptfigur passt. Han Solo war schließlich schon in der Originaltrilogie auch in den ausweglosesten Situationen nie um einen coolen Spruch verlegen.

Dramaturgisch muss man dafür jedoch einige Abstriche in Kauf nehmen – einige mehr, andere weniger verzeihlich. So bleibt das ein oder andere Logikloch nicht unverborgen. Und manche Plotentscheidung wirkt doch etwas gezwungen und/oder zufällig.

Solo: A Star Wars Story im Gesamtkontext

Star Wars-Fans dürfen sich aber über diverse Easter Eggs und Verknüpfungen freuen. Wir erfahren mehr über die Hintergründe darüber, wie Han Solo an den Millenium-Falken gelangte, dürfen Zeuge des bekannten Kesselfluges werden und bekommen die Geschichte hinter den Würfeln erzählt, die im Cockpit des Falken hängen und zuletzt auch in Die letzten Jedi thematisiert wurden. Derartige Verknüpfungen machen natürlich den Reiz eines Cinematic Universes aus. Und Disney hat dies ja bereits bei Marvel ziemlich perfektioniert – ob man die Filme nun mag oder nicht.
Ein weiteres Easter Egg in Form eines altbekannten Charakters wirft allerdings angesichts des eigentlichen Schicksals dieser Figur einige Fragen auf. Mehr soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Doch scheinen hier die Weichen für eine mögliche Fortsetzung gelegt.

Donald Glover als Lando Calrissian in "Solo: A Star Wars Story" © Walt Disney
Donald Glover als Lando Calrissian in “Solo: A Star Wars Story” © Walt Disney

Gelungenes Casting

Angesichts der Neubesetzung einer prägende Figur der Filmgeschichte muss ich natürlich auch ein paar Worte zum Casting sagen. Es wird sicher den ein oder anderen Hardcore-Fan geben, für den Solo ausnahmslos durch Harrison Ford porträtiert werden darf. Wiederum andere werden vielleicht unzufrieden sein, dass der neue Han zu wenig Ähnlichkeit mit Ford hat. Doch ich finde, Alden Ehrenreich macht seine Sache mehr als gut. Er ist keine 1:1-Kopie, soll das auch gar nicht sein, versprüht aber den selben Charme und Esprit seines berühmten Vorgängers.

Auch die übrige Besetzung ist gelungen. Bei Emilia Clark (Game of Thrones) war ich zunächst skeptisch, ob sie nicht mittlerweile allzu sehr mit Daenarys Targaryen zu identifizieren ist. Doch kann sie diese Sorge recht schnell und überzeugend im Keim ersticken. Woody Harrelson (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Und als wahrer Glücksgriff erweist sich Donald Glover (Community, Atlanta) in der Rolle des Lando Calrissian.

Fazit

Ich war nach der Übernahme durch Disney sehr skeptisch angesichts der Bekanntgabe zahlreicher Ableger neben dem Haupt-Storyarc der Star Wars-Episoden. Der Vorwurf, dass sie das Franchise nun ordentlich melken, ist auch nach wie vor nicht von der Hand zu weisen. Und die ganz große Magie und Vorfreude, die mit Star Wars immer in Verbindung stand, ist in der Tat verflogen. Doch ich muss nach den bisherigen Filmen gestehen, dass mir die beiden Spin-Offs vielleicht sogar besser gefallen als Episode VII und VIII.

Solo: A Star Wars Story ist ein spaßiger Blockbuster geworden. Man mag ihm fehlende Tiefe vorwerfen können, doch verkennt man dabei, bei aller Liebe zum Franchise, dass Star Wars in erster Linie eigentlich schon immer vor allem eines war: Popcorn-Kino par excellence.

Inhaltlich offenbaren sich bei Solo: A Star Wars Story leider ein paar Schwächen – Logiklöcher, dramaturgisch erzwungene Plotentscheidungen. Doch werden diese durch coole Charaktere, eine lockere Inszenierung und nette Verknüpfungen zum Gesamtkanon einigermaßen wettgemacht. Am Ende steht ein kurzweiliges Star Wars-Abenteuer mit alten und neuen Protagonisten, das vor allem eines will und auch kann: Unterhalten. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

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Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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 © Walt Disney

Heiko

Mir gefällt die intellektuelle Selbstbezeichnung als Cineast eigentlich nicht, da in ihr, wie ich finde, immer ein gewisses Maß an Arroganz mitschwingt. Jemand nannte mich mal augenzwinkernd "cinephil", was ich eigentlich ganz nett und passend fand, doch an und für sich kann man auch einfach schlicht sagen, ich schaue gerne Filme. Darüber hinaus teile ich offenkundig anderen Menschen auch gerne meine Meinung über das Gesehene mit - ob sie nun wollen oder nicht. MovicFreakz.de bietet mir dabei die Möglichkeit, insbesondere Personen aus der Gruppe der Freiwilligen zu erreichen, die ebenso gerne Filme schauen wie ich und an meiner Meinung (und der Meinung der anderen Autoren) interessiert sind. Ein bevorzugtes Genre habe ich dabei nicht, obwohl ich natürlich das eine mehr, das andere wiederum etwas weniger präferiere, das ist doch ganz normal. So kann ich mit Komödien und reinen Actionfilmen in der Tat weniger anfangen, auch wenn Ausnahmen in diesen Gattungen die Regel bestätigen. Ich lege großen Wert auf Charaktere und deren glaubwürdige Zeichnung und möchte emotional berührt und zum Nachdenken angeregt werden. Zu meinen Lieblingsfilmen zählen Werke wie "Pans Labyrinth" und "The Prestige" ebenso sehr wie "2001" oder "Der schmale Grat".

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