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Richter Coleman zielt in Tag der Vergeltung mit angelegter Pistole auf einen der Mörder.

Tag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot

Der Thriller Tag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot behandelt die brennenden Themen Polizeigewalt und Rassismus in den USA. Kann der Film von Wes Miller mit den großen Rassismusdramen der vergangenen Jahre mithalten? Das erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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TitelTag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot (OT: River Runs Red)
Jahr2018
LandUSA
RegieWes Miller
DrehbuchWes Miller
GenreThriller, Drama
DarstellerTaye Diggs, John Cusack, George Lopez, Luke Hemsworth, Gianni Capaldi, Jennifer Tao
Länge94 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihTiberius Film
Das Cover von Tag der Vergeltung - Ein Vater sieht rot zeigt die Hauptdarsteller Taye Diggs, John Cusack, George Lopez und darunter die beiden Cops.
Das Cover von Tag der Vergeltung © Tiberius Film

Darum geht es in Tag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot

Charles Coleman (Taye Diggs) ist der erste und einzige schwarze Richter in der nicht näher bezeichneten Stadt. Sein Sohn wird bei einer Routinekontrolle im Auto von zwei weißen Polizisten (Gianni Cappaldi und Luke Hemsworth) erschossen. Die Cops schieben ihrem Opfer eine Pistole unter, um sauber aus der Sache heraus zu kommen. Colemans Frau (Jennifer Tao) ist ebenfalls Polizistin. Sie verzweifelt am System und quittiert den Job. Beide fordern Gerechtigkeit. Doch stattdessen wird ihr Sohn in den Medien als Krimineller gebrandmarkt.

Der befreundete Detective Horace (John Cusack) spielt Coleman Material zu, mit dem er die schießwütigen Cops belasten könnte. Doch der hat mittlerweile auch das Vertrauen in das System verloren und nimmt die Sache in die eigene Hand. Unterstützung findet er in Javier (George Lopez), einem Leidensgenossen. Denn der Mechaniker hatte ebenfalls einen Sohn durch Polizeigewalt verloren.

Der Titel als Rosstäuscher

Der deutschen Verleihtitel von Tag der Vergeltung taucht in der Filmgeschichte gleich mehrfach auf, mal als Western, mal als Actionthriller. Noch dazu in Verbindung mit dem Untertitel „Ein Vater sieht rot“ denkt der Filmfan schnell mal an rasante Old-School-Action im Stil eines Charles Bronson. Und auch der Originaltitel River Runs Red täuscht eher bluttriefendes Drama vor. Doch was sich dahinter verbirgt, ist langweilige Kamelle.

Luke Hemsworth als Cop steht in Tag der Vergeltung - Ein Vater sieht rot mit gezückter Waffe vor einem Auto.
Mit gezückter Waffe kontrolliert Cop Von (Luke Hemsworth) den Sohn von Richter Coleman. © Tiberius Film

Dabei greift Tag der Vergeltung ein durchaus brisantes Thema auf. Die Polizeigewalt in den USA wird immer wieder heftig diskutiert. Und über die von Polizeikugeln getöteten, meist schwarzen Jugendlichen können auch so herzallerliebste Polizeiserien wie The Rookie nicht hinwegtäuschen. Insofern ist es gut, wenn Hollywood sich diesem Problem stellt. Dafür gibt es auch jede Menge gelungene Beispiele wie etwa Kathryn Bigelows Detroit oder vor allem The Hate U Give von George Tillman Jr. Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Den multikulturellen Zeigefinger erhebt der Streifen von Wes Miller schon durch die Besetzung. Das chinesich-schwarzamerikanische Ehepaar Coleman, ergänzt durch den mit einer offenbar WASP-amerikanischen Gattin betrauten Latino Javier, gaukelt eine durchmischte Normalität jenseits rassistischer Vorurteile vor. Vorurteile, die aber nun mal in weiten Teilen der USA trauriger Alltag sind. Tag der Vergeltung zeichnet somit einen kulturell-utopischen Gegenentwurf zur brutalen und tödlichen Realitität der Straße, der übrigens auch ein farbiger Bürgermeister nichts entgegensetzen kann – oder will. Alles in allem: gewaltig dick aufgetragen.

Penetrante Musik verkleistert das ernste Thema

Der Film verliert seine Spannung in einer allzu beliebigen Erzählweise auf TV-Niveau. Die Handlung plätschert dahin, bis sie sich im letzten Akt dann doch noch zu etwas Action aufraffen kann. Tag der Vergeltung lässt einen gelungenen Rhythmus vermissen, jeder dramatische Ansatz verpufft. Schon fast krampfhaft versucht Miller emotionale Tiefe durch ein Übermaß an bedeutungsschwangeren Zeitlupen zu erzeugen, zu allem Überdruss vollgepfropft mit Kuschel-Balladen aus der Pop-Retorte. Die sentimentale und fast permanent aufdringlich vorhandene Hintergrundmusik verkleistert das wichtige gesellschaftspolitische Thema zu einem belanglosen Soap-Opera-Einheitsbrei.

Taye Diggs als Richter Coleman sitzt neben John Cusack als Detective Horace auf einer Bank.
Richter Coleman (Taye Diggs) lässt sich von Detective Horace (John Cusack) Informationen geben. © Tiberius Film

Die Kameraarbeit lässt auch mehr als zu wünschen übrig. Vielleicht von einigen wenigen netten Panaoramaeinstellungen mal abgesehen. Die Steadycam macht den Eindruck, als hätte der Operator an den Vorabenden zu viel getrunken. Als artifiziell pseudodokumentatorisches Statement kann seine Wackelei nun wirklich nicht durchgehen. Wäre dies als Effekt beabsichtigt gewesen, hätte es konsequenter eingesetzt werden müssen. Ein Tag der Vergeltung nur mit dem Handy gefilmt, hätte vielleicht als realistisches Experiment Einblicke in die gesellschaftlichen Konflikte ermöglichen können. Doch dafür kommt die Inszenierung dann doch zu bieder daher. Schnitte und Kamerabewegungen bei Dialogszenen haben zudem fast schon Amateurniveau.

Am Tag der Vergeltung geht die Plausibilität über Bord

Die Schauspieler bemühen sich eigentlich redlich, sind jedoch gegen dumpfe Dialogzeilen des Drehbuchs machtlos. Auch John Cusack, dem ohnehin nur wenig Screentime vergönnt ist, kann da nichts rausreißen. Schön, dass er dabei ist, gibt es wenigstens einen Hingucker. Auch der unbekanntere der drei Hemsworthbrüder, Luke (Westworld), spielt gut auf. Doch sowohl Inszenierung als auch Script lassen den Tag der Vergeltung im Oberflächlichen versanden. Auch die handlungsrelevanten Charakterentwicklungen werden nicht plausibel nachvollziehbar.

George Lopez als Javier sitzt in seiner Werkstatt.
Auch Javier (George Lopez) hat einen Sohn durch Polizeigewalt verloren. © Tiberius Film

Dennoch: Es gibt auch ein paar spannende Momente, und sogar ein paar Zeilen, die zum Nachdenken anregen könnten. Was ja nichts Schlechtes ist. Wenn Coleman zu seiner Frau sagt: „Ich muss es besser machen, die müssen mich wahrnehmen“, darf man gerne mal über die Unsichtbarkeit der Depravierten in der Gesellschaft sinnieren. Und noch einmal gegen Ende, als Coleman den Glauben ans System verloren hat, und damit man es nicht vergisst: „Wir konfrontieren sie, wir zwingen sie dazu, uns anzuschauen.“ Das ist wohl gesagt!

Mein Fazit zu Tag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot

Ob dies ausreicht, sich eineinhalb Stunden lang mit dem Tag der Vergeltung zu beschäftigen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Film ist ein dialoglastiges Drama ohne jede inszenatorische Finesse und lediglich simpler TV-Durchschnitt. Insofern ergibt es Sinn, dass dieser rotsehende Vater-Richter auf seiner Suche nach Gerechtigkeit bei uns erst gar nicht ins Kino kam – und auch in den USA nur in ein paar ausgewählten Häusern testweise zu sehen war.

Tag der Vergeltung – Ein Vater sieht rot erscheint am 7. 5. 2020 auf DVD und Blu-ray, digital gibt es den Film bereits ab dem 23.4.

Unsere Wertung:

 

 

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© Tiberius Film

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