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Richard Marlowe, gespielt von Rutger Hauer, weist mit ausgestrecktem Arm in Richtung einer alten Kapelle.

Sonata – Symphonie des Teufels

Der Teufel hat den Schnaps gemacht, aber kann er auch Musik? Sonata – Symphonie des Teufels gibt darauf eine ziemliche klare Antwort und orientiert sich dabei an einer klassischen Sonate aus dem 18. Jahrhundert. Ob der Film das interessante Thema gelungen umsetzt oder vergeigt, erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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TitelSonata – Symphonie des Teufels (OT: The Sonata)
Jahr2018
LandFrankreich, Großbritannien, Russland, Lettland
RegieAndrew Desmond
Drehbuch Andrew Desmond, Arthur Morin
GenreHorror
DarstellerFreya Tingley, Simon Abkarian, James Faulkner, Rutger Hauer, Catherine Schaub-Abkarian, Matt Barber
Länge88 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihTiberius Film
Das Cover der Blu-ray von Sonata - Symphonie des Teufels zeigt die auf einer Violine spielende Freya Tingley. Im Hintergrund erscheint der Schemen einer teuflischen Gestalt.
Das Cover der Blu-ray von Sonata – Symphonie des Teufels. © Tiberius Film

Darum geht’s in Sonata – Symphonie des Teufels

Rose Fisher (Freya Tingley) ist eine begnadete junge Violinistin. In Sonata ist sie gerade im Begriff, sich von ihrem altgedienten Manager Charles Vernais (Simon Abkarian) zu trennen. Da erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters. Kein besonders schmerzhafter Verlust, da sie den Mann zuletzt als Kleinkind von 14 Monaten gesehen hatte. Allerdings offenbart sie dem staunenden Charles, dass ihr Vater Richard Marlowe (Rutger Hauer) war, ein berühmter, wenn auch in der Versenkung verschwundener Komponist, der einst als Retter der klassischen Musik gehandelt wurde.

Rose erbt von Marlowe ein Schloss in Frankreich. Als sie es besichtigt, findet sie in einer Schreibtischschublade ein Notenmanuskript: eine Violinsonate. Die Notenblätter sind zusätzlich mit seltsamen Symbolen verziert. Rose berichtet Charles von dem Fund, der darin eine Sensation – das letzte Werk Marlowes – vermutet. Er lässt es von einem Spezialisten begutachten, der mit den Symbolen auch nichts anfangen kann. Zudem scheint das Werk in qualitativ höchst unterschiedliche Teile zu zerfallen.

Rose, gespielt von Freya Tingley, und ihr Manager Charles Vernais, gespielt von Simon Abkarian, stehen sich im Aufnahmestudio gegenüber.
Die Trauer hält sich in Grenzen: Manager Charles Vernais (Simon Abkarian) überbringt Rose (Freya Tingley) die Nachricht vom Tod ihres Vaters. © Tiberius Film

Doch dank der Hilfe von Sir Victor Ferdinand (James Faulkner), eines alten Freundes Marlowes, kommt er dem Geheimnis immer näher. Die Symbole hängen mit einer mittelalterlichen Geheimsekte zusammen, die den Teufel herbeirufen wollten. Ist die Sonate am Ende ein Werk des Satans?

Von Helter Skelter bis Opera

Dass Musik magische Kräfte haben kann, wird kein echter Musikliebhaber bezweifeln. Auch wenn dabei die Zauberkraft anders als in Sonata – Symphonie des Teufels eher allegorisch gemeint ist. Dass man das auch anders sehen kann, bewies nicht zuletzt der Massenmörder Charles Manson, der sich von dem Beatles-Song Helter Skelter zu seinen Taten animiert fühlte. Auch im Horrorfilm ist die Thematik, wenn auch eher selten vertreten, doch nicht ganz neu. Das Phantom der Oper geistert in etlichen Varianten schon seit der Stummfilmzeit übers Zelluloid. Und dies auch im moderneren Gewand, sei es in der Rockversion von Brian de Palmas Das Phantom im Paradies, als Musical samt Verfilmung oder auch in der ziemlich unterschätzten Version Dario Argentos.

Rose, gespielt von Freya Tingley, steht in der Bibliothek ihres Vaters und liest in einem Buch.
Düstere Geheimnisse: Die Tochter will in den Büchern ihres Vaters den Symbolen auf die Spur kommen. © Tiberius Film

Musik und Horror treffen auch im Klassiker Orlac’s Hände von 1924 beziehungsweise dem 1960er Remake Die unheimlichen Hände des Dr. Orlak mit Christopher Lee stimmungsvoll aufeinander. Und da wir Argento ja schon erwähnt haben, sollte auch sein Terror in der Oper (Opera) nicht vergessen werden.

Tartinis Teufelstriller-Sonate als Vorbild

Thematisch, aber auch musikalisch bedient sich Sonata – Symphonie des Teufels dabei einer realen Legende der Musikgeschichte. Der Film von Andrew Desmond beginnt stimmungsvoll mit einer leicht kratzenden Vinyl-Einspielung der Teufelstriller-Sonate des italienischen Barockkomponisten Guiseppe Tartini, die dieser im Jahr 1730 komponierte. Ein durchaus beachtliches Werk, das auch einige Ansprüche an den Solisten stellt. Bemerkenswerter ist es aber durch seine Entstehungsgeschichte. Tartini behauptete, dass ihm der Teufel höchstselbst das Stück im Traum vorgegeigt hätte.

Begleitet von Tartinis Weise sehen wir aus subjektiver Perspektive mit starker Weitwinkelobjekt einen Mann – wie sich später herausstellt eben Richard Marlowe -, sich von einem aufgeschlagenen Notenblatt erhebend. Nur ganz kurz blitzt in einem Spiegelbild das Antlitz Rutger Hauers auf. In der Folge sehen wir, wie seine Hände einen Benzinkanister ergreifen. Die Flüssigkeit ergießt sich über die Kamera, ein Feuer flammt auf. In der Ferne hört man Donnergrollen. Das ist zum Einstieg als Exposition recht hübsch gemacht.

Rose, gespielt von Freya Tingley, spielt in Sonata - Symphonie des Teufels auf ihrer Violine.
Teufelsgeigerin: Rose spielt auf. © Tiberius Film

Es folgt der Schnitt auf eine Violine. Wir begegnen Rose, die Aufnahmen in einem Tonstudio macht. Visuell ist der Wechsel von Detail- und Nahaufnahmen reizvoll. Dann entfernt sich die Kamera zu einer Halbtotalen, ein schwarzer Rahmen legt sich um die Frau, der bald als Fenster zu erkennen ist. Wir befinden uns nun im Regieraum. Charles bringt Rose die Todesnachricht. Ihr unterkühlter Kommentar: „Dafür ist jetzt nicht die Zeit. Machen wir weiter.“ Man wird nicht wirklich warm mit dieser kaltschnäuzigen Figur.

In Sonata spielt die Musik

Muss man ja auch nicht. Dafür entschädigen eine ganze Reihe wirklich stimmungsvoller Momente, oftmals untermalt von dem sehr gelungenen Score von Alexis Maingaud. Meist passend an das Thema der klassischen Komposition angelehnt, unterstützt die Musik die Handlungselemente hervorragend – und man würde sich gern mehr davon wünschen. Die Drehorte im kostengünstigen Litauen sind gut gewählt. Und gegenüber Marlowes Schloss, in Wirklichkeit Schloss Seßwegen in Cesvaine im lettischen Distrikt Madona, sieht Downton Abbey aus wie eine bessere Jugendherberge. Das wusste wohl auch der Kameramann, als er Rose und eine Haushälterin vor dieser malerischen Kulisse in extremster Froschperspektive fotografierte, um so möglichst viel des Prachtbaus ins Bild zu bekommen – inklusive eines Storchennestes. Letzteres ist zwar entgegen Tschechows Direktive nicht handlungsrelevant, freut aber den Tierfreund.

Die Tochter steht vor dem Schloss ihres Vaters.
Imposante Kulisse: Rose vor dem Schloss ihres Vaters – mit Storchennest. © Tiberius Film

Das größte Problem von Sonata aber sind die Dialoge. Nicht so sehr inhaltlich. Doch Desmond inszeniert sie seltsam steif und unelegant im Schnitt-Gegenschnitt-Modus mit eher starrer Kamera. Das passt so gar nicht zu den teils atmosphärischen Bildern der anderen Szenen. Hinzu kommt die unangenehm schleppende Synchronisation, die gelegentlich nicht mal komplett lippensynchron ist. Dazu passt wiederum, dass der deutsche Zusatztitel aus einer Sonate eine Symphonie macht. Das ist schon nicht mehr nur asynchron, sondern gar dissonant.

Hauers Screentime gleicht einem Cameo

Auch die schauspielerischen Leistungen sind nicht gerade der Rede wert. Rutger Hauer hat so wenig Screentime, dass man wohl eher von einem Cameo-Auftritt sprechen sollte. Mehr als einen Drehtag dürfte ihn das kaum gekostet haben. James Faulkner lässt noch am ehesten etwas Ausstrahlung aufblitzen, während Simon Abkarian zwar ganz solide, aber auch nicht aufregend spielt. Freya Tingley ist in Sonata mit etwa zweieinhalb unterschiedlichen Gesichtsausdrücken ziemlich enttäuschend.

Charles Vernais, gespielt von Simon Abkarian, hört in Sonata - Symphonie des Teufels der Sonate zu, während sich ihm von hinten eine teuflische Gestalt nähert.
Finale Furioso: Charles gerät in Ekstase, als Rose die Sonate spielt – und ahnt nicht, was sich da nähert. © Tiberius Film

So kommt Desmonds Erstlingswerk zwar oftmals stimmungsvoll daher, verliert aber durch ein Vielzahl zerdehnter Dialoge deutlich an Tempo – und damit auch an Spannung. Das können auch einige wenige genretypische Jump-Scares nicht aufwiegen. Der finale Höhepunkt indes ist visuell und musikalisch ein Augen- und Ohrenschmaus. Die Kamera entfesselt sich zu einem dem Violinensolo angepassten Furioso. Ein bisschen CGI kommt auch ins Spiel. Das macht Freude – und bringt Sonata noch einen halben Toast mehr in der Bewertung ein.

Mein Fazit zur Sonata – Symphonie des Teufels

Auch wenn der Satan Musik macht, ist man mit Sonata noch lange nicht auf dem Highway to Hell. Über weite Strecken bietet der Film von Andrew Desmond atmosphärische Stimmung, erfreut das Auge mit interessanten Einstellungen und Liebe zum Detail. Auf der anderen Seite langweilt er zuweilen mit zerdehnten und merkwürdig stockend inszenierten Dialogen. So richtig fesseln kann der Streifen nicht, bietet aber auch erfreuliche Ansätze. Die haben offenbar für einige Preise ausgereicht. Aber nur für eine begrenzte Toastzahl.

Sonata – Symphonie des Teufels ist ab dem 24. 12. 2020 digital und ab dem 7. 1. 2021 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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© Tiberius Film

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