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Sharlto Copley schaut in seinen Spiegel, um das eigene Gesicht mit dem Konterfei auf dem Fahndungsplakat zu vergleichen - Ted K

Ted K

In Ted K setzt sich Regisseur Tony Stone mit den letzten Monaten im Wirken des Unabombers Ted Kaczynski, dargestellt von Sharlto Copley, auseinander. Ob dieses Psychogramm überzeugend ausfällt, erfahrt ihr im Folgenden!

Ted K new clip official from Berlin Film Festival 2021

TitelTed K
Jahr2021
LandUSA
RegieTony Stone
DrehbuchTony Stone, Gaddy Davis
GenreDrama, Biografie
DarstellerSharlto Copley
Länge120 Minunten
FSK--
Verleih--
Sharlto Copley schaut in seinen Spiegel, um das eigene Gesicht mit dem Konterfei auf dem Fahndungsplakat zu vergleichen - Ted K
Soll das etwa ich sein? © Ted K

Ted K – Handlung

Ted Kaczynski lebt seit 1971 abgeschieden in der Wildnis Montanas, nahe des kleinen Ortes Lincoln. Er nennt eine Hütte und etwas Land sein Eigen, verdient sich sein Auskommen als Waldarbeiter. In seiner Freizeit fällt er Telefonmasten und verwüstet Ferienhäuser reicher Großstädter. Kaczynski ist ein Eigenbrötler, und keiner weiß, dass er seit 1978 als sogenannter Unabomber per Briefbomben Anschläge auf Universitäten und Flugzeuglinien verübt. Niemand hat ihn auf dem Radar, doch Mitte der 90er drängt es ihn dazu, sein selbst verfasstes Manifest in die Medien zu bringen…

Psychogramm eines Extremisten

Der Terrorist Ted Kaczynski verübte zwischen 1978-95 insgesamt 16 Anschläge auf ausgesuchte Menschen, zumeist Gelehrte in der Informatik. Er war fest davon überzeugt, dass die Industrielle Revolution der größte Fehler der Menschheitsgeschichte gewesen war. Die zunehmende Abhängigkeit des Menschen von moderner Technologie, die Zerstörung seiner Umwelt und die Besessenheit vom Trivialen waren für ihn Symptome einer Abwärtsspirale in der Entwicklung der Menschheit.

Tony Stones Film versucht nicht zu ergründen, wie der hochintelligente Ted K, Professor der Mathematik, zu einem Extremisten wurde, sondern entwirft anhand seiner Lebensumstände und seines Manifests ein Psychogramm, lässt den Zuschauer in zermürbenden zwei Stunden an dessen Leben und Gedankenwelt teilhaben. Stone wirft dabei den Zuschauer mitten ins Geschehen, in die Ödnis Montanas, und er weicht fortan dem Unabomber nicht mehr von der Seite. Wir folgen nun Sharlto Copley bei einer schauspielerischen Tour de Force, die vor allem eins ist – sehr, sehr zäh.

Wir beobachten Ted K in seinem Alltag, der immer wieder aus dem Off mit Auszügen aus seinem Manifest begleitet wird. Es sind oftmals profane Dinge, deren Zeugen wir werden – Ted hackt Holz, wäscht sich oder isst sein Essen aufgewärmt aus der Dose. Dazwischen streitet er sich mit seiner Mutter oder seinem Bruder am Telefon, weil er wieder einmal Geld von ihnen haben will. Oder er ist in unbeholfener sozialer Interaktion bei der Arbeit oder beim Einkauf zu sehen. Nur unmerklich bäumt sich die Dramaturgie im Hintergrund auf, in der Art, wie er flucht, wie er schreibt, oder auch in den Telefonaten mit seiner Familie.

Das Profil des Terroristen ist im Schummerlicht zu sehen - Ted K
Das fast schon ikonische Profil des Unabombers © Ted K

Manipulation durch Monotonie

Die Taten des Unabombers enthält uns Tony Stone lange vor. Aber wir als Zuschauer wissen ja, was er getan hat, zumindest sollten wir das. Stattdessen sucht die Kamera immer wieder die ungefilterte Nähe zu einem Mann, der mehr obsessiv denn verwirrt scheint, und aufgrund seiner nachvollziehbaren, wenn auch übersteigerten Besorgnis so gar nicht monströs wirken will. Dennoch vermögen uns die Bilder und das Spiel Copleys nicht wirklich viel zu erzählen, der immer gleiche Alltag hat schnell seine Grenzen erreicht. Das ist wohl der Grund dafür, dass die Musikspur immer wieder prägnant in den Vordergrund rückt. Es sind vor allem drückende elektronische Klangteppiche, die von einer diffusen Bedrohung künden. Aber dann ertönen auch wieder bekannte Liedstücke, die den Zuschauer manipulieren sollen, eine bestimmte Sichtweise auf die Person Ted Ks einzunehmen.

Auch wenn die Erzählung es vermeidet, Ursachen zu benennen, wird der Zuschauer immer wieder auf verschiedene Dinge hingewiesen: die fehlende Anerkennung in seiner Familie, erfolgloses Sexualverhalten und natürlich seine messianische Ereiferung. Das ist dann doch sehr dünn, das ist das, was an Ankerpunkten angeboten wird. Und dadurch erscheinen auch die zwei Stunden Laufzeit sehr lang. Die Monotonie ist gewollt und der Wechsel zwischen der omnipräsenten Musikspur und den Auszügen aus Kaczynskis Ergüssen soll die Stimmungen steuern. Es bewirkt vor allem, dass die Person Ted Kaczynski eher uninteressant scheint, und vielleicht ist das sogar gewollt. Aber dann ist auch die weitergehende Intention hinter dieser Vorgehensweise zu hinterfragen, warum will man diesen Mann und seine Gewaltakte herabsetzen? Das ist etwas, worauf ich hier und jetzt keine Antwort habe. Es ist ein weiterer Aspekt des Films, der ihn letztlich zu einer unangenehmen Seherfahrung macht.

Unser Fazit zu Ted K

Die Frage nach „gut“ oder „schlecht“ ist bei einem Film wie Ted K, wenn überhaupt, nur schwer zu beantworten. Es wird nie richtig klar, worauf Tony Stone hinaus will. Es wird hier, meiner Meinung nach, auch kein richtiger Mehrwert zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Unabomber über erhältliche Schriften und Analysen hinaus geboten. Ted K ist körperliches Kino, das einen etwas konfus und mit einem beklommenen Gefühl von Leere zurücklässt. Die Leistung von Sharlto Copley ist großartig, die Photografie hingebungsvoll und der Score teils bombastisch. Egal, wie man den Film letztendlich findet, er ist auf jeden Fall ein denkwürdiges Erlebnis.

Ted K läuft auf der Berlinale 2021 im Wettbewerb um den Goldenen Bären!

Unsere Wertung:

 

 

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© Ted K

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