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Peter Strauss und Molly Ringwald knien in Lauerstellung zwischen Bergen von Müll, wobei Strauss ihr an die Schulter fasst und ihr so signalisiert, still zu verharren - Spacehunter - Jäger im All.

Spacehunter – Jäger im All

Mit Spacehunter – Jäger im All wollte Columbia Pictures gleich dreifach beim Publikum punkten und es mit Weltraumoper, Endzeit-Ödland und angesagten 3D-Effekten ins Kino locken. Ob das heute noch den sprichwörtlichen Hund hinterm Ofen hervorlockt, erfahrt ihr in unserer Review!

Spacehunter Adventures in the Forbidden Zone 1983 Trailer

TitelSpacehunter – Jäger im All (OT: Spacehunter – Adventures in the Forbidden Zone)
Jahr1983
LandUSA
RegieLamont Johnson
DrehbuchDavid Preston, Edith Rey, Daniel Goldberg, Len Blum
GenreSci-Fi, Abenteuer
DarstellerPeter Strauss, Molly Ringwald, Ernie Hudson, Michael Ironside, Andrea Marcovicci, Hrant Alianak
Länge90 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Auf dem Cover zu Spacehunter - Jäger im All sieht man Peter Strauss in einer an Han Solo angelehnten Pose mit gezogener Waffe, während im rot-orangenen Hintergrund einige kleine Raumschiffe am Horizont des wüstenähnlichen Planeten aufsteigen.
Das Cover zu Spacehunter – Jäger im All © Koch Films

Die Handlung von Spacehunter – Jäger im All

Ein Raumschiff mit drei schönen Frauen an Bord muss nach einem Defekt auf einem unwirtlichen, von einer Seuche heimgesuchten Planeten notlanden. Der Glücksritter Wolff (Peter Strauss) macht sich auf, sie zu retten und die ausgeschriebene Belohnung zu kassieren. Dort angekommen, muss er mit ansehen, wie die Frauen von Plünderern entführt werden. Um sie den Klauen des sadistischen Despoten Overdog (Michael Ironside) zu entreißen, sichert er sich die Dienste der vorlauten Nikki (Molly Ringwald) als Führerin. Zu ihnen gesellt sich auch noch Washington (Ernie Hudson), ein alter Kamerad von Wolff aus der Armee. Gemeinsam wagen sie sich in die Höhle des Löwen, wo Overdog in einer Arena tödliche Wettkämpfe veranstaltet…

Das 3D-Revival der 80er

Anfang der 80er-Jahre waren nicht nur die damals noch frischen Franchises von Star Wars und Mad Max schwer angesagt. Auch der B-Western Comin‘ at Ya! von Ferdinando Baldi konnte 1981 als 3D-Film einen überraschenden Erfolg in den US-Kinos verbuchen. Das zog ein Revival dieser seit den 50ern in Vergessenheit geratenen Technik nach sich, die großen Studios wollten von der neuen Popularität der dritten Dimension profitieren. Vor allem Universal, mit Der weiße Hai 3D (1983), und Paramount, mit Und wieder ist Freitag der 13. (1983), konnten die Kassen so klingeln lassen, bevor die Welle zur Mitte des Jahrzehnts auch schnell wieder abklang.

Columbia Pictures plante einen ähnlichen Coup und packte gleich alles in Spacehunter – Jäger im All, was erfolgsversprechend genug schien – Weltraumoper, Endzeitabenteuer und eben 3D-Effekte. In einer Zukunft, in denen Menschen hochtechnisiert durch das Weltall reisen, kommt also der Held Wolff als eigenwillige Kreuzung von Han Solo und Max Rockatansky auf einen Planeten, auf dem die Menschen am Rand der Barbarei um ihr Überleben kämpfen, um die holde Drei-Weiblichkeit zu retten. Was konnte da schon schief gehen? – Einfach viel zu viel.

Drei Frauen in spiegelnd metallenen Anzügen steigen aus dem gestrandeten, ebenso spiegelnd metallenen, Gefährt - Spacehunter - Jäger im All.
Blendende Schönheit, gestrandet auf einem dreckigen Planeten © Koch Films

Das sind ja drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht

Tatsächlich ging diese Mischung an der Kinokasse letztlich nicht auf, was augenscheinlich mehrere Gründe hat. Zum einen eignet sich Wolff nicht so wirklich als Identifikationsfigur. Er ist mürrisch, eigenbrötlerisch und im Allgemeinen nicht wirklich nacheiferungswürdig oder gar liebenswert. Auch die Wandlung, die er aufgrund des Umgangs mit Niki, die wohl etwas wie ein Kindesersatz für ihn darstellen sollen, wirkt schlussendlich eher mit der Brechstange herbeigeführt. Das Skript belässt es bei einigen Andeutungen, die in der Ödnis des Planeten versanden. Auch Nikis Zeichnung als Coming-of-Age-Charakter gelingt allenfalls halbherzig. Sie benimmt sich zumeist wie ein störrisches Kind, und dass sie zu einer jungen Frau heranreift, wird eigentlich immer nur von anderen behauptet, aber nie untermauert. Das wird durch ihre deutsche Synchronisation noch einmal eindrucksvoll unterstrichen, denn die gebiert sich derart nervig, dass man sich nur noch in Grausen abwenden möchte.

Das Kernstück des Films – die Interaktion der Hauptfiguren als gegensätzliche Typen, die sich zusammenraufen müssen – funktioniert also schon nicht richtig. Also scheint Spacehunter – Jäger im All vor allem auf seine Schauwerte angewiesen. Die endzeitlich anmutende Welt des unwirtlichen Planeten macht einiges her, gerade die Sets mit der heruntergekommenen Architektur und den improvisiert wirkenden Fahrzeugen sehen manierlich aus. Doch das stampft den Sense of Wonder, den man sich bei einem Besuch auf einen fremden Planeten erhofft, gleich wieder ein. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum der Film in den Weiten des Alls, von denen man eh kaum was mitbekommt, spielt. Es hätte genauso gut die Erde einer unbestimmten Zukunft getan.

Ob die 3D-Effekte das Ganze nun aufgewertet hätten, kann nur gemutmaßt werden. Da Koch Films kein vernünftiges 3D-Master lizenziert hat, liegt nur eine anaglyphe SD-Fassung im Bonusmaterial bei, die mittels einer Rot-Grün-Brille bestaunt werden darf. Der Effekt fällt aufgrund der schlechten Bildqualität äußerst dürftig aus.

Ein schiffsähnliches Wüstengefährt mit gehisster Flagge und einer martialisch anmutenden Besatzung - Spacehunter - Jäger im All.
Wüstenschiff mit Piraten © Koch Films

Ein chaotischer Schnellschuss

Die meisten der Probleme von Spacehunter – Jäger im All sind hausgemacht. Columbia Pictures feuerte nach Drehbeginn einen Teil des Teams, allen voran den eigentlich vorgesehenen Regisseur John LaFleur. Es übernahm Lamont Johnson, der während der laufenden Aufnahmen begann, das Skript ändern zu lassen. Das führte dazu, dass viele Rollen abgeändert wurden, die Darsteller sie nicht richtig verinnerlichen konnten. Denn der straffe Drehplan ließ keine Zeit für erneute Proben zu. Peter Strauss hatte anscheinend Schwierigkeiten, unter solchen Umständen zu arbeiten, während Molly Ringwald es dem Vernehmen nach begrüßte, ihre Dialoge selbstständig ändern zu können. So ist es kaum verwunderlich, warum sie als Gespann im fertigen Film nur in den wenigsten Momenten mal harmonieren.

Ernie Hudson hatte hier seinen ersten großen Auftritt in einem Kinofilm, er solllte ein Jahr später mit Ghostbusters – Die Geisterjäger Einzug in die Popkultur halten. Leider bleibt auch sein Charakter blass und ergeht sich in sinnlosen Diskussionen mit Wolff, wobei Washington von einem Moment zum anderen auch mal eine verwunderliche 180-Grad-Meinungsänderung vollzieht. Der später für seinen besonders grimmigen Blick bekannte Michael Ironside (Highlander II, Starship Troopers) ist hinter seiner Maske als Despot Overdog indes kaum zu erkennen. Wo man auch hinschaut, die gut budgetierte Produktion konnte ihr Potenzial nicht einmal ansatzweise ausschöpfen. Wenngleich nur am Rande zu sehen, machen einige der Einfälle des Skripts, wie etwa die Arenakämpfe Overdogs, durchaus Spaß.

Peter Strauss und Molly Ringwald fliehen aus den Katakomben der Arena, während um sie herum Funken sprühen und die Anlage sich in Auflösung befindet - Spacehunter - Jäger im All.
Die Flucht zwischen dem finalen Krachbumm in der Höhle des Löwen © Koch Films

Unser Fazit zu Spacehunter – Jäger im All

Mangelnde Ambitionen und Schwierigkeiten beim Dreh – für einen kommerziellen Schnellschuss wie diesen endet so etwas zumeist fatal. Doch Spacehunter – Jäger im All ist unterm Strich dann doch unterhaltsamer, als er eigentlich sein dürfte. In seiner einzigen Intention, nämlich gleich drei Trends unter einen Hut zu bringen, versagt er kläglich. Dennoch kommt man als Fan solcher Filme nicht umhin, dieses Scheitern als halbwegs sympathischen Versuch zumindest wohlwollend zu beäugen. Leider hat Koch Films die Chance vertan, der potenziellen Kundschaft in dieser digitalen deutschen Erstveröffentlichung – den Film gab es hierzulande bisher nur auf VHS – das bestmögliche Erlebnis, nämlich im intendierten 3D, zu bieten. Das hätte dieses Trainwreck nicht besser, aber wahrscheinlich ein wenig unterhaltsamer dastehen lassen.

Das Blu-ray Steelbook zu Spacehunter – Jäger im All ist seit dem 18. Dezember exklusiv im Online-Shop von Koch Films erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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